Uli,murr 184
Samorag» den 8. August 1914.
eue Tageszei
7. Iayrgauq
Dis „Bene Eae-»i»itung" «rlchcini irden WcrIIag. Regclmätzige Beilagen „Per Lauer au» Hessen", „Pie Kplunssoti«". Aeiugoprri»: Bei den Postanstalten vieriel>ährl>ch MI, I,bö 'ei den Agenten monatlich SO Pig. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlohn. Anreiar» : Grindzeile 20 Pjg„ lokale IS Psg, Anzeigen r>on auswärtswerden durch Postnachnahme erhoben Erfüllungsort Friedberg. Scheint-,tung und Verla, Friedberg (Hesten). Han»!,er trotze 12. Femlprecher 4SI Pastscheck-Conto Nr. 48.19, Amt Frankfurt a. VI.
Die Frjlung Lüttich im Sturm genommen!
Aücs klappt. — Drohende Revolution in Russisch-Polen.
kill öfiljfifjiinpoüfr Ailslillg!
J,n ersten Anlauf hat gestern die Dorhut unserer braven Truppen die belgische Festung Lüttich über den Haufen gerannt. Die erste Feste, auf die die Franzosen die größten Hosfnungcn gesetzt haben, ist gefallen. Genau wie 1870 die Erstürniung von Weißend urg der Auftakt zu den kommenden glorreichen Siegen gegeben hat, so hegen wir die scste Zuversicht, daß mit der heldenmütigen Erstürmung von Lüttich der Anfang unserer Erfolge in dem kom- mendcn Weltkriege gegeben ist.
Ja wir haben alle und jede Zuversicht. Cie gründet sich auf die Einigkeit, die in Deutschland herrscht u. in Lesterrcich. Man muß sie gesehen haben die Wehrmanner einerlei ob sie aus roten oder blauen Gemeinden kamen, überall herrschte die gleiche hohe und hehre Begeisterung, im Herzen überall die einzig wahre, die ew'ge Liebe: Vaterland! Ja selbst in Lesterrcich ist aller Nationalitäten- Hader geschwunden. So schreibt die tschchischradikalc „Cjeko-Slovo:"
.Wenn jemals Zweifel bestanden, namentlich in der sla- wisck-en Welt, an der Solidität des österreichisch-deutschen Bündnisses, besonders von Seiten Deutschlands, Io müßten diese Zweifel heute völlig schwinden. Das Wort von der Nibelungentreue wird heute in die Tat unigesetzt. Auf dem curopäischn Kriegsschauplatz sind die Geschcke der Monarchie und des Deutschen Reiches untrennbar verbunden durch ein Bündnis auf Leben und Tod."
Unsere Hoffnung aus den Sieg gründet sich weiter aus die Zuversicht, auf das unbedingte Vertrauen, das ohne Unterschied bei den Einbcrusencn u. bei den Zurückgebliebene», bei Hoch und Niedrig, bei Arm und Reich herrscht. N e r - trarlen aber bedeutet Kraft l Und diese Kraft wird nicht versagen: Gott verläßt keinen DentschenI
Wahrhaft großartig klappt unsere Mobilmachung. Alles geht wie am Schnürchen, so läßt unsere Regierung bekannt machen und dasselbe ist im Bundesstaate Lesterrcich d. r Fall. Tic Generalstäbe der beiden verbündeten Mächte arbeiten in inniger Gemeinschaft Hand in Hand. Dagegen herrscht bei den Gegnern Verworrenheit und Durcheinander. Namentlich in Russisch-Polen sicht cs düster aus und cs bc- stätigt sich, daß dort die Revolution gegen die inoskowitijchen Unterdrücker drohend ihr Haupt erhoben hat. Ja es wird bereits gemeldet, daß Rußland die polnischen Provinzen preisgcbcn werde.
Doch darauf wollen wir unser Vertrauen nicht grün- deni sondern ans unser gutes Recht und aus unsere eigene Kraft. Vor allem auf unser tapferes Heer, den Söhnen dcS Volke?, die gcstcin ihre erste Wasfcntat voll- bracht haben, die uns mit stolzer Freude erfüllt und de:, Dank in uns Allen auslöst:
.Ein drcisachcs Hurra unsrrcni tapserrn Herr! '
Lüttich gestürmt!
Bcrlin, 7. A»g. <W. B.) Lüttich ist von den d.ut- schc» Truppen im Sturm geno mmcn worden.
Berlin. 7. A»g. (SB. B.) Nachdem die Abteilungen, die de» Handstreich auf Lüttich unternommen hatten, verstärkt worden waren, wurde der Angriff durchgcsührt. Heute Morgen 8 Uhr war die belgische Festung in deutsche in Besitz.
Berlin, 7. Aug. (W- B.) Ter Kaiser, welcher den Ehcs de« Gencralslab« empfangen hatte, schickte soeben einen seiner Flügcladjtttaute» »ach dem Lustgarten lind lies: tei» Publikum mittcilcn, die Festung Lüttich sei gefall e». Taö Publikum brach in brgcisirrtc Hoch- und Hurrarufe >us.
Berlin, 7. Aug. (Privat.-Tel.) Tie Festung Lüttich hatte eine B e s a tzniing von über 20U00 M a» u und ist ans beiden Mansuscrn durch zwölf Forts mit schiuc- rer Artillerie geschützt.
Berlin, 7. Aug. (Priv.-Tcl.) Tie Einnah::-- Lüttichs durch die deutsche Armee erregte am Abend II ..r den Linden lebhafte Bcsriedigung und großen Jubel unter dem zahlreichen Publikum. Ter „Lokalanzcigcr" berichtet, daß ein General, der mit der Freudenbotschaft aus deni Schlosse kaom, auf einen Brunnenrand stieg und dem Publikuui mittcilte, daß Lüttich von sechs deutschen Brigaden genommen lei. woraus daS Publikum in frenetischen Bestall allsbrach.
Ponr Ie mtfrite.
Berlin, 7. August. Ter Kaiser hat dem General der Infanterie v. E m m i ch , der persönlich den Sturm auf Lüttich befehligte, den Lrdcn „Pour le merite" verliehen.
Die Beschlüsse des Bnndesrats.
Berlin, 7. August. Der B u » d e s t a t hat zwei gesetzliche Anordnungen getrossen, durch welche einem allgemeinen Moratorium vorgebeugt werde» soll. Ein allgemeine« Moratorium wird nicht ertasten.
Gerichtliche Zahlungsfrist.
Nach der ersten Ordnung soll da« Gericht dem Schuldner süe eine vor dem 2t. Juli entstandene Forderung eine Zahlungsfrist von längstens drei Monaten lnötigenfalls unter Auflage einer Sicherheit) bewilligen tonnen, soweit diese» nötig und mit der Rücksicht aus den Gläubiger vereinbar ist. Der Antrag soll nicht nur in Prozetz oder während der Zwangsvollstreckung, sondern schon vorher zulässig sein. Die Gerichtskosten werde» möglichst gering bemesten. Die zweite Ordnung betrifft die Suspendierung von Auslandssorderungen.
Abbruch brrdiplomt. Lchkhuugkn ju Serbien.
Berlin, 7. August. Der serbische Geschäftsträger Dr. Jo- vonrwitsch hat heute seine Paste verlangt und ist abgereist. Damit sind die diplomatischen Beziehungen auch zu Serbien abgebrochen.
Der Grotzherzog zieht ins Feld.
Wie die „Darnistädter Zeitung" niitteilt, hat der Grrß- herzog von Hessen dem Kaiser telegraphisch den Wunsch z» erkennen gegeben, ins Feld zu rücken, um seinen Truppen nahe zu sein. Ter Kaiser hat dieser Absicht zugestimint und wird demnächst durch besonderes Handschreiben weitere Bestimmungen für die Zeit unmittelbar nach Beendigung der Truppentransporte in Aussicht stellen.
Blinde Hessen.
Bei der am Donnerstag vormittag im Herrengarten hinter dem Theater erfolgten Verabschiedung des Leib- Gardc-Jnfaiitcrie-Regts, Nr. 115, das dort in einem Viereck ausgestellt war, durch den Großhcrzog, die Großhcrzogin und die beiden Prinzen hielt der Landcssürst eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er ». A. auSführtc, daß hoffentlich da? Regiment die ehrenvolle Bezeichnung „Blinde Hessen" zu neuen Ehren bringe, indem cs in blindem Lpscrmute die Ehre des Vaterlandes verteidige.
Ehrgefühl in einem hessischen Regiment.
Ans originelle Art haben die Untcrofsiziere und Mann- !<' :jtc:i der Reserve des Lcibdrngoncr-Rcgiinents Nr. LI,
! - ni Inhaber bekanntlich Zar Nikolaus ist, diese ihnen jetzt p. !.;< e V .'Zeichnung beseitigt, ohne zunächst den Dorschrif- Ui, zuwider zu handeln, indem sic die Achselklappen, ans welchen das 91. II aufgcnäht, rcsp. gestickt ist, einfach »m- drehtcn, d. b, die Achselklappen hcraustrcnntcn und wieder mit dem Nlnnenszug nach Innen wieder nnnähten, lodaß der Buchstabe von außen nicht inchr zu sehen ist. Dainit ist zu- »äa st die Jnhaberschast inoffiziell beseitigt und cs wird wohl nicht mehr lange dauern, bis das Regiment, eines der vor- nehinstcn und schneidigsten der Armee einen neuen Inhaber crballcn wird.
Agentin Wrtgria tiiile.
Rcgcnti» Bittoria Luise,
Brani,schweig, 7. Ang. Tic amtlichen „Brannschwcsgen Anzeigen" verössenilichen Folgendes:
Van Gottes Gnaden, Wir Ernst August, Herzog ;>i Draunichwcig und Lüneburg usw,. fügen hiermit zu wissen, daß Wir uns bewogen gesunden haben, für die Zeit unserer Abwesenheit für den Kriegsfall oder bei sonstiger Verhinderung unserer geliebten Gemahlin Viktoria Luise, Herzogin v. B.al»,schweig »nd Lüneburg, Prinzessin vcn Preußen, Kgl, Hoheit, zu nnsercni Stellvertreter in der Regierung des Herzogtums zu ernennen.
Urkundlich unter unserer eigenhändigen Unterschrift ». beigedrnckiein geheimen Kanzleisiegel.
Brannschlveig, den 31. Jul! 191-1
Ernst August.
Die ftrirn.rifrhltrriin^ OeßermWiMrilS.
Fünf Tage nach der deutschen Kriegserklärung an Rußland ist die Lcsterrcich-Ungarns in Petersburg überreicht worden. Ein selbstverständlicher Akt, n::d manchem schien
cs, daß er gerade, weil er selbstverständlich war, z» lang, auf sich warten läßt. Das mag gute Gründe gcbabt habe». Gründe, die wahrsäicinlich auf militärischem Gebiet lagen in Vorbereitungen, die Oesterreich-Ungarn noch zu treffen hatte. Man darf ans dieser jetzt erst erfolgte» österreichisch- ungarischen Kriegserklärung an Rußland nicht etwa pcli- tische Schlüsse ziehen. Das Nötige ist natürlich längst in Gange und man darf sich auch nicht — so harte Anforderungen auch das Warten jetzt an die Nerven stellt — irgend- wie darüber beunruhigen, daß von dem Vorgehen Oesterreich-Ungarns gegen Serbien noch wenig Nachrickicn vorlicgen. Dieses Schweigen gehört als ein wichtiges Mit tel zu dem Wesen der modernen Kriegsführnng. Es gc- schieht vieles und ist auch schon manches geschehen, Erfien- luhes, was aus bejtiuimte» Gründen noch nicht dekanntgc- gcbcn wird.
Di- KricgserNärong Montenegro»,
Wien, 7. August. Die montenegrinische Regierung teilt, dem österreichischen Gesandten Otto mit, datz Montenegro fick, als im Kriegszustände mit Oesterreich-Ungar,' befindlich betrachte. Der österreichische Gesandte hat Eetinjc verlasten.
itloljlniollfniif Neutralität Namäniens.
Wie», 7, August, An hiesiger amtlicher Stelle wird oe. sichert, daß Rumäniens Neutralität für den Dreibund wohlwollend fei» und datz cs jede Ncutralitätsvcrletzung durch Nutz land mit militärischen Operationen beantworten werde, Daü Rutzland an der rumänischen Grenze Truppen zusammengozogen hat, wurde bereits vor einigen Tagen gemeldet.
Der Mrkoiinnandjkr-k drr rngtilchrn Mir.
London, 7. August. Admiral Sir John Jellicoc ist zu» Oberstlommandicrcndc» der englischen Flotte ernannt worden Admiral Madden zum Chef des Marinekricgsstabes.
Banderoelde belgischer Minister.
Berlin, 7. August, Der Sozialistensiihrcr Bande, v e I d e ist in das belgische Staatsministcrium eingctreten.
Ei» Uebersall durch Zivilisten?
Rach dem amtlichen „Eupener Kreisblatt" sind vorgestern die ersten Verwundeten in Eupen eingebracht worden. D Truppe wurde bei dem belgischen Dorse Soiron von '„cutsch feindlichen Zivilisten überfallen, wobei angeblich ein Haupi- man» und 14 Mann getötet und 24 Mann verwundet wurden Der gesungen genommene Bürgermeister von Soiron wird vor ein Kriegsgericht gestellt.
Die Böschung von Kalisch.
Ei» Augenzeuge berichtet der „Schlesischen Zeitung": Di> Russen hatten vor dem Verlasten der Stadt alle Gesang Nisse geöffnet, sodatz aus Furcht vor Ausschreitungen d: Freigelassenen mit den Beamten und Soldaten auch ein gre' Tei! der Bevöllerung flüchtete. Die Zurückbleibcnden bc flehentlich die deutsche Patrouille, die inzwischen die Greiz überschritten hatte, die Besetzung der Stadt zu beschleunige-! Ans der Bahnlinie hatten die Rüsten vor dem Abzug Spreng »ngen oorgenommen und de» Bahnhof in Kalisch in Pro: gesteckt. Die Stadt selber war aber noch unversehrt, als Trinippen cinzogcn, die sofort gewaltige Vorräte an li. treibe und Mehl vorsanden, die sich infolge der unmittelba vor der Einführung der russischen Getreidezolle stark gestriger tc» deutschen Ausfuhr dort ausgestapelt hatten. Doch war da- Arsenal gefährdet, da» durch rasche Matznahmc» gerettet wurde. Rach der Besetzung der Stadt, die in voller Ordnung geschah, wurde die beschädigte Bahnlinie wieder hergestclll uni einige vollbeladcne Eütcrzugc aus dem brennenden Bachihol auf deutsches Gebiet herübergerettet, Jndesten brann.cn in der Ferne längs der Bahn alle Bahnhöfe, die von den fliehenden Rüsten in Brand gesteckt worden waren.
Russische Deserteure.
Wie die „Breslauer Zeitung" mitteilt, trcfsen sortgesetz. russische Deserteure in Oberschlcsicn «in. Sie -rzählen von den trostlosen Verhältnissen in Nutz land. Bi» Warschau sei das ganze Land vom Militär entblötzt, die Ernte sei schlecht geraten, das Volk sei der Verzweiflung nahe, und cs würde sicher zur Revolution kommen, wenn der Krieg au-breche. Einer der Descricurc hatte eine Proklamation de: Zaren bei sich, die sich an die russischen Juden wendet. In ihnen wird den Jude» allerlei versprochen. Mit bitterer Fra- nie meinte einer der Deserteure: „Nachdem man uns Io beit Hit, verspricht man uns goldene Berge, um, wenn 4.. — sahr vorüber ist, uns noch schlimmer zu behandeln wie zuvor Alle sremmen alten I de» beten zu Gott, datz Dcutichland siegen und einen Teil üntz'.and» in Besitz nehmen möge, damit


