Ausgabe 
28.12.1913
 
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Aufgabe hat, und so nimmt er auch Männer und Frauen, die ganz nutzlos erscheinen mögen, und be nützt sie in dieser Welt zum Heil und Nutzen der Men schen und zur Verherrlichung seines Namens. So nahm er z. B. Zachäus und Matthäus, die Zöllner gewesen waren, oder die große Sünderin, oder One simus, der ein entlaufener Sklave war Männer und Frauen, auf die man herabsah und mit Füßen trat und machte edle Männer und Frauen und treue Diener Jesu Christi aus ihnen. Einen armen Bergmannssohn und Mönch nahm er und machte ihn zu einem Werkzeug, der Welt das freie Evangelium von der Gnade Gottes wieder zu geben. Wir mögen geringe, verachtete Menschen sein; ja, wir mögen durch die Sünde wie Schmutz und Staub geworden sein: Gott kann aus uns allen etwas machen zum Lobe seiner herrlichen Gnade. Wollen wir uns seiner Hand anvertrauen, die uns umgestalten kann nach seinem göttlichen Plan?

Im Lichte.

Du siehst nicht die Stäubchen in der Luft, trotz dem sie zahlreicher als die Blätter im Walde sind, bis sie ein leuchtender Sonnenstrahl das Auge ent⸗ decken läßt. Der Fluß scheint rein und klar dahinzu fließen, bis das wunderbare Mikroskop unserem Auge viele Hunderte von kleinen Wesen in jedem Tropfen enthüllt, der in der Sonne glitzert. Du entdeckst nicht die Sünde in deinem Herzen, bis der Heilige Geist sein Licht hineinleuchten läßt.

Die Sonne kann nicht beiden taugen, Gesunden und auch blöden Augen, So kann auch Gottes Licht allein Den reinen Herzen lieblich sein.

A. Berens.

Ein treuer Bekenner.

s war nach der großen Schlacht bei Belgrad, welche die Deutschen gewannen. Peter Paasch batte die fliehenden Türken so unvorsichtig ver folgt, daß er außerhalb der Stadt von den Fliehenden gefangen genommen wurde. Sie banden ihn an des Pferdes Schweif, ein Türke setzte sich auf das Pferd und Paasch mußte nackt und barfuß ne⸗ benan laufen; denn die Türken hatten ihm alles ab⸗ genommen. Spät abends machten sie in einem Walde Halt, wo sie sich vor den Christen in Sicherheit glaubten, und nun sollte an dem gefangenen Christen eine aus gesuchte Rache genommen werden. Sie legten zuerst zwei Stecken in Form eines Kreuzes über einander, spieen dies Kreuz an und wollten Paasch durch Schläge und Martern zwingen, auch das Kreuz an zuspeien. Paasch aber, der vom Pferd wieder los- ebunden war, und von dem man sich keines Wider tandes versah, schlug jeden Türken, der das Kreuz anspie, ritterlich 5055 die Ohren, bis man ihm wie der Hände und Füße zusammenband. Nun wurde

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er mit Messern und Dolchen gestochen, um ihn zum Anspeien des Kreuzes zu zwingen, und als das alles nichts half, nagelte man ihm beide Hände über den Kopf an einen Baumstamm fest und wollte ihn mit. Peitschenhieben, Stockschlägen und beigebrachten Wunden zwingen, den Namen Muhammed auszu sprechen. Aber so oft man ihm diesen Namen vor sprach, sagte er: Jesus Christus.

Da entschlossen sich die Feinde Christi, zu seinen Füßen ein Feuer anzuzünden, und ihn so entweder zum Verleugnen zu bringen, oder ihn unter Feuer qualen sterben zu lassen. Da nun Paasch sah, daß sein Tod nahe war, betete er mit andächtiger Stimme ein Vaterunser und dann den Glauben, und der Herr gab dem tapfern Kriegsmann solchen Frieden ins Herz, daß er sogar für seine Mörder beten konnte, wie der Herr getan und Sein Knecht Stephanus. Kaum aber hatte er ausgebetet. so wurde er mit so hoher, himmlischer Freudigkeit erfüllt, daß er sich nicht enthalten konnte, mit mächtiger, alles übertönender Stimme den alten, herrlichen Pasionsgesang anzu stimmen: O Lamm Gottes unschuldig am Kreuz fur uns geschlachtet usw.

ben hatte er den dritten Vers zu Ende gesungen, und mit den Worten:Gib uns deinen Frieden, o Jesu. Amen geschlossen, da ertönte draußen vor dem Walde heller Trompetenklang: deutsche Reiter brachen in den Wald, die Türken stoben auseinander, und mit Staunen sahen die Reiter den angenagelten Paasch und das Feuer zu seinen Füßen. Sie machten ihn eilend los und ohnmächtig fiel er in ihre Arme. Nachdem sie seine vielen Wunden verbunden, ihn ge⸗ reinigt und mit Kleidern versehen hatten, kam er wieder zu sich, und die erste Frage war: Wie hat Gott euch gerade zur rechten Stunde hergesandt? Sie antworteten:Wir waren zur Verfolgung der Türken ausgesandt, da hörten wir im Walde den Gesang: O Lamm Gottes unschuldig. Das ist ein Christ, riefen wir, und jagten hinein in den Wald das: Lamm Gottes, dem du vertrautest, hat dich gerettet. Sie brachten nun Paasch nach Belgrad. Die Ge schichte kam vor die Ohren des frommen Prin en

Eugen, der ließ ihn aufs beste verpflegen, besuchte

ihn selbst einigemal und freute sich an seinem kind⸗ lichen, einfältigen Glauben, und schickte ihn darm, da er zum Kriegsdienste nicht mehr taugte, ins Vater⸗ land zurück. Er hat noch zehn Jahre in der Ge⸗ meinde, aus der er stammte, gelebt, und die Wun⸗ denmale des Herrn an seinem Leibe getragen, zur Stärkung der Gemeinde im Glauben, und im Jahre 1728 ist er im Glauben gestorben, nachdem er eben gesungen: o Lamm Gottes unschuldig!

Denke ans Sterben.

Als der tapfere Ungar Johann Hunniades Tor- vinus sich seinem Ende näherte, ermahnte ihn ein Geistlicher, sein Haus zu bestellen und sich zu einem seligen Ende vorzubereiten. Corvinus antwortete: Das ist ein elender, unbesonnener Mensch, der dies bis auf sein Ende aufspart, wo oft die Todesangst ihm keine Seit dazu läßt. Da ich mein ganzes Letten lang in Todesangst geschwebt habe, so bin ich bereits lange anf diese Stunde vorbereitet.