Beilage zur „Neuen Tageszeitung".
fit, 190
Samstag, den 15. August 1911.
7. Jahrgang
Für Zeit und Ewigkeit.
Predigt
geholte» am Kriegsbetlag in einer obcrhcsiischen Dorflirche.
Ps. 50 35. 15. Ruse mich an in der Rot, so will ich Dich retten, so sollst Du mich preisen.
Liebe Gemeinde!
Der Kaiser ries und alle, alle kamen! Man hat dies Wort gesprochen von den deutschen Soldaten, die aus des Kaisers Rus alle zu den Fahnen geeilt sind, aber, Gott sei Dank, wir i können es auch noch aus ein anderes Kaiserwort anwenden, aus das Wort: geht hin in die Kirchen, kniet nieder und betet. Die letzte Woche hat es gezeigt, datz unser Volk auch diesem Rus einmütig Folg« leisten will. In Berlin hat man Gottesdienst aus der ossenen Stratze abgehalten, weil die Kirchen zu klein waren — Gottesdienste, an denen bis zu 20 000 Menschen teil- nahnien! Fa unser deutsches Volk eisährt in diesen Tagen die Wahrheit des Wortes: Rot lehrt beten! Wir alle, vom ersten bis zum letzten, spüren es, datz Dinge über uns hereingcbrochen sind, die über alles Menschenmatz und alle Menschenkrast hin- vusgrhen, datz wir Hilfe holen müssen, bei einem der grötzer ist, als die Menschen und ihre Kräste. Und noch mehr: Wir ,pürc»s eben, datz das, was da über uns gekommen ist, überhaupt leine Menschensache ist, nicht daran hängt, ob Menschen sagen: wir wollen« oder wollens nicht, wir spüren, datz es ein Schicksal ist, da» über uns kam, das unsere band nicht schassen, aber auch nicht abwenden konnte! Und daneben doch wieder: datz dieses Schicksal herbeigezogen ist durch den Fluch menschlicher Schuld und Sünde! Und wenn wir von Schuld und
Sünde reden, denken wir nicht nur an di« Verlogenheit und das Unrecht unserer Feinde: Wir denken an UNS selber! Denken ruran, wie im Laus der letzten Zeit die gute alte Vätersitte iminer mehr und mehr zersallen ist und so ost Roheit und Un- »aiuc an ihre Stelle trat, denken daran, wie Putzsucht und Ver- aninrungssucht und die Sucht reich zu werden unser Volk so be- ycrrscht Hoden, vag pur nichts anderes mehr Raum wi», oeiiken daran, wie wir schon seit Jahren die Stimmen ernster Männer uuo Frauen hören mutzten, die uns zuriesen: es kann nicht so weiicrgehen, sonst kommt ein Ende mit Schrecken! Und Uber dieser Erkenntnis ist es unserem Volk nun aus einmal sest klar gcwoidc», datz es über all diesem menschlichen Irren und Sündigen eine hehre Macht der Gerechtigkeit gibt, deren Mühlen viilleichl manchmal langsam mahlen, aber ganz sicher! Unser deutsches Voll war in den letzten Jahren — gerade wie die Völker ringsum — draus und dran, diesen gerechten Gott seiner Väter zu vergesicn, NU» hat sich Gott mit Flammcnschrist unserem Volk wieder csfenbart, und Gott sei Dank: in der Seele
unseres Volles ist noch Ehrsurcht genug gewesen, um in dieser Flammenschrist Gottes Namen zu erkennen, und anbelcnd vor ihm in die Knie« zu sinken! Wir getrauen es auszujprechen: datz unser Volk in diesen Tagen seinen Gott erkannt hat, das war sein erster und vielleicht sein wichtigster Sieg in dieser ganzen schweren Zeit, und wir sind ganz sicher: an diesem Sieg hängt der Ausgang des ganzen Krieges! Eewjtz gibt cs ja auch jetzt Kleinmütige und Kleingläubige, di« sagen: habt ihr euch die ganze Zeit nicht um Gott gekümmert, so wird euer Angstgkschrei jetzt auch nichts mehr Helsen: Aber ich glaube, die so reden, die kennen unseren Herrgott gar schlecht! Rein, so kleinlich und gehässig rechnet der nicht, datz er sagt: wie du mir, jo ich dir, er rechnet wie ein Vater mit seinen Kinder» und auch dem verlorenen Sohn, der reuig heimkehrt, geht er mit Huld und Gnade entgegen und lätzt ihn erfahren: Ruse mich an in der Rot, so will ich Dich erretten. Darum wollen wir uns von diesen Kleingläubigen nicht irre machen lasten, sondern wollen oortreten und die Hände heben, und die Herzen ösjne» und wollen rufen nd flehen: Herrgott im Himmel, hilf uns, Hilf Deinem Volk. Er wird uns helfen. Ja er hat uns schon geholfen Es gibt in der Bibel ein Wort, über das schon mancher spöttisch gelächelt hat — heute erfährt unser deutsches Volk am eigenen Leib, datz dieses Vibelwort wehr ist, das Wort: Ehe denn sie rufe», hör« ich! Gerade wir auf dem Lande wisten es! Es sind noch kaum 11 Tage her, da haben wir alle geseuszt unter den unmäßig niedrigen Viehprei sen durch die Uebersüllung in den Ställen: und heute? da jagen wir: Herrgott wir danken dir, datz du gerade jetzt diesen Fleisch reichtum hast eintreten lasten, danken dir, datz du ohne unser Wiste» und Wollen vorgcsorgt hast, datz in dieser schweren Zeit Fleisch und Brot im Lande ist, llr unsere Soldaten und unser Volk! Ehe wir noch etwas getan, von der Rot, die uns dazu bringe» würde, zu dir zu schreien, hattest du unjer Rusen schon gehört und dafür gesorgt! — lind noch möhr! Fleisch und Brot tuts in solcher Zeit noch nicht! Roch mehr hat uns Eoit geholfen, eben schonr-Lb Mt in dieejn Tagen durch unser ganzes deutsches Volk vom Kaiser bis zum letzten Schulbuben eine holllodernde Begeisterung! Wo kommt die her? Keiner von uns glaubt, datz das Menschenhände machen könnten! Nein! Auch das ist Gottesgabe, ist heiliger Gottesgeist! Ist e; uns doch säst, als erlebten wir in diesen Tagen ähnliches, wie es die Jünger damals am ersten Psingsttag erlebt haben, da sie sich auch weinend und jauchzend in die Arme jaulen, im Angesicht ihrer Feinde, da ihre Herzen auch ersüllt waren vom Brausen eines einzigen todesmutigen Geistes, da sie sich jühllen als ein Voll wie Brüdern! Das ist heiliger Geist von Gott, der solches schasst! Wir ocrlennen nicht die große Ge-
>ahr, die in dieser unserer Begeisterung liegt, sie kann sehr unheilig werden, wenn wir sie entweihen durch Hatz und Unrecht, oder wenn wir nach einem Sieg in Ueberm»! und Frechheit aus unsere Mach! pochen würden und Gott vergäßen: Gerade da
rum inüsjen wir es immer wieder ansjprechen »nd uns cinpru gen: es ist heiliger Gottesgeist, der über uns gekommen ist. i>nt in heiligen und reinen Herzen wollen wir ihn bewahre»! Aus scgen wollen wir das Alte und Schlechte: all die Vornehmtuerei der letzte» Zeit, hinter der nicht» steckt als Lug »nd Trug, all das hohle und halbe Wese», vor alleen: auch: oll die Begtiem lichteit und Seldstsicherheit der letzten Jahre, die manchen von UN» einfach zu jaul gemacht hat. in di« Kirche zu gehe», zu faul, Gott zu juche» und seine Rechte und Gebote zu halten Wir wollen es in dieser ernste» Sinnde geloben: Du sollst unser Gott sein und wir wollet, dein Voll fein und wenn du uns »ach errungenem Sieg i» Frieden in unsi e, > Land wohnen löstest, d a » n wollen mit c s nie -> c r ges len, und es Kindern » nd K i ndrs k i ndern er z äh len, was d» an uns getan ha ft!
Liebe Gemeind.'! Es stehen schwere Wochen vor uns. und sic werden vielleicht Nachrichten bringen, über denen uns der Herzschlag stockt: Aber das sind wir gewiß: Wenn wir so als Gottes Volk in den Krieg ziehen, dann werde» wir all die. die wir vielleicht hier auf Erde» »ich« Wiedersehen sollten, sicher treffen in seinem herrlichen Land des Friedens — ja dann wird »ns Gott nach aller Saat doch eine» herrlichen Sieg gebe» und es wird eine Zeit komiaen, in der wir jubelnd bekennen türscn: Wir riesen Dich an in der Not, Du hast uns errettet und nun wollen wir Dich preisen. Amen.
Eljronilra dcr Krirgstzeschichle.
lllll. 2d. Juni. Ermordutig des österreichischen Thronfolger» Erzherzogs Franz Fredinand und seiner Gattin zu Sara jewo durch serbische Meuchelmörder.
23. Juli. Überreichung des österreichische» Uliiinalttins an
Serbien.
Ablauf öerseiben 25. Juli nachm. 0 Uhr.
25. Juli. Serbien br-an^'^' bno österreichische Ultimatum ungenügend. Um <:,:i0 K' Abreise des österreichisch »nga- rischen Gesandten, grhr. °. «li 11113
Wilhelm bricht seine Nordlandsres^>? b
26. Juli. Teilweise Mobilmachung in Oe,
27. Juli. Die ersten v-renzgefechte an der Ä.. negro erklärt sich für Serbien. — Ankunft Kaisers in Kiel. England ladt Deutschland, und Italien zu einer Vermittlungskanferenz ei».
28. Juli. Kriegserklärung Oesterreichs an Serbien. - De».
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