Ausgabe 
9.11.1913
 
Einzelbild herunterladen

1

ein eigen Haus gestiftet hat, in dem arme und aus Armut in Sünde gefallene Leute Obdach und Speisung finden und zu einem besseren Leben angeleitet werden sollten. Als es nun mit ihm zum Sterben kam, und mit den Todesgedanken auch die Gedanken an Gottes Gericht über ihn kamen, ward sein Herz von großer Anfechtung um seiner Seligkeit willen geplagt, so daß er vor großer Angst meinte vergehen zu müssen. Da wollte er seine guten Werke dem göttlichen Ge richt entgegensetzen, suchte hervor nach einander seine Messen, Almosen, Kasteiungen und wohl tätigen Stiftungen, spürte aber davon keinen Trost, sondern sagte jedesmal traurig:es will das auch nicht helfen. Endlich, als nichts von allem dem bestehen will wider das verzehrende Feuer des gött lichen Gerichtes, holt er einen tiefen Seufzer aus dem Grund seines geängstigten Herzens, die Trä nen rinnen ihm über die Wangen, und er spricht: Erbarme Dich mein Gott, um Jesu Christi willen! Da fühlte er Trost und schläft sanft und selig ein. Jetzt hatte er den rechten Grund gefunden. 5 Zu Wittenberg besuchte Luther einen sehr kranken Studenten, der zuvor auch etwas leicht fertig gelebt, und fragte, was er Gott wolle mit bringen, wenn er würde von dieser Welt abfahren? Der junge Mensch sagte:Alles Guts, mein lieber Vater! Luther gab zur Antwort:Wie kannst du ihm was Guts bringen, bist du doch ein armer Sünder? Da spricht der fromme Student:Lieber Herr Vater, ich will Gott, dem himmlischen Vater, ein bußfertiges, demütiges Herz bringen, das mit den leuern Blutströpflein Jesu Christi besprengt ist! Darauf sagte Luther:So fahre hin, lieber Sohn! du wirst wohl ankommen und Gott, dem himmlischen Vater, ein willkom mener Gast im Himmel sein.

Ipr tut wohl, dass ihr darauf achtet.

Wenn einer erproben möchte, ob die Bibel wahr ist in ihren Lehren ꝛc., dann sollte er mit ihr verfahren, wie man es mit der Seekarte tut. Die Karte ist auch nichts weiter als bedrucktes Papier, und welchen Vorteil würde es bringen, wenn man am grünen Tische oder im Diskutier klub sich darüber streiten wollte! Und würde die Diskussion gewinnbringender, wenn ein Dutzend Kapitäne als Fachleute mitredeten, obwohl sie die Karte nie praktisch erprobten?

Mögen sie erst einen vernünftigen Versuch machen und die Karte mit an Bord nehmen und danach zu segeln versuchen. Wenn dann da ein Fels ist, wo sie sagtFels, und da ein sicherer Hafen, wo sie einen Hafen anzeigt, und da eine Untiefe oders Tiefe, wos sieUntiefe oderTiefe sagt, dann ist sie eine gute zuverlässige Karte. Macht es denn soviel aus, wer sie machte oder

wie oder wo oder wann sie gemacht wurde? Es ist die See das beste Mittel zur Erprobung der Seekarte.

Was soll all das Wortewachen über das Wort Gottes? Nimm es als Karte zur Orien tierung zu deiner Reise auf dem Ozean des Lebens. Willst du die Bibel als göttlich, kreu und wahr und immer zuverlässig kennen lernen, so werde ein Christ, d. h. richte dein Leben nach der Schrift ein.

So jemand will Des Willen tun, der wird inne werden, ob diese Lehre von Gott sei.(Joh. Petri I, 19.)

Dieses Buch wird dich von deiner Sünde fernhalten, oder die Sünde hält dich von diesem Buche fern.

Der große Zweck der heiligen Schrift geht dahin, die besten unter den Menschen dahin zu bringen, daß sie verzweifeln, sich selber selig zu machen, und die schlechtesten zu überzeugen, daß sie nicht verzweifeln sollen, durch Jesum Christum selig zu werden, und den einen wie den anderen die Hilfe zu reichen, deren sie bedürfen.

Er kommt zum weltgeriehte. Einst ein Buch wird aufgeschlagen, Drin steht alles eingetragen, Wes die Welt ist anzuklagen.

Wenn der Richter also sitzet, Wird, was dunkel war, durchblitzet, Vor der Rache nichts beschützet.

Ach, wie werd' ich Armer stehen? Wen zum Anwalt mir erflehen. Wenn Gerechte schier vergehen?

Hehrer König, Herr der Schrecken! Gnade nur deckt unsre Flecken! Gnade, Gnade laß mich decken!

Was ist das Endziel des Menschen?Je älter ich werde, sagte der berühmte Thomas Carlyle zu einem amerikanischen Freunde und ich stehe nun am Rande der Ewigkeit desto klarer, voller und tiefer wird mir der Satz im Katechismus, den ich lernte, als ich ein Kind war: Was ist das Endziel des Menschen? Gott zu verherrlichen und sich Seiner zu freuen auf ewig. Carlyles Vater James war nach des Sohnes Zeugnis ein Granitfelsen, ein puritanischer Schotte von unerbittlichem Wesen. Er las nur ein Buch, die Bibel. Sein täglich von ihm ge sprochenes freies Gebet bei der Hausandacht mündete stets- aus in die Worte:Und bereite uns vor auf jene großen Ereignisse, Tod, Gericht und Ewigkeit.