Nummer 18,2
Kormerstag. -e« 6. August liU4.
7. Jalkrgaun
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tcn -Cd te.i monall.ch 50jPtg. Hinzu tritt Postgebühr ober Tragerlohn. An,eigen: Erundzelle M Psg„ lokale 15 P,z, Anzeigen von auswärts weise» durch Postnrch„ncOoStn ______ ^rlullungsort -riedberg. vchmftleitung und Kerl-, Friedberg (Hessen). Hanauerstraß« lt Femlprecher 48. Pvstscheck.Lpnlo Re. 4859, Amt Feonlsuet «. SH.
Der Krieg.
Die Aufnahme der englischen Kriegserklärung in Deutschland. — Italien hält sich „frenndfchaft
lich neutral. — Die ersten (Erfolge der deutfchen Waffen.
Dir' .QricgSerfliining Englands an Deutschland wurde tllgeiiicin mit jener Ruhe aujgenounucn, mit der inan etwas selbstverständliches konnuen sah. Man sagt sich, besser einen offenen Feind denn einen tückischen Freund. Man weis, nur zu gtit, das; England seit langem scheel und neidsuch- tig aus unsere wirtschaftlichen Erfolge blickte und das; eS jclst den gegebenen Augenblick sicht, um seinem Gegner einen vernichtenden Schlag zu versetzen. Man geht Wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß England mit der Wahrscheinlichkeit rechnet, daß Deutschland und Oesterreich zu Lande ihre Gegner besiegen werden, damit waren seine gc- ,ehrlichsten Canknrrcuten ans dem Gebiete der Kolonialpoli- lif vernichtet: gelingt es ihm, die dentsckie Flotte zu zerstören. dann hätte England zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: ES wäre seine kolonialpolitischen Rivalen loS und wäre unbestrittener Heer des Meeres. Die Rechnung ist fein ausgedacht: nur schade, daß manches Mal ein sehr dicker Strich selbst durch di- nusgekünstelsten Rechnungen ge- macht wird.
Italien wird nicht cingreifcn. Seine Regierung verschanzt sich hinter einer Reihe Mn gedrechselter Phrasen, es will der „Mittel und Wege erwägen, um seinen Der- biindelcn freundschaftlich nutzen zu können." Sehr schön gejagt! Doch Sckiwamm darüber; die Hülfe Italiens wäre gewiß sehr wertvoll gewesen, aber schließlich gehts auch so.
Vom östlichen Äriegsschmiplatz werden eine ganze Reihe Anfangserfolge deutscher Waffen gemeldet. Wenn auch selbstverständlich diesen Kämpfen noch keine größere Beden- tnng beizunicssen ist, so geben sie doch einen verheißungsvollen Anfang. 1
Von größter Wichtigkeit wäre cs, wenn sich die von ver- 'chiedcnen Seilen kommenden Meldungen bestätigen würden, daß die Stimmung in Russisch Polen den Moskowitern sehr ungünstig sei. Den Feinden Rußlands würde als Befreier zngejubelt und dem russischen Heere alle nur erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt.
Hocktersrenlich ist es in dieser trüben Zeit, wie Alldeutschland einig dastcht. Alle Parteien, die Sozialde- niokratc» eingcschlosscn. stehen freudig für das bedrohte Vaterland. Diese Einmütigkeit, die frohe Begeisterung >>nd »iü ernste Entschlossenheit mit der die Einberufenen zu den Massen eilen, geben uns die Gewähr auf einen sieghaften Ausgang des »ns aufgedrungen Kampfes. Hatten sich unsere Feinde verrechnet, als sie 18*0 mit der Uneinigkeit zwischen Süd und Nord gerechnet haben, so haben sic sich euch im Jahre 1911 verrechnet, als sie daraus bauten, daß der Partcihadcr in Deutschland ei» einiges Handeln » cht auskvnuncn lassen werde. Heute gibt es keine Parteien, sondern niir Tcutschr, die fiir ihr bedrohtes Eigen und für 5ic Kultur streiten. Auf der Rechten bis zur äußersten Linken herrscht nur eine Stimmung:
Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles freudig rin- setzt für ihre Ehre!
Das cifcrne Kreuz.
Berlin, 5. August, Durch Verordnung von, heutigen läge hol der Kaiser für den gegenwärtigen Feldzug den Orte» des Eisernen Kreuzes erneuert.
(-ine russische Kavallcrievrigade vernichtet.
Ei» Angriff bri Solda» znrückgeschlagen.
Amtliches Telegramni.
Berlin, 4. Aug, Kurz nachdem bri Solda» befindliche srntjche Truppen heute niorgen augctrctr» waren, um starke rnsfische Kavallerie zurückgeschlngen, erfolgte dcr^ An- griff einer ruüijcheu Knvaliiricbrigodc. Unter dem Feuer der drutschen Truppe» brach der russische Kavallrricnngrijs uiilrr den schwersten Verlusten zusanimc».
Die Stadt Solda», liegt an den, Ncbcnslnß der Weich-el, ll Kilometer von der rnsjischen Grenze »» Regierungsbezirk Nllcustcin. an der Marienbnrg-Mlowlacr Eisenbahn und den Nebenlinien Allenstcin-Soldau (80 Kilometer) und Graii- >enz-Jllowo der Preußische» Statsbahn.
Die Bedeutung des Erfolges von Kivarty.
Amtliches T e l c g r a in in.
Berlin, 5. Aug. Gestern nachmittag griff deutsche Ka- »nllerie das von den Rrissen besetzte Kibart» an. rin an der
Grenze, nahe Stallnpöncn, gelegener russischer Ort, Die Besatzung von Krbartt, Zerließ fluchtartig den Ort, der von unseren Truppe» besetzt wurde. Eine in der Röhe befind, licht russische Kavalleriedivisiou sah' dem Kampfe untätig zu. Der einzige Grenzschutz ist hiemit durchbrochen, ivas für unsere Ausklärung von größter Äichtigkrit ist.
Kibarty, das von den deutfchen Truhpen gestürmt worden ist, ist, wie schon berichtet, ein-kleiner russischer Grenzort in der Nähe von.Mdtkl^hneii, ,Es ist, wie.von Königsberg vorige Woche bekannt gegeben . wutzde,-in jüngster Zeit in aller Heimlichkeit erheblich verstärkt werden.
Prntldjf Kavallerie in Rußland mit fiibel besrW!
Wielu» von deutscher Kavallerie besetzt.
Amtliche» Telegramm.
Berlin, 5. August. Deutsche Kavallerie hat gestern Wte- lu». südlich »an Kalisch, besetzt, von der Bevillkerung mit großem Jubel begrüßt.
Unsere blanen Jungen!
Deutsche Kriegsschisse bombardiere» Algerien. <
Amtliches Telegramm.
Berlin, 5. August. Die im Mittelmeer besindlichen deutschen Kriegsschiss« find gestern an der Kiiftr von Algier erschienen und habe» einzelne beseitigte Plätze zerstört, insbesondere Slnschissungsorte für französische Truppentransporte. Ga» Feuer wurde erwidert. , ,
Deutjche Sorptdoboote im Sunb.
Kopenhagen, 5. August. Drei dcutsche Unterseeboot« winden gestern nachmittag tm Südausgange des Sundes gesichtet, ste scheinen dort eine Vorpostenstellung eingenommen zu haben, . . <»jt ,ic. , :l ,, :, ,
Ein dentlihes Gtjchmader nach fibau.
Amtliches Telegramm,
Petersburg, 5, August. Ein aus IS Schissen bestehendes deutsches Geschwader ist gestern in der Richtung Wtmt l—L ibau bemerkt worden.
Hie russische Flotte des Schwarzen Meeres.
Amtliches Telegramm.
K o n st a n t i n o p e l, 5. August. Wie verlautet wurde dt« Sperrung des Bosporus und der Dardanellen insolge einer durch den Kapitän eines türkischen Dampfers überbrachten Nachricht verfügt, nach der die russische Schwarze M c e r s l o t t e unweit der Mündung des Bosporus gesichtet worden sei. Die Leuchttürme bei den Meerengen wurde» gelöstst und Mine» gelegt.
Konstantinopel, 5. August. Wie der „Tanin" aus Erzerum erfährt, haben sich die Russen nach Verbrennung ihrer Blockhäuser und Lebensmittel-Depots von der türkisch-russischen Grenze zurückgezogen.
Ein dt'nlllhkg Cuftidjiff über Cnnenillf.
Rew-Yorl, 5. August. Wie nach Rewyork gemeldet wird, soll ei» deutsches Lllstschiss über Lunöoille Bombe» geworfen haben. Fünfzehn Personen seien getötet u, großer Materialschaden angerichtet worden.
Petersburg, Gras Pourtales. ist heute vormittag II Ul» mit dem gesamte» Botschastspersonal in Berlin eingelrosse»,
Rumänien dleidt neutral.
Bukarest, 5. Aug. Extrablätter „leiden, daß der gestrige Kronrat in Sinajä die Neutralität Rumäniens tc- schlossen hat.
Dönrrnarl» Rrutraliiar.
Amtliche» Telegramin. Kopenhagen, 5. August. Da der Krieg ausgebrochcn ist zwischen Deutschland und Rußland und zwischen Dcutschland und Frankreich, beschloß die dänische Regierung, absolut« Reusralttäl während dieser Kriege zu wahre».
Aetilleeteseuer var Belgrad.
Amtliche» Telegramm,
Wien, 5. August. Berichte der an der serbischen Grenze stehenden Truppen lasten erlennen, daß eine erhöhte Tätigkeit einzutreten beginnt. Bet Belgrad suchten serbisch« Festungsgcschütze der oberen und unteren Festung und den benachbarten Höhen durch heftige» Feuer die Bewegungen am diesseitigen User und di« Schisfahrt auf der Save und der .Donau zu verhindern. Diese» oeranlaßie die aller- reichijchen Truppen gestern, dar Artillerieseucr zu eröffnen. Der Kampf endete damlt, daß die serbischen Geschähe zum Schweigen gebracht wurden. Die Festungswerke find schwer beschädigt, die Stadt blteb vollkommen verschont. An der -Dlina herrscht Ruhe. Sehr lobend wird die Tätigkeit der >>n Sicherheitsdienste verwendeten Truppen.
Die Mobilmachung bri inneren |eini>en.
Wie uns ein Deutscher, der erst aus Lyon cingctrojsen ist, mitteilt, herrscht in Südsrankreich absolut keine Begeisterung für den Krieg, von dem man nicht weiß, warum er geführt wird. Die Leute kommen übelgelaunt und mißmutig zur Fahne, vo» einer Begeisterung ist nicht das allergeringste zu bemerken.
Roch schlimmer sieht'» in Rußland aus. An der deutschen Grenze sind in den letzten Tagen zahlreiche r u st i s ch e Offiziere desertiert. Auch zahlreiche Kosake» kommen über die Grenze als Deserteure aus Hunger, wie der „Deutsche Kurier" mitteilt, bieten sie ihre Pferde für 20 Mark zum Verlaus an. v ^
RusfischPolen steht auf!
Amtliches Telegramm.
SH ien, 5. August, Die „Rcichspost" meldet aus K r a I a u vom 3, August: In Russisch-Pole» wurde gestern ein aus Warschau datierter Ausruf zu einem polnischen Ausstande verbreitet, welcher von zahlreichen polnischen Parteien unterzeichnet ist. Der Ausruf erläutert die zukünftige Altion:
Die Aufständischen, auch die Frauen, fordert er dazu aus, den russischen Behörden und dem Militär alle möglichen Hindernisse zu bereiten. Die polnischen Organisationen sollen genau über die Bewegungen de. Rüsten informiert werden. Jede Gemeinde wird ausgesocderi Behörden einzusetzen, um die Unabhängigkeit vom russischen Reiche zu proklamieren.
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Anmeilnng ?nr Sekämplnng brr Spionage.
Amtliches Telegramm.
Berlin, 5. August. Mit dankenswerter Hingabe hat sich d-e Bevölkerung der Ausgabe angenommen, an der Sicherheit des Vaterlandes durch Fahndung aus feindliche Spione mitzu- wirlcn. Im Uebereiser sind aber mehrsach Maßnahmen gelrossen worden, die nicht zweckmäßig waren. Mehrsach sind Ossiziere der eigenen Armee als russische Spione angesehen wvidcn und in der Ausführung ihrer Tätigkeit gestört worden. Es ist durchaus notwendig, daß von der schärfsten Aufmerksam- teil nicht um Haaresbreite abgcwichcn wird. Man -nihalte sich aber jeder Tätlichleit und sorge jur die sofortige Klarstellung durch den nächsten Polizeibeamten, — Mcnschcnansamm- lr-ngen mästen vermieden werden. Ist kein sofortiges Zugreisen notig, so wird unausgesetzte, unaussüllige Beobachtung des Verdächtigen und sojoriige Mitteilungen der Polizeiorgone meist das Zweckmäßigste sein. Es lammt vor allem daraus an, Bahnanlagen. Brücken, Tunnels, Kanäle, Telegraphen- und Fer»- iprcch- sowie Beleuchtungsanlagen und andere für den Verkehr und die Verbindung notwendigen Kunstbauten vor den Anschlägen durch Beauftragte des Feindes zu sichern,
Gras Pourtales in Berlin ringetrosse»
Berlin, 5, August, Der bisherige deutiche Botschafter in
Diese Nachricht klingt nicht unglaubhaft, auch von anderer Seite wird bestätigt, daß die Stimmung in Russisch-Poler bedenklich sür die Russen ist. So wurde die deutsche Kavallerie, die W i - l u n besetzt hat, von der Bevölkerung mit großen Jubel begrüßt. Der „Deutschen Tageszeitung" wird aus Mys- lowitz geschrieben- „Trotzdem die russische Grenze von jenseits seir Freitag abend scharf bewacht wird, kommen doch stündlich Deserteure in Uniform oder zum Teil in Uniform in Myslo Witz an. Sie werden von beritten gemachter Polizei oder Gendarmerie und Zollbeamten sofort empfangen und durch Militär zur nächsten Garnison geleitet, wo über ihr Schicksal -nt schieden wird. Die Stimmung in Russisch-Pole» ist durchaus d e u tsch s r e u n d l > ch, \ ^
Aehnlich heißt es in einem Privatbrief, den die „Franks. Zig," oerösscntlicht und in dem die Einnahme von Czenstochau' geschildert wird. Darin heißt es u, a,. Der „Czas" meldet nach einem Bericht einiger aus Czenstochau angelommenen R-is.'N- den: Mit einem Atemzuge der Erleichterung wurde die preußische Kavallerie in Czenstochau begrüßt. Die preußische» Ulanen, unter denen ein großer Prozentsatz von Polen war, wurden mit Zigarren, Brot und Master versorgt. Es wurden ihnen auch Mitteilungen über die Richtung gemacht, i<i der die russische Reiterei sich entfernt hatte. Die Ulanen nehmen dann auch die Bersolauna aus.


