Serie 3.
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* F. C. Wirsbaden. 22. Juli. Der Nauroder Gemrind«.
mald hat noch einen recht reichlichen Wildstand auszriwrisen,
leider durch umfangreiches Wildern stark' dezimiert wird, so kommt es auch, daß der Pächter der Jagd. Oberstabsarzt vr. Huesker in Sonnenberg, der jährlich 1500 Jl Pacht- summe entrichtet, mit Ach und Krach im Jahre ein Reh oder ein Häschen vor die Flinte bekomnit. während neben ungezählten Hasen etwa 60—SO Rehe jährlich in den Besitz Unberechtigter gelangen. Sagt der Jagdpächter eine Jagd an, dann veranstalten in der voraufgehcndcn Nacht die Nauroder Wilddiebe, die so ziemlich alle miteinander verwandt sind und deshalb keinen Verrat fürchten, eine Treibjagd, durch die sie das Wild zum Wechseln in Nachbargebiete zwingen. Acht derartige ehrbare Bürger kamen im Mai in der Wirtschaft Raab in Naurod zu der Ueberzeugung, daß eine Jagd rmbc- dingt wieder nötig sei. Sie führten diese auch aus, gerieten sich jedoch in die Haare und einer von ihnen erstattete Anzeige. Tie Folge war die gestrige Verurteilung der Gebrü- )er Raab. Schuhmacher, Christ und Schneider zu 25, 15 und l0 Jl Geldstrafe. Ter Amtsanwalt hatte, damit endlich einmal in der Nauroder Gemarkung aufgeräumt werde, gegen jeden sechs Wochen Gefängnis in Antrag gebracht.
* F. C. Wiesbaden, 22. Juli. Als internationale Hoch- staplerin haben bereits in- und ausländische Gerichte die J l Jahre alte ans Breslau gebürtige, geschiedene Ehefrau Magda Rosenthal geborene Hampel bezeichnet, weil sie die fashionabelsten Plätze des Kontinents besucht und dort unter )cn Namen Frau vr. Rosenthal oder Baronin de Raco neben Krcditfchwindcleien auch schwerere «Dinge dreht." Ein besonderes Geschick besitzt sie, wie bereits kürzlich in einem zur Verhandlung stehenden Falle sestgestcllt werde» konnte, darin, die intimsten Familicnvcrhältnisic ihrer Mictsleute zu erforschen. So hatte sie im Frühjahr 1912 in Hannover in Erfahrung gebracht, daß die Pensionsinhaberin Petzold, bei der sie wolmtc, mit dem Fabrikanten Dcgcner in Greifswald korrespondierte. In geradezu unglaublich dreister Weise wußte sie von diesem 100 Jl zu erlangen, indem sie drei Telegramme und einen Brief fälschte und in diesen obengenannte Summe forderte, da der Bruder des Fräulein Petzold in Riga eine große Wcchselfälschung verübt und dadurch auch die Familienehre in höchsre Gefahr gebracht habe. Vor Gericht spielte die Hausdame, wie sie sich nennt, den Fatalisten. Das Gericht erkannte indessen auf ein Jahr Gefängnis.
* Königstei«. 22. Zull. Die hiesige Polizeioerwaltung unternahm am Sonntag zu», erstcnmale in energischer Weis« den Waldverwüstcrn zu Leibe zu rücken. Ein ganzer Trupp junger Leute, dcsien Mitglieder wie die ..Pfingstochsen" mit Laub geschmückt durch Königstein zogen, wurde von Polizeibeamten zur Bestrafuug notiert. Zn einem zweiten Fall nahm eine Wandcrgesellschast für einen Sistierten Partei und begleitete ihn mit Mufti und unter lebhajten Protestrusen mit auf die Polizei. Da» Vorgehen der Konigstciner Polizei gegen die Waldschänder verdient weiteste Nachahmung »ad dürfte der Unterstützung aller Naturfreunde sicher sein.
* Höchst a. M, 22. Zuli. Nach dem Genuß von Dickmilch begab sich der Schreiner Halbig au» llnterliederbach zum Baden in den Main. Kaum befand er sich im Wasser, als er von einem schweren Unwohlsein befalle» wurde. Er kam sofort in da» Krankenhaus, wo man eine Darmzerreißung feststem« — Beim Ausziehen einer Bog-nlamp- riß der Draht. Die Lampe traf im Herabsallen einen Kausmannslehrling und fügte ihm schwere Kopfverletzungen zu. — Zn den Farbwerten wurden zwei Arbeiter durch umhersprihendes Aetznatron im Gesicht schwer verbrannt. Ein anderer Arbeiter wurde im Ehromotrog bewußtlos. Alle drei mußten dem Krankenhause zugejuhrt werden.
- (tzriesheim a. M.. 22. Zuli. Der Gutspächter Thirsch hat sich im Haus« seiner hier wohnenden Eltern erschosten.
* Schwalbach (Kreis Wetzlar), 22. Juli. Ein Schwül- benpaar, das in dem Stalle des Maurers Wols nistet, hat seine preußische Staatsangehörigkeit damit dokumentiert, daß eS zwei schwarze und zwei weihe Schtvälblcin ausbrütete- Die Tierchen wurden von den mit Recht sehr stolze» Eltern sorglich gehegt und gepflegt nnd macksten dieser Tage ihren rrsten Ausslug.
* Herbor» 22. Zuli. Daß man für das Fangen von Hamstern. Mäusen. Maulwiirscu und Maikäfern Prämien bezahlt, ist bekannt. Die hiesige Bürgermeisterei hat bie Gewährung von Prämien jetzt auch aus das Fangen von Kohlweißlinge» -»»gedehnt und bezahlt sur 100 Stück toter Schmetterling- 15 Pfennige.
* Striubach (Tillkreis). 22. Juli. Auf der Grube „Bautenberg" stürzte der Bergarbeiter Taub in den Schacht. Er war sofort tot.
Starkrnburg.
* «alldvrs, 22. Juli. Hier ist seit Sonntag ein 21 Jahre altes Mädckxm, das sich an dem Ausfluge eines Gesang- Vereins an den Rhein beteiligte und mit anderer Gesellickiaft zurückgeblieben war, bis jetzt noch nicht zu ihren Angehörigen zurückgckehrt. Sie war verlobt, hatte sich aber seit einiger Zeit mit ihrem Bräutigam nicht mehr gut vertragen, iodaß cs zwischen beiden öfter zu Auseinandersetzungen kam. Man vermicket daher, daß sie sich ein Leid angetan hat. Man stellt eifrig Nachforschungen an.
* F.C. Rüsselsheim. 21. Juli. Die Feldhühner sind in den Gemarkungen Schwanheim, Kelsterbach, Naunheim, gut durchgekommcn und völlig ausgewachsen. Zahlreiche Ketten von 7, 9. 11 und 13 Stück trifft man an. Die irr- spület« Heuernte kam dem Wild heuer sehr zu stallen.
* Egclsbach, 22. Juli. Erhängt aufgcfunden wurde hier der 13 Jahr« alte Schüler Werner. Ter wohlerzogene, brave Sohn achtbarer Eltern soll das Pferd seines Nachbarn geschlagen haben und bekam diescrhalb einen Verweis von fernen Eltern; ferner wurde ihm mit einer Anzeige bei seinem tßtfircr gedroht. Obwohl der Schüler wußte, daß cs dort
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lediglich bei einer Verwarnung bleiben würde, kann ihn nur die Furcht vor einem Tadel veranlaßt haben.
* Brnshrim, 22. Jnli. Der vor etwa zwei Jahren in Offenback) wegen Spltrcn von temporärer Geistesstörung init einem Ruhegehalt von jährlich 1200 Jl aus dein Dienst .-nt- lassene Bezirkskommisiär Hechler wurde am Freitag in Schönberg bei Bensheim, einem kleinen Orte von 600 Einwohnern, wo er ein Korkstopfcngeschäst betreibt, mit 51 von 82 Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
* Fürth i. O< 22. Juli. In den Orten Weschnitz, Brombach, Kräkelbach und Krnmbach, alle bei Fürth i. O. gelegen, die alle einen gemeinsamen Bürgermeister haben, fand ani Montag nute r» lebhafter Beteiligung Bürgermeistcrwahl statt und wurde hierbei der Landwirt Georg Knapp aus Brambach gcwähk'
Aus Rhrinhcfsrn.
* Mainz, 22. Juli. Seit einiger Zeit werden hiesige Geschäftsleute beim Herausgeben des Wechselgeldes von einem rassinierten Schwindler hincingelegt. Er legt meistens eine» Fünszigmarkschein oder ein Zwanzigmarckstück dein, Einkauf hin und nimmt Wechselgeld und das hinge- gebene Geld mit. Der Schwindler ist gut angezogen und trügt weißen Strohhut. Dieser Tage besuchte er auch ein hiesiges Cack mit Konditorei, trank eine Taffe Kaffee und nahm noch Schokolade für 2,50 Jl mit. Er „pressierte sehr", hatte es sehr eilig um den Zug, legte 20 M in Gold hin, nahm die herausgegebenen 17 Jl, während er das Zwanzig- Markstück schon vorher eingesteckt hatte. Dann verschwand er eiligst ans Nimmerwiedersehen. Die Geschäftsleute seien vor dem Schwindler gewarnt.
* Mainz, 22. Juli. Die Garnison Wiesbaden hat ange- ordnct, daß ihren Soldaten einstweilen nach Sonnebcrg und Bierstadt kein Urlaub gewährt werde, da ist auch nach der Garnison Mainz gemeldet worden ,md wird auch von hier aus befolgt, sodaß es also auch aus Mainz keine Beurlaubungen nach Sonneberg und Bierstadt gibt.
» Alainz, 2t. 2uli. Zn Mainz-Momdach hat ein Knabe eine mutige Tat vollbracht. Ein siebenjähriges Mädchen siel, als es in, Floßhafen über einen Steg auf ein Floß gehen wollte, ins Wasser. Ein izjähriger Knabe sprang dem Kinde nach und brachte es schwimmend ans Land.
» Weisenau, 21. Zull. Eine reiche Erbschaft wurde dem hiesigen Schmied Körper ganz unvermutet zuteil. Der Meister vom Amboß war seither als Schmied bei der Eustavsburger Brückenbaugesellschaft beschäftigt. Da kam nun in dieser Wachaus Amerila die Nachricht von dem Tode eines Onlels seiner Frau und zugleich di- Mitteilung, daß dem Schmied laut Testament des guten Onkels eine Erbschaft von 150 (MO M. zugefallen sei Der wackere Schmied war über diese Botschaft so erfreut, daß er sofort die Arbeit einstellte und den Hammer für immer beiseite legte.
* Hridcshcinl, 22. Juli. Wegen des Mordanschlages im Hcidcsheimer Wald hat der Untersuchungsrichter aus Mainz in dem Wohnhause des Täters eine Haussuchung ab- gehalten. Nach dem Auspumpen der Latrinengrube fand sich der zur Tat gebrauchte Revolver im Schlamm vor. Der Täter hat anfänglich geleugnet und behauptet, er habe gar keinen Revolver besessen.
» Ober-Zngelheim, 21. Zuli. Die Kirschenernte ist dieses Zuhr so reich wie selten zuvor. Bon einem Kirschbaum wurden z. B. volle sieben Zentner geerntet. Rechnet man das Pfund nur zu 50 Kirschen, dann trug dieser Baum also 55 000 Kirschen.
» Bingen, 21. Zuli. Zn unseren Weinbergen nimmt infolge der immer wieder auftretendeu Regengüsse leider die Peronospora »un doch ernstlich ihren Fortgang. Sie ist bereits sehr stark ausgetreten, so daß ein größerer Schaden kaum zu oermelden sein wird. Ausfallend ist, daß die Krankheit in Weinbergen, die gut und nach den Vorschriften gespritzt wurden, kaum zwei Tage nach der Arbeit und nachdem die Neben oallständig gesund gesunden worben waren, in starkem Maße ausgetreten ist.
* Planig, 21. Zuli. Da den Landwirten für ihre Schweine nur 52—55 Pfg. Schlachtgewicht geboten wird (bie Metzger verkaufen da» Fleisch zu 80 Pfg.) und man für das Geld keine Schweine halten kann, lasten di« Landwirte die Schweine selber aashauen uud erlösen auch dann dasllr einen annehmbaren Breis. Run hat dieser Taae ein biekioer Metzner ansichellen
lasten, daß das Schweinefleisch jetzt »0 Pfg. bei ihn, kosten würde.
» Wöllstein, 21. Juli. Zn der ganzen Umgegend tritt die Peronospora in verheerender Weise aus. Zn manchen Orion haben die Winzer schon zum viertcnmal gespritzt, aber bis jetzt ohne jeden Erjolg, denn die Krankheit tritt mit jedem Tage stärker aus. Unter diesen Umständen sind di- Hosjnnugen der Winzer gesunken.
* Gimbsheim, 22. Juli. Einen ungewöhnlichen Kamps mit Bienen hatte ein hiesiger Bürger zu bestrhen. Als er sich mn Abend zu Bette legte, sprang er nach kurzer Zeit wie- der heraus, da er am ganzen Körper durch Insektenstiche bös zugerichtet worden war. Rurch das offene Schlafzim- merfenfter war ein Bienenschwarm hereingcfloge» und h.ikte das Bett zu seiner Niederlassung benützt. Nach längeren, Kampfe mit den erregt gewordenen Bienen konnte daun der Vielgeplagte seine unangenehm unterbrochene Nachtruhe fortsetzep • ,
Ans aller Well.
Eioßseuer in Hamburg. Ein gewaltiger Brand brach am 20 Juli kur, nach 5 Uhr nachmittag» aus der Werst von «iohm u Boß bei Neubauten für die Schiss- der Jmpcratorklastc ans. Das Gebälk einer Docksektton, die in wenigen Tagen vom Stapel laufen sollte, sing plötzlich Feuer und in wenigen Minute» stand das vollkommen trockene Hol, in hellen Flammen. Ge- waltig, Flammenjäulen schlugen empor uud hüllten in ganz kurzer Zeit säst die gesamten Wcrftaulagen ein. Dadurch wurde es der sofort herbeigeeilten Feuerwehr, die ihren Weg teilweise durch den Elbtunnel genommen hatte, sehr erschwert, bie auf den Gerüsten beschäftigten Arbeiter, 150 an der Zahl, in Sicherheit zu bringen. 50 von ihnen erlitten erhebliche Bcr- lctzungen und sechs mußten dem Krankenhonse zugeführt wer. den. Sie hatten sich durch Abspringen vom Gerüst Arm- und B-l»brüche zugezogen. Nur ein nuverheirateter Nieter kount« aus dem zusainmenbrechenden Gebälk nicht mehr gerettet werden und wurde erst später als völlig verkohlte Leiche anfgefun- de». Das Feuer konnte eist nach mehreren Stunde» gelöscht werden. Der Schaden ist ziemlich groß.
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Voraussage: Wolkig, zeitweise Regen, kühler, Rordwesi- Winde.
Verantwortlich für den politischen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den lokalen und unterhaltenden Teil- Bernhard Lenz, Friedberg; für den Anzeigenteil: Karl Schmidt, Friedberg. Druck und Vertag der „Neuen Tages- zeitung", A.-G., Friedberg i. H.
Danksagung.
Für die überaus zahlreichen Beweise aufrichtiger Teilnahme während des Krankenlagers und dem Hinscheiden unserer unvergeßlichen
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geb. Metzger
sagen herzlichen Dank.
FrikNns, den 22. Juli 1914. Die Hinterbliebenen:
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