Kummer 193
MMwoM, den 19. August 1914
7. Juhrgank'
Di- „lieue Siagr»,»it»ng ' er'cheint I-den SLerltag. Regclmätzige Beilagen „Der Kauer au» tzessen", „yie Spinnftube". üciugoprri»: Bei den Poslanstaiicn vier cim'litti, 'Ni I >,g
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Der Krieg.
Cin Lieg über die Ruffcri; 3909 Gefangene. — Vordringen der Deutschen. — Gin deutsches
Unterseeboot vermißt.
Gin Lieg gegen die Russen.
lieber 3000 Gefangene.
Brrlin, 18. Aug. (Amtlich.) Das Gencralkomin-ndo dcs 1. Armeekorps meldet, datz am 17. August bei Stalln- pöncn ein Gefecht stattfand, bei dem Truppenteile des 1. Armeekorps mit unvergleichlicher Tapferkeit kämpften, so datz der Sieg erfochten wurde. Mehr als dreitausend Ge. fangene und sechs Maschinengewehre, sielen in unsere Hände; viele weitere russische Maschinengewehre, die nicht miigc- führt werden konnten, wurden unbrauchbar gemacht.
Verlust eines Unterseebootes.
Berlin, 18. Ang. Amtlich wird bekannt gegeben, Bon einer Fahrt mehrerer Unterseeboote nach der englische» Linste ist das Boot U 15 bisher nicht zurückgekehrt. Englischen Zeitungsnachrichten zufolge soll U 15 im Kampf mit englischen Strcitkrästcn vernichtet worden sein. Ob und welche Verluste diese hierbei erlitten haben, ist nicht zu ersehen.
Nach englischen Berichten soll 11 15 von dem englischen Kreuzer „Birmingham" vernichtet worden sein. So bedauerlich der Verlust des Unterseebootes mit seiner etlva 20 bis 30 Mann starken, tapferen Besatzung auch ist, so must auch niit Verlusten im Krieg gerechnet werden. Auf der anderen Seite wird dadurch wieder der Wagemut uns'rer Marine bewiesen. Während sich die mächtige Flotte Englands bisher noch nicht aus ihren sicheren Häfen hcrvaezc- wagt bat, belästigen deutsche Schiffe ohne Aufhören die Küste Englands. Was de» Verlust des Bootes anbetrisst, so erfährt man, datz eine graste Anzahl neuer Torpedoboote und Unterseeboote auf den schnell bauenden deutschen Werften in Auftrag gegeben worden sind. In den letzten Ta ,en sind auch schon drei neue fertig gestellte Unterseeboote zu den bereits beim Ausbruch des Krieges vorhandenen hinzu- gctreten und wertere werden folgen
Vorrttcken derDeutschen imOsten.
Brrlin, 18. Aug. (W. B.) Mlawa ist von den scut- schc„ Truppe» besetzt worden. (Mlawa liegt 30 Kilometer südöstlich von Solda» an der ostprcnstischen Grenze, l20 Km. östlich der Weichsel. D. Red.)
Der Vormarsch in Belgien.
Kristiania, 17. Aug. Aus London wird gemeldet, dost tas deutsche Vorrückcn bis Tinant im südlichen Belgien die sranzösischc Heeresleitung vollkommen überrumpelt habe.
Wenn sich diese über England kommende Nachricht bestätigen würde, so wären die Deutschen schon bis hart an 'ie französische Grenze vorgerückt. Tinant liegt in der Lust- linie etwa 70 Km. südwestlich von Lüttich und kaum 10 Km. brr französischen Grenze.
9it bdtiililjc Ilrgifrung uninfit ßriiilfl.
Amsterdam, 18. Aug. Der belgische König und seine Familie sind nach dem Schlost Antwerpen übcrgesiedclt. Die Ucbcrsicdclung der Regierung von Brüssel nach Antwerpen hat begonnen. In der Umgebung von Brussel wild durch die Bürgcrwchr der Stadt die Verteidigung volleres, tet.
Die Kämpfe im Elsas;.
Warnung vor Tollkühnheit.
Berlin, 18. Aug. (W. B.) Das Gefecht bei Mülhausen war ein Gelcgenhcilsgcsccht. Anderthalb scindliclze Armeekorps waren in das Lberclsatz eingedrungen, während unsere dort befindlichen Truppen noch in der Sammlung bc- griffe» waren. Sie griffen trotzdem de» Feind ohne Zaudern an und ioarsen ihn a»s Bclsvri zurück. Danach selg- ten sie ihrer Anfniarschbestimmnug.
Währenddessen hat eine Neinc Fcstnngsabteilung aus Tlrasburg am 14. ds. eine Schlappe erlitte». Zwei Fest- »ngsbataillone mit Ggschiitzen und Maschinengewehre» a»S Fcstnngsbcständen waren an diesen. Tage im "logesenpast von Schirmcck vorgegange». Sic wurden durch feindliches Artilleriefeuer vonr Donon her übersallen. In der engen Paststraste sind die Geschütze und Maschinengewehre zer- schossen »nd unbrauchbar gemacht liegen geblieben. Jedenfalls sind sie vom Feinde erobert worden, der später auf Schirnicck vorging. — Ein unbedeutendes Kriegscre, guis, das keinerlei Eins last auf die Operationen bat. aber den
Truppen gegen Tollkühnheit und Unvorsichtigkeit ein war- nendcs Beispiel sein soll. Die wieder gesammelten Fcst- ungstruppen haben den Fcstungsbcrcich unverfolgt erreicht. Sie haben zwar ihre Geschütze, aber nicht den Mut verloren. Ob bei diesen Vorgängen Verrat der Landcsbewohner nät- gewirkt hat, wird noch sestgestcllt werden.
NeuischkUkmiindtte Uürr denlianipf bfifngnrbf.
Zweibrücken, 16. August. In dem musterhaft eingerichtete» Lazarett der städtischen Turnhalle sind vorgestern etwa 56 verwundete deutsche Soldaten cingetrosfen, die an dem sic- benstundigen Eesecht bei L a g a r d e teilgcnommcn hatten. 'Ändere sind nach London gebracht, teil» auch schon beurlaubt worden. Die braven Soldaten erzählen schlicht aber begeistert von den Kämpfen um das genannte Dorf. In glühender Sonnenhitze wurde das Gefecht gegen einen weit überlegenen, bis an die Nasenspitze oerschanztcn Gegner todesmutig und erfolgreich durchgeführt. Die Franzosen hatten ausgedehnte Feldbefestigungen angelegt und erässnctcn beim Auftauchen unserer Truppen aus einem Höhenrand ein lebhaftes Feuer, Unsere Braven liehen sich aber nicht aushalten und stürmten vorwärts bis in die seindlichcn Reihen. Um die deutsche Kavallerie zu behindern, hatten die Franzosen den Wiesengrund mit Wolfsgruben durchzogen, ausgchobene Erdhöhlen, die mit Heu und Gras überdeckt wurden. Das ziemlich plumpe Mittel blieb aber erfolglos, da unsere Truppen die Falle merkten, Brillant griff auch die deutsche Artillerie ins Gefecht ein. Zwei feindliche Batterien, die besonders gefährlich in Tätigkeit traten, wurden mit so guter Wirkung unter Feuer genommen, dah die Stellung binnen kurzer Zeit sturmreif war und genommen werden konnte. Die Bcrschluhteile der Geschütze machte der Gegner, soweit ihm Zeit blieb, unbrauchbar. Um das Dorf Lagardc selbst wogte ein erbitterter Kampf, Hier hatten die Franzosen jedes Haus besetzt. Auf dem Kirchturm war eine Maschinen- gcwehrabtcilung aufgestellt. Diese Stellung war geschickt verdeckt, nachdem sie aber festgcstellt war, nahm sie unsere Artillerie ins Feuer, sobah nach wenigen Schuhen nur noch Trümmer des Standortes in die Lüste ragten. Auch das Dorf selbst muhte unter Feuer genommen werden. Ein Flankenangriff, bei dem Kavallerie erfolgreich cingriss, brachte dann für uns die Entscheidung. Zahlreiche französische Soldaten liefen einfach davon, andere streckten die Hände hoch ,indem sie aus ihre Eheringe zeigten und um Pardon baten. Französische Ausrüst- ungsgegenstände bedeckten weithin das Feld. Ein hier unterge- brachtcr Iägcrsignalist vcrdanlt sein Lebe» der von ihm mitge- fuhrtcii Signaltrompeie. Nachdem das Instrument schon eine Kugel ablenltc, als es der Signalist noch auf dem Rücken trug, schlug ein weiteres Geschah in die Nähe der Schallössnung, nachdem der Mann die Trompete auf die Brust genommen hatte. Auch diesmal ging die Kugel nbgelenlt zur Seite und brachte de,» Mann nur lcichloee Verletzungen bei. Eine für das Signalhorn gebotene erkleckliche Summe schlug der Wackere aus, da er sie als Lebensretter für alle Zeiten ausbewahrcn will. Den tapferen und siegreichen Verteidigern unseres Vaterlandes wünschen wir eine recht baldige Genesung und eine freundliche Erinnerung an ihre Pflege in Zweibrücken.
Der Lieg bei Bialla.
Zwölf Kanonen erbeutet.
Einem Brief aus Lyck vom 16. August entnehmen wir folgende anschauliche Schilderung von Szenen aus dem Eesecht bei V i a l l a : Die Stadt Lyck haben die Ruffen bis jetzt nicht berührt. Dagegen haben russische Kosakenhordcn in den Dörfer» gehaust, vieles verbrannt, auch Menschen gemordet und in die Gcsangcnschast geführt, namentlich haben sie cs aus halbwüchsige Knaben abgesehen. Wir haben hier viel Spione. Zn Lätzen sind süns erschaffen. Auch russische Offiziere sind in der letzten Zeit ausfallend viel in unserer Stadt gewesen, quasi kaufen, aber nur, um zu spionieren. Der deutsche Michel ist viel zu gutmütig, und läht sich auf der Rase hcrumtanzen, Ta gcgcn, wehe dem Deutschen, der mit einem Fuße versehentlich über die Grenze tritt. Er wird verhaftet und wochenlang in Ruhland behalten, nachdem er vorher ausgcplündert ist. Wir hatte» bis jetzt sehr wenig Militär. Radfahrcrpatronillen und Patrouille» per Auto haben bis jetzt die unverschämten, aber feigen Kosalcn von Lyck abgehaltcn. Hulda und Elschen habe» unsere besten und nötigsten Sachen fertig zum Weglausen gepackt, Hassentlich wird cs nicht dazu kommen. Wir hören öfters Kanonendonner. Gestern war bei der Stadt Bialla ein Gefecht, bei dem die Unftigen glünzend gesiegt haben. Ein Bataillon mit Maschinengcwehrabtcilung in guter Stellung, wurde von drei Regimentern russtschcr Kavallerie angegrisfen. Sie feuerten gut auf die Ruffen, aber wer weih, was geschehen
wäre, wenn nicht eine Batterie uns geholfen hätte. Kurz mit flu., die Ruffen wurden total geschlagen, obgleich sic vierfach überlegen waren. Das russische Schimmclregiment aus Su- walli, ein- Elitctrnppe aus lauter Rotschimmeln, geriet aus ->»« Wiese mit seinen schweren Pferden. Sie wurden Hause», weise niederbombardicrt, viele mutzten sich ergeben. Wir haben zwölf Kanonen erobert, sechs davon sind weggeschickt, und sechs, total zerschoffen, stehen auf dem Markt in Bialla. Von uns Preutzcn sind nur vier Tote und zehn Verwundete. Kostern war ein Auto mit neun Gewehren in Borczymmcn, vier Meilen von hier, an der Grenze, Sie wurden unversehens von 56 Mann Ruffen beschaffen. Das Auto erhielt acht Schöffe, aber lein Soldat wurde getrosten, Di- Ruffen schiebe» immer zu niedrig. Es wird für bestimmte Wahrheit angegeben, datz die ruf sisckien Patronen minderwertig sind. Ruffischc Konscrvenbüch sen, die wir erbeutet haben, sind mit Sand gefüllt,
1000 Iitlgilche Kriegsgefangene INI Keniielagei.
Zurzeit befinden sich im Sennclagcr 4000 — „ach an Sctcit Nachrichten sind cs 6000 — belgische Kriegsgefangene. 3» der „Franks. Ztg." wird ein Besuch bei ihnen geschildert:
Ter Eindruck, den die Belgier mache», ist recht wenig günstig. Es sind zuni gröstten Teil schwächliche Leute, na- nientlich die Wallonen, die sich von den an Zahl weit geringeren Dlamen mit ihrem struppigem schwarzem Harr und den dunkeln Augen stark abheben. Belgien wurde kürzlich in der „Franks, Ztg." das „unmilitärischeste Land" gcheitzen: das stlzcint sich hier voll z» bestätige», wenigstens würde eine solche Truppe für einen preuhischrn Feldwebel geradezu ein Greuel sein. Keine Spur von Haltung u. „Appell". Offiziere wie Mannschaften waren offensichtlich erstaunt, als der Scnnc-Kommandant zum ersten Male den Befehl ergc- hen ließ, datz zu bestimmter Minute alle anzntretcn hätten; kauni die Hälfte war erschienen und davon wiederum die Hälfte in verlotterter Kleidung: damit ist cs schon erheblich anders geworden, nachdem energische Strafen angedroht und zum Teile auch bereits vollstrcckt worden sind, wenngleich nach unserem Begriffe auch bei den Offizieren den militärischer Haltung keine Rede sein kann. Nur wenige Mannschaften sind vollständig und gut uniformiert, fast bei jedem fehlt dies oder jenes, ein sehr grober Teil trügt z. B. Zivilbcinkleidcr, auch die Dienstmütze scheint vielfach für entbehrlich gehalten zu sein. Anfangs zeigten manche Gefangene namentlich unseren einfachen Bewachungssoldalcn gegenüber Neigung, frech zu werden, dieses ist ihnen aber so ausgetricbcn, daß sie jetzt nicht mehr daran denken. Die es sich von selbst versteht, ist die Behandlung der Gefangenen den Vorschriften entsprechend energisch, aber frei von jeder unnötigen Härte, die Verpflegung enstpricht unserer siecl» datcnkost in Fricdcnszcitcn. Es zeigt sich aber jetzt sitzen, datz das an keine Spur von militärischem Gehorsam gewöhnte belgische Gesangencn-Matcril schwieriger zu bch in- dein ist als die Franzosen von Anno Siebzig.
Tic belgischen Offiziere, mit denen ich mich unterhsilt. erklärten sämtlich, Belgien sei von Deutschland überfallen worden, es sei gänzlich unvorbereitet gewesen und dadurch erkläre siib auch der Zustand der Truppen. Sie bedienten sich dabei stets des Ausdruckes „la Prussic" und niemals „lAllcmagne". Von den Grcucltatcn der belgischen Bevöl- kcrung behaupten sic nichts zu wissen, und wenn man ihnen Tatsachen erzählt, zucken sie die Achseln. Gewaltig haben ihnen die starken Truppcnscndungen imponiert, die ihnen auf der Fabrt nach hier begegneten, obschon die Gefangenen- Züge möglichst über Nebenbahnen geleitet wurden, die »nr schwachen Militärtransport hatten. Ein Offizier, den :ch darauf aufmerksam machte, wie allgemein in ganz Denlich- land der Drang zu den Fahnen sei, und welche Strcitkräftc wir überhaupt aufgestellt hätten »nd noch aufzustellen imstande seien, hatte darauf nur die Antwort: „LH la pauvre Franre!" <O armes Frankreich!) Wir wollen hoffen, datz er damit in unserem Sinne recht hat.
Lüttich fest in unfern Händen-
Tatz Lüttich „fest i» unseren Händen" ist geht an- rnlz- folgender Bckamitmachung hervor, die wir der .Gotte belge" cntnehinen. Dieselbe lautet in freier UrLcri'ä Brlap.nlnir.chnng.
Der Biirgerineistee Henin'r, lim, an den Bla: von Lüttich folgende Pkt an e i r.'e.ck n: g ansttz'ogen:
Die Gcirr ndcveNnoltuug r.ii'.r.cit aste Bärge- r»' n!le diejenigen, dw sich ans Lsittntze. Ged:", lei:-'.-.-.', datz


