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Augen absehen konnte, er wurde der Sonnenschein des Hauses.
Doch nicht lange sollte sein Weilen auf dieser Welt sein. Eine tückische Kranheit ergriff ihn plötzlich und warf ihn aufs Sterbelager. Da lag er und litt geduldig die Schmerzen, die ihn Tag und Nacht quäl— ten. Wenn man ihn fragte, ob er gesund werden wolle, dann zeigte er nach oben, als wollte er sagen:„Dort ist das Land meiner Ruhe.“ Eines Abends schien er
besonders schwach zu sein, sein Ende mochte nicht mehr
fern sein. Eltern und Freunde umstanden sein Bett. Er lag still und geduldig da, der Friede Gottes prägte sich auf seinemelngesicht aus. Plötzlich reckte er seine Hände aus nach oben, seine Augen taten sich weit auf. O, wie glänzten dieselben! Ohne Swe fel sah er die Engel Gottes herniederkommen, um ihn heim— zuholen in die ewigen Hütten des Friedens. So war es denn auch. Noch ein Atemzug, noch einer, immer leiser, endlich hörte sein Berz auf zu schlagen. Eine erlöste Seele war heimgegangen, dorthin, wo kein Leid noch Geschrei und kein Tod mehr sein wird.
Mein lieber Leser, wie möchtest du sterben d Sterben mußt du, früher oder später, vielleicht sehr bald, viel— leicht in der kommenden Nacht. Nast du eine Hoffnung des ewigen Lebens d Ist Jesus dein Freund oder ist es die Welt d Entscheide dich heute für Jesum. Denn heute ist der Tag des Heils, jetzt ist die angenehme Seit.„Heute, so ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“
(Eingesandt aus Rußland.)
Aufruf!
Da siitze ich an meinem Schreibtisch und denke darüber nach, wie man unsern lieben Ge— schwistern in W. und L. und anderen Orten zu
einem Vereinshaus verhelfen kann. Ein Haus muß sein. Ihr hört den Ruf:„Kommt herüber und helft uns.“ Ist der Ruf umsonst? Wie doch die Welt erfinderisch ist im Geld herbeischaffen! Sollte die Liebe Christi nicht erfinderischer sein?
Gott sagt oft im alten Bund:„Rufet ein Fasten aus.“ Verzeiht, Geschwister, wenn ich das auch tue. Ich möchte, daß wir eine Selbstver— leugnungswoche oder Fastenwoche einrichten. Ge— schwister, sollte uns das schwer, unmöglich sein, mal eine Woche lang aus Liebe zu verlorenen Menschen alles nicht unbedingt Notwendige im Essen zu vermeiden? Ist das wirklich so schwer, einmal eine Woche lang keine Butter, oder keine Wurst, keinen Käse, keinen Kuchen oder Zucker zu genießen, oder was es auch sein mag? Und das dadurch ersparte Geld würde man zu den Füßen der Geschwister in W. legen. Man kann es auch auf folgende Weise machen: Die Frau sagt:„Lieber Mann, du mußt unbedingt einen neuen Strohut haben.“ Der Mann:„Nein, liebe Frau, der
Hut wird noch mal für 10 Pfennig mit Strobin gereinigt, und die 4 Mk. für einen neuen wandern nach W. Wie ist es da mit Euern Kleidern, Schuhen, Hüten, Schleifen und Bändern, ihr lieben Frauen und Jungfrauen?
Wir beten immer:„Unser täglich Brot gib uns heute.“ Nun gut, dann nehmt mal eine Woche lang mit Brot vorlieb. Es stirbt keiner davon. Jesus hatte nicht, wohin er sein Haupt legen konnte; willst du ihm gleichen? Nur dann sind wir Diener Gottes, wenn wer uns mit Pau— lus beweisen als solche im Hunger, im Fasten, in Blöße und allerlei ertragen, um etliche zu ge— winnen.
Wirkliches Opfer sollte man spüren. So wollen wir es uns dann fühlen lassen durch Züge— lung unseres Leibes und unserer Begierden, daß wir dem Herrn etwas geben. Ja wir dürfen, wir wollen es. Wir wollen es:
1. um Jesu Wort zu befolgen:„Der ver— leugne sich selbst.“ Entsagen, verzichten um Jesu willen, ist Ehre bei Gott.„Wer nicht verlässet Haus———“ Paulus sagt:„Ich kann satt sein und hungern, übrig haben und Mangel leiden.
2. Wir wollen es, damit wir der Welt nicht glei— chen. Der Bauch ist ihr Gott; Essen, Trinken, Genießen ihr A und O. Wir wollen durch Ent— sagen Protest erheben gegen die Genußsucht, Schlemmerei und Völlerei unser Zeit, gegen Mode und Vergnügungswut.
3. Wir wollen es tun aus Dankbarkeit für die sieben fetten Jahre, in denen Gott so manche Gratiszugaben zum Brot gegeben Wir legen uns freiwillig, freudig und aus Dankbarkeit dieses sanfte Joch auf. Es ist das Gesetz der Liebe.
4. Wir wollen es(und das ist ja die Haupt⸗ sache), um unsern Geschwistern zu helfen. Das Evangelium soll in dem neuen Hause verkündigt werden und unsterbliche Seelen sollen dort ihrem Retter begegnen. Auf, wir müssen Zion bauen! Was hilft uns all unser Hab und Gut noch, wenn der Tod kommt? Alles für Christum; alles für eine verlorene Welt. Wir wollen unser Bestes lun.
Geschwister, Hand auf's Herz, können wir noch singen:„Wir entsagen willig allen Eitelkeiten, aller Erdenlust und Freuden?“ Soll Gott auch klagen müssen über uns:„Ihr esset die Lämmer aus der Herde, spielet auf dem Pfalter,——— und bekümmert euch nicht um den Schaden Josephs“(Amos 6, 6), oder:„Ihr wohnet in getäfelten Häusern, und mein Haus muß wüste stehen?“(Haggai 1, 4).„Geht ihr Streiter immer weiter durchs Verleugnen zum Genuß.“ Ja, Geschwister, Ihr selbst werdet den größten Genuß, den besten Gewinn und rei—


