Ausgabe 
28.12.1913
 
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Luftschlösser wollen wir bauen, sondern wir gründen uns auf Felsengrund. Aber auch nicht verzweifeln wollen wir, sondern arbeiten. Ueber Sorgenberge und Grabeshügel strecken wir die Hand nach oben: Herr Gott, du bist unsre Zuflucht für und für!

Den Grund aller Vergänglichkeit, den Stachel alles Todes deckt der Psalm uns auf; es ist die Sünde. Haben wir unvergebene Schuld, unge sühnte Lieblosigkeit mit hinübergenommen in das neue Jahr? Die Geschichte vom unfruchtbaren Feigenbaum ist ein nachdenklicher Silvestertext. Tue Rechnung von deinem Haushalten, eine ernste Silvestermahnung. Herr, gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht, eine notwendige Neu jahrsbitte. Nicht seufzen über Not und Tod, sondern seufzen wider unser Herz und wider unsere Schuld; mit den unerkannten Sünden hineintreten in den Flammenschein der zehn Gebote, in den Sonnenglanz der Heiligkeit Jesu Christi, in den Wetterschein des jüngsten Tages. Das ist unsre Christenpflicht. Am letzten Abend des Jahres brennt noch einmal der Christbaum, Silvester dunkel und Neujahrssorge durchleuchtend, Sünden leid und Bußschmerz verklärend und durchstrahlend. Der in der Fülle der Zeit aus der Ewigkeit sich zu uns neigte, der aus Zion uns anbrechen ließ den schönen Glanz Gottes, der auch das neue Jahr heraufkommen ließ als ein Jahr nach Christo

und darum als ein Jahr des Heils und der

Heiligung. Herr Gott, du bistu nsre Zu⸗ flucht für und für!

Hilf fernerweit, du treuer Gott, hilf mir zu allen Stunden! Sei Trost den Bekümmerten, Kraft den Schwachen, Erquickung den Geplagten. So dein Antlitz nicht mit uns ziehet, so führe uns nicht von dannen herauf; hilf deinem Volk und segne dein Erbe. Lehre uns nicht nur be⸗ denken, daß wir sterben müssen, auf daß wir klug werden, sondern lehre uns auch, daß wir leben können und leben sollen durch den, der gesagt hat: Ich lebe und ihr sollt auch leben, auf daß wir selig werden. 5

Dem Christen ist Ewigkeit wie Zeit so nahe und Zeit wie Ewigkeit so wertvoll, darum ist er befreit von allem Leide, weil er landend oder strandend aufschaut zu dem Sterne, der ihm zu Häupten leuchtet, und weil er lebend und sterbend beten kann: Herr Gott, du bist unsre Zuflucht

für und für! Dr. Conrad.

Der Logen des Friedens.

Wie freue ich mich über den Regenbogen, Herr Doktor, sagte ein Patient,er ist doch immer ein Zeichen der unwandelbaren Treue und Freundlichkeit Gottes.Ach, den hat Gott nicht gemacht, der kommt von der Brechung der Sonnenstrahlen in den Re- gentropfen!Meinen Sie, Herr Doktor? Sind Sie

nicht!Wieso?Wer hat denn gemacht, daß si

die Sonnenstrahlen brechen und dabei das Farben⸗ spiel erzeugen? Wer hat denn Sonnenlicht und Regen und unser farbenfrohes Auge gemacht?Ja, wenn

Sie so wollen! Staub.

or einigen Jahren schrieb Dr. Alfred Russell 1 Wallace ein höchst interessantes Buch über

die großen Entdeckungen des neunzehnten Jahr

hunderts. Das interessanteste Kapitel in dem- selben war mir jedoch nicht das Kapitel über die Photographie, oder Geologie, oder Evolution, sondern uͤber dieWichtigkeit des Staubes. Ich hatte nie gedacht, daß Staub auch irgendwelche wichtige Be⸗ deutung in der Welt hätte. Wenn mich jemand vor sechs Monaten gefragt hätte, dann hätte ich ihm ge antwortet, es wäre eine wahre Wohltat, wenn wir

den Staub für immer los werden könnten. Aber jetzt

wagte ich nicht mehr zu wünschen, daß es keinen Staub gebe, denn Dr. Wallace sagt uns in seinem Buch, daß der Staub außerordentlich wichtig sei, so wichtig, daß unsre Welt katsächlich kaum bewohnbar wäre ohne denselben.

Nun, welchen Wert hat der Staub? Dr. Wal⸗

lace sagt uns, daß wir die schönen Färbungen des Himmels, das Blau eines Sommernachmittags und das prächtige Rot des Sonnenuntergangs dem Staub verdanken. Wer hätte das gedacht? Aber so ist es. Er sagt ferner, daß das Blau der See dem Staub zugeschrieben werden muß. Die Schönheit der Welt ist zu einem großen Teil zurückzuführen auf den be⸗ ständigen Wechsel der Färbung des Himmels, nnd alles das würde verschwinden ohne den Staub. Ohne den Staub, so sagt Dr. Wallace, würde der Himmel vollständig schwarz sein, und man würde die Sterne selbst am Mittag sehen. Und wenn ich mir klar mache, daß wir diesen kleinen Körperchen in der Luft den blauen Himmel, das Morgenglühn und Abendrot

verdanken, sowie alle herrlichen Färbungen der Wol⸗

ken, dann drängt es mich, Gott zu danken auch für den Staub.

Das ist jedoch nicht alles, was wir dem Staub zu verdanken haben. Dr. Wallace sagt weiter, daß wir dem Staub Wolken und Nebel und den erfrischen- den Regen zu verdanken haben. Wenn es keinen Staub gebe, dann hätten wir in ben Tälern bestän digen Sonnenschein, der sie in eine dürre und un- fruchtbare Wüste verwandeln würde, während die Berge verwüstet würden durch solch heftige Regen- güsse, die alles Leben auf Erden unmöglich machen würden. Es ist hier nicht der Ort, das wissenschaft⸗ lich zu erklären; aber wir haben hier die Tatsache,

daß der Staub es ist, der uns bewahrt, daß wir nicht

von der Sonne ausgebrannt oder von den wütenden Fluten weggeschwemmt werden. Wer hätte gedacht, daß der Staub von solcher Wichtigkeit und Bedeu

tung sei?. a g Und die Lektion, die ich aus diesem Kapitel lernte,

war die: Gott kann auch von Dingen Gebrauch

machen, die uns ganz nutzlos scheinen. Er hat es

so geordnet, daß auch der Staub in der Natur seine 5

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durch diese Erklärung befriedigt?Gewiß! 15 d ich

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