Ausgabe 
16.11.1913
 
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Elias Schrenk.

(gestorben in Bethel bei Bielefeld am 31. Oktober 1913)

ist ein Kind des württembergischen Schwarzwaldes. In einer kleinen, einfachen Bauernhütte zu Hausen bei Tuttlingen wurde er am 19. September 1831 ge⸗ boren. Der Vater starb, als der Kleine 12 Jahre alt war; auch seine Mutter hat er meist krank und bett⸗ lägerig gesehen. Er verdiente für die kleine Familie schon als Knabe durch Holzsammeln; später ward er Kaufmann. Nach den Lehrjahren in Tuttlingen und Donaueschingen treffen wir ihn zuletzt in dem Geschäft des bekannten christlich-sozialen Vorkämpfers Karl Mez in Freiburg i. B. Hatten von Jugend auf fromme Einflüsse ihn bewegt, so kam er hier noch vielmehr in einen lebhaften religibsen Wellenschlag. Doch den Frieden seiner Seele durch den Gekreuzigten fand er erst als Zögling des Basler Missionshauses, wohin ihn sein innerer Drang, ein Zeuge des Evangeliums zu werden, Ende seiner 20er brachte. Dort hub 1 eine lange Leidenszeit an, die ihn zum Warten un Glauben nötigte. Ein schweres Kopfleiden ließ ihn hier und dort vergeblich Hilfe und Linderung suchen, bis Gottes Stunde geschlagen hatte. Als Dorothea Trudel in Männerdorf bei Zürich mit ihm betete, er⸗ lebte er eine wunderbare, plötzliche Heilung. Nun vollendete er die Lehrzeit und ging dann, gereift und fest gewurzelt im Glauben, als Missionar in das mörderische Klima der Goldküste(Westafrika), wo er 12 Jahre lang energisch und rastlos, in viel Mühe und Not mit seinen reichen praktischen und geistlichen Gaben diente, zuletzt an der Seite seiner gleichgesinnten, treuen Gattin, Berta, geb. Tappolet, der Tochter eines Pfarrers im Kanton Zürich.

Schon auf dem Missionsposten trat seine Neigung zu freier Evangelisation stark hervor. Nach⸗ her finden wir ihn 3 Zeit in England für seine Mission tätig. Der dortige Aufenthalt machte ihn mit Spurgeon und Moody bekannt und gab ihm dadurch von neuem lebhafte Anregung zu seinem späteren Be rus. Die allmählich stattlich angewachsene Familie sehen wir dann in Davos, in Wädenswyl und endlich in Frankfurt a. M. ihren Wohnsitz nehmen, wo Schrenk als Missionsprediger stationiert wurde. Die ihn aus jener Zeit kennen, sagen, er sei damals schon

ein Crweckungsprediger gewesen. Im Jahre 1879 löste er sich von der Basler Mission; sein innerer Beruf trieb ihn darüber hingus. Es folgt jetzt eine Blüte⸗ zeit ssines Schaffens in Bern, wo er als Prediger der Evang. Gesellschaft zum erstenmal seiner eigent lichen Anlage voll und ganz genügen durfte. Sieben tiefbewegte und tiefgesegnete Jahre lang hat er daselbst, in Stadt und Land, durch Verkündigung und Seelsorge ewirkt. Es ging ein Frühlingswehen durch den anton. Damals ließ ihn der Herr der Gemeinde seine Aufgabe endgültig und klar erkennen. Schrenk redete aus heiliger Ueberzeugung; im betenden Um⸗ gang mit Gott hat er gerungen um die Seelen, zu denen er sprach, und hatte Kraft gesammelt aus dem Heiligtum Gottes. Den Gebetsmenschen merkte man an ihm. Mir kam der Gedanke, als ich ihn zuerst hörte:Durch welche

Tiefen muß der Mann gegangen sein, um so demütig

und so freudig vor Gott hinzutreten und zu beten. Schrenk war kein Redner mit glänzenden Formen er baute seine Predigt nicht kunstvoll auf, er kümmerte sich nicht um die Gesetze der Steigerung und des harmonischen, abschließenden Verklingens. Doch hatte er etwas Wertvolleres: Er war ganz natürlich, praktisch und realistisch. Zinzendorf hat einmal gesagt: Christus war der natürlichste aller Menschen. Schrenk war ein Beweis dafür, daß die natürlichste Art am wirksamsten ist, wenn sie vom Geiste Gottes geheiligt wird. Ur⸗ wüchsig, kernig, warmherzig kamen seine Sätze. Alles selbst erlebt, felbst empfunden, selbst erfahren, selbst durchkämpft, selbst errungen. Es war, als ob er be⸗ ständig sagte: Was quälst du dich im Unglauben her⸗ um ich hab's auch so gemacht aber komm, glaube und werde so glücklich und fröhlich und getrost, wie ich's durch Gottes Gnade bin! Das ist ja der Wille Gottes an den Menschen, daß sie selig und glücklich werden. Von 1885 an evangelisierte er auch n Deutsch⸗ land, zuerst gegen viele Vorurteile ringend. Er wohnte in Marburg a. L., später in Barmen und zuletzt in Bethel⸗Bielefeld, wo der Herr seinem Knecht nach einer letzten Krankheitszeit den Eingang zur ewigen Ruhe schenkte.

Tausenden hat Schrenk den Weg zum Frieden mit Gott zeigen dürfen und viele trauern ihm nach mit dankerfülltem Herzen. Er hat uns ein Vermächtnis hinterlassen, sein letztes Werk:Die sieben Sendschreiben der Offenbarung Johannes, das nach seinem Tode er scheint. Auch seine anderen gediegenen Schriften und Bücher seien hier mit herzlicher Empfehlung genannt: Das pilgerleben, Selbstbiographie; die kostbaren seelsorgersichen Briefe; das nüchterne, tägliche Andachts buch:Suchet in der Schrift, Je 12 Reden: Dein Wort ist meines Fußes Leuchte, und flllein durch den Glauben; Des jünglings Freund; Die Waffenrüstung Sottes; 6e⸗ danken über das fleiraten(aus der Not in der Seel sorge entstanden, ein Büchlein, das viel Unglück ver⸗ hüten kann, und verhütet hat); Wir sahen leine Rerrlich⸗ keit(das hohepriesterliche Gebet). Die Bücher sind in der Buchhandlung der pilgermission, Gießsen, zu haben.

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