Ausgabe 
12.8.1914
 
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Nummer 187

CIIC

7 . Jahrgang

Mittwoch, den I!2. August 1014.

DieNeue Tageszeitung" erscheint leben Werttag. Ncgelmäßige Beilagen9^ Kauer aus Helsen",Die Spinnstube". Kezngopreis: Bei den Bostanstalten vieriellährlich Mk. 1,05 '»«i den Agenten monatlich 50 Pfg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 20 Pfg., lokale 15 Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnah.ue erhüben Erfüllungsott Friedberg. Schriftleikung und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauer,trage 12. Fernsprecher 4^. Psstscheck-Conto Nr. 48»S, Amt Frankfurt o. Vk.

Die erste französische Fahne erobert!

(tine französische Brigade geworfen. Herrlicher Geist in der Marine. Frankreich und Oesterreich. Auch Serbien und Montenegro hadert Dentfchlnnd den Krieg erklärt.

Die Schlacht bei Lagarde.

Berlin, 11. August. Eine vorgeschobene gemischte Brigade des sranzösischen 15. Armee­korps wurde von unseren Sicherungstruppen bei Lagarde in Lothringen angegriffen. Die Gegner wurden unter schweren Verlusten in den Wald von Parroy (nordöstlich von Lunö- ville) zurückgeworsen. Er ließ in unseren Händen eine Fahne, 2 Batterien, 4 Maschinen­gewehre und 700 Gefangene. Ein französischer General ist gefallen.

Dem Dcrsuck>« dcr Franzosen im Ober-Elsaß auf deut­schem Boden cinznfallcn ist gestern ein zweiter im lothring. ischcn Gebiet, unweit dcr dcutschen Grenzstation Tcutsch- Avricourt, gefolgt. Und wie wir gestern eine Sicgesbot- sltiast »leiden konnie». io ko»!'»» wir beute sreudcerfüllt be­richten, daß auch bei diesem Versuch die Franzosen mit so alutigen Köpfen hcimgcjchickt worden sind, derb ihnen das Wiederkommcn vergehen diiistc.

Tic erste französische Fahne, dcr hoffentlich noch recht viele solgcn tverdcn, ist von den Deutschen erobert worden. Wen» weiter bekannt wird, daß 700 Gefangene in die Hände dcr Tcutsckh:» gefallen sind, daß zwei Batterien und vier Maschinengewehre erobert wurden und daß ein franzö­sischer General gefallen ist, so geht man wohl nicht fehl, wenn man annimmt, dab die ganze Brigade von deutselser Tapfer- seit zerschmettert wurde und daß wohl nur wenige Rothoscn aon den schützenden Wäldern bei Luncville aufaenommcn worden sind.

Mit Jubel wurde auch diese Botschaft überall in dent- Ichen Landen ausgenommen. c

Aber auch mit Dank gegen unser braves Heer, das voll- ans das Vertrauen rechtfertigte und das, wie es scheint, in si irrer Starke und seiner Zuversicht auf Gott und unsere gerechte Sache jeden Widerstand einfach über den Haufen rennt. Tic Bcdentung des grotzcn gemeldeten Sieges bei Mülhausen ist um deswillen noch umso höher anzuschlagen, weil cs sich bei dcr Besiegung des 7. Armeekorps uni ein französisctvs Elitrkoip« handelt. War doch die Vogesen-Di- disiv», eine Hecresableilung, auf die dcr Franzmann beson­ders stolz ist, weil ihr die Wacht an den Vogesen zugcfallc» rst. Nun niußtc diese stolze Truppe deutscher Tapferkeit unt, liegen. '-.ij«

Fürwahr, wir können mit den Ergebnissen dcr ersten 10 Kriegslage zufrieden fein: Tie Mobilmachung verliefluic am Schnürchen", keine Aufregung, überall die Ruhe, die nur die sichere Siegeszuversicht gewähren kann. Dann dre Erstürmung von Lüttich, zwei Versuche dcr Franzosen in .mscr Land einzudringe», siegreich zurückgeworsen und end- lich erfolgreiche Gefechte u. Vormarsch an dcr List grenze! Da­bei in der Marine ein kriegerischer Geist, der alten Wickingcr würdig! Helfe Gott »ns so weiter und führe unser Heer zu hcrrlia » Siegen zum Schirm rrnd zur Ehre unseres geliebten dcutschen Vaterlandes.

itfldl km Zitae bei Wiilhriiisrn.

Die dcrFrauksnrtcr Ztg." berichtet wird, wurde in Berlin mit berechtigter Freude und Genugtuung, aber ohne Ucbertrcibng dcr Erfolg unserer Waffen gegen drei srauzü- sischc Divisionen bei Mülhausen in der Lrssentlichkeit und in den Blättern gewürdigt. In einer der Konferenzen, die ein Oberst des GcncralstabcS mit Vertretern der Presse ab- hält, ist besonders hervorgchobcn worden, datz dieser Schlag gegen die Franzosen ebenso wie die Eroberung von Liittrch umso bedeutungsvoller sei, als beide noch in das Stadiirm dcr Mobilmachung sielen, und weil cs sich in beiden Fällen nicht um Zufalls- oder Augenblickserfolge, sondern vielmehr um Errungenschaften handle, die planruäbig vorbereitet und wohl erwogen warcri. Es ist auch den Laien bekannt, welche große Bedcutnng man in Frankreich dem durch das Lech bei Belsort auszusährenden Vorstoß dcr französisck>en Armee ins Lbcrclsaß beigelcgt hat, einem Vorstoß, dcr nun in sei­nem ersten Versuch vereitelt worden ist.

Bei der strengen Geheimhaltung, die mit Neckst über alle militärischen Vergängc bewahrt wird, darf es nirbt Wundern, daß über das Schicksal des geschlagenen sri>^>äfi­schen 7. Armeekorps, das bekanntlich nach denr Süden abgc- dränat sein soll, nichts bekannt wird.

Pie (utiflkit kr killlchrn Wik.

Amtliches Tclcgranmi.

bieder die Tätigkeit unserer Flotte in dem vlby.'rrge» Kriegsabschnitt wurde bekannt, daß auf den drei KriegS- schauplätzcn. der Nordsee, dcr Ostsee und dem Mittclmccr, Teile der Marine ihre Tätigkeit bis an die scindlichcii Küsten vorgeschoben haben. Diese Unternehmungen zeigen den of­fensiv militärischen Geist, dcr unsere ganze Flotte beseelt.

Tie Beschießung des KricgshafcnS von Libau und seine Sperrung, wobei von unseren Strcitkrästcn, außer dem klei­nen KreuzerAugsburg", auch dcr KreuzerMagdeburg" beteiligt war, sind von Erfolg begleitet gewesen. Die da­durch hervorgcrufcue Bestürzung zeigt sich in der Sprengung dcr Hafcnanlagcn von Hangö.

Nicht minder wirksam war das Erscheinen unserer im Mittelnrcer befindlichen Schiffe an dcr Küste von Algier und die Beschießung der befestigten Plätze Philippsville und Bone, wodurch die französische» Truppentransporte in er­heblichem Maße gestört wurden.

Nach englischen Zeitungsnachrichten machte das helden­mütige Vorgehen der kleinenKönigin Luise" unter Führ­ung des unerschrockene» Kommandanten, Korvettenkapitän Bicrmann, tiefen Eindruck und erregte in ganz England Be- sorgnis.

Trotz der schwierigen Lage, in welcher sich unsere oft ein­zeln stehenden Airslandsschisfc meistens überlegenen fremden Strcitkrästcn gegenüber befinden, hat der kleine Kreuzer Dresden" nach englischen Nachrichten den TampscrMaure tiana" der Cunardliuic bis vor den Hasen von Halifax gc- jagt.

In dcr Nordsee unternahmen unsere Seestrcitkräftc mehrfach Vorstöße, ohne auf den Gegner zu stoßen. Die Natur des Seekrieges bringt es eben mit sich, daß auf die­sem Kriegsschauplätze Zusammenstöße, die wahrscheinlich zur Entscheidungsschlacht führen würden, unter Umständen erst nach geraumer Zeit zu erwarten sind.

Augsburg" undMagdeburg" »nbcschädigt.

TieNordd. Allg. Ztg." entnimmt den Kieler N. N. mit Erlaubnis des Neichsmarineamtes folgendes: An eini­gen Kieler Geschäftshäusern wurden von unberufener Seite dieser Tage Depeschen angeschlagen, wonach die Kriegsschiffe Magdeburg" undAugsburg" beschädigt seien. Von amt­licher Seite sind wir ermächtigt worden, festzustcllen, daß dieMagdeburg" und dieAugsburg" unversehrt sind.

Furcht vor einem dcnlschc» KrirgSschisf.

Kein französisches Schiss wagt in den Archipel auszu- laufen aus Furcht vor einem deutschen Panzerschiff, das in dcr Nähe dcr Dardanellen kreuzen soll. Ein französisches Paletbert fuhr unlängst in die Dardanellen, mußte jedoch wieder »nikchre». Der französisebc StationärJean Blan­che" mußte sich nach Sebnstopol flüchten. Zahlreiche andere Schisse sind im Hasen sestzcbannt.

Oki (Gmff fjfrtfü fir dit' llollf.

TosMilitiirircchrirblati" cr.Ihe.lt folgenden Gruß des Heeres für die Flotter

Auch England wider Hätte uns Albien nicht

den Zchdehandlchnh hrngeworlen, so wurde die Karlerliche Ma­rine. während die Armee in schwerem Kamps nach zwei Fron­ten stehen muß. zitternd vcr Ungeduld gefragt haben:Und

wir? Die Antwort auf diese Frag,« ist j'tzi gelöst. Unfrrc Marine geht mit dem mächtigen Gegner zur See, den die Welt bisher lanntc, zum Kampf.

Mährend die alte Armee eine lange glorrerarc rse'rhichte IN dicke» Bänden zu verzeichnen hat. ist rcn dcr jungen Kaiser­lichen Marine bisher nur das Vorwort geschrieben, das einzelne glänzende Majfcntaten enthält.

Jetzt aber schlägt sie das Hauptbuch er> ::. o ic: an, in ihm ihre Taten mit ofternem lärifte! niederzulchrriten: Tie

braveAugsburg" hat Las erste Kapitel tegcnnen. Taß die Flagge nur sinken, aber niemals nicL.r.chclt werde» lann, we ß jeder Teutsche! Tic Armee ist stolz aus ihre junge Schwester im £>inbli<f aus die lommcndcn Tage! Glück auf zur große» Fcucrprcbc! bl a n an Len Feind!"

Ans Nnfsifch Polen.

Berlin. 11. August. Die Strecke Eosnowice-Tfchenstochau ist wicdcrhcrgestcllt. Zahlreiches rollendes Material und große Kohlcnvorräte wurden erbeutet. Auch die Brücke Lei Eranica ist wiederberacstellt.

rlorpokiiliMt nii brr unterm Poiitiü.

Budapest, 11. Aug. Heute Nacht setzten zwei Dctächc- nrente- der- KI. Jnfanteric-Rcgiincnls unter der Führung von drei Leutnants auf Kähne» über die untere Tana» und war- fe» sich aus die dort befindliche» feindliche» Vorposten. Es entspann sich ei» blutiges Handgemenge, bei welchem die Ser­ben hi! Tote und viele Verwundete zurücklieben. Tic Verluste auf unserer Seite betrugen nur t Tolcn und drei Verwundete. Nachdem die Detachements, die sich durchweg aus Leuten zufarn. mcnfetzten. welche sich freiwillig gemeldet hatten, mehrere Te< lcphondrähtc des Feindes zerschnitten und mit ziemlichem Er­folg Sprengungen von Brücken und Stegen vorgcnommcn hat. ton. lehrten sic in das Lager zurück, wo sie mit Jubel empfan. ge» wurden. Es ist zu bemerle», daß sich in den Rethen dieser heldenmütige» Leute viele bctandcn, deren Mntterfprachc scr bisch ist.

Frankreich und Oesterreich.

Abbruch dcr diplomaiischcn Beziehungen.

Jniolge des besonders in den lctzlen drei lagen zwilchen Mir» und Paris gcpslogcncn Mcinungsanstausches teilte die französische Regierung auf Ernd dcr internationalen Lage mit Rücksicht ans die ungenügende» Erklärungen, welche die österreichisch ungarische Regierung betreffend die Entsen­dung österreichisch ungarisch« Truppe» nach Deutschland gab, den, österreichisch ungarischen Botschafter vormittags mit, bah sie sich genötigt sehe, den sranzösischen Botschastcr in Wien ab- zusierusen und dem österreichisch ungarische» Votschatscr die Pässe zuzustcNen. Der Botschastcr verließ daraus Paris in einem nach Italien abgchenden Sondcrzuge. Beim Abschiede wurden die Formen dcr internationalen Höslichkeit gewahrt. Die Botschafter dcr Bereinigten Staaten in Paris und Wien übernahmen den Schutz dcr üsterrcichifch-ungarifchen bczw. fran- zösischcn Untertanen.

Die Kriegserklärnttg Serbiens.

Berlin, II. Äug. Der serbische Geschäftsträger in Ber­lin hat vor seiner Abreise noch die Kriegserklärung Serbien» on dos Deutsche Reich übergeben. Daraus sind die diplomati­schen Beziehungen zu Serbien ebenso wie die zu Montene­gro abgebrochen worden. Jetzt wird'» aber gefährlich!

Die <5rrite.

Amtliches Telegramm.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die seit Beginn des Krie­ges vielfach heroorgetretene Befürchtung, es werde wegen der Einberufung eines großen Teiles der landwirtschaftlichen Be­völkerung zu den Fahnen nicht gelingen, die Ernte hereinzu­bringen. darf jetzt als unbegründet bezeichnet werden. Nach den aus preußischen Provinzen vorliegenden Berichten ist de Vcdar? an Erntearbeitern in den meisten Gebieten aus den brsmastigungslos gewordenen gewerblichen Arbeitern der Um­gegend gedeckt worden. Es fehlt jetzt nur noch in wenigen öst­lichen Bezirken, hauptsächlich in der Provinz Ostpreußen an landwirtschaftlichen Arbeitern. Mit dcr Beförderung von Ar­beitern nach dem Osten ist begonnen worden; da Arbeitskräfte reichlich zur Verfügung stehen, wird die Nachfrage in kurzer Zor Überall befriedigt werden können.

Dre Einigung dcr Slawen.

Mit», II. Au». Die Pecsie wendet sich mit Entschieden­heit gegen die Ausführungen des rulsischen Kaisers lowic gegen die Ellliiiringen des Ministers des Acußceen Safonow in dcr Duma. DasFrcmdenblatt" sagt:Die Ansprache des ru.si, scheu Kaisers, mit der er ojsenbar prollamierte, daß Rußland über die Slawen in dcr östcrrcichisch-ungarilchen Monarch,, ein Protektorat e.»strebe, beweist, daß es höchste Zeit war, dal wie denr bis an den Dhron gelangten Panslawismus dal Schwert entgegensetzten. Roch schärfer tritt dieses Bestreben in dcr Rede Sasonows hervor, der jetzt offen zugesteht, daß das Ziel, welches er mit dcr Schäftung des Ballanbundes verfolgte, di- Einigung der Slawen, mit anderen Worten, die Zerstörung Oesterreich Ungarns war. Die Slawen und Orthodoxen Oestcr- rcich-Ungarns zertraten in den letzten Tagen diesen panllawi- stifchc» Ecdanlen. Mit herrlichce Einigkeit schlosicn sich die Bcrtreicr der Slawen in der Monarchie zusammen und statt einer Einigung dcr Slawen mit Rußland vollzieht sich >» Mrrllichkcit eine starke unauflösliche Einiauno d.- «>a. wen gegen Rußland."

!>tr ffiiifltisiRiiö ks klglichrn Niobs.

D ll f f e l d o r f, 10. Aug. Der Brüsicler Bertrcter von Mctsfs Tclegrevbifchem Bureau, dcr am Eamstaa Nacht mit