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chen Segen von der Woche haben. Macht den Versuch, und wenn sie Euch gefallen hat, werden wir jedes Jahr eine solch schöne Woche haben; denn es warten noch viele Orte auf Versamm— lungslokale oder Vereinshäuser.
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Heute rot, morgen tot.
Vorgestern mußten wir aus dem Hause von Schwester Lisa einen 16jährigen Waisenknaben namens Jeremia begraben. Er war nur einige Tage krank gewesen, hatte nach der Meinung des Arztes nur Influenza, verlor aber das Bewußt⸗ sein und starb am Freitag morgen ganz uner⸗ wartet. Jeremia stammte aus einer sehr armen Arbeiterfamilie, und man hätte denken sollen, daß er für sich und seine Eltern die Hilfe Gottes recht nötig gehabt hätte; aber er suchte leider seinen Gott und Heiland nicht, sondern glaubte sein Herz eher dem Wirken des Geistes Gottes verschließen zu müssen. Als zur Zeit der Gebetswoche manche Knaben angefaßt worden waren und untereinan— der öfters über religiöse Fragen sprachen, äußerte sich auch Jeremia und meinte, daß es bei ihm mit dem Bekehren noch keine Eile habe, er werde ja 100 Jahre alt. Wie anders ist es gekommen! Vor 14 Tagen erst hat Jeremia diese Worte aus⸗ gesprochen, und jetzt liegt er im Grabe. Sein Tod hat in Verbindung mit obigen Aeußerungen auf seine Kameraden natürlich ganz erschütternd ge⸗ wirkt und verschiedene zu ernstem Nachdenken, einige zu wirklicher Umkehr gebracht.
Das hat das Bier getan.
„Der Reichsbote“ berichtet in Nr. 123:
Halle, 27. Mai. Bierulk mit tödlichem Ausgang. Hier ahmten in letzter Nacht Studenten in der Bierlaune in einem Konzertgarten die Apfelschußszene aus Tell nach. () Der Student K. ließ ein Bierglas auf seinem Kopf ba⸗ lancieren, und die andern Kommilitonen schossen danachmit der Pistole. Hierbei wurde K. durch einen Schuß in den Kopf tödlich getroffen. Es ist tieftraurig, daß deutsche Studenten sich im Alkoholnebel soweit vergessen können!
Das Traurige ist, daß sich deutsche Studen⸗ ten soweit vergessen, daß sie sich überhaupt in den Alkoholnebel begeben und ganz vergessen, wozu sie auf der Universität und wofür sie im späteren Leben berufen sind.
Die armen Eltern des Studenten K.— wir kennen sie nicht—, die ihren geliebten Sohn so verlieren mußten! Was für Hoffnungen mögen sie auf ihn gesetzt haben! Alles dahin! Und das hat das Bier, das vielgerühmte und besungene deutsche Nationalgetränk, getan!
Kreutzkamp.
Eine Warnung aus der Feder eines Mörders. In Kiel wurde am 10. Mai d. J. der Mö der Julius Steffensen hingerichtet. Er hat unglaublicher Bestialität einen Menschen ermordet „Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll auch durch Menschen vergossen werden“(1. Mose 9, 6). Der Mörder war auch einer von den„guten Kerls“, die im nüchternen Zustand keiner Fliege etwas zuleide tun können, wie man zu sagen pflegt.“ Aber als ihn der Pfarrer fragte, wie er zu einer solchen mehr als tierischen Roheit gekommen wäre, antwortete er:„Das weiß ich selber nicht; abe wenn ich getrunken habe, dann bin ich wie ein Wilder.“ Ich habe oft von Frauen sagen hören:„Wenn“ er(der Mann) ganz betrunken nach Hause kommt, so daß er nicht mehr gehen noch stehen kann, das ist ja nicht das Schlimmste, aber wenn er ange- getrunken ist, dann ist er schrecklich“; d. h. wenn er den„Schwips“ hat, der von vielen Leuten al so possierlich angesehen wird von dem es im Liede heißt:, Wer niemals einen Rausch gehabt, der ist kein braver Mann.“ 1 Die Stunde kam, da die entsetzliche Mordtat durch Henkershand gesühnt werden sollte. Pastor Ketels berichtet darüber: 15 Als die Uhr vom Turm der Jürgenskirche ¼6 geschlagen hatte und seine Frist nur noch nach Minuten zählte, nahm er ein Blatt Papier, das auf dem Tisch lag, und schrieb mit fester Hand die folgenden Worte: Kiel, den 10. Mai 1913.
Liebe Freunde! In einer halben Stunde bin ich nicht mehr. Dies ist das letzte Wort, das ich euch sage: hütet euch vor dem Alkohol, denn er hat mich zum Mörder gemacht und zum Tode gebracht.
Julins Steffensen. DN Sündenbekenntnis. N Ein deutscher Fürst besuchte einst auf einer Reise durch Frankreich das Zeughaus in Toulon,
wo die Galeeren sich befinden. Aus Rücksicht auf seinen Rang bot ihm der Kommandant an, einen
Haft. Überall hörte er Klagen über Ungerechtig
keit, Unterdrückung und falsche Beschuldigung Endlich fand er einen, der seine Strafe als ge⸗ recht bezeichnete.„Mein Herr,“ sagte er,„ich habe keinen Grund zur Klage. Ich war ein verdorbener, nichtswürdiger Bösewicht. Mehr als einmal habe ich das Rad verdient, und es ist nur Gnade, daß ich noch hier bin!“ Ohne sich lange zu besinnen deutete der Fürst auf ihn, mit den Worten „Das ist der Mann, dem ich die Freiheit geben
will!. N
sedatteur: Stadtmisstonar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Predi der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30.


