Ausgabe 
15.8.1914
 
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Nr. 190

©eiie U

Neue Tageszeitung. (snmstog, ntn iS. August 19M

lau» lehnt de» englischen Vermittlungsvorschlag höflich aber bestimmt ab. Manifest des Kaisers Franz Josef an feine Völler. Rußland interveniert vergeblich in Wien. Der Zar tauscht mit dem deutschen Kaiser Telegramme, Heuchlerische Friedensversicherung des Zaren.

29. Juli. Rußland macht 16 Armeekorps mobil.

39. Juli. Beratung beim Reichskanzler. Ausdehnung der russischen Mobilisation. Wachsende Aufregung in Frank­reich.

31. Juli. Deutsches Ultimatum mit ILstiindiger Frist an Ruß­land. Anfrage in Paris. Der Kaiser erklärt den Kriegszustand. Ansprache des Kaisers an das Volk.

Abermaliges wortbrüchiges Telegramm des Zaren an den deutschen Kaiser. Allgemeine Mobilmachung in Oesterreich.

1. August. Deutsche Mobilmachuug. Französische Mobil- I machung.

2. August. Kriegserklärung an Rußland. Beschie­

ßung von Libau durch den kleinen Kreuzer Libau. Ka­valleriekämpfe an der Ostgrenze. Französische Flieger überfliegen die belgische Erenze und werden in Deutschland gesichtet. Deutscher Einmarsch in Luxemburg. Ulti­matum an Belgien.

3. August. Kriegszustand mit Frankreich. Die russischen

Grenzstädte Alexandrowo, Kalisch, Czenstöchau und Bend- zin werden von den Deutschen besetzt. Schweden macht mobil.

1. August. Einstimmige Bewilligung der Kriegs- forderungcn durch den Reichstag. Englands Kriegserklärung. Belgiens Kriegserklärung. Italiens Neutralitätserklärung. Deutsche Truppen erstürmen Kibary an der russischen Grenzee. Bei Krottingen wird ein russischer Vorstoß zurückgewiesen.

Deutsche Kriegsschiffe bombardieren befestigte Plätze in

Algier. .

5. August. Das Eiserne Kreuz erneuert. Eine russische Ka-

vallericbrigade bei Soldau vernichtet. Wielun in Russ.» Polen von den Deutschen besetzt, die Truppen mit Jubel empfangen. Der deutsche KreuzerGoebcn" und der kl. KreuzerBerlin" entgingen bei Messina der lleberzahl englischer Kriegsschiffe und gewannen die hohe See.

6. August. Ruf des Kaisers an das deutsche Volk. Oester­

reichs Kriegserklärung an Rußland.JttjjiiuJJtier Polen gegen Rußland. Bei Schwiddern^^rpe -in- russische Kavallericdivision über die Ere"^ zurückgeworfen. Hol- land bleibt neutral. -

I. August. Di- FcstunaLlitti-h von den Deutschen o. Emmig mit dem Orden pour le ksP'V,*» 0 ' >et. Wohlwollende Neutralität Ru-

^ tzeke"^

.inmarsch der Oesterreicher in Russisch-Polen.

Kavallerie besetzt Olkusch und Walbronn.

. ^er deutsche BäderdampferKönigin Luise" legt

Minen an der Themsemündung, er wird dabei von einer

englischen Torpedobootslottille angegriffen und sinkt. Der

englische DampferAmphion" gerät aus eine Mine und

wird zum Sinken gebracht.

9. August. Die Engländer besetzen Lome, die Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo. Ein abermaliger Kavalleriean- griss der Russen bei Biela zurückgeworfen, die Rllsien ver­lieren 8 Geschütze. Deutsche Landwehr zwingt die Rus­sen bei Schmallingken zum Rückzug über die Erenze. Kriegserklärung Montenegro s an Oesterreich. Verbrü­derung der Deutschen und Tschechen in Prag.

19. August. 3 französische Divisionen werden un­weit Mülhausen unter großen Verlusten von den Deutschen nach Süden zurückgcwor- s e n. Die Franzosen verloren an Gefangenen 19 Offiziere und 313 Mann, 4 Geschütze und 10 Fahrzeuge fielen in die Hände der Deutschen. Bei Eydtluhen warfen 3 deutsche Kompagnien 3 russische Kavallericdivisionen über die

Grenze. Beschießung des montenegrinischen Häsens Än- tivari durch die Oesterreicher. 800 galizische Jungschutzen überfielen bei Mjcchow die Kosaken, die 4M Tote und Ver­wundete hatten.

11. August. Die erste französische Fahne erobert in der siegreichen Schlacht bei Lagardc in Lothringen. Eine französische Brigade in den Wald getrieben. Ucber 10M Gefangene, 2 Batterien und 4 Maschinengewehre sielen in deutsche Hände, ein französischer General ist gefallen. Erfolgreicher Kamps der Oesterreicher mit den Serben an der unteren Donau. Kriegszustand zwischen Oesterreich und Frankreich. V '

12. August. Der deutsche Boden ist von Feinden ge­säubert. Deutsche Unterseeboote fuhen die Ostküste Englands und Schottlands entlang. Bei Brody versuch­ten die Rusien die Erenze zu überschreiten, wurden aber von den Oesterrcichrrn zurückgeworfen. Bis zum heuti­gen Tage waren 1,3MM0 Kriegsfreiwillige angemeldet.

Wochenschau.

Eine große Zeit ist über uns hercingebrochen. Mag sie auch manche Bitternisse im Gefolge haben, wir werden sie überwinden und uns freuen des Geistes, der wieder über unser Volk hcreingebrochcn ist. So wie unser Erbfeind im Westen im Jahre 1870 die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, als er daraus taute, daß der alte Hader zwischen dem Norden und Süden in Deutschland keine Einigkeit aufkommen lassen werde, so war dieses Mal die Rechnung trügerisch, daß der Zwiespalt der Parteien Deutschland in zwei Lager teile. Deutsch­land ist einig: Einmütig haben alle Parteien im Reichs­tag sich in den Dienst des Vaterlandes gestellt. Als einige Deutsche ziehen wir, wie einst vor 44 Jahren unsere Väter, ins Feld, im Kampfe für unser Vaterland, für Weib und Kind, für Heim und Herd.

Das ist das erste erfreuliche Ergebnis der abgelaufenen Woche. Das zweite ist der glatte Verlaus unserer Mobil­machung.Wie am Schnürchen" verläuft alles, so konnte die Reichsregierung frohbewußt veröffentlichen. Mit der Ruhe und Sicherheit eines Uhrwerkes ging alles seinen Gang. Keine Unruhe und keine Ueberhastung, nicht zu langsam und nicht zu schnell, sondern so wie es sich gehörte und wie es sein mußte, Mttliet alles. Man mutz sie ael»i>en. *tzaoen, unsere wackeren Voterlandsverteidiger, mit welch' herrlicher Begeisterung sie hinauszogen in den heiligen Kampf um's Vaterland. In grüngeschmückten Eiscnbahnzügen, unter frohem Gesang zogen sie dahin durch die deutschen Lande der Erenze zu. Daß zage Furcht nicht auskommt in ihren Herzen, dar zeigte so manche Inschrift, die an den Wagen geschrieben stand:

Rusfischer Kaviar,

Französischer Sekt,

Deutsche Hiebe,

Hei! wie das schmeckt!

Sie haben es schon bewiesen, unsere rapseren Truppen, daß ihre Begeisterung treu und ehrlich ist. Kaum ist eine Woche nach der Kriegserklärung vergangen und schon häufen sich die Erfolge der deutschen Waffen. Lüttich, eine bel­gische Festung, modern ausgebaut, mit starken Außensorts und mit den schwersten Geschützen versehen, ist am Freitag von den Deutschen im Sturm erobert worden. Eine Wasfentat, die ein­zig dasteht und hell dereinst für alle Zeiten erstrahlen wird. Dem mutigen Führer, General v. Emmig, wurde der Orden pour lc mörite verliehen. Ehre dem Ehre gebührt! Aus Belfort und dem berüchtigten Vogesenloch beruht die Hoff­nung der Franzosen. Von dort aus wollten sie das Elsaß mit ihren Scharen überschwemmen. Aber ach, indem sie hassen, hat sic Unheil schon betroffen. Das 7. Armeekorps, das Elite- k o r p s des französischen Heeres und eine Division sind unter grcßen Verlusten von den Deutschen geschlagen und nach Sü­den zurückgeworsen worden. Am Tage daraus überfielen die Deutfchen, unser» Lunevillc eine gemischte fianzösische Brigade,

Erna und Ilje.

Nomon von D. Feußner.

29 (Fortsetzung).

Er traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, eben­so wie meinen Vater."

»Und warum dies?"

Eine sonderbare Frage," sagte sie,in dem Augen­blick, wo incin Lebensretter in ein fremdes, weit entlegenes Land, einer ungewissen Zukunft entgegengeht l Aber selbst wenn Sie das nicht wäre», und ich Sie nur kennen gelernt hätte, wie ich Sic eben kenne, so würde mich Ihr Entschluß ebenso niederschmetternd getroffen haben, als es so der Fall gewesen."

Bemitleiden Sic mich?" fragte Roderich,

Beniitleiden?" In undefinierbarem Tone wiederholte sic daS Wort.Run ja ich bemitleide Sie."

Und wenn ich nicht wicderkehre würden Sie mich beweinen?"

Sic warf ihm einen prüfenden Blick zu und sagte daun: ,. -v

Ja, doch wie ich glaube nur kurze Zeit!"

Gewiß, Sie würden mich gar bald vergessen haben."

Tein Toten entschwinden auch die schönsten Erinner­ungen!" 1

Dem Lebenden oft auch." -

Dann muß er ein oberflächliches Gemüt besitzen." \

Sie aber besitzen ein tiefes Gemüt."

Gewiß und darum würde ich Sie auch nie ver­gessen und nur mit meinem Tode würden meine Erinner­ungen, niein Hassen und Sehnen erlöschen."

Und meine Rückkehr würde Sie erfreuen?" fragte er.

Vielleicht das heißt, wenn Sie mich dann noch leb­end finden."

Warum ans Sterben denken? Sie sind noch so jung, gesund und haben voraussichtlich noch ein recht laivics Le­

ben vor sich.

Vielleicht," sagte sie mit müder Stimme.

Wieder diesvielleicht"!"

Nun ja, mit anderen Worten wenn cs mein Schick­sal will!"

Ihr Schicksal will es," sprach er mit fester Stimme.

Und doch kann schon der morgende Tag verderben­bringend für mich sein."

Wie soll ich das verstehen?"

Mit all dem Weh. das er mir bringen wird und das ich vorahnend jetzt empfinde. Um mich ist es düstere Nacht wie an dem Tage, da meine Mutter starb." So bedeckte ihr Gesicht mit den Händen und weinte.

Weinen Sie nicht," bat Roderich weich,Sie machen mir den Abschied schwerer, als er ohnehin schon sür mich ist; weinen Sie nicht mehr!"

Lassen Sie mich," sagte sie schmerzlich,die Tränen gewähren mir eine Erleichterung erst wenn sie versiegt sinltz hat mein Schmerz den Höhepunkt erreicht."

Und weshalb weinen Sie?"

' 'Ich vermag cs nicht zu sagen."

Gelten Ihre Tränen dem Abschiede von mir?" fragte er mit leiser Stimme.

Sie schwieg einen Moment, dann sagte sie bittend: Erlassen Sie mir die Antwort auf diese Frage."

Nun denn lieben Sie mich, Fräulein Ilse? Hier­auf müssen Sie mir Antwort geben, ich muß cs wissen," sagte er mit seltsam klingender Stimme.

Langsam ließ sic die Hände vom Angesicht sinken und ein Blick todestraurig und hoffnungslos traf Roderich.

Lieben Sie mich?" fragte dieser noch einmal.

Mein Gott wie wie kommen Sie zu deser Frage?"

Sie selber, Ihre Tränen verrieten mir die Sprache Ihres Herzens, >md darum frage ich Sie noch einmal: Lie­ben S>e mi-k>?"

die in Deutsch-Lothringen eingefallen war, und brachten ihr eine wahrhaft vernichtende Niederlage bei. Die erst- franzö­sische Fahne wurde erobert, ein französischer General getötet, 700 Gefangene, 2 Batterien und 4 Maschinengewehre sielen in unser. Hände, der Nest der Brigade wurde in die Wälder ac. trieben.

Wie im Westen, wo voraussichtlich die Enffcheidungskämpse gesck, logen werden, so haben wir auch im Osten gegen Rußland nur frohe Botschaften zu melden. Bei Soldau in Ostpreußen wurde eine russische Brigade vernichtet, Kibary, eine russische Ercnzfestc, erstürmt. Bei Biala mußte eine russische Kavalle- riebiigade unter Verlust von 8 Geschützen schleunigst über die Grenze flüchten. Di- russischen Städte Ez-nstochau, Kalisch und Bendzin sind von den Deutschen besetzt. Dabei herrscht in Rr ssisch-Polen die Revolution, das polnische Volk, der Knecht­schaft der Moskowiter müde, jubelt den eindringenden Heeren als Beftcicr zu. Ein- ernste Stunde für das Zarenreich be­ginnt zu schlagen.

Daß unsere Marine in diesen Tagen nicht ruhig zusicht, bedarf keiner Versicherung. Schon einen Tag nach der Kriegs-' erklörung bombardierte der KreuzerAugsburg" Libau und setzte den Kriegshafcn in Brand. Deutsche Schiffe beschossen algerisch- Kriegshäfen und richteten dort Verwirrungen an. Di- Krone aber setzte allem ein Hcldenstückchen unserer Blau­jacken auf, di- an der Themsemündung Minen legten. Wurden sie dabei auch von den Engländern überrascht und ihr Schiss, ein einfacher Bäderdampfer, zum Sinken gebracht, so flog dabei ein englischer Kreuzer, derAmphion" in die Luft. Glückauf zu dieser Wasfentat, die der Austakt, dessen sind wir gewiß, zu weiteren Taten sein wird.

Auch in unserem Bruder- und Bundesstaate Oesterreich ist aller Nationalitätenkamps geschwunden. Wer hätte es für mög­lich gehalten, daß in Böhmen Deutsche und Tschechen, Arm in Arm durch die Straßen ziehen, abwechselnd deutsch und tsche­chisch die Nationalhymne fingen und Oesterreich und Deutsch­land hcchleben lagen. Und doch ist es in der abgelaufenen Woche Tatsache geworden. Auch an der österreichisch-russischen Grenze hat unter siegreichen Gefechten, die den Heldenmut des Heeres bekunden, der Vormarsch in Feindesland begonnen. Heil Oesterreich auf deinen Wegen!

Das deutsche Volk steht auf, soweit die deutsche

Zunge klingt. VeroeN»., ------ u-»<- «'ep | . _ Gin einzige»

' Gefühlälchzieht alle deutschen Herzen: an uns wird schamlose verbrecherische Gewalttat verübt, wir sollen vernichtet und ausgelöscht werden aus dem Buch der Völker; Tücke und Rach­sucht, Scheelsucht und schmutziger Egoismus wollen uns die Le­benskraft unterbinden.

Das deutsche Volk steht aus. Ernst, geschlossen, einmütig, tatfroh, um einer Welt von Feinden zu zeigen, was ein Volk vermag, in dem der Geist lebendig ist, der Geist Got­tes, der uns diktiert:

Deutsch sein, heißt: edel denken und ge­

recht handeln. Und in diesem Zeichen werden und müssen wir siegen!

Gcmeinnichiges.

^ ... D. Bratlinge von Pusfbohnen.

Die schon ziemlich kräftige Bohnen werden in etwas ge­salzenem Wasser weich gekocht und zum Abtropsen aus ein Sieb gegeben. Dann treibt man sie nebst einer großen Zwiebel durch die Hackmaschine, gibt 2 Eier, etwas Salz und nach Be­darf seines Weckmehl darunter. Aus dieser Masse formt man flache Klößchen, die in Butter oder Palmin dunkelgelb gebra­ten werden. Diese Bratlinge sind ein guter und willkomme­ner Fleischersatz und besonders in teuren Zeiten.

Bekanntmachung.

Auf Befehl des Chefs des Feldeisenbahnwesens babei» Erntearbeiter auf den Eisenbahnen freie lllobr»

Friedberg, den 11. August 1914.

Großhcrzogliches Kreisamt- Frhr. von Scheuck.

Wie ein Hauch, kaum hörbar, kam ein leifesJa" von ihren Lippen, dann fuhr sie fort:Sa, ich liebe Sie init der ganzen Kraft und tiefsten Glut meines Herzens und werde nie aufhören Sie zu lieben, was auch kommen möge. Zwar weiß ich, daß ich meinenr Lebensretter nichts bin als ein schwaches, unbedeutendes Mädchen, dem die siegende Kraft des Weibes fehlt, den Mann, den es liebt, in Fesseln zu schlagen."

Sie wissen es nicht!"

Ich weiß es," sagte sie bestimmt.Und dennoch ver­mag diese Gewißheit nicht meine Liebe zu ertöten, sie wird mich begleiten, bis ich an dem vielleicht verhängnisvollen Wendepunkte meines Lebens stehe.

Nicht weiter, Ilse!"

Fragend blickte sic ihn an, als wollte sie in seinen Au­gen lesen, was fein Herz ihr zu sagen hatte.

Er rückte näher an sie heran, nahm ihre rechte Hand zwischen die seinen und sagte weich:

Nicht viel habe ich Ihnen zu geben, Ilse, aber neh­men will ich von Ihnen, um vielleicht zu gesunden, denn ein Herzcnskranker sitzt hier vor Ihnen, dein Ihre Liebe himmlischer Balsam sein soll."

Dann fing er an von seinerLicbe zu Erna zu erzählen, von seiner ersten Begegnung mit ihr bis zu seiner Abreise von Berlin und erwähnte schließlich noch seinen letzten Briefwechsel mit Erna. Er schloß mit den Worten:

Ich habe entsagt und will nun versuchen, die Liebe, die ich Erna in so reichem Maße entgegcnbrachte auf Sie zu übertragen. Und wenn es mir nicht sofort gelingen, sollte, so haben Sic Geduld mit mir; aus dem Keim, den die Pflicht gelegt hat. wird, so hoffe ich, eine Liebe erweich- fen, welche stark genug ist. Sie durch das Leben zu tragen." Und wie um seine Worte zu besiegeln, drückte er einen Kuß auf ihre reine Sfirn.

Fortsetzung.folgt.) ^