Ausgabe 
13.8.1914
 
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vir. 188

Sie»« Tageszeitung. Donnersrag, den IS. Avgaft 1811.

Seile 4.

Erna nnd Ilse.

Nomon von T. Feußner.

27 lFortsetzung),

*' Ilse wich nicht von der verblichenen Mutter, sie weinte weinte, weinte Tag und Nacl>t und noch klingt mir jetzt das WortMutter", welches aus der Tiefe ihres Herzens kam und alle Liebe, Sehnsucht und Klage, deren ein Kind fähig ist, in sich verbarg, in den Ohren wieder. Doch die Tränen versiegten, das Gesichtchen wurde immer bleicher, die Augen glanzloser; ein Bild zum Hcrzbrcchcn. Alle ihre Kraft war mit den Tränen versiegt, und als wir die Mutter hinaus ;ur letzten Ruhe trugen, lag Ilse selbst totlrank in ihrem Bett«. Der Schmerz war für das weiche Herz zu gewaltig; sic genoß zwar wieder und ist jetzt eine blühende Jungfrau, doch sagte mir der Arzt damals, wen» ihr ein zweites Mal das Liebste genominen wurde, müßte sie sterben; und ich glaube cs selbst."

Der Rittergutsbesitzer schwieg und sah Roderich forsch- cnd an, als wollte er in dessen Zügen lesen, ob seine Erzähl­ung Eindruck aus ihn gemacht oder nicht, iSie haben mir noch nicht alles gesagt," cntgegnete die­ser,denn noch weiß ich nicht . . ."

Sie sollen gleich alles erfahren," unterbrach der Kranke und fuhr fort:Die Zeit ist da, in der Ilse zum andernmal entrissen werden wird, was ihr teuer war. Sie liebt einen Mann, ohne jedoch von denselben wiedergc- licbt zu werden."

ü Roderich sing an zu verstehen, doch fragte er:Woher wissen Sie, daß dem so ist, und wer, d. h. wenn ich fragen darf, ist denn eigentlich der Mann?" lIlse hat mir gestern abend gebeichtet, und mit seltener Schärfe tauchten die Erinnerungen der eben erzählten Zeit vor meiner Seele auf, besonders aber der Ausspruch des Arztes. Der junge Mann, den Ilse liebt, geht in einiger Zeit nach China und Ilse wird nicht überwinden können."

Beide sckstviegcn. Roderich wußte jetzt worum es sich handelte und tiefes Mitleid zog in seine Brust.

Verzeihen Sie," brach der Rittergutsbesitzer das pein­liche Schweigen,daß ich Ihnen das alles sage, aber beden- kcn Sic, mein einziges Kind, der Sonnenschein meines Al­ters, und den Ausspruch des Arztes. Angst und Sorge um Fis« haben mir das Ihnen Gesagte diktiert.

Au meiner Abreise nach China läßt sich nichts mehr ändern, Herr Ruth," sagte Roderich traurig,und wüßte ich wirklich nicht, wie ich Ihnen helfen könnte.

Daran ist allerdings nichts inehr zu ändern, aber kön­nen Sic Ilse nicht durch einen Hoffnungsschimmer tröstc»? Im kleinsten Funken würde sic ein Licht sehen, und jedes kleine Lebenszeichen von Ihnen sie ne» beleben."

Roderich schwieg einen Moment, dann sagte er:

Auch Sie werden mir gestatten. Ihnen einen Teil mei­ner Lebensgcschichtc zu erzählen, erst dann können wir über diesen Punkt weiter sprechen."

Gewiß! Gewiß!"

Und Roderich erzählte von seiner Begegnung mit Erna, wie er sic aus dem See rettete, wie seine Liebe zu ihr be­gann, die allmählich so heiß und innig wurde, von dem Ab­schiede von ihr, von dein Briefe, in dem sie ihm alle Hoff­nung nimmt, und von den Abschiedszcilcn, welche er ihr gestern abend geschrieben und schloß mit den Worten:

Uin meinen. Schmerze zu entfliehen, gehe ich nach China, denn hoffnungslos ist meine Liebe gewesen, und hat mir bittere Enttäuschungen gebracht."

So seid ihr ja beide krank und wunden Herzens," rief der Rittergutsbesitzer.

Arme Ilse, armes Kind! Ich wollte es für*dich tun, aber es ist mir nicht gelungen, so wird dich zum zweitenmal der Schmerz darniederwerfen ich werde bald allein sein."

»Ist Ilsens Liebe zu mir, so tief, daß ihr das Ent­sagen so schwer fallen wird?" fragte Roderich.

Meine Tochter liebt nur einmal I Entsagen hieß für sie sterben."

Roderich war aufgestandcn und ging erregt auf und ab.

Sein Geist arbeitete; er sann und sann.

Mitleid, Pflicht und entsagende Liebe sind nicht das beste Fundament des zukünftigen ehelichen Glückes. Eine ungeheure Sclbstübcrwindmig und Charakterstärke gehören dazu, aus Mitleid und Pflichtgefühl zu tun, wa? die Kraft der reinen Liebe so leicht macht.

Vor seiner Seele stand das schöne, bezaubernde Bild Ernas, nach dessen Besitz er sich mit der ganzen Kraft seines Herzens sehnte, dem er aber gestern abend cntgültig entsagt hatte, denn nicht für ihn war die holde Mciischenbluiiic ge­wachsen, nicht ihm galt ihr seelenvoller Blick und der Schlag des jungen Herzens, aber er wollte seiner Liebe zu ihr eine höhere Weihe geben, indem er dieselbe aus kein anderes weib­liches Wesen übertrug.

Dann tauchte plötzlich ein anderes Bild vor ihm auf.

Ein ebenso schönes Wesen, aus dessen Augen unsäglich^ Oiwl und unermeßlich Seelenweh sprachen. Und ein tieftrauriger Mann stand daneben, der ohne helfen zu kön­nen, die welkende Blume mitleidig betrachtete.

Und sollte ich auch selbst nicht glücklich werden," dickste er bei sich,so will ich doch versuchen, andere glücklich zu machen; vielleicht quillt mir aus dem Bewußtsein dies gc- tan zu haben, beglückende Kraft zur weiteren Pflichterfüll­ung und ein hehrer Hcrzensfricden, als schönste Perle des Daseins."

Er blieb jetzt vor dem Bette stehen und blickte den Rit­tergutsbesitzer eine Weile schweigend an, dann sagte er:Ich bin bereit, Ihrer Tochter ein Versprechen zu geben nnd hof­fentlich Manns genug, dasselbe auch zu halten, vorausgesetzt daß meine Rückkehr im Rate des Allmächtigen beschlossen ist.

Sie sind ein edler Mann, doch verzeihen Sic nochnials, daß ich so Großes von Ihnen verlangt habe, aber das Be- wußtsein, zwei Menschen glücklich gemacht zu haben, wird Sie zufrieden und stolz machen."

'lFortfetzung folgt.)

Mpcine Msmikcnkassc für ikn Kreis Friedberg.

Bekanntmachung.

Nach dem vom Reichstag angenommenen Notgesetz sind die .riträgc vom 3. August ab wie folgt festgesetzt:

1.

Klaffe 24 Pfg.

6.

Klaff- 96 Pfg.

2.

36

1 .

108

3.

45

8.

129

4.

" 63 ;;

9.

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7a ..

10.

162

Das Krankengeld wird vom 4. Krankhettstage ab gewährt i:nd beträgt:

1.

Klasse

0,40 Mk.

6.

Klasse

1,75

0,65

7.

2,00

3.

0,90

8.

2,40

4.

1.15

9.

2,65

5.

1.40

10.

Pt

3,00

Das Sterbegeld beträgt:

2.

25,00

7.

80,09

3.

35,00

8.

95,00

4.

45,00

9.

105,00

5.

55,00

19.

120 00

Der Absatz 2 in § 21 der Satzung ist außer Kraft gesetzt. Lausende Krankhcitsiälle weiden hiervon nicht berührt.

Wir sehen uns veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Bei- rräge nach wie vor gezahlt werden müsien. Die Meinung, daß der Kriegszustand die Zahlungspflicht ausschalte, ist irrtümlich. Gegen säumige Zahler sind wir gezwungen mit Mahnung und Pfändung vorzugehen, auch mache» sich säumige Zahler evtl, strafbar, wenn sie der Zahlungspslichi nicht nachlommen.

Selbstverständlich besteht auch die Zahlungspflicht weiter sür freiwillige und weiter versicherte Personen und werden diese aus 8 10 Abs. 3 der Satzung hingewiesen.

Nur wenn pünktliche Zahlung erfolgt, ist es uns möglich unseren Verpflichtungen gegenüber den Kranken nachzukommen und hoffen wir, daß der vorstehende Hinweis genügt, damit wir nicht init Pfändungen und evtl. Anzeigen vorgehen müsien.

Friedberg, den 12. August 1914.

Carl Danrm, Borsitzender.

Bekanntmachung.

Vom II. Mobilmachungstage 12. August ad, darf Reisegepäck wieder angenommen und mit allen Militärlokalzügen befördert werden.

Ferner werden rom gleichen Tage an bis aus weiteres sämmt- liche Militärlokalzüge zur Beförderung von Lebensmittelrr, wie Ee- trcide, Mehl, Salz. Kartoffeln, Fleisch, Wurstwaren, Brot, Eier, Butter, Käse. Gemüse, Hülsenfruchte, Obst u. s. w. freigegeben.

Auch Vieh dars in beschränktem Umfange mit diesen Zügen besolde rt werden. Hierüber geben die Dienststellen nähere Aus- tunst.

Die Freigabe der Militärlokalzllge sür Lebensmittel und Vieh erstreckt sich zunächst nur aus Transporte innerhalb des Eisenbahn Drreltions-Bezirks Frankiurt a. M. Ob und inwieweit demnächst auch Lebensmirtel- und Viehsendungen nach Bahnhöfen anderer Be­zirke angenommen werden, wird rechtzeitig bekaimt gemacht.

Ein Ausspruch aus Beförderung besteht jedoch nicht; sie et- solgt auch nur insoweit, als die Züge nicht durch militärische Transporte bereits voll belastet sind.

Franksurt a. M., den 10. August 1914.

Der Bevollmächtigte: Der Linienkommandant:

gez. M a r I i n gez. Ziemßen

Regi.'iungs- und Baurat. Major.

Hafer-Versteigerung.

Samstag, den 15. August I. 3s. vormittags 9 Uhr kommt trn Ort und Stelle an die Aleiftdiotenden zur Versteigerung:

Die Haferernie au, dem Halm von ca 48 Morgen des zwischen dem Donnersgraben und Frauenwald gelegnen Feldes.

Nähere Auskunft erteilen die Parkwartc Gries und Stculee, sowie die Unterzeichnete Stelle.

Zusammenkunft um 9 Uhr hinter Lern Teichhaus.

Bad-Nauheim, 11. Aug. 1914.

Der Forftasfistent Gr. Bade- und Kurverwaltung 3. V. Obl

SdjliifMni

MWk

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Mayer 3. IM

Friedberg (Hessen)

Telefon Ho 1.

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2tes Kalb zugfest abzugeben.

Balthasar Schäfer III.

Beigeordneter

Dortelweil.

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Bekanntmachung.

Die Regierung beabsichttgt, Einwohner der Festung Metz hier unterzubringen.

Diejenigen, die gesonnen sind, solche auszunehmen und zu verpflegen, werden gebeten, dies alsbald im Stadthaus Zimmer Nr. 4 anzumelden.

Friedberg, den 11. August 1914.

Der Bürgermeister: Stahl.

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Stefan Kahn, Inheiden-Hungen.

Helranntmachung.

Die große Zeit stellt auch an uns ältere Aerzte, die wir allein Zurückbleiben mußten, große Anforderungen, die wir gem auf uns nehmen in einer Zeit, wo es gilt, daß jeder seine volle Kraft einsetzt.

Wir können indeh die ärztliche Versorgung der Stadt und der zugehörigen Ortschaften nur gewährleisten, wenn wir von der Bevölkerung in Maß und Form unserer Beanspruchung unterstützt werden.

Kranke, die gehen können und solche, die Auskunft haben wollen, sollen sich in die Sprechstunde begeben. Für die Besuche bei den Kranken ist es wichttg, wann und wie wir bestellt werden. Von Notfällen abgesehen, sind die Bestellungen vor Ablaus der Sprechstunde zu machen, so daß die Zeit, die für Besuche zur Verfügung steht, planmäßig ausgenutzt werden kann. Nur in wirk­lichen Notfällen verlange man sofortige Besuche- Man sei deshalb zurückhaltend mit dem Ruf:gleich kommen".

Auch das segensreiche Telefon darf nicht zum Miß­brauch verleiten.

Nachtbesuche sind möglichst zu beschränken.

Bei Verletzungen und besonders dringenden Not­fällen sind auch die Aerzte des Krankenhauses und Herr Dr. Nebel, (Weedgasse 3,1) zur Hilfeleistung bereit.

Dr. Weckerling, Mainzertoranlage, Sprechstunde vor 9 Uhr vorm., 23 Uhr nachmittags.

Dr. K. Becker, Bismarcksttaße 5, Sprechstunde 79 Uhr vorm., 13 Uhr nachmittags.

Bekanntmachung.

Es herrscht vielfach die Ansicht, daß mit Ausbruch de» Krieges die Verpflichtungen gegen öffentliche Kaffen ruhen.

Dies trifft nur für Kriegsteilnehmer bezüglich der Steuern vom 1. August ab zu, sofern deren Einkommen in Wegsall gekommen ist.

Alle übrigen Steuerpflichtigen sind auch weiterhin zur Zahlung der städtischen Umlage und der sonstigen Gefälle verpflzchiet.

Nektamationen sind jedoch vorerst bei Er. Finanzamt nicht zu erheben, denn es wird bei der nächsten Mahnung der Gemeinde, steuer des 1. und 2. Zieles, die bis zum 14. d. Mts. bezahlt fei, müsien, festgestellt werden, für wen Steuerpflicht vorliegt.

Zugleich wird unter Bezugnahme auf den Vermerk auf dem Steuerzeltei daraus hingcwiefen, daß unter Ausschaltung des Bar- geldveikehrs direkte Uederweisung von Einlagen beim Vorschuß- und Kreditverein aus das Konto-Korrent-Konto der Stadllaffe erfolgen kann. , .

Es wird erwattet, daß Jedermann in dieser schweren Zell die Erfüllung seiner Zahlungsverbindlichkeiten auch als vater­ländische Pflicht betrachtet, da für die Folge groß« Ausgaben von der Stadt zu ersüllen sind.

Friedberg, den 7, August 1914.

Der Bürgermeister.

Stahl.

Kekannlmachnny.

Der Tag der Auszahlung der Taxsirmmen für infolge der Mobilmachung angekauften Pserde wird demnächst bekannt gegeben.

Friedberg, den 7. August 1914.

Dcr Bürgermeister.

Stahl.