Ausgabe 
14.8.1914
 
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Nr. 189

Neue Tages,leiiung. Freitag, »en 14. Augujt 1814,

Seite 4.

Erna und Ilje.

Roman von D. Feußner.

28 (Fortsetzung).

Wollte Gott, cs wäre mir vergönnt, Sic glücklich zu machen," sagte Roderich bewegt.Aber eins muß ich Ihnen jetzt schon sagen: Sie werden mir gestatten, vor meiner Ab- reise noch einmal mit Ilse zu sprechen, denn belügen darf ich sic nicht-, ich werde ihr alles erzählen, damit sie erfährt, wie cs um mich steht."

Gewißl Das müssen Sie. Es ist dies auch leicht aus­führbar, da Ilse infolge der Abreise Mariens, die m.-rgcn zur Hochzeit ihres Bruders nach Hannover reist, viel allein ist."

Roderich versprach am Tage vor der Abreise um dieselbe Zeit wicderzukommcn, denn am Abend dieses Tages fand die Abschiedsfeier von Seiten des Regiments statt. Dann eilte er raschen Schrittes nach Hause, um schnell einige Zei­len an Erna aufs Papier zu werfen.

Die kurzen Worte lauteten:

Etwas Unvorhergesehenes zwingt mich zu tun, waS ich nie mehr zu tun gedachte: an Sie noch einmal eine Bitte zu richten.

Am 20. 8. reise ich von hier ab nach A,, und am 30. von da weiter über Berlin nach Bremen, berühre also am 30. abends St., von wo ich zwei Stunden nach meiner Ankunft vom Lehrter Bahnhof weiter fahre. Wenn Sie nun einem vielleicht für immer Scheidenden eine letzte Bitte gewähren wollen, so kommen Sie, bitte, in Begleitung Ihrer Lieben zum Bahnhof: noch etwas Wichtiges ist es, was ich mit Ihnen besprechen möchte.

Auf ein letztes Wiedersehen hofft Ihr ergebener

R. Tictze."

stets vorrätig bei

Elias Hofmann

Friedberg i. H. Färbergasse 4.

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mit Kasten und Ernteleitern ab­zugeben.

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zu lausen gesticht. Ofs. m. Preis unter M. SS«« an dieNeue Tageszeitung".

ist nicht aufgeschlagcn und kostet im Zentner und Einzel- verkaus den gleichen Preis wie seither. Leere Salz- läcke die ganz und sauber

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Lriedbeea, Kaiser-Ural!« S4G. T-l-ion 451.

Da viele Landwirte ihre Pfer­de zu Kriegszwecken abgegeben haben und deshalb gezwungen find andere anzuschasten.sür weiche sie aber leine passende Ecschirre haben, empsehic ich billige pral- tische

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welche sich besonders gut für lanü- ivirtschasUiche Zwecke eignen, auch für Pferde die vom Kummet wund gedrückt sind.

Karl Kuppel, Sattirre?,

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in Burgunder-Celee, ausgewogen V« Pfund 30 Pfg.» empfiehlt

Friedrich Micliel

_ Friedbera i. S. _

Sorget für kommende Zeiten, Lagt nichts umlommen.

Mehr wie in früheren Jahren gelten jetzt diese Worte.

Zum Eminachcn

von Bohnen, Kurten, Obst

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in allen Trägen bis 40 Psund Inhalt.

Rer-Gliisee uni) Flaschen Migere Nom-Wier

in allen Krätzen Durch großen Vorrat bin ich jetzt noch i n der angenehmen Lage zu alten Preisen alle Krätzen iicscrn zu können Nachlicserungen sind jetzt ausgc- chlojsen, deshalb ist baldige An- schastung nur zu empsehieii.

Bcrtauj nur gegen bare Zahlung.

£. ijilltrcdjt Wm.

I Fricddcr,'. ireitzl tr; fililhrtjr,«*.

Als der Brief vollendet war, warf er sich aufs Ruhe- lagcr, um das eben Erlebte noch einmal im Geiste an sich vorübcrzichen zu lassen.

Hatte er sich eine allzu schwere Aufgabe gestellt? Würde er das Maß von Seelengröße und Selbstverleug­nung besitzen, welches die Erfüllung derselben erforderte? Noch war er frei, noch hatte er sein Wort nicht verpsän- det, aber vierundzwanzig Stunden später dann gab cs für ihn kein Zurück! Zwar wollte er sich mit dem Mäd­chen, an das er sich aus Großmut zu binde» gedachte, noch nicht offiziell verloben, aber wenn er Ilse sein Wort gab, !o war ihm dies Versprechen heilig, auch ohne das äußere Symbol der Treue in Gestalt des Verlobungsringes. Und leicht würde es ihm werden, sein Wort zu halten was hätte ihn auch verleiten sollen, dasselbe zu brechen?!

Und doch wie mächtig würde die Dcrsnchnng an ihn hcrantreten, wenn er Erna Wiedersehen und sie ihm sagen würde:Ich habe mein Inneres erkannt, bisher war ich mir selbst ein Rätsel, nun aber ist es mir klar geworden, daß ich dich mit der ganzen Glut meines Herzens liebe erst jetzt beim Scheiden kommt cs mir zum Bewußt­sein, was du mir warst und noch bist nimm mich hin!"

Wo bliebe dann die innere Kraft, indem schier über­mächtigen Kampfe zwischen Mitleid und Liebe?.dv er nicht dem Tage grollen, da er sich die bergcsschwere Last der Pflichtersülliing selbst aufgebürdet?

Der £ i der Türglocke unterbrach seinen Gedanken­gang, Es der Postbote, 'welcher ihm die Mitteilung seines Frcunöes Karl brachte, daß dieser sich binnen kur­zem mit Hedwig verloben würde. Am Schlüsse des Brie­fes schrieb der Freund:Erna bleibt immer dieselbe, ja sie scheint noch verschlossener zu werden. Die junge Löwin läßt sich nun einmal nicht bändigen."

Alle Vorbereitungen zur Abreise waren getroffen, auch die Verfügung über sein Eigentum, falls er nicht zu- rückkchren sollte. Sein größter Schatz waren seine Bücher und er besgß deren eine große Anzahl: berühmte wissen-

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Bekanntmachung.

Es herrscht vielfach die Ansicht, datz mit Ausbruch des Krieges die Verpflichtungen gegen äfiemliche Kassen ruhen.

Dies trifft nur für Kriegsteilnehmer bezüglich der Steuern vom 1. August ab zu, soscrn deren Einkommen in Wegfall gekonimen ist.

Alle übrigen Steuerpfiichiigen sind auch weiterhin zur Zahlung der städiijchen Umlage und der sonstigen Kesälle verpflichtet.

Rcllamationen sind jedoch vorerst bei Er. Finanzamt nicht zu erheben, denn es wird bei der nächsten Mahnung der Gemeinde­steuer des I. und 2. Zieles, die bis zum 14. d. M>s. bezahlt sein müssen, sestgestellt werden, für wen Steuerpflicht vorliegt.

Zugleich wird unler Bezugnahme aus den Vermerk aus dem Steucrzettei daraus hingewiescn, datz unter Ausschaltung des Bar- gcidvcilchrs diretlc Ueberweizung von Einlagen beim Vorschntz- und Krcviwerein auf das Konlo-Korrcnt-Konlo der Siadlkasie crsolgen kann.

Es wird erwartet, datz Iedennann in dieser schweren Zeit die Ersüllung seiner Zahlungsoerbindlichkeiten <uch als vater» ländliche Pflicht b-Irachlet, da jür die Folge glotze Ausgaben von der Stadt zu erjüllen sind.

Friedberg, den 7. August 1914.

Ter Bürgermeister.

Stahl.

Bekanntmachung.

Die Regierung beabsichtigt, Einwohner der Festung Metz hier unterzubringcn.

Diejenigen, die gesonnen sind, solche aufzunehmen und zu verpflegcli, werden gebeten, dies alsbald im Stadthaus Zimmer Nr. 4 anzumelden.

Friedberg, den 11. August 1914.

Der Bürgermeister: Stahl.

Techniker

Besucher der Polytechnischen Lehr- anstall zu Friedberg sucht sich als

Maschinensütirer

bei den Erntearbciten zu be­tätigen. Eo. würde er bei jeder Feldarbeit mithelsen. Ansragen befördert die Erp. d. 31. Tagesztg.

lchaftlrche Werke, Lerikas und Klassiker vieler Nationen und Zeitalter, lieber jdes einzelne hatte er verfügt» nichts! bliev unberücksichtigt. Sinnend stand er am Fenster unks sah auf die Straße hinunter. Teilnalimslos betrachtete er das rege Leben cs war Jabrmarkt in der schmalen Straße: ihn konnte es nicht interessieren, seine Gedanken weilten in weiter Ferne.

Er sah nach der Uhr und murmelte:Es ist Heit, ich muß gehen; fürwahr ein schwerer Gang für mich!" We- nigc Minuten später schritt er der Wohnung des Ritter, gutsbesihcrs zu.

2» einer weiniimranktcn schattigen Laube des Gar- tens saß Ilse. Ans ihrem Schoß lag eine angefangen« Handarbeit, an der sie jedoch nicht arbeitete: sie vermochte ihre Gedanken auf nichts anderem zu konzentrieren die­selben weilten unablässig bei dem Gegenstände ihrer, ach, so leidenschaftlichen Liebe.

Sic war auffallend bleich, daS Atmen fiel ihr schwer, wie ein Alb lag es aus ihrer Brust. Die peinigende Un­gewißheit war es, die nrit erdrückender Schwere ans ihr lastete.

Ein Knirschen aus dem Kieswege ließ sie erschreckend ausblickcn, und jähe Röte schoß ihr in das vordem so bleiche Antlitz, als sie Roderich erkannte, der sich ihrem idyllischen Aufenthaltsorte näherte.

Verzeihen Sie, wenn ich störe," sagte er, einen Moment am Eingang stehen bleibend, "und gestatten Sie mir. Ihnen ein wenig Gesellschaft zu leisten.

Sie sind herzlich willkommen," erwiderte sic mit bc- bendcr Stimme.

Er setzte sich ihr gegenüber und sagte leichthin:Ihr Herr Vater hat Ihnen Wohl bereits mitgeteilt, daß ich nach China gehe?"

Ich erfuhr es bereits vorgestern abend."

Kam Ihnen mein Entschluß unerwartet?"

lFortsetzung folgt.)

Delrarmtmachrmg.

Die große Zeit stellt auch an uns ältere Aerzte, die wir allein Zurückbleiben mußten, große Anforderungen, die wir gern auf uns nehmen in einer Zeit, wo es gilt, daß jeder seine volle Kraft einsetzt.

Wir können indeß die ärztliche Versorgung der Stadt und der zugehörigen Oftschasten nur gewährleisten, wenn wir von der Bevölkerung in Maß und Form unserer Beanspruchung unterstützt werden.

Kranke, die gehen können und solche, die Auskunft haben wollen, sollen fich in die Sprechstunde begeben. Für die Besuche bei den Kranken ist es wichtig, wann und wie wir bestellt werden. Von Notfällen abgesehen, sind die Bestellungen vor Ablauf der Sprechstunde zu machen, so daß die Zeit, die für Besuche zur Verfügung steht, planmäßig ausgenutzt werden kann. Nur in wirk­lichen Notfällen verlange man sofortige Besuche- Man sei deshalb zurückhaltend mit dem Ruf:gleich kommen".

Auch das segensreiche Telefon darf nicht zum Miß­brauch verleiten.

Nachtbesuche sind möglichst zu beschränken.

Bei Verletzungen und besonders dringenden Not­fällen sind auch die Aerzte des Krankenhauses und Herr Dr. Nebel, (Weedgasse 3,1) zur Hilfeleistung bereit.

Dr. Weckerling, Mainzertoranlage-, Sprechstunde vor 9 Uhr vorm., 23 Uhr nachmittags.

Dr. K. Becker, Bismarckstraße 5, Sprechstunde 79 Uhr vorm., 13 Uhr nachmittags.

Aufruf.

Infolge des uns von England erklärten Krieges wird uns unsere Nahrungsmittelzufuhr stark gefährdet, wenn nicht gar vollständig abgeschnitten. 2m Einver­ständnis mit der Landwirtschastskammer für das Eroß» herzogtum Hessen und der übrigen hessischen Handels­kammern bitten wir dringend, die irgend wie entbehr­lichen Arbeitskräfte in Industrie und Handel der Land­wirtschaft zuzusllhren, damit sie dort die so überaus wichtige Ernte bergen Hellen. Nähere Auskunft erteilt das zuständige Kreisarbeitsamt (städt. Arbeitsamt.)

Wir erwarten, daß alle Firmen unseres Bezirks bei dem großen Ernst der Lage fich ihrer vaterländischen Pflichten bewußt sind und unserem Ersuchen so weit wie möglich entsprechen.

Friedberg, den 6. August 1914.

Eroßherzogliche Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten.

H. L. Langsdorf Rechtsanwalt u. Notar A. Stahl

Vorsitzender. Syndikus.

DckanntmachnnA.

Der Tag der Auszahlung der Taxsummen für infolge der Mobilmachung angekauften Pferde wird demnächst bekannt gegeben.

Friedberg, den 7. August 1914.

Ter Bürgermcisrrr.

Stahl.