Sle >>^ru. C-oc»,ritung" erlcheint jeden Werltag. Regelmäßig« Beilagen „?« fi««rr an» itlTtn“, „Die ^rniBubt'*. ü.,ugoprris: Bei den Pos,ans,allen v,er»el-a »rllä, «7.« tei Den Agenten monatlich SO Psg. Hinzu tritt Postgebühr oder Trägerlodn. Anzeigen: Eruncheile 20 Pfg., lokale IS Pfg, Anzeigen von auswätt, werden durch Po ,nachnah n.- croobei, _ Erfüllungsort Friedbrrg. Schriftleit»»- nnd Verlag Friedberg itzesten), Hanaucrstraße 12. Femiprccher 48. Postscheck-Lonto »Ir. 48i9, Amt Frankfurt o. AI.
zimnmer IVO ____Mittwoch, den 22. Juli 1914 7. Saurgnnn
pebersicht.
— Am 100. Geburtstag ist in Hamburg die Witwe des Kaufmanns Zakobscn, die in der Rotcnbaum-Ehaussce wohnt, gcstorbrn. Sie feierte ihren 100. Geburtstag, zu dem ihr am Vormittag noch zahlreiche Gratulationen gebracht worden waren. Sie crschien noch recht frisch und munter. Als sie sich nachmittags für kurze Zeit in den Ruhclesicl begab, da machte ein Herzschlag ihrem Leben ein Ende.
— In Girrslkbn (Anhalt) ist die Ruhr ausgebrochc». Ein vierjähriges Mädchen und zwei auswärtige Arbeiter sind bereits gestorben. Acht weitere schwere Erkrankungen liegen vor.
— Beim Baden ertranken gestern in Mannheim zwei Personen. Im Neckar fand ein Ibjährigcr Realschüler mit Namen Haus seinen Tod, im Rhein der 22jährige Schiffs- Heizer Eduard Becker aus Ludwigshascn.
— Vor etwa drei Wochen wurde in der Holbeinstrasie in Tresden die 00jährige Witwe Lehmann von einer Frau ermordet und beraubt. Nach längeren Recherchen ist cs endlich der Polizei gelungen, der Mörderin habthaft zu werden und zu verhaften.
— In den großen Fabriken Moskaus wurden bclvafs- ncte Polizisten postiert und außerhab der Gebäude stehen vermehrte Wachmannschaften, da unter den Arbeitern Ausbruch von Unruhen und Ausschreitungen befürchtet wird. Tie Moskauer Arbeiterschaft soll entschlossen sein, mit den Streikenden in Petersburg und Baku gemeinsame Sache zu machcir.
— Ter Generalstabschkf der österreichischen Armee von Höhcndorss ist, nachdem er sich in Wien einige Zeit an dem Krankenlager seines Sohnes aufgehalten hatte, wieder auf Urlaub »och Tirol abgcrcist. Das Befinden seines Sohnes hat sich inzwischen derart gebessert, daß er die Reise ohne Besorgnis antrctcn konnte.
— Ter russische Botschafter Schebcko begibt sich heute abend auf Urlaub nach Rußland, wo er einige Wochen auf seinen Gütern verbringen wird. Die laufenden Geschäfte der Botschaft in Wien wird während der Abloescnhcit Schebekos Botschaftsrat Prinz Kudoschew führen.
— Ter Schritt der österrcichisch-ungarischen Regierung in Belgrad verfolgt nicht allein den Zweck, die bestehenden Differenzen zu befitigcn, sondern die serbische Negierung zu einer Aenderung seiner Politik in der Richtung eines dauernden Friedens zu bewegen.
— In Kaiti hat die Regierung das Krirgsrecht über Port au Prince verhängt. Tic Rebellen wurden zurückge- schlagen.
Waiiaclubcs ilationalbfimilitlfin im dtiitlchtn tultlchiff.
Ein sonderbares Vorkommnis aus dem deutschen Zeppe- sin-Luftschiff „Dikloria-Luise" bringt ein Fabrikant in der „Gladbachcr Zeitung" zur Sprache. Er war mit zwei anderen Einwohnern München-Gladbachs am vergangenen Sonntag in Baden-Baden und hatte von der Zcppclin-Luft- schisshallc Los aus eine Rundfahrt in der „Viktoria-Luise" unternommen. Dabei ist er nnd die anderen Fahrgäste von einem Luftschifsbeamtcn mit Namen Klein, der die Fahrscheine Nachsicht, Erklärungen abgibt, und in der Gondel bedient, dauern in englischer Sprache angcredct worden, obwohl alle drei Herren wiederholt erklärten, daß sie Deutsche feien und sich aus einem deutschen Lustfchifs zu befinden glaubten. Auch der Aufruf der Fahrgäste erfolgte durchtveg in englischer Sprache. „Unsere Stimmung", so führte der Gladbachcr Herr dazu aus, „wurde durch ein derartiges Verhalten stark beeinträchtigt. Aus unsere nach der Landung sofort bei den leitenden Beamten der Gesellschaft erhobene Beschwerde erkundigte sich dieser bei „Mister Klein" und kam dann zurück mit der Antwort, der Mann habe ihm gesagt, in dem Lnst- lchiffe führen so viele Ausländer mit, daß man nicht wissen könne, wer Deutscher sei. Unsere Antwort war, daß man in einem deutschen Luftschiff doch besser alle deutsch anrcde, als von vornherein englisch. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß so etwas bei einer Gesellschaft möglich ist, die doch gerade vorbildlich deutsch sein sollte. Don der allgemeinen vaterländischen Begeisterung getragen, wurde cs dem greisen Grafen Zeppelin ermöglicht, sein Lebenswcrk zum guten Vollenden zu bringen und nun geht eine deutsche Lnstsch-ss- fohrtsgcscllschast her und duldet es, daß aus deutschen Zcppe- lin-Luftschiffcn deutsche Männer mit „Mister" angcredct werden. Gegenüber den fremden Fahrgästen niuß den deutschen bei solcher Behandlung die Schamröte und Zornröte ins Gesicht steigen."
Eine Preisfrage.
Wir lasen jüngst in einer Zeitung folgendes.
„Kriegerisch wie draußen, ist bei uns auch die Stiin- muna im Annern, und die beiden Nachwablen in Koburg
und Labiau-Wchlau haben diese Stimmung noch verschärft. Erfreulich ist neben dem Rückgang der fozial- demokratischen Stimmen in beiden Wahlkreisen die Tatsache, daß dem konservativen Uebcrmut der letzten Monate ein kräftiger Dämpfer aufgesetzt ward. Man konnte es kaum mehr mit ansehen, in welch demagogischer Weise die Großagrarier das Volk aufzuputschen suchten für ihre gewaltsamen Pläne — der Januschauer hat da wieder einmal aus der Schule geplaudert — und wie nian für diese ganze zweifelhafte Politik letzten Endes die Person des Kaisers verantwortlich machen wollte. Aus diesen» Grunde ist es besonders zu begrüßen, daß die Wahl in Labiau-Wchlau die Wolken zerrissen und den Konservativen gezeigt hat, daß sie. ihre Pläne auf Sand gebaut haben,^und daß das. Volk sich bedankt, sich in die Fesseln der Reaktion schlagen zu lassen. Da wird den Funkern und ihren Helfershelfern auch die Zitierung des Geistes der echt preußischen Leute nichts mehr nützen, trotzdem aber zeigen auch diese neuesten Ausbrüche des preußische», Partikularismus gegen de», Kanzler wieder, wohin die konservative Politik steuert."
Wenn wir sagen, was für eine politische Richtung wohl die betreffende Zeitung gehabt hat, der wir obige Auslassungen entnehmen, so wird wohl allgemein geantwortet werden, so verhetzend und so giftig kann nur ein sozialdemokratisches Blatt schreiben. Aber weit gefehlt: diese Sätze entstammen einem nationallibcralen Blatte, den» Basscrmann- scher, „Deutschen Kurie r".
Bcincrkenslvert ist, daß in dieser Betrachtung als erfreulich bezeichnet wird, daß' auch in Koburg J>em konservativen liebermut ein Dämpfer aufgesetzt worden'lväre, Nun war in Koburg gar kein Konservativer ausgestellt, der ain weitesten rechts stehende Kandidat war n a t i o n a l l i b c - r a l! Daß der „Deutsche Kurier", dessen Stiinmcnverlust und Niederlage als erfreulich bezeichnet, rechtfertigt unsere Meinung, daß der Kandidat der Basser-, Stresc-, Neb- und anderer Männer nicht der nationalliberale, sonder» der freisinnige Kandidat gewesen ist. Wir möchten die Frage aufwerfen, ob die derzeitige national-liberale Parteileitung überhaupt noch n a t i o n a l - liberal ist.
Was dm kinkil recht ift, möge auch
dem Andern billig jein!
(Eine Randbemerkung zu der Rhcinfahrt der „Vereinigten Landwirte".)
Als die „Vereinigten Landwirte von Frankfurt und Umgegend" am Samstag ihren Rhcinausflug machten und als die Tcilnchnicr aus der Wetterau sich am Bahnhof Bocken- hcim sammelten, entstiegen dem Zuge Hunderte von Arbeitern, die zum großen Teil die Landwirte mißgünstig musterten. Ausdrücke, wie: „Wir müssen schaffen und die können Ausflüge machen", bcnebst den dazu gehörigen haßerfüllte»» Blicken konnte man zur Genüge hören und sehen. Wir nehmen das den Leuten nicht übel, wir trösten uns mit dem Spruche: „Herr, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun". Sie werden eben von gewissenlosen, berufsmäßigen Vvlks- verderbcrn verhebt und irregeleitet und sind für ihre Taten nicht verantwortlich zu machen. Wir würden auch von diese»» Treiben gar keine Notiz nch»»en, wenn nicht just an demselben Tage, an de,», die Rheinreise stattgefundcn hat, in der „Dolksstimnic" eine lange Beschreibung der „Arbciterreisc" nach Hamburg und Helgoland gestanden hätte. Es wird darin erzählt, daß sich am 19. Juni l. I. l>01 „Proletarier" aus Bcranlassu»»g des GewerkschaftS- kariells zu einer gemeinsamen Reise nach Hamburg nnd Helgoland zusaiuniengefunden hätten, die vom 19.—23. Juni, also fünf Tage gedauert habe. Der Preis der Fahrkarte hat allein 38 M betragen, ohne die Danipferfahrt von Hamburg nach Helgoland und zurück! Wir wollen darüber hinweg- gchcn, was die Herren „Proletarier" alles »nitgemacht haben: cs heißt am Schluß des Berichtes, daß es allen sehr gut gefallen habe. „Hundertsällig erscholl aber die Frage: Wohin nnichcn wir in, nächsten Jahre eine Reise? — Nach Paris!"
Wir nchinen es auch den Arbeitern nicht übel und wir gönnen cs ihnen, wenn sie sich einmal ausspannen nnd eine Reise machen können. Man soll aber dann auf der anderen Seite auch an den Satz denken: Was dem Ei»,en recht ist, das ist den» Anderen billig. Tie Herren „Proletarier" sollen nicht andere» das übel nehmen, was sie selbst in höhere»», Maße sich gestatten, sie sollen nicht deutsche Bauern schmähen, wenn sie einnial einen Tag an den Rhein fahren, »nährend ihre Genossen sünf-Tage-lange Fahrten nach Helgoland uiachrn n»»d für »»ächstes Jahr gar nach Paris fahren wollen.
Eagesüderstcht.
Dcnllchcs |teirir-
:: 2»ior.iariI;£tinnctungsau:;j(cUuiiB. I» Verbindung mit der nächstjährigen aroßcn TUsteldoiser Ausstellung acolante
Bismarck Erinnerungsausftcllung ist nunmehr in weiten» itm- fange gesichert. Der Abgeordnete Tr. Wilhelm Neunter, reden Vorsitz in, Partciausschuß übeinemmen hat. ist in Fried richsruh von der Fürstin Bisinarct in überaus herzlicher Weise empfangen worden. Die Fürstin war über den Plan sehr er- ftcul und übcrnahin bereitwilligst das Protektorat über diese dem Andenken des großen Kanzlers int Fahre seines 100. Geburtstages geweihte Veranstaltung. Sie wird aus SchLnha», seu, Friedrichsruh und Varzin hochbedcutsacnc Denkwürdigkeiten im Original, wie Möbel. Bilder, Ehrenbürgcrbricfe und andere Dkoumente zur Versügung stellen, darunter die Wiege Bismarcks aus dem Knicvogt, die Betten aus seiner Jugend- zeit, seine Kürassterunisorm und vieles andere. Man wird eine Sammlung von Denkwürdigkeiten und Erinnerungen an de», Bauincislcr Deutschland sehen, wie sie bisher der breite» Oeffcn-.lichkcit noch nicht zugänglich gewesen ist.
Oesterreich.
:: Serbien ist den österreichisch-ungarischen Forderungen geneigt. Das Wiener Auswärtige Amt wurde dahin unterrichtet. daß sich Serbien inoffiziell an eine österrcichbefreundete Macht um Ratschläge gewendet habe und daß es in seiner Antwortnote auf die Note der Monarchie Erklärungen abgeben wird, die erwarten lasten, daß Serbien den österreichisch-ungarische» Forderungen Rechnung zu tragen bereit ist.
:: Politischer Blordanschlag. Aus den bekannten österreichisch-serbische,I Agenten Nastiz, den Urheber des Agramer Hoch- verratsprozcstcs, wurde gestern Nach,nittag ein Mordanjchlag in Wien verübt. Er wurde durch Dolchstiche schwer verletzt. Die Täter, offenbar Serben, entkamen. Man hofft aber, daß die Polizei ihnen aus die Spur kommen wird. Der ganze Borjall wird geheim gehalten.
Rußland.
:: Unruhen in der rustische» Hauptstadt. Die Unruhen unter der russischen Arbeitcrschast nahm in den gestrigen Nach- Mittagsstunden einen beunruhigende» Charakter an. Gegen Mittag kam es zu Zusammenstößen mit den Kosaken. Au der Wiborgcr Seite mußte die Polizei gegen die Uebermacht der Arbeiter weichen. Auch der Berkehr der elektrische»» Bah», wurde gestört. Die Arbeiter bombardierte» am sinnländischen Bahnhof, an der moskauischen Pforte und an der Narwaschen Pforte mit Pastagicrn besetzte Straßenbahnwagen mit Steine», so daß die Fahrgäste eiligst flüchteten. Mehrere von ihnen wurden verletzt. Hieraus demolierten die Arbeiter die Wagen, die sie umwarsen. Sie machte» auch den Versuch, einzelne Wagen von der Samsonjewbrückc in die Newa zu weisen. Immer wieder versuchte die Maste der Arbeiter auf den Newa kiprospekt zu dringen, um dort den Verkehr zu stören und den Zarcnschmuck abzureisen. Sie wurde von der Polizei zurückgc drängt. Die Erbitterung, mit der die Arbeiter gegen die Polizei vorgingcn, war groß. Die Zahl der Tode» und Vcrwun dctcn wird geheim gehalten, was in den Kreisen der Arbeiter die Erbitterung noch verstärkte.
England.
:: Sitzung der Ulsterkonserenz. Die erste Sitzung der Ul- sterkonserciiz, die gestern nachinittag im königlichen Palais statlfand, dauerte VA Stunde. Nach einer kurzen Rede begrüßte der König die Konferenz. Alle Enthüllungen, die die Konferenz in günstige» oder ungünstigen Lichte erscheinen lassen, beruhen aus freier Erfindung, da positive Mitteilungen nicht oorlirgen. Das Publikum vergnügte sich da»nit, zu Tausenden das Portal des Buckinghampalastes zu »»»lagern, um die sührcnden Männer ein- und ausfahren zu sehen. Die Konferenz wurde sodann auf morgen vertagt.
Albanien.
:: Tic Ausstandsbewegung. Die Aufständischen weigern sich, den von den Vertretern der Großinächtc in der albanischen Ha»»ptstadt ausgesprochene», Wunsch, zwecks Verhandlungen Abgesandte nach Durazzo zu entsenden, zu erfüllen. Sic bestehen vielmehr nach wie vor darauf, daß die Gesand- tcu nach Schiak kommen und dort die Wünichc der Rebellen cntgcgcniichruen. Die Vertreter der Mächte werden morgen darüber endgültigen Beschluß fassen.
:: Abbruch der Verbindungen zwischen den Rebellen und der internationalen Kontrvllkominission. Nachdeu» die Rebellen cs abgelehnt hatten, auf einem Kriegsschiff mit den Vertretern der internationalen Kontrollkoinmission zu verhandeln, weigerten sich die europäischen Gesandten, weiter mit den Rebellen in Verbindung zu treten. Auf Befehl des Majors Kroons werden die Vertcidigungsarbciten in der Stadt insbesondere beim Drahtverhau von der Regierung wieder a»>fgeuommcn. Sämtliche Geschäfte in der Stadt sind geschlossen. 300 Malissoren aus Kossowo sind in Durazzo angekommen. Für heute werden 200 rumänische Freiwillige reguläre und ausgediente Soldaten, in Durazzo erwartet. Ter Leiter der Aufständischen soll ein türkischer Oberst oder ein Oberstleutnant des GcncralstabS fein.
Persien.
:: Krönung. Nachdem der iinigc Schah, der Sulla» Ahuicd, im Pnrlamcntsgcbäudc de» Eid auf die Verfassung geleistet hatte, fand gestern nachinittag 5 Uhr die feierliche Thronbesteigung im Palast statt. Ter Schah nahin auf dein im Muscumssaale stehenden goldene», Thron Platz und setzte sich selbst die Krone auis Kauvt. Die Obermullahs lvrarbcn


