Ausgabe 
22.7.1914
 
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Nr. 169

Seite 2

Gebete. Der feierlichen Handlung wohnten die verfilmen

Würdenträger und das diplomatische Korps bei. Die

Straßen waren reich geschmückt und die Ordmmg wurde nirgends gestört.

Serbien. _ __

t: König Peter. Die Abwesenheit König Peters aüs

Belgrad wurde, da der Gesundheitszustand des Königs noch nicht befriedigend ist, um «inen Monat verlängert. Don

Wranska Banja fährt der König am 24. d. Mts. nach Bibarks- ka Banja, wo er einen Monat verbleiben wird. Der König wünschte, auf einige Tage nach Belgrad zu konrmen. Aber die Acrzte rieten ihm dringend davon ab Mexiko.

:: Die Schadenersatzansprüche der Fremden in Mexiko.

Koch in Ncwyork eingetroffenen Meldungen beabsichtigt Larranza direkt mit den Mächten ohne die Vermittelung Washingtons über die Schadenersatzansprüche ihrer durch die Revolution in Mitleidenschaft gezogenen Angehörigen. Staatssekretär Bryan erklärte, die Aktionen der Huerta sichen Regierung seit der im Oktober 1913 erfolgten Kongreßauf­lösung (also auch die seitdem eingcgangenen Schulden und die inzwischen gewährten Konzessionen) würden nicht als rechtmäßig anerkannt.

:: Die Ucbcrgabe der Hauptstadt Mexiko an die Ans- ständischen. Der neue Präsident von Mexiko, Carabajak, ist bereit, die Hauptstadt Mexikos den Ausständischcn zu über» geben, falls eine Amnestie gewährt wird. Der Rebellen­general fordert jedoch die bedingungslose Uebergabe. Die früheren Generäle Huertas find entschlossen, eine neue Revo- lntion zu beginnen, falls die Amnestie unterbleibt.

Kund der Landwirte.

Soinircrfcst des Bunde; der Landwirte. Am nächste» Sonntag den 26. Juli soll das Sommerseft des Bundes der Landwirte für die Provinz Oberheffcn in Hochwaldhausen bei Ilbeshausen im Kreise Lauterbach stattsindeu. Herr Reichs­tagsabgeordneter Dr. Oertcl - Berlin wird die Festrede hal­ten, außerdem sind noch weitere Ansprachen von Beig. Ochs- Zlüeshansen, Landtagsabg. Oekonomierat Korell - Angenrod usw, vorgesehen. Die alten schönen Spinnstubenlieder werden von der Spinnstube Ilbeshausen zu Gehör gebracht werden, während verschiedene Ortsgruppen aus dem Schlitzerlande die heff Volkstänze zur Aufführung bringen werden. Für die Mitglieder aus den Kreisen Alsfeld und Lauterbach ist ein Sonderzug in Aussicht genommen, während die Mitglieder aus der Wetterau, den Kreisen Büdingen und Schotten den Zug 11,21 llhr vorm, ab Stockheim benutze» können, welcher 1,67 Uhr in Ilbeshausen eintrifst, affo zur richtigen Zeit, da um 2 llhr vom Bahnhof Ilbeshausen der Festzug nach dem 10 Min. entscrntcn Hochwaldhausen sich in Bewegung setzen wird. Wir wollen dem Feste eine rech! zahlreiche Beteiligung wünschen »nd verweisen die Mitglieder des Bundes auf die diesbezügl. Jnscrare, so auch aus das Inserat in der heutigen Nummer un­serer Zeitung.

Ans unserer Kewegnng.

Bauernvereinvfest ,u Büdesheim (Oberh.)

Am Sonntag, den 26. Juli, nachmittags 3 Uhr, feiert der Baucrn-Vercin Büdesheim (Oberhesfen) den

25. ßciJttffog Der VereiilsM-uilS

Im SaaleZ u m Reichsadler" von Herrn Friedrich August Winter.

vr. B ö ck e l hat sein Erscheinen zugcsagt.

Ansprachen werden halten die Herren Hirschel- Friedbcrg, H e n s e l-Dortelweil u. a.

Gesang- und Musikvortrügc sowie Tanzbclustigung wer­den für Abwechslung sorgen.

Zu dieser Veranstaltung werden alle Freunde und An­hänger der guten Banernsache serundlichst eingcladcn von« Vorstand des scstgebendeu Vereins.

Ans der Heimat.

* Fricdbcrg, 22. Jnli. Am 2ft Juli besuchte der hiöstge Gewerbeverein, bei schwacher Beteiligung, welches sehr zu bedauern war, die Gewcrbcansstellung in Gießen. Jeder Besucher hat mehr des Interessanten gefunden, als er erhoffte. Ein Rundgang durch die Ausstellungsräume be­lehrt uns, daß der Grundgedanke der ganzen Ausstellung war und ist, das Handwerk deS heimatlichen Bodens zu heben und zu fördern. Die Ausstellimgslcitung hat hier ein Werk geschlossen, an dem die einzelnen Gewerbe nicht achtlos vor­über gehen dürfen. Die Ausstellung dient zur Erlangung neuer Arbcitsgcdanken, zur Erweiterung des Absatzfeldes und zur Hebung des allgemeinen Gewerbeffcißes. Jnsbc- Imdcre will die Ausstellung deni Handwerk helfend zur Seite Eehen. Dies zeigt schon die Einteilung der Ausstellung. Irbeit, Leben und Geistespslcge, das sind die Drei Gruppen, die die gesamte Ausstellung bilden. Diese drei Gruppen zerfallen i» viele Abteilungen und diese in noch> mehr Klassen. Der Zweck, das Handwerk des heimat­lichen Bodens zu unterstützen und zu soideru, ist durch die Gießencr Ausstellung erfüllt. Es kann daher jedem nur värmstcus empfohlen werden, die Ausstellung zu besuchen.

* R. Fricdbcrg. 22, Juli, Gestern Mittag stürzte das 5jährige Kind des Schornsteinfegers Walter in einen Schacht der Bierbrauerei Windecker und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Es brach beide Beine und Arme und die eine Gcsichtshälste ist ihm ganz entstellt worden. Das bc- dguernswerte Kind wurde ins Hospital gebracht.

* Friedberg, 22. Juli. Seine Königliche Hoheit der Eroß herzog hat den Forstassesior Karl Blitz zu Friedberg zu,^ Forst- alststeirtcn ernannt.

N««« Tageszeitung. lvetttwoq, ve» »2. ti»i 191«.

* Friedderg, 22. Zull. (EchöffeugertchtssttzunS) (Ein ISjäh

riger Korbmacher zu Ilbenstadt erhielt wegen Diebstahl, drei Tage Gefängnis: er hatte einen 20 Mk.-Schein gestohlen. Der noch unbestrafte Jugendlich« soll der bedingten Begnadigung empfohlen werden. (Ein 16j«ihriger Schlosserlehrling aus Bie­denkopf und ein 17jähriger Friseurlehrling aus Framersheim Haien sich als Landstreicher umhergetriebcn: sie erhalten Haft- strasen von 2 bezw. 1 Wochen: auch sie sollen der bedingten

Begnadigung empfohlen werden. (Ein 24jährtger hiesiger Bäcker ist wegen Diebstahls eines Hundes angellagt. Die Tat stellt sich als Unterschlagung dar und wurde auf 10 Mk. Geld­strafe erkannt. Der Arbeiter Aug. Hanzebrauch aus Aßeln erhielt wegen Bcttelns drei Wochen Hast: gleichzeitig wurde er der Landespolizeibchörd« überwiesen. (Ein Studierender von hier hatte einen Strafbefehl über 6 Mk. Geldstrafe erhal­ten, weil er Ruhestörung verübte. Der hiergegen erhobene Einspruch wurde, da aussichtslos, zurückgenommen. Der Taglöhncr Adam Schuster von Egolsbach hat in Asfenheim ge­bettelt und versucht, die Ladenkasse bei einem Bäcker zu be­stehlen. Wegen Bcttelns wurde auf 6 Wochen Haft und Ueber- weifung an die Landespolizei, wegen Diebstahlsversuch aus 3 Wochen Gefängnis erkannt. Ein Kaufmann von Frankfurt

а. M. hatte einen Strafbefehl über 16 Mark Strafe erhalten, weil er mit seinem Automobil mit übermäßig schnellem Tempo in der Kaiserstraß« gefahren ist. Auf erhobenen Einspruch er­folgt« Freisprechung, da die Identität des Autos nicht ein­wandfrei jestgestellt ift. Wegen Bcttelns und Landftreiche- rei erhielt der Taglöhnei Christian Schmidt von Trierweiler 6 Wochen Haft: gleichzeitig wurde er der Landespolizeibehörde überwiesen. Ein hiesiger Zimmermcister hatte einen Straf- beschl über 6 Mark Strafe erhalten, weil er seinen Hund in der Hofreiie stci ohne Maulkorb umherlaufen ließ, sodaß eine Person gebissen wurde. Aus Einspruch erfolgte Freisprechung, weil die in Betracht kommende Polizeiverordnung nur das Maullorbtragen für Hunde auf der Straße, nicht auch inner­halb der Hofreite, vorschreibt. Ein Zimmergeselle von Erb­stadt wurde von der Anklage der Beleidigung freigesprochen.

Weil er einem Nachtwächter eine Ohrfeige gab, erhielt ein Zimmxrmann von Rieder-Wöllstadt 10 Mark Geldstrafe. Wegen Beleidigung, Widerstand, Sachbeschädigung und Ruhe­störung erhielt der Metzgergcselle Wcgchenkel von Sontra eine Gesamtgesängnisstrase von 6 Wochen sowie 3 Tage Hast: er hatte die Friedberger Schutzleute beleidigt, sich der Festnahme widersctzt und in der Arrestzelle alles kurz und klein zerschlagen,

Der Schlossergeselle Peter König von Homberg erhielt we­gen Bcttelns 1 Wochen Haft. Der Metzgermeister und Wirt Sch. von Friedberg, besten Metzgergeselle, ein Glaser von hier und ein Studierender aus Rußland hatten am alten Bahnhof Nachts auf der Straße einen Tisch hingcstellt und Bier getrun­ken. Der Aussorderung der Schutzleute, sich zu entfernen, lei­steten sie keine Folge: schließlich verübten sie Ruhestörung, wo­bei der Metzger und sein Geselle die Fricdberger Schutzleute auss gröblichste beleidigten. Die Angeklagten haben sich we­gen Ruhestörung, groben Unfugs und Beleidigung zu verant­worten. Der Rust« ist inzwischen geflüchtet. Der Metzgermei­ster erhielt Strafe» von 60,, 3, und 6. Mark, der Glaser: 3. und 6. Mark, der Metzgcrgesellc zwei Monate Gefäng­nis. Gleichzeitig wurde den Schutzleuten di« Befugnis zuer­kannt, den entscheidenden Teil des Urteils auf Kosten der An­geklagten einmal in derNeuen Tageszeitung" und dem Oberhest. Anzeiger" öffentlich bekannt machen zu lasten.

* Friedberg, 22. Juli. Goldene Regeln für den Obstgenuß veröffentlicht der Deutsche Obstzüchter-Verein. 1. Sorge dafür, daß Obst von Dir und den Deinigen täglich regelmäßig ge> gesten wird. Obst ist eine gesunde Speise. 2. Este nur genü­gend ausgereiftes Obst. 3. Reinige di« Früchte vor dem Ver- speisen. 4. Schäle die Früchte nur, wenn dies wirklich not­wendig ift. 5. Werfe Schalen und Kerne nicht auf die Straße.

б. Trinke kein Master unmittelbar nach dem Obstgenuß oder gar zwischen deniselben. 7. Halte Maß auch im Obstgenuß. Im Uebermaß genosten, wird auch die bekömmlichste Speise zum <6ift für Deinen Körper. 8. Suche Ersatz in reinen, zubereiteten Obsterzeugnisten, wenn es Dir in obstarmen Jahren nicht mög­lich ist. frische Früchte zu genießen. Die Schlußregel enthält eine beachtenswerte Mahnung zugunsten der deutschen Obst­kultur: Bevorzuge deutsches Obst und deutsche Obfterzeugniste.

* Bad-Rauheim, 22. Juli. Morgen Donnerstag, nach­mittags von 45 1 /, Uhr ist auf der Terrasse Konzert der Kurkapellc. Abends 8>/r Uhr ist im Konzerthaus das fünfte Sinfoniekonzert der Kurkapelle unter Leitung des König!. Professors Hans Winderstein.

* Gießen, 22. Juli. Nächsten Samstag kommt der Großberzog nebst Gemahlin zur Besichtigung der Gcwerbe- ausstellung hierher. Später besuchen dieselben die Auffiih- iimg von Gerhard HauptmannsVersunkene Glocke" auf der Freiliihtbühne im Stadlwald an der Licher Straße.

* Gießen, 22. Juli. In der letzten Stadtverordneten- sitzung verliest der Oberbürgermeister zunächst einen Brief des Stadtverordneten Kominerzienrat Heichelheim, in wel­chem derselbe mitteilt, daß er die im Jahre 1912 für Errich­tung eines Saalbanes gezeichnete Summe von 50090 ,fl einstweilen der Stadt überweist, wclckie sic zu dem gedachten Zwecke verzinslich aniegen soll. Früher war an diese Schm- knng die Bedingung geknüpft, daß mit der Errichtung eines Saalbanes spätestens am l. Juli 1914 begonnen würde. Bor dieser Klausel sieht der Spender nunmehr ab. Oberbürger­meister Keller wird beauftragt, Herrn Heichelheim den Dank der Stadt abzustatten. Ferner sind eingegangen: Eine Ein­ladung des Gleiberg-Vereins zu seiner Generalversammlniig am 23. Jnli und eine sol«hc zmn Jugendfest am Donnerstag. Der Zweigverein Gießen des D. H. C. bittet um Errichtung einer Jugendherberge in Gießen. Das Gesuch wird der Baudcpntation überwiesen. Die hessische Städtcvertrctung hat ein Gesuch um Einführung der ungeteilten Arbeitszeit cingcrcicht, das dem Finanz-Ausschuß überwiesen wird. Die städtischen Lehrer und Beamten bitten noch vor den Ferien, die gesamte Besoldungsvoriage zu erledigen. Dasselbe ist weaen der Fülle der hnmit verbundenen Arbeit nicht möglich.

doch soll die Besoldungsvoriage schon in der ersten Sitzung nach den Ferien chre Erledigung finden. Die Provinz Oberhessen hat, entgegen ihren früheren Abinachungen mit der Stadt, einen Vertrag mit der rheinischen Schnckertgescll- schaft in Mannheim betr. Lieferung elektrischer Energie de- schlossen, durch den die städtische Ueberland-Zentrale empfindlich geschädigt werden kann. Es wird seitens des Oberbürgermeisters hiergegen eine Resolution verlesen und beschlossen, dieselbe dem Ministerium, den beiden Kammern und sämtlichen in Betracht kommenden Gemeinde» zu über­mitteln. Verschiedene Gesuche um Errichtung von Ein­friedigungen und ein Baugesuch des Georg Euler für Hamm- straße 1 werden genehmigt. Für den Anschluß der Ge­meinde Göbelnrod ans elektrislhc Kabel, werden nachträg­lich die entstandenen Kosten mit 6250 M. bewilligt. Der für das Oberversicherungsamt Darmstadt festzustcllende Ortslohn wird bei den seitherigen Sätzen belassen, nur wir! derselbe für Versicherte männliche Personen über 2l Jahre um 10 Pfennig erhöht. Zu Beisitzern des KaufmannZge- richts werden die Herren Adolf Noll, August Noll, Franz Holterhoff und Moritz Strauß gewählt- Zum Vorsitzenden des Gewerbcgerichts wird Oberbürgernreister Keller und zu stellvertretenden Vorsitzenden Beigeordneter Kränpien und Affeffor Seid gewählt. Beigeordneter Grünewald be­schwert sich über die Kritik desGießcner Anzeigers" ge- legentlich der letzten Freilichtbühnenvorstellung und über die zu einem Jahrmarktsrummel ausartenden Vorführun­gen und Vergnügungen in der Gewerbe-Ausstellung. Bezug- lich seiner beiden letzten Bemerkungen protestieren die Stadtverordneten Schaffstädt und Petri«. Bezüglich einer Anfrage über die zuletzt aufgenommene 4Vi Millionen-An- leihe erklärt der Oberbürgermeister, daß dieselbe in der Hauptsache zur Tilgung früher beschlossener Ausgaben diene und nur eine kleine Summe zur Errichtung von Neuanlagc» verwendbar bleibe.

* Frankfurt a. M., 22. Juli. Um den künstlerischen Ruf und das Ansehen des Opern- und Schoufpiclhauscs zu heben, hat die Thcoterdeputation bei der Stadtverordneten- Versammlung einen Antrag auf eine bedeutende Erhöhung der bisher gewährten Eventual-Subvention cingcbracht, nnd zwar von 272 500 'M auf eine jährliche feste Gesamtsubven­tion von 502 500 T M. Die Stadtverordnetenversammlung wird ersucht, diesen Betrag schon für das Theaterjahr 1914 bis 1915 zu bewilligen. Die Frag der Trennung des Be­triebes von Opernhaus und Schauspielhaus soll nach Ent­wickelung der Verhältnisse vorläufig nicht in den Kreis der Erörterungen gezogen werden.

* Frankfurt, 22. Juli. Am Montag wurden drei schwere Einbrüche entdeckt. In der Landsberggasse erbeu­teten die Dieb« bei einem Sattler 230 cM,, in der Elkenbach- stroße bei einem Kaufmann Uhren und Brillanten im Werte von 1400 und bei einem Kausinann in der Tcxtorstraße stahlen sie für 200 Jl Kleider,

* Frankfurt a. 3JU 22. Juli. Der 19jährige Schlosser Hermann Morgenstern und der 22jährige Schiffer Friedrich Gleichmann verübten in einem Zeitraum« von zwei Monaten nachweisbar 40 Villen- und Mansardeneinbrüche. Die Strafkammer verurteilte die beiden Einbrecher, die geständig waren, zu erheblichen Freiheitsstrafen. Gleichmann erhielt 4 Jahre Zuchthaus, Morgenstern 18 Monate Gefängnis. Zwei Kellnerinnen, die den Angeklagten Hehlerdienste leisteten, kamen mit vier bezw. zwei Wochen Gefängnis da­von.

Hessen-Nassau.

* Köppern i. T-> 22. 'Juli. Der in Mainz dienende Pio­nier Wilhelm Kraus wurde bei einer Uebung von einer Fliege gestochen. Es entstand eine Blutvergiftung, an deren Folgen der junge Mann jetzt starb.

* x. Usingen, 21. Juli. Für die Eebirgsdörser im hiesigen Kreise: Schmitten, Seclenberg, Arnoldshain, Ober- und Rie- derreisenbcrg ist der geringe Ertrag der diesjährigen Hcidcl» becrernte ganz besonders fühlbar. Es gibt stets im Juli, zur Zeit der Ernte, in genannten Ortschaften längere Ferien, sog. Heidclbeerferien. In diesem Jahre find die Wälder still und verlassen. Der Maifrost hat die zarten Heidelbeerblüten gänz­lich vernichtet und die Kinder um ihren Verdienst gebracht. Auch die Hausftau in der Stadt wird die herrliche Waldfrucht ungern entbehren.

* Oberstedten, 22. Juli. Junge Burschen zündeten in der Gemarkung aus Uebermut mehrere große Heuhaufen an. die vollständig niedcrbranntcn. Die Brandstifter wurden, obwohl man sie weglaufen sah, noch nicht ermittelt.

* x. Weist,rcheu, 21. Juli. Die diesjährige auf den 3». August fallend« Kirchweih« wird wegen Truppenbelegung des Ortes zu dieser Zeit nicht abgehalten. Es ist hierfür der 16. August in Aussicht genommen, damit di« beliebten Hahnen- und Entenessen nicht entbehrt zu werden brauchen.

* Niederhöchstadt, 22. Juli. Beim Heueinfahrcu stürzte der Landwirt Benedikt von cincuc Wagen ab. Er brach da- Genick und war auf der Stelle tot.

* F. G. Wiesbaden, 21. Juli. Der Arbeiter Georg Bossoir in Wiesbaden, der bei einem Zimmernachbarn einen Einbruch verübte, wurde deshalb mit 3 Monaten Gefängnis belegt.

* F. C. Wiesbaden, 21. Juli. Der Arbeiter Georg

Nöll in Nied batte gelegentlich eines Raufhandels dem Ar­beiter Schneider einen Messerstich am Kopfe beigebracht. Das vom Schöffengericht Höchst gegen Nöll gesprochene Ur- teil lautete nyf 2 Monate Gefängnis. Gegen dieses Urteil verfolgte Nöll Berufung an die Strafkammer. Da er aber nicht allein sondern auch der Amtsanwalt von seinem Rechts­mittel Gebrauch inachte, hatte er nur den Erfolg, daß das Gericht aus Antrag des Staatsanwalt« die Straf« auf drei Monate heraiiffctzte. !