'fit. 183
Neue Lafteszcining. Freitag, den 7. Aug»,t lull.
Seite 4
Erna und Ilse.
Roman von D. Feußncr.
(Fortsetzung).
AIS er wußte, daß er mit deni nächsten Truppe,itrans- ! ert wcgkommcn würde, sandtcr er ein kurzes Telegramm
seinen Vater, indem er zugleich initteilte, daß er auf einige Tage heimkommen würde. Vom Urlaub zurück, war >eiil erster Gang zn dem Rittergutsbesitzer.
Dieser befand sich Verhältnis,nätzig wohl und in guter Stimmung. Ilse saß bei ihm an seinem Bette.
Als Roderich cintrat, ries Herr Ruth aus: „Wir glaubten schon, Sie wären nach China gegangen, denn drei Tage vermissen wir Sic schon!"
„Ich war verreist und bin erst heute zurllckgekehrt," entgegnctc dieser.
»Davon Wichte ich nichts!"
».Nein, ich wollte cs auch vorläufig noch verschweigen."
„Sol So!"
Der Rittergutsbesitzer besaß viel zn viel Herzenst.rkt, uni nach irgend einem Grunde zu fragen.
Ilse bot dem Gast einen Stuhl an und zog sich dann in den Hintergrund ihres Stübchens zurück, uni ihren Gedanken ungestört nachhängen zu dürfen.
„Haben Sie die neueste Zeitung schon gelesen?" fragte der Kranke.
„Ja gewiß! Man wartet doch mit der größten Spannung auf die neuesten Berichte über die Vorgänge in China."
„Ich muß mich wundern, daß sich soviele Freiwillige genicldct haben. In der Zeitung steht, man könnte wohl drei Armeekorps daraus bilden. — Was halten Sie davon.?"
„Es ist jedenfalls ein gutes Zeichen von Mut und Patriotismus, drum alle Hochachtung."
Aufruf.
Infolge des uns von England erklärten Krieges wird uns unsere Nahrungsmittelzusuhr stark gefährdet, wenn nicht gar vollständig abgeschnitten. Im Einverständnis mit der Landwirtschaftskammer für das Eroß- herzogium Hessen und der übrigen hessischen Handels- kanimern bitten wir dringend, die irgend wie entbehrlichen Arbeitskräfte i» Industrie und Handel der Land- wirlschast zuzusühren, damit.sie dort die so überaus wichtige Ernte bergen Helten. Nähere Auskunft erteilt das zuständige Kreisarbeitsamt (städt. Arbeitsamt.)
Wir erwarten, daß alle Firmen unseres Bezirks bei dem großen Ernst der Lage sich ihrer vaterländischen Pflichten bewußt sind und unserem Ersuchen so weit wie möglich entsprechen.
Friedbcrg, den 6. August 1914.
Grobherzogliche Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen, Schotten.
H. L. Langsdorf Rechtsanwalt u. Notar A. Stahl
Vorsitzender. Syndikus. _
Bekanntmachung.
Die große Zeit stellt auch an uns ältere Aerzte, die wir allein Zurückbleiben mußten, große Anforderungen, die wir gern auf uns nehmen in einer Zeit, wo es gilt, daß jeder seine volle Kraft einsetzt.
Wir können indeß die ärztliche Versorgung der Stadt und der zugehörigen Ortschaften nur gewährleisten, wenn wir von der Bevölkerung in Maß und Form unserer Beanspruchung unterstützt werden.
Kranke, die gehen können und solche, die Auskunft haben wollen, sollen sich in die Sprechstunde begeben. Für die Besuche bei den Kranken ist es wichtig, wann und wie wir bestellt werden. Von Notfällen abgesehen, sind die Bestellungen vor Ablauf der Spiechstunde zu machen, so daß die Zeit, die für Besuche zur Verfügung steht, planmäßig ausgenutzt werden kann. Nur in wirklichen Notfällen verlange man sofortige Besuche. Man sei dcshalb zurückhaltend mit dem Ruf: „gleich kommen".
Auch das segensreiche Telefon darf nicht zum Mißbrauch verleiten.
Nachtbesuche sind möglichst zu beschränken.
Bei Verletzungen und besonders dringenden Notfällen sind auch die Aerzte des Krankenhauses und Herr Tr. Nebel, (Weedgasse 3,1) zur Hilfeleistung bereit.
Dr. Wcckerling, Mainzertoranlage, Sprechstunde vor 9 Uhr vorm., 2—3 Uhr nachmittags.
Dr. K. Becker, Bismarckstraße 5, Sprechstunde 7—9 Uhr vorm., 1— 3 Uhr nachmittags.
„Ich bin der Meinung daß sichs die meisten nicht recht überlegt haben, und wenn der große Moment der Abreise kommen wird, gerne zurllcktrcten würden, wenn sie es nur
könnten," sagte der Rittergutsbesitzer bedächtig.
„Ich glaube, daß der erste Teil ihrer Meinungsäußerung richtig ist, aber der letzte wird wohl nicht ganz stimmen denn wer wiirde Ivchl so feig sein, in, letzten Moment zn bereuen, was er in einem heiligen Augenblicke tat."
„Und ich jage, daß es von viele» nichts ist, als • — Feigheit."
„Aber Herr Ruth!" ries Roderich vorwurfsvoll, „wie können Sic das sagen."
„Was ich gesagt, nehme ich nicht mehr zurück," ent- gegncte der Kranke scharf. „Lassen Sic mich über diesen Punkt aber noch weiter sprechen, vielleicht pflichten Sie nur noch bei."
„Diele der Freiwilligen gehen mit über das Wrfser um sich aus kritischen Lebenslagen zu befreien, — gewissen Geschicken zu entfliehen, die sic selbst heraufbeschworen, hätten aber, um Mut und Ehrgefühl zu zeigen, grade denselben die Stirne bieten müssen, um zu versuchen, in diesem Kampfe zu siegen."
„Also Sic sind der Meinung, daß eine edle Tat nicht immer einen edlen Ursprung hat, sondern auch den Mann, anstatt zu ehren, als Feigling hinstcllen kann?" fragte der junge Mann.
„Sie haben mich recht verstanden. — ES ist bei vielen Pflichteniziehung."
„Gegen wen?'
„Gegen Eltern, Geschwister und Bräute," sagte Herr Ruth.
„Die Pflicht gegen betagte Eltern, deren letzte und einzige Stütze man ist, müßte man wohk über die gegen das Vaterland stellen, in jeden, andern Falle aber muh man Liebe, Gut und Blut dem Vaterlande weihen. So halte ich es. Zuerst das Vaterland, und dann die sclbstbezlück- ende Liebe."
Roderich sprach mit Ueberzcugnng und Wärme denn er dachte wirklich so.
„Und Sie glauben, daß ei der reine, mächtige Trieb. Herz und Leben dem Vaterlande zu weihen, allein war, welcher die Freiwilligen aus- ihren Gliedern ritz?"
„Ich muß cs glauben!"
„Verzeihen Sie, Herr Tietze, wenn ich Ihnen sage, Sit kennen die Welt nur von der guten Seite, nicht aber von der schlechten, schattigen, vielleicht geben Sie mir aber doch recht, wenn Sie einmal von ihr getäuscht oder betrogen werden."
Ter Rittergutsbesitzer hatte recht, denn Roderich war selbst zu gut und edel, um andere für schlecht zn halten. Er glaubte, weil das, was der erfahrene Mann sagte, nicht auf ihn paßte, dioser hätte Unrecht, denn ihn konnte keiner der Pflichtentziehung zeihen; ec ging aus dem freien Trwbe, dem Vaterlande besser dienen zu können, über daS Meer.
War es wirklich dieses allein?
Nein und tausendmal nein!
Warum wollte er denn eigentlich fort?
In der Fremde sein Liebcsweh vergessen und Heilung für sein krankes Herz finden: er wollte die Statte sein?» schönen Traumes fliehen, entfliehen seinem lvilden Schmerze.
(Fortsetzung folgt'
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