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Dienstag, den 18. Angnlt i:»I4.
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Der Krieg.
Vor der Entscheidung. — <*ine gegen die darbarische
Mit ernster Spannung harrt das deutsche Volk der Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Fast eine Woche ist vergangen, seildcin die Kunde der ersten, so herrlichen Erfolge der deutschen Massen zu unS gedrungen ist und man wurde versucht zu glauben, das, cs nun Schlag auf Schlag gehen werde. Es lag eigentlich auf der Hand, daß da? nicht der Fall sein werde und daß diese Siege nur das Vorspiel größerer Ereignisse sein würden.
Unser Kricgsplan ist wohl durchdacht und vorbereitet, lstenmi >vie bei der Mobilmachung alles aufs gewissenhafteste .'lappte, genau so vollkommen in der Ordnung vollzieht sich unser Aufmarsch an der Grenze, der unseren Feinden das Verderben bringen wird. Die Festung Lüttich mußte genommen werden, sie gibt unserer Armee den Stützpunkt für den Einmarsch nach Frankreich durch die belgischen Lande. Tie Kümpfe bei Mülhausen und Lagarde waren Versuche der Feinde, den Krieg in unser Land zu tragen, sie wurden blutig abgcwiesen. Ganz unabhängig daran vollzieht sich unser Aufmarsch und unsere Heere befinden sich heute schon im Feindesland. Es war ebenfalls vorauszuschen, daß vor dem Eintreffen des Kaisers bei der Armee entscheidende Schlüge nicht geführt würden. Nun, da sich Wilhelm II. inmitten seines Heeres befindet, werden wir in den allernächsten Tagen weiteres zu hören bekommen und es werden und inüssen deutsche Siege gemeldet werden.
Mit hoher Genugtuung hat es erfüllt, daß Serbien, der Mcnclielmörder-Brutstättc in Europa eine empfindliche Niederlage bereitet wurde. Seinem alten Rufe getreu hat Oesterreichs Heer die Serben über den Haufen gerannt, viel Gefangene und reiches Kriegsmaterial erbeutet. Auch den Russen gegenüber bcsindct sich Oesterreichs Heer im Vormarsch und die Söhne der Schwarzen Berg« bekommen bereits die Ilebergcwalt der österreichischen Waffen zu spüren.
Noch einmal hat Deutschland den Belgiern den Beweis eines ehrlichen Willens gegeben. Noch der Einnahme von Lüttich ließ die deutsche Regierung der belgischen wissen, daß sic die Vorgänge bedauerte, daß sie nach dem Krieg Belgien unangetastet lassen werde, wenn Belgien noch in zwölfter Stunde zurülktrcte. Daß sic dabei der Tapferkeit des belgischen Heeres anerkennende Worte spendete, war mehr Höflichkeit als den Tatsachen entsprechend. Belgien hat ab- gclehnt. Gott sei Tank! niüssen wir sagen. Das belgische Volk hat in den >4 Tagen des Krieges Gemeinheiten auf Gemeinheiten gehäuft, fo daß wir cs schmerzlich empfinden würden, wenn Belgien die rächende Faust nicht schwer zu spüren bekäme.
Ter Zar hat sich nach Moskau begeben, angeblich um an heiligen Stätten zum höchsten zu flehen für das Glück der russischen Waffen. Immer widerlicher gestaltet sich das Bild de? gekrönten Schwächlings! Während er heuchlerische Gebete znm Himmel sendet, sengen, schänden und morden russische Barbaren in einer Weife, die Deutschland veranlaßt haben, im Namen der Menschheit Verwahrung gegen eine solche Kriegssührung cinznlcgcn.
Frankreich und namentlich England, übcrschwenuncn die Welt mit ihren Lügcnnachrichtcn. Insbesondere auf Italien hat man c? abgesehen, um diesen Staat ins Garn zu locken. Toch bekanntlich haben Lügen kurze Beine und die Wahrheit wird ans Tageslicht kommen. Tie Wahrheit aber wird sein, daß unsere Feinde zerschmettert werden und daß die Waffen, die heimtückig gegen uns gerichtet wurden, ihren eigenen Herren zum Verderben werden. Das walte Gott!
Belgien, derFremidFrankrcichs.
Berlin, 17. August. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Nach dar Einnahme von Lüttich hat die deutsche Regierung durch Vermittlung einer neutralen Macht in Brüssel Mitteilen lasten:
Die Festung Lüttich ist nach tapsercr Gegenwehr im Sturm genommen worden. Die deutsche Regierung bedauert es auf das licsste, daß cs infolge der Stellungnahme der belgischen Regierung gegen Deutschland zu blutigen Zusammenstößen ge- konimen ist. Deutschland kommt nicht als Feind nach Belgien. Rur unter dem Zwang der Bcrhältniste hat es angesichts der militärischen Maßnahmen Frankreichs den schweren Entschluß fasten miisten, in Belgien cinzurücken und Lüttich als Stützpunkt für seine weiteren militärischen Operationen besetzen zu lasten. Nachdem die belgische Armee in heldenmütigem Widerstand gegen die große Ucberlegenheit ihre Wafsenchre aus das glänzendste gewahrt hat, bittet die deutsche Regierung Seine Maiestät den König und die belail-bc Rcgicruna. Bcl-
letzte vergebliche Mahnung an i kriegssührung Ruhlands. —
gicn die weiteren Schrecken des Krieges zu ersparen. Die deutsche Regierung ist zu jedem Abkommen mit Belgien bereit, das sich irgendwie mit Rücksicht aus ihre Aus einanderfetzung mit Frankreich vereinigen läßt. Deutschland versichert nochmals feierlich, daß es nicht von der Absicht geleitet gewesen ist, sich belgisches Gebiet anzueignen und daß ihm dies durchaus fern liegt. Deutschland ist noch immer bereit, das belgische Königreich unverzüglich zu räumen, sobald die Kriegslage es ihm gestattet.
Die daraus am 13. August eingegangenc Antwort Belgiens hat folgenden Wortlaut:
Der uns von der deutschen Regierung unterbreitete Vorschlag wiederholt die in dem Ultimatum vom 2. August formulierten Forderungen. Getreu seinen internationalen Verpflichtungen kann Belgien nur seine Antwort aus dieses Ultimatum wiederholen, umsomehr, als seit dem J. Aug. die Schrecken des Krieges in sein Gebiet getragen worden sind und die Earantiemächte loyal und unverzüglich seinem Hilferuf entsprochen haben. ^7
lüer hat die liela. Neutralität Mjl verletzt?
Kö ln, 17. Aug. Wie deutsche Flüchtlinge aus Paris der „Kölnischen Zeitung" mitteilen und wie durch zuverlässtge Augenzeugen bestätigt worden ist, haben die franzöfischen Truppen bereits am 1. August abends den belgischen Erenzort Er- quclinnes besetzt, während die deutschen Truppen erst in der Nacht vom 2. zum 3. August die belgische Grenze überschritten haben. Es ist damit einwandfrei feftgestellt, daß die Verletzung der belgischen Neutralität zuerst von Frankreich begangen worden ist.
Peutlcher Protest gegen die rnjßjche Kriegg- führnng.
Berlin, 17. August. Di- „Norddeutsche Allgcm. Ztg." schreibt unter der Ucberschrist „Deutsche Warnung an Rußland": '’ •
Durch Vermittlung einer neutralen Macht ist folgendes zur Kenntnis der russischen Regierung gebracht worden: Die
Meldungen aus unserem östlichen Grenzgebiet berichten übereinstimmend, daß die russischen Truppen, wo sie preußisches Gebiet betreten haben, gegen Ortschaften und deren wehrlose Einwohner sengend und plündernd vorgegangen sind: besonders schwere Ausschreitungen find aus den Gegenden von Schirwindt, Lyck und Soldau gemeldet worden. Deutschland erhebt vor der Oesfentlichkeit Einspruch gegen eine solche dem Völkerrecht zuwiderlaufcnde Art der Kriegführung. Wenn durch sie die Kampfesweise einen besonders schroffen Charakter annehmen sollte, so trifft Rußland allein dafür die Verantwortung!
Zar strategischen tage im (Dfleti.
Mit Genehmigung des Oberkommandos in den Marken vcröjfentlicht die „Dorszeitung" folgende Betrachtungen von Generalmajor a. D. von Eersdorfl:
Als Frankreich sich nicht rasch genug dazu entschloß, in Ermangelung kriegstüchtiger Rekruten den dreijährigen Dienst cinzujührcn, regte sich der Zorn der Moskowiter, insbesondere des russischen Kriegsministcrs. Die russische Armee sei kriegs- und zum Einmarsch nach Deutschland bereit, man verlange von den Bundesgenosten gleiche Kriegsbereitschaft. Was wild Frankreich heute zu den Rüsten sagen, was werden die Russen tun?
In Russisch-Polen stehen vor dem eigentlichen russischen Ausmarschgebiet vorgeschoben mindestens fünf Armeekorps und weiter eine gewaltige Heercskaoallerie. Demgegenüber wäre die zwischen dem Meere und Polen eingeklemmte Provinz Ostpreußen in eine schlimme Lage geraten, salls die Rüsten, wie cs hieß, in der Tat schon im Frieden mobil und marschbereit gewesen wären. Jedermann vermutete doch den Anprall ungestümer russischer Masten gegenüber dem preußischen Grenzschutz. Von alledem ist nicht mehr die Rede. Unser verhältnismäßig schwacher Grenzschutz hat vollkommen genügt, die bisherigen Einfälle der Rüsten abzuweisen und hiermit die Mobilmachung und den Aufmarsch zu ermöglichen. Nirgends -glückte cs, eine Eiscnbahnbrücke zu zerstören, einen Bahnhof zu besitzen: im Gegenteil, unsere Truppen haben ihr- Fühler über die Grcnzpsähle vorgeschoben und hiermit der Ausklärungsmöglichkeit gute Dienste geleistet. Der Reiterangriss der Russen bei Eoldau aus preußische intakte Infanterie beweist, daß sie taktisch nichts zugelernt haben, und daß zwei russische Ka- valkeriedivisionen -ruhig zusahen, wie ihre Brüder von den Deutschen aus Kibarty vertrieben wurden, spricht nicht für hilssbe- rcitc Kameradschaft.
Belgien. — Protest Deutschlands w neuer Balkanbimd?
Der strategische Aufmarsch der russischen Hanptkräs!- gegen Deutschland dürste sich hinter dem Riemen, der gegen, über Oesterreich Ungarn hinter dem Bug vollziehen. Die nach Polen vorgeschobenen russischen Korps bilden deren Bortrup- pcn und Sicherung. Gleichzeitig waren sic dazu bestimmt, un- serc Mobilmachung und den Aufmarsch zu stören. Diese Ausgabe ist mißglückt. Werden sie die andere erfüllen? Alles kommt daraus an, daß die iussische Mobilmachung der Haupt, kräste schnell verläuft und sich deren Massen bald in Bewegung setzen können: andernfalls bleibt den nach Polen vorgeschobenen Rüsten nicht viel anderes übrig, als sich angesichts der in Polen ausgebrochcncn nationalen Bewegung aus ihre Hauptkräste zurückzuziehen. Dies- Bewegung greift immer stärker um sich und sie droht sich zu offener Revolte zu erweitern. Hierfür sprechen vielfache Anzeichen: Der „Blitz", der in Warschau die Zitadelle einnschcrte, die Zerstörung russischer Magazine und Kricgsmit- tel und der Jubel, mit dem preußische Truppen von der polnischen Bevölkerung empfangen wurden. Die russischen Regimenter beziehen seit kurzem ihre Reserven im Bezirk ihres Standortes, mithin di- Regimenter in Polen polnische Reserve. leutc. Diese eilen aber nicht zur Fahne, und cs gibt täglich eine große Zahl polnischer Deserteure, die über die Grenze »ach Deutschland zu entfliehen suchen und überlaufen: teilweise
wohl auch von der Hungersnot getrieben.
Hinter der Buglinie sammeln die Rüsten starke feindliche Kräste gegenüber Oesterreich-Ungar». Gelingt cs Oesterreich Ungarn, die Grenzen vor feindlichem Einfall zu bewahren, und überdies dem Feind offensiv zu Leib zu gehen, dann haben unsere Verbündeten ihre Ausgabe glänzend gelöst. Je stärker cs gelingt, den russische» Flügel zurllckzudrücke», desto schwerer wird cs dem rechten russischen Flügel werden, über die Riemenlinie zur Offensive zu schreiten.
Nun noch einige Worte über unseren russische» Grenzschutz. Im weiteren Sinn ist die gesamte Armee und Marine der Grenzschutz des Landes. Es kommt darauf an, den Krieg über die eigenen Grenzen hinaus in Feindesland zu tragen, die Heimat vor feilidlichem Einfall zu schützen. Die Söldnerheere früherer Zeiten waren ihrer Zusammensetzung nach stets kriegs, bereit: Volksheere dagegen der allgemeinen Wehrpflicht sind im Frieden Kaderheere, sie bedürfen im Mobilmachungsfall der Ausfüllung durch die zu den Fahnen strömenden Reservisten und Landwehrmänncr. Somit ist ein Volksheer bei Eintritt des Krieges nicht völlig kriegsbereit. Die völlige Kriegsbereit- schaft schafft erst die Mobilmachung. Diese und ferner den folgenden Armeeausmarsch feindlichen Störungen gegenüber zu schützen, ist Sache des Grenzschutzes. Der Grenzschutz ist ver. schieden gestaltet und richtet sich nach der Lage des zu schützenden Erenzlandes. Er beschränkt sich nicht nur aus die Landcsgren. zcn, sonder» dehnt sich auch aus die Sicherung der Küste» aus, Je gefährdeter ein Erenzland, desto schneller muß der Grenzschutz eintreten. Sobald die Gemeinden den Mobilmachungs- befchl durch den Draht erhalten, wird seine allgemeine Bekanntmachung durch Läuten der Kirchenglocke» bewirkt. Jeder Reservist, Landwehrmann und Landsturmmann hat seinen Gestellungsbefehl in der Tasche und eilt sofort der Stelle zu, wohin er beordert wurde. Dort findet sich alles für die Einkleidung, Bewaffnung und sonstige Ausrüstung bereits im Frieden. Rach wenigen Stunden, die zur Einkleidung dienen, steht der Schutz unserer Grenze da. Von den Kavallerieregimentern eilen Reiter herbei, um den Ausklärungs- und Meldedienst zu versehen. Aber weiter bedarf es der Sicherung der Bahnlinien, insbesondere der Brücken und der Bahnhöfe, auch der Flußüber- gange und der Landstraßen. Das gesamte Land gleicht »ach wenigen Stunden einem Feldlager. Unter dem Schutz dieser Vorsichtsmaßregeln werden die aktiven Truppenteile und die Landwehrformationen kriegsbereit ausgestellt und ihr Ausmarsch vollendet. Daß dies überall glückte, verdanken wir der vortrefflichen Organisation und dem Jneinandergreifen aller Militär- und Zivilbehörden, nicht weniger aber der Schulung durch das Heer und der Opserfreudigkeit eines getreuen Volkes.
Ans dem Osten tresfcn fortgesetzt freudige Nachrichten ein: die Grenzschutzabteilung in Biala östlich Johannisburg hat sich Lbertroffen. Unter „Schutz" meint man im allgemeinen verteidigungsmäßiges Verfahren. Der Hieb ist indes die beste Parade, unsere braven Erenzler sind znm Angriff Lbergegangen und haben dem Feind Geschütze abgcnommcn. Weiter hat unsere Landwehr an der Memel bei Schmallenin- kcn, dem preußisch russischen Zollamt, russische Linientruppcn und Maschinengewehre über die Grenz« gegen Eeorgcnburg zurückgcworsen. Dies beweist die Vollwertigkeit unserer Land- wchrleute, die den aktiven Truppen nicht nachstehcn werden. Um so bester, denn auch diese werden in der Front Verwendung finden müssen.


