Ausgabe 
11.8.1914
 
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Uiimmer 186

Dienstag, den 11 . Angnst iiH4

7. Jahrgang

Dt«Um* Tagr»,ett»ng ' rrjchetn: >eden SLerltag. Regelmäßige Beilagenvrr H-urr au» H»I7»u", ,.vi« Spinnliube". K»,»zoz>r«i»: Be, den Postanstalten tneneliätjrltrt) «!. 1 ,'ij b«i 6en Slßenten monatlich 50 Pfg. hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Auseigen I Grund,eile 20 Vfg- lokale 15 Psg Anzeigen von auswätts werden durch Postnachnahme erzoiie» Ersüllungsott Friedberg. KcheiMeitang und vertag Friedberg lhesienf, Hanauerstraß« 12. Fernsprecher 48. Pastlcheck-Loato Nr. 485g. Amt Franlsnrt o. NI.

Leder ein deutscher Lieg

f

Die Franzosen bei Mülhansen geschlagen. Die Oesterreicher nnd Rnffen. Die Vorgänge bei

der Einnahme von Lüttich. Die erste Verlustliste.

Frau Fama hat eben gute Tage, sie kann ihre Zunge fleißig spazieren lassen. Schon am Sonntag schwirr­ten die abenteuerlichsten Gerüchte durch die Luft. Fünfmal- hundcrttauscnd Franzosen sollten durch das Vogesenloch in das Obcrelsaß eingefallen sein, sie sollten Mülhausen erobert haben nnd bei Lörrach (!) sollte eine Schlacht stattsindcn. Den Zagen begann das Herz zu klopfen. Auch am Montag verstummten die Gerüchte nickst. cS lag in der Lust, es mußic was vorgefallcn sein, war cS gutes oder böses.

Endlich kam die Entspannung und abermals ein d c u t - scher Sieg! Das 7. französische Armeekorps nnd eine Tivision, die BclsorlS Besatzung bildete, versuchten in das Elsas, cinzudringcn, sie wurden in der Nähe von Mülhausen oou d?utschen Trichpen ausgehalten und nach Süden zurück- gcworfen. Tic Franzosen erlitten ungeheure Verluste, wöh- rrnd die der Tcntichen nicht erheblich sind.

Das geht ja wacker! Fast scheint es, als wolle sich das Schauspiel von 1870 wiederholen: Schlag auf Schlag! Ter Heldcnt 't von Lüttich, die einst hell in der Geschichte crstrah- len wird, ist der Sieg in L berelsaß gefolgt. Es ist anzu- nehmen, daß etwa 70,000 Franzosen an der Schlacht beteiligt gewesen sind, die entsprechenden deutschen Kräfte in Betracht gezogen, so kommen wir zu den, Schluß, daß die Bedeutung >cr gestrigen Schlacht nicht hinter der Schlacht bei Wörth urücksteht, mit der 1870 der Neigen der großen deutjckM Siege eröffnet wurde.

Tic Fassung der amtlichen Depeschen läßt di« Hofs- nung zu, daß den Franzosen der Rückmarsch nach Belsort ab- gcschnitten ist, sie tollen nach Süden zurückgeworfen sein und im Süden liegt die schweizer Grenze. Würde sich der Sieg derart krönen, dann wäre dem berüchtigten Vogesenloch ein Teil seiner Gefahr benommen und wir könnten es benutzen, um den Krieg auch dort in die Gefilde Frankreichs zu tragen.

So mußte cs kommcnl Wir müssen und wir werden siegen! Unser Vertrauen ans Gott und unsere große Sache, mit der unsere tapscrcn Krieger vor den Feind rücken, wird sich reckt fertigen. Der Ansang ist gemacht. Die ersten Siege erheben das Herz unserer Truppen, soweit die Begeisterung, die dort herrscht, überhaupt noch gesteigert werden kann. Den Feind aber entmutigen seine Niederlagen, mit Grauen wird er jetzt schon das Bild der 70er Jahre vor sich aussteigcn sehen und ihm mit fürchterlicher Deutlichkeit klar werden, was es heißt. Teittschland vnzugreisen.

Und droht cs von Osten und dränt es von West,

Wir schlachten den Bären, den Hahn uns zum Fest.

Fällt neidisch uns an auch die ganze Welt,

Sie lernt uns schon kennen, der Angriff zcrfpellt!"

Ein dcntzcher Sieg!

Der von Belsort in bas Oberelsaß vorgedrungene Feind, anscheinend da» 7. sranzösische Armeekorps nnd eine Znsanterie- diuision der Besatzung von Belsort, ist gestern von unseren lrnppen aus einer verstärkten Stellung westlich von Mülhau­sen in südlicher Richtung zurückgeworsen worden. Die Verluste unserer Truppen sind nicht erheblich, die der Franzosen groß.

vit sslunolkn nnd) der 5'chivm gedrängt?

Zu dem deutschen Sieg bei Mülhausen wird weiter berich­tet, daß die Franzosen mindestens 70 000 Mann stark gewesen seien, denen die Deutschen nur schwächere Kräfte gegeniiber- stellen konnten. Es soll gelungen sein, de» Feind nach der schweizer sichen Grenze abzudrängen. Eine amtliche Bestä­tigung dieser Nachrichten liegt nicht vor, sie sind daher mit Vorsicht auszunehmen.

Ein sransökllher flirgcr heniulttgeld,offen.

Trier, 10. August. Ein französischer Flieger, der über Diedenhosen geslogen war, wurde bei Amanweiler herabgeschosien.

Französische Flieger warfen heute Nacht bei dem Eisen- bahnlnotenpunkt Karlhaus bei Trier ersolglos Bomben auf die Bahn.

Weiterer Erfolg gegen dieNnsien.

Berlin, 10. August. Drei im Grenzschutz bei Ehdtkuh- nrn stehende Kompagnien, unterstützt durch heraneilende Feldart illerir, warsen die über Romeiken aus Schleu- ben vorgehende 3. russische Kavalleriedivision über die Grenre zurück

Oesterreich ungarische Erfolge.

Wien, 10. August. An der ganzen Grenze von O st - und Mittelgalizien erneuerten die Russen gestern früh ihre Versuche, in österreichisches Gebiet einzusallen. Außer Ka­vallerie traten auch Fnsanterieabteilungen und Geschütze in Tätigkeit. Trotzdem wehrte der österreichische Grenzschutz alle Angriste ab. Die österreichischen Verluste, die nicht genau bekannt sind, find nur geringfügig. Ein besonders heftiger Kamps entspann sich mit zwei Cotnien Kosaken. Die angegrif­fenen Grenzposten hielten den Feind aus und nahmen ihm neun Pferde ab, woraus einige reitkundige Soldaten der Posten eine Attacke ritten. Dies veranlaßte die durch das Feuer arg mit­genommenen Kosaken zur eiligen Räumung des Gesechtsfeldes, auf dem sie 90 Tote und Verwundete zurllckließen. Die Lester­reicher hatten keine Verluste. Eine österreichische Erenz- abteilung, die von Oesterreichisch Rowosielitze über di« Mohile- Hohe bis zu dem gleichnamigen russischen Grenzort vorgedrun­gen war, wehrte eine Reihe von Angriffen überlegen ab. Da der mit dem Vorstoß beabsichtigte Zweck inzwischen erfüllt war, wurde der Abteilung befohlen, ihre srühere Stellung wieder einzunehmen, die weiter behauptet wird. Im Verlaufe der mehrtägigen Kämpfe und bei Beginn des Vorstoßes bis zum Einrücken in ihre ftühere Stellung büßte die Abteilung 4 Tote und 5 Verwundete ein. Von den österreiijchen Erenztruppen wurden die zur Lösung besonderer Ausgaben unternommenen k-eineren Vorstöße erfolgreich durchgeführt.

ssefolgreidieg vmrhtli -er yalir. Junglihühen.

Wien, 10. Aug. (SS. B.) DieGazetta Parana" mel- det aus Krakau: 800 galizische Jungschützen unter Haupt- mann Frank überfielen heute Nacht etwa 1000 schlafende Kosaken bei Mjechow. Der Kampf dauerte einige Stunden und endete mit dem vorllständigen Rückzüge der Kosaken, die etwa 400 Tote und Verwundete hatten. Hauptmann Frank hatte 140 Verwundete und besetzte Mjechow. DieNeue Freie Presse meldet aus Lemberg: Die Jungschützen, welche Mjechow einnahmen, setzten den Marsch nordwärts fort nach Ksiaz, das nach kurzem Scharmützel besetzt wurde. Die Rus­sen liehen viele Tote und Verwundete sowie bedeutende Pro­viantvorräte zurück. Es heißt, daß auch Pilitza und Kiele« von den Russen geräumt worden sind. Unter den polnischen Jungschützen herscht große Begeisterung.

Die IWontnirgrinfr in Wykkil.

Wien, 9. Aug. (SS. B. Die Montenegriner beschossen Eattaro und stellten das Feuer, das von den Oesterreichern erwidert wurde, um 6 Uhr abends wieder ein. Die Oester- reicher hatten keine Verluste. Das Feuer der Montenegri­ner war völlig wirkungslos. Die Stellungen der Oestcr- rcichcr wurden nicht beschädigt.

Beschicßnng von Slntivari.

Mailand, 9. Slug. Tie montenegrinische Hafcnst idt Slntivari wurde gestern beschossen. Zerstört sind die Jndust- ricwcrke der von Italien finanzierten Compagnia di An- tivari, die Hasenstation, das Hafenkommando, die Lager­häuser, die Funksprühstation. Tic Lcslcrrcicher verschon­ten das italienische Konsulat und das italienisch: Hotel Marina." Obwohl der Kommandant derSzigetvar" den Italienern Sicherheit versprach, zogen cs die in Antivari befindlichen 90 Italiener vor, sich nach Italien cinzuschifscn. Nur Konsul Nicccolini verblieb in Slntivari.

Angriffe der Montenegriner.

Wien, 10. Slug. (W. B.) Sluf den, südlichen Kriegs­schauplatz zeigten die Montenegriner gestern und vorg-stern große Angriffslust gegen die österreichisch-ungarische Grenze. Am 8. August brachen sie in einer Stärke von 1000 Mann gegen den Grenzposten östlich der Festung Trebinjc ror. Tie Verluste der Oesterreicher betragen einen Offizier und 21 Mann; die Montenegriner hatten 200 Tote, ferner sah man zahlreiche Schwcrvcrwundctc sich zuriickschleppen. Slni 9. August früh versuchte eine andere montenegrinisch: Ko­lonne, die Posten bei Gab und Slntowatz zu überfallen. Tie Besatzung entdeckte den Anschlag und wies ihn tapfer zurück.

Amilidikg iibfr -eil fnU non Mich.

Berlin, 10. Aug. (SB. B-) In einer Tepesche des Ge- neralquartiermcistcrs heißt es: Aranzösisckzc Stackrichten ha- ben unser Volk beunruhigt. Es sollen 20,000 Deutsche vor Lüttich gefallen und der Platz überhaupt noch nicht in uns«, ren Händen sein. Durch die theatralische Verleihung des Kreuzes der Ehrenlegion an die Stadt Lüttich sollten diese Angaben bekräftigt werden. Unser Volk kann übe>-zeuot

sein, daß wir weder Mißerfolge verschlvcigen, noch Erfolge ausbauschcn werden. Wir werden die Wahrheit sagen und haben das volle Vertrauen, daß unser Volk uns mehr glau­be» wird als dem Feinde, der seine Lage vor der Welt mög- lichst günstig hinstellen möchte. Wir müssen aber mit unse­ren Nachrichten zurüekhaltcn, solange sic unseren Plan der Welt verraten können.

Jetzt können wir ohne Nachteil über Lüttich berichten,

Jeder wird sich selbst ein Urteil bilden können über die von den Franzosen in die Welt geschrieenen 20,000 Mann Verluste. Wir hatten vor vier Tagen vor Lüttich überhiupt nur schwache Kräfte. Denn ein so kühnes llntcrnelnn:n kann man nicht durch Ansammlung überflüssiger Truppenmassen verraten. Daß wir trotzdem den gewünschten Zweck erreich­ten, lag in dev guten Borbereittu,g und rn der Tapferkesi unserer Truppen, der energischen Führung nud dem Bei- stände Gottes. Ter Mut des Feindes wurde gebrochen, seine Truppen schlugen sich schlecht. Tic Sckiwicrigkeit für uns lag in dem überaus ungünstigen Berg- und Waldgclände und in der heimtückischen Teilnahme der ganzen Bevölker- ung, selbst der Frauen, an dem Kainpfe. Slus dem Hinter­halte und den Ortschaften aus den Wäldern feuerten sie aus unsere Truppen, auf die Slerztc, die die Verwundeten bc- handelten und die Verwundeten selber. Es sind schlvere und erbitterte Kämpfe gewesen. Ganze Ortsä»,sie,> mußten zerstört werden, uni den Widerstand zu breäzen, bis unsere Truppen durch Fortsgürtcl gedrungen waren und in dem Besitz der Stadt sich befanden. Es ist richtig, daß ei» Teil der Forts sich noch hielt, aber sie feuerten nicht mehr. Seine Majestät wollte keinen Tropfen Blutes durch Erstürmung der Forts unnütz verschwenden. Sic hinderten nicht mehr an der Durchführung der Slbsichten. Man konnte das Her- ankomnicn der schweren Artillerie abwarten und die Forts in Ruhe nach einander zusammenschießcn, ohne nur einen Mann zu opfern, lieber dieses alles durste eine gewissen­hafte Heeresleitung nicht ein Wort veröffentlichen, bis sie starke Kräfte auf Lüttich nachgezogen hatte und auch kein Teufel es »ns mehr entreißen konnte. In dieser Lage be­finden wir un? jetzt. Die Belgier haben bei der Behaupt­ung der Festting nichr Truppen gehabt, wie sich jetzt über­sehen läßt, als von unserer Seite zum Sturm antraten. Jeder Kundige kann sich daraus die Größe der Leistung er­messen, sic steht einzig da. Sollte unser Volk wieder ein­mal ungeduldig ans Nachrichten warten, so bitte ich, sich an Lüttich zu erinnern. Das Volk hat sich einmütig um seinen Kaiser zur Slbwehr der zahlreichen Feinde geschart, sodaß die Heeresleitung annchmcn darf, cs werde von ihr keine Ver­öffentlichung verlangt werden, die ihre Absichten vorzeitig dem Feinde kundtun und dadurch die Durchführung der schweren Aufgabe vereiteln kann.

Der Generalquartiermcister gez. v. Stein.

Zeppelin OL in (Tätigkrit.

Berlin, 10. Aug. (SB. B. Wie dieKölnische Volks- zeitung" meldet, istZ. VI" am Donnerstag früh 9.30 Ilhr von einer Kreuzfahrt aus Belgien zurückgekehrt. Don der erfolgreichen Fahrt erfahren wir zuverlässig folgendes: TcS Luftschiff beteiligte sich in hervorragender Weise an dem Kampfe, der sich bei Lüttich entspannen hatte und konnte sehr wirksam in ihn eingreifcn. Slus einer Höhe von 600 Meter wurde die erste Bombe geworfen, die ein Versager klieb. Darauf ging das Luftschiff bis 300 Meter herab ni.d schleuderte weitere 12 Slomben, die sämtlich explodierte». Infolgedessen geriet Lüttich an mehreren Stellen in Flau,- men. Sämtliche Bomben wurden von einen: Unteroffizier der Besatzung ans der hinteren Gondel herabgeworfen. Der Unteroffizier war noch der Landung des Luftschiffes unter den Tausenden von Zuschauern ein Gegenstand bcgcilteele: Ovationen.^

Was die Belgier dachten.

Wenige Tage vor dem Fall von Lütttch berechnete eint belgische Zeitung, daß Deutschland unter den augenblickliche:: Umständen zur Forcierung der Lütticher Besestigungen von ih.er Macht mindestens 125 bis 290 900 Mann detachieren müßte, und dies ohne besondere Chancen aus E r - solg oder wenigstens eines raschen Siege»!Vergeffen wir nicht, daß der Eindringende, nachdem er die 35 999 Mann, welche die Position Lüttich verteidigen, überrannt hätte, sich noch durch unsere Feldarmee von mindestens 129 999 Mann schlage': müßte. Dies alles muß von den deutschen Strategen studiert worden lein. Sie wißen auch, daß Belgien lest ent-