Ausgabe 
17.8.1914
 
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Nr. 131

Neu« Tageszeitung Stonrag, oen 17. August 131«.

Seite 4

Erna nnd Ifje.

fsioman von D. Feußncr. 20 (Fortsetzung).

In steigender Erregung hatte Ilse seinen Geständnissen gelauscht, und erst das Ende seiner Siebe lieh auch in ihr die zuversichtliche Hosfnung emporkeinien: noch kann alles gut Werdens Ihr Kummer begann zn verstiegen, die Au- gen leuchteten hosfnungs- und liebevoll. Ter Mann, den sic so über alles lieble, hatte sich ihr angclobt dies genügte ihr vorläufig.

Vertraust du mir, und glaubst du an mich. auch ohne dah ich dir den Verlobungsring an den Finger stecket" sragte er.

Mein Vertrauen zu dir ist ein unbegrenztes," sagte sie, ihre Hand in die seine legend.

Und wenn ich nicht wicderkchre?"

Du wirst wiederkehren," war ihre zuversichtliche Ant­wort.Doch sollte es ein höherer Wille sein, dah man dich in fremder Erde zur Ruhe bettet, solltest du als Lpser deiner Pflicht fern von der Heimat den Heldentod finden so will ich geduldig ausharren bis die Stunde kommt, die uns wie Bertram und Isolde in seligem Wiedersehen für ewig vereint. Und ich bin gcwih, nicht lange würde des währen, da hätte die Sehnsucht nach dir, die Trauer um ewig verlorenes Glück auch ineinen Lebensnerv getötet."

Doch wenn ich wicderkchre," fragte er. dann.

Dann o dann würde incine Freude keine Grenzen kennen! Und wenn ich schon am Rande des Grabes stünde dies Wiedersehen würde mich noch cinnial gesunden las­

sen, würde mich befähigen für dich und mit dir zu Icbml Sie zitterte mit leiser Stimme:

Vergessen find des Lebens schwerste Stunden, Vergessen, was ein Scheiden uns gebracht,

Nie hast du paradiesischer empfunden Der reinen Liebe ewig süße Macht!

Das wärmste Wort spricht nicht genug vom Glücke, Nicht tief genug ist auch das tiefste Leid

Doch sprechen wertlos glückbcrauschte Blicke Was zauberschö» durch jede Seele zieht!

Und so laß uns denn alles von der Zukunft erwar cn, die wir in die Hand des allncöchtigcn Gottes legen! Er Word cs Wohl machen!"

Ja, hofscn wir es! Und nun lah uns zu deinem Vater gehen," sagte Roderich, und Ilse an der Hand fassend trat er mit ihr ins Haus und an das Bett ihres Vaters.

Dieser erwartete die beiden sck>on und wie Bergeslast siel cs von seinem Herzen, als er seines Kindes freudestrah­lende Blicke sah. Ticseni übervollen Kelch der Freude würde selbst der bittere Tropfen, den das Scheiden hinein­träufelte, kaum einen herben Beigeschinack verleihen.

Wir kommen, uns Ihren Segen zu erbitten. Ilse hot cingewilligt meine Braut zu werden," sagte Roderich :nd trat, Ilse an der Hand, vor ihren Vater hin."

Mit Freuden lege ich das Schicksal meines Kindes in Ihre Hand," sagte dieser niit vor Erregung zitternder Stimme,und hoffe zu Gott, daß nach dem schweren Schei­den, welches euch jetzt bevorsteht, ein freudiges Wiedersehn auch dauernd beglücken wird! Bist du n. glückst ß, Ilse?" wandte er sich an seine Tochter?"

Ja Daer, ich bin überglücklich," erwiderte sie strahlen­den Blickes.

Und Ihnen, mein lieber Freund, vermag ich nicht ank. zusprechcn, was mein Herz für sie empfindet: alles was Sie einst verloren, mögen Sic in Ilse wiedersinden und reckst recht glücklich mit ihr werden!" Er drückte die Hand des jungen Mannes, so warm, so innig, und in diesem .Hände­druck lag der Dank des beglückten Vaterherzens.

Die Zeit flog dahin und die Stunde stand un' Plb.ir bevor, die Roderich seinem selbstgewähltcn Schicksal, ent- gegcnführen sollte.

Morgen, auf dem Weg zum Bahnhof spreche ich nockst ein letztes»,al vor," sagte er, als er am Abend vor seiner Abreise Abschied nahm.

Ich darf dich doch zum Bahnhof geleiten?" fragte Ilse bittend.

Wenn du dich beherrschen und vor allem nicht »-ei­nen willst."

Du sollst mit mir zufrieden sein."

Nun gut, so halte dich morgen kurz vor sieben Uhr bereit.

Ich hoffe, doch nun auch einmal zu Wort zu kommen," sagte der Rittergutsbesitzer:mein Wagen wird morgen früh Punkt sieben Uhr bei Ihrer Wohnung sein, um Sie nach dem Bahnhofe zu führen: auf dem Wege dahin holen Sic Ilse hier ab."

Dies Anerbieten nehme ich dankend an," erwiderte der junge Mann.

Dann verabschiedete er sich von Vater und Tochter und ging in das Ofsizierskasino.

(Fortsetzung folgt.)

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Bekanntmachung.

Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Stadtverordneten-Bersammlung in ihrer Sitzung vom 13. d. Mts. beschlossen hat, über die Dauer des Krieges eine

Kinderkrippe

einzurichten, in der bis zu 2 Jahre alte Kinder derjenigen Mütter ausgenommen werden sollen, die Lohnarbeit verrichten.

Die Krippe wird demnächst eröffnet und werden Anmeldungen auf Zimmer Nr. 4 des Stadthauses ent­gegengenommen.

Zugleich bitte ich die Einwohnerschaft, entbehrliche Kinderstühlchen, Kindertische, Spielzeug, Kinderwäsche, Badewannen rc. der Kinderkrippe zuzuwenden.

Friedberg, den 15. August 1914.

Der Bürgermeister.

Stahl.

Junge Leute, die das wehrpflichtige Alter das vollendete 17. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, haben bei etwaiger Meldung als Kricgosrciwilligcr war kein Recht aus Einstellung, können aber, da gesetz­liche Bestimmungen nicht entgegenstehen, dennoch einge­stellt werden, wenn ihre unbcdinet: Tauglichkc t sestgc- stellt wird. Bei der Meldung ist beizubringen: die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters der Eltern oder des Vormundes und ein obrigkeitliches Führungszeugnis.

Ltkllvcckktktidks KtneralfommaniJo XVIII. Armeekorps.

Deluimitmndiiiiig.

Mit Bezugnahme auf den Aufruf des Landsturms warne ich die unausgcbildeten Landsturmpflichtigen, voreilig ihre Stellung oder ihren Beruf aufzu- gcben. Alle Arbeitgeber ersuche ick» dringend, die­se» Leuten »vegen Verbleibens in ihren Stell­ungen oder bcirn Suchen neuer Stellungen keine unnötigen Sckftvierigkeite» zn machen, weil diese Leute, die sich nach Ziffer 3« des Aufrufes zu­nächst nur fuv Stammrolle zu melden halten, vor­aussichtlich nicht oder nur zu einem ganz geringe»» Teil zur Aushebung kommen werden; Ziffer I des Landsturmarifrufes besagt ja auch bereits aus­drücklich, das; zunächst nur militärisch ansgrbildrte Lanvsturmpflichtige zur Einstellung kommen wer­den; auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Einstellung gelangen.

Frankfurt a. SW., den 14. August 1914.

Der kommandierende General gen Freiherr voi» Gall, General der Infanterie.

Fkciitcn.

Es wird Eie intercssicren. zu erfahren, daß Ihre Dun-Salbe meine r>ri»d,' von einer Art nässenden Flechte nach 3-wöchigem Ge- dranch l>: teil ha!. nachdem ich über l h Jahr mit allerhand Salben vergebliche Versuche gemacht hatte. Seit meinem Erfolge habeich auch bei ,edcr nahenden Gelegenheit die Dun-Saibe empfohlen und best »dem ein Kollege. der öftrer rissige Hände bekam, hatte guten Erioig. Tie Salbe einer Spezialisten, die recht teuer war, hatte nicht geholfen. 0. S. (1.30) D. P. (1.30) D. Z. (2.00).

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Bekanntmachung.

Den Bezirkseingeseffenen der Eroßherzoglichen Han­delskammer Friedberg, für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten teilen wir mit, daß in Frankfurt a. M. ein wirtschaftlicher Beirat der Linienkommandantur errichtet wurde, der berufen ist, Wünsche und Anträge bezüglich Beförderung von Lebensmitteln aller Gattungen im Be­zirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. entgegenzu­nehmen und nach Prüfung und Begutachtung an die Linienkommandantur weiterzugeben. Etwaige Anträge sind daher bei der Unterzeichneten Handelskammer anzu­bringen und werden nach Befürwortung an die zuständige Stelle weitergeleitet.

Friedberg, den 15. August 1914.

Grotzh. Handelskammer Friedberg für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten.

Bekanntmachung.

Die Regierung beabsichtigt, Einwohner der Festung Metz hier unterzubringen.

Diejenigen, die gesonnen sind, solche aufzunehmen und zu verpflegen, werden gebeten, dies alsbald im Stadthaus Zimmer Nr. 4 anzumelden.

Friedberg, den 11. August 1914.

Der Bürgermeister: Stahl.

Sorget für kommende Zeiten, Laßt nichts umkommen.

Mehr wie in früheren Jahren gelten jetzt diese Worte.

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Fried:cra. nnüchl drr ßloütrhaftnic-

Örknuntmndjuna.

Landwirte, die Schüler dee Musterfchule ,u Erntearbeiten benötigen, werden gebeten, sich unter Angabe des Namens der Kinder sowie der Belchästigung schriftlich an die Schulleitung zu wenden.

Friedberg, den 1». August 1914. Der Schulvorstand

Stahl, Vorsitzender.

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