Ausgabe 
14.8.1914
 
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Nummer 18N

Freilag, den 14. August 1VI4.

7. Iayrgnna

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Der Krieg.

^lchts Neues an -er Ost und Westgrenze. Vordringen der Oestereicher. Englands Kriegs' ertlarung an Oesterreich. Russische Varbarei. Russischer Rückzug.

§ik Lkdkuinng -krMiitnlkglilig vorderEhtmlk.

Bon Sieh. Admiralitätsrat P. Koch.

(Mit Genehmigung des Reichsmarineamts veräsfentlicht)

Dem kühnen Borgehen unseres MinendampfersKönigin Luise" und der ruhmvollen Leistung seiner Besatzung kommt unseres Erachtens eine weit über den militärischen Erfolg hin­ausreichend« Bedeutung zu. England hat alle seine Kriege nur aus engherzigsten wirtschastlichen Interessen geführt,' wie England einen Krieg gegen Deutschland ausfatzt, zeigte schon im Zahle 1887 der berühmte Spectator-Artikel. Die Vernich­tung der deutschen Welthandelsstellung war den Briten wohl eine» Krieg gegen Deutschland wert. Noch immer aber be­mannt dieses Volk seine Schiffe mit Söldnern, noch immer kennt es die allgemeine Wehrpflicht nicht, und noch niemals hat es Krieg geführt gegen ein Volk, das, gesetzliche Hecres- jolge leistend, für seine heiligsten Güter kämpst. Seit den Ta­gen de Ruyters, der zugrunde gehen mutzte, well ihn sein Land im Stiche Uetz, hat England keine feindlichen Kriegsschisse vor der Themse gesehen, jetzt zum erstenmal blicken sie aus die to- dcsvcrachtende Entschlossenheit eines von ihnen bisher rntcr- schätzten Volkes, das ihnen militärisch zuvorzukommen strebt, und nicht anzuerkcnnen willens ist, daß den Briten dieüber ragende erdrückende Vormachtstellung aus der See" von rechts wegen zusteht.

Ein heilsamer Schrecken wird durch die Easien der City gegangen sein, wenn man auch in London alles versuchen wird, das zu bestreiten. Und schon darum haben die Braven von der Königin Luise" dem Vaterlande einen unendlich wichtigen Dienst geleistet und sind keinesfalls umsonst gestorben.

Datz dieKönigin Luise" ihre Absichten erreicht hat, geht schon aus dem Untergang des modernen englischen Kreuzers Amphion" hervor, der im englischen Unterhaus verkündet werde» mutzle. Die deutsche Besatzung das wutzte sie von vornherein ging den gleichen Weg bei ihrer Ausfahrt wie Lconidas aus dem Marsch nach den Thermopylen. Datz es ihr aber gelungen ist, vor der Themse-Mündung an englischer Küste der englischen Flotte den ersten Verlust b-izubringen, be­deutet sür ganz England eine ernste Beunruhigung und zugleich eine Störung des englischen Aufmarsches.

Für uns aber liegt darin die herzerfreucndc und unsere Zuversicht stählende Bestätigung, datz der Geist vomMeteor" und vomIltis", der Geist der Männer im Turm desU. 8" in unserer Marine lebendig geblieben ist.

glcnc Erfolge miikltl ycrbiinktcn.

Wien. 13. August. Von dem nördlichen Kriegsschauplatz wird gemeldet: Di- österreichisch-ungarischen Truppen sind wei­ter in Russisch-Polen -ingerückt. Ungefähr 788 russische Deser­teure wurden nach Linz, Salzburg und Innsbruck eingcbracht.

Enslail-sKckgstrklänmganOesterrtllh-Wgllln

Wien, 13. August. Heute Mittag \'A Uhr ist der eng­lische B 0 t s ch a s l e r in, Ministerium des Auswärtigen er­schienen und hat erklärt, datz sich England von gestern (Mitt- woch Mitternacht) an als mit Oesterreich-Ungarn im Kriegs­zustand bejindlich betrachte, Gleichzeitig hat der Botschafter eine Pässe gefordert.

Wien, 13. August. Das Wiener Corr.-Burea» teilt mit, ,atz die englische Kriegserklärung in solgcndcr Form erfolgt «i. Der Botschafter Grotzbritanniens erschien im Ministerium res Acntzcrn, um zu erklären, datz Frankreich sich als im Kriegszustand mit Oesterreich-Ungarn befindlich betrachte, -> dieses den Bundesgenossen Frankreichs, Rutzland bekämpfe -- Frankreichs Feind, das Deutsche Reich, unterstütze. Zuglei- klärte der Botschajtcr, datz mit Rücksicht auf das Beryiae-: Frankreichs auch Gr 0 tz b r i t a n n i e » sich als im Kricgrzu- stande mit der Monarchie befindlich betrachte.

Aegypten erklärt den Krieg.

Rom, 12. August. Aus Kairo «iird gemeldet, der Mi nistcrrat erklärte Aegypten mit Deutschland im Kriegszustand und vertraute das Land dem englischen Schuh an. Die englischen Etrcitkräjlc können daher im gan­zen Lande und allen Häsen Kricgsrcchtc aucüben.

Alt IHinfn in der Aoidlkk.

Berlin, 1L August, Gegenüber ander:le.uLcndcn eng­lischen Nachrichten des Foreign Office ist das Wclsi'sche Tele- graphenbureau von maßgebender Stelle ermächtigt, zu erklä­ren, daß keineswegs in der Nordsee deutsche Kontakt mi- nen acleot sind welcbe die neutrale Schissehri gefährden, son­

dern einzig und allein in unmittelbarer Nähe der englischen

Küste.

Russische Menchelmörder.

Berlin, 13. August. Hofrat Alfred K a t t n e r , der seit mehr als 38 Jahren im deutschen konsularischen und diplomati­schen Dienst in Rutzland tätig war, und der bei der kürzlichen Abreise der deutschen Botschaft zurückgelasien worden war, ist, wie derLokal-Anzeiger" mitteilt, vom Petersburger Pöbel ermordet worden. Wie sich jetzt hcrausstellt, ist die mordgierige Volksmasie ungehindert in die im Zentrum Pe­tersburg gelegene Botschaft eingedrungen, machte zuerst den greisen deutschen Beamten in bestialischer Weise nieder, plün- berie die Räume und steckte das Palais in Brand. Al» die Po­lizei und die Feuerwehr hcranrückten, war dar Entsetzliche be­reits geschehen. Hofrat Kattner, der aus Schlesien stammte, machte als Kriegssretwilliger den Feldzug von 1878-71 mit Auszeichnung mit. Rach Beendigung des Krieges bezog er da­mals die noch deutsche Universität in Dorpat in Livland, wo er besonders mit dem Korps der Kurländer in besonders nahe Be­ziehungen trat. Bis an sein Lebensende unterhielt er mit den baltischen Deutschen, die seine ungewöhnlichen geistigen und ge­sellschaftlichen Gaben hochschätzten, enge Freundschaftsbande.

Russischer Rückzug.

Der ständige Korrespondent derReichspost" in War­schau konnte, nur wenige Kilometer von Warschau entsernt, seinem Blatte drahtlich Mitteilen, datz nicht nur Warschau, son­dern alle russischen Städte des Gouvernements Warschau von den russischen Behörden und Truppen verlassen werden. Der Rückzug der Russen, die noch nicht ihre Reservisten cin- zichcn konnten, ersolgte nach R 0 r d 0 st e n.

Nowo Resorma" veröffentlicht einen Artikel aus War­schau, in dem es heißt:

Wie es heute in Warschau aussicht, kann sich niemand vor- stellcn. Die Russen sind fort. Es klingt wie ein Hohn. Roch vor einiger Zeit erhielt man, wenn jemand dies anzudcu- ten wagte, allgemein die Antwort: Wahnsinn, Phantasie! Und doch sind die Russen fort, einsach geslüchtct, nach solchen Mengen vergossenen Blutes, nach 58 Jahren schrecklichster Grausamkeiten. Roch in den letzten Tagen wurden Nacht für Nacht neue oder mehr Unglückliche gehängt und die Hästlinge in den Zellen ge­foltert. Bor sieben Wochen noch hatten wir eine sörmliche Jagd auf die Schuljugend, die akademische Jugend, die Pfad­finder und die Schützen. Heute ist dies vorbei. Es gibt keine Beamten mehr, die die Aufgabe haben, Banditen zu organisie­ren. Heute kann man endlich sich auf die Strotze hinaus wa­gen. Jetzt könne der einzelne und alle zusammen di- Larve abwcrscn und jeder lann zeigen, wer und was er ist.

Aus Warschau wird den polnischen Blättern mitgetcilt, datz nicht nur in einigen Städten sondern überall die Ge­fängnisse von den abzichcndcn Russen gcössnct und die Verbrecher srcigclasscn werden. Auf diese Weise hat auch der Pater Macoch, der Hap.tphcld der Tschcnstochaucr Mordas- säre, seine Freiheit erlangt, ebenso wie die Gefangenen zahl­reicher russischer Banditcnscharcn.

Um die Polen zu ködern, hatte der Eeneralgouocrneur vor seinem Abzüge die Nachricht verbreiten lassen, er sei vom Za­ren ermächtigt worden, de» Polen zu garantieren, datz sie nach dem Kriege weitestgehende Autonomie erhalten würden. Die polnische Bevölkerung bringt aber diesen Versicherungen das größte Mißtrauen entgegen.

Aus der Ukraine.

Berlin, 13. August. Privatmcldungen aus Ezernowitz zusolge ist dort cm 8. August eine ganze Kompagnie ukraini- ser Kosaken eingetrosjen. Sie kamen in voller Ausrüstung mit ihren Pferden an. Di- Deserteure erzählen, datz in allen Grenzstädte» der russischen Ukraine Proklamationen an das ukrainische Volk erlassen worden sind. Die ukrainische revolu­tionäre Partei fordert in dieser Proklamation das ganze ukrai­nische Volk zu einem Aus st and gegen Rutzland aus, um so die Ukraine vom russischen Joch zu befreien.

Ein fittliiültrr franWch-riijßlchtt tnitgsplan.

Wien, 11. August. DieWiener Allg. Zeitung" schreibt: 2e;u.-.n:hmcnd aus frühere Meldungen über die französisch-rus­sische Militärlonvention und den Besuch Poincar.'s in Peters- b: rg im Jahre 1S12. Wir können heute aus guter Quelle den Zweck des letzten Besuches Poincar-'s in Petersburg im Juli 1911 enthüllen. Poincarö stellte mit Sasonowo in langen Un­terredungen fest, datz die russische und französische Armee Ende 1315 mit ibrcn Vorbereitungen fertig werden würden, um

eventuell eine kräftige Ossensive gegen Deutschland und Oester­reich Ungarn führen zu können. Es wurde diese Frage ,n allen Details sowohl nach der militärischen wie nach der finanziellen Seite hin erörtert und der Termin 181« als derjenige ftstgc- stellt, an dem das Uebergcwicht Rußlands und Frankreichs in Europa, sei es auf Grund zweier schlagfertiger Armeen, fei e, mit den Waffen, sestzulegcn sei. Wie sich jetzt zeigt, haben beide Reisen Poincarös das Ziel verfolgt, sür di- Erhaltung des europäischen Friedens sehr gesährlichc Abmachungen zu treffen. Diese Abmachungen, die Poincarö mit Sasonow in diesem Jahre in Petersburg getrossen hat, sind der deutliche Beweis sür bi- wahren Absichten, die in Petersburg und Pa­ris an den matzgebenden Stellen geherrscht haben.

Eine Proklamation dcs Snltaw.

Konstantinopel, 12. August. Der Sultan hat fol­gende Proklamation an die Armee erlassen:

Während wir im Friede» sür den Fortschritt unsere- Va­terlandes arbeiteten, ist in Europa ein großer Krieg ausgebr». chen. Um mit Gottes Hilfe unser Recht zu wahren, habe ich alle meine Kinder zu den Fahnen berufen. Roch vor Ablauf der ersten Mobilmachungswoche ist eine Anzahl junger Män­ner cingerückt. Die ersten Bedürfnisse der Armee sind gedeckt. Ich bin außerordentlich gerührt durch den Patriotismus. den mein Volk an den Tag gelegt hat. Ich ordnete an, datz Me älteren unter den nichtausgebildeten Eingezogenen zur Zeit beurlaubt werden. Bis sie neuerdings zu den Massen geruscn werden, werden sie die Feldarbeiten der bei den Fahnen ver­bleibenden Kameraden mitvcrsehen müsse». Meine Regierung will die Fortdauer des Friedens. Dank der Hilfe Lottes und seines Propheten bin ich sicher, datz wir das Land und feine Rechte unter allen Umständen werden verteidigen und schützen können. Ich entbiete allen meinen Kindern meinen Eruß.

Die Proklamation schließt mit dem Ausdruck des Wuujchcs, datz die Soldaten ihren Vorgesetzten gehorchen und im Notfälle wie ein Mann in den Tod gehen. Der Sultan hoffe, datz die Armee ihre Pflicht tun werde.

Ein Gcreütler derKönigin tuilc".

Berlin, 13. August. Aus dem BäderdampferKönigin Luise", der vor der Thcmsemündung Minen legte und dabei zum Sinken gebracht wurde, befanden sich auch zwei Erohber- liner. Einer von ihnen wurde glücklicherweise gerettet, wäh­rend über das Schicksal des anderen noch Unklarheit herrscht. Der Gerettete ist der 42 Jahre alte Postassistent Georg Wittich aus Pankow. Wittich hatte sich kurz nach Ausbruch des Krie- ges der Marine zur Verfügung gestellt und war der Besatzung des BädcrdampfcrsKönigin Luise" zugetcilt worden. Aus einer an seine Angehörigen in Pankow geschriebenen Karte teilt er mit, daß er wie durch ein Wunder dem Tode entron­nen sei. Er habe lange Zeit mit den Wellen gekämpft, che er eine Schisssplanke habe umklammern könne». Rach längerer Zeit habe ihn ein deutsches Kausfahrtcischiss an Bord genom­men und ihn nach Westerland aus Sylt gebracht. Infolge der Strapazen und Quetschungen war Wittich so erschöpft, datz er sofort einer Klinik zugesührt werden mutzte. Er hat sich aber schnell erholt und ist bereits gestern in Wilhelmshaven cingc- trosscn. Der andere Erotzberliner von derKönigin Luise" ist der Maschineningenieur Bank aus Steglitz, Cohn des Direktors der Steglitzer Eisvertricbsgesellschaft und früheren Gcmeind«- verordnctcnbank. Bon ihm fehlt bisher jede Nachricht.

Die Haltung Bulgariens.

Sofia, 13. August. Das BlattCambana" führt in ei­nem Leitartikel aus, datz Bulgarien keinesfalls mit Rutzlai. d gehen dürfe, weil selbst in dem unwahrschein, lichsten Falle eines russischen Sieges nur Serbien auf Kosten Bulgariens groß werden würde. Bulgarien müsse jcdensalls alles ausbieten, um zur Vernichtung Serbiens beizutragen und mit der Türkei und dem Dreibund innigen Anschluß suche». Jede andere Politik könne sür Bulgarien böse Folgen haben.

Belgische Lügen.

Vor mir liegt die Lütticher ZeitungLe Bien Publique", Edition spcciale vom Freitag, dem 7. August. Ein deursches Ehepaar, das einen Tag vor der Einnahme unter Zurück- lassung von Hub und Gut geflohen ist- brachte die Nu inner mit »ach Deutschland. . . . Unter dem Titel in Riesen- Icttcrn:Ein furchtbarer Kampf auf der ganzen Linie der Befestigungen. 100,000 Deutsch- im Kampf. Bewunde- rung-würdiger Mut der Belgier. 14 Kanonen und -rah­nen c>beutet bei deni Kampf um Fort Barchon. Xic