Ausgabe 
26.10.1913
 
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neuen Lebens stand, sagte den Männern, daß sie bereits in dem Besitz eines Bildes von Christo sei und zwar sei dasselbe das einzig richtige und wahre Bild von Ihm. Dann bat sie die Männer, etwas Platz zu nehmen, sie wollte ihnen doch das wertvolle Bild zeigen. Damit reicht sie in die Höhe und holt ein Buch vom Gesimse und öffnet es; es war die teure Bibel, Gottes Wort. Darin blätterte sie, bis sie die Stellen gefunden hatte, die uns Christus zeigen in Seinem Erbarmen zu den Sündern und Verlorenen und in Seinem Werte vor Gott.

Damit fängt die Christin an und liest den erstaun ten Bilderhändlern aus Gottes Wort die herrlichen Stellen von Christo vor. Die Vatholicken, drei ernste Männer, lauschen gespannt auf die wunderbaren Worte, in denen Gottes Heiliger Geist uns den Hochgelobten darstellt und zeigt. Dankbar nehmen sie ein Neues Testa

ment von der Frau an, darin das allein wahre und voll-

kommene Bild von Christo zu finden ist; und sie haben den kostbaren Schatz des Wortes nicht umsonst mitge nommen. Sie nahmen im lebendigen Glauben das Wort Gottes in ihr Nerz auf und wurden durch diesen unvergänglichen Samen des göttlichen Lebens teilhaf tig,wiedergeboren, wie die Schrift es nennt. Sie haben in ihrem ferneren Leben unter Schmach und Feindschaft, aber mit reichem Segen das wahre und lebengebende Bild von Christo auch zu andern ge tragen.

Möge Gottes Segen auch ferner ruhen auf ihrer Arbeit, und Sein Schutz und Schirm sei über ihnen inmitten mancherlei Anfechtungen. Wie glücklich aber ist das Herz, in welches das Bild Christi durch den Heiligen Geist eingeprägt ist, so daß auch andere es nun in dessen Handel und Wandel schauen können. Dies ist das Herz, das einst Christum schauen wird in ewiger Herrlichkeit und mit Ihm sein wird allezeit im himm lischen Vaterhause.

2 Wie ein Taubstummer Frieden erlangte.

In dem Dorfe M. in Südrußland lebte vor einigen Jahren ein Elternpaar. Sie hatten zwei Söhne. Der ältere, Johann, war ein gotlloser, ungehorsamer Junge, der seinen Eltern viel Herzeleid bereitete. Alles Bitten und Ermahnen der Eltern prallte ab an dem harten Herzen ihres Sohnes. Ihr Flehen und ihre heißen Gebete waren umsonst, er ließ sich immer mehr von der Sünde umstricken und wurde ein erbit terter Feind Gottes. Der jüngere Sohn, Jakob, war von gleicher Natur, störrisch und ungehorsam, dazu taubstumm, der Sorgenstein seiner Eltern. Doch seine Gedanken und Lästerungen konnte er nicht zum Aus druck bringen, wie Johann, weil er stumm war.

Eines Tages wurde Johann todkrank. Die Krankheit nahm schnell zu. Der Arzt wurde geholt, der schüttelte bedenklich den Kopf und sagte, daß auf Genesung wenig Hoffnung sei. Er sagte:Euer Sohn steht an der Pforte der Ewigkeit, bereitet ihn auf sem nahes Ende vor. Das war ein harter Schlag für die frommen Eltern. Hatten sie denn nicht für ihren Sohn gebetet, ihn auf dem Herzen getragen

vor Gott, und jetzt sollte er ihnen doch verlorengehen d Die Mutter suchte ihren Sohn noch einmal hinzuweisen auf den Heiland, den einzigen Retter der Seele, bei dem allein Heil und Rettung zu finden ist. Aber alles umsonst, wie in gesunden Tagen, so wollte er auch jetzt nichts hören und schrie:Geht mir mit eurem Neiland, ich will nichts von ihm wissen! Er wandte sich mit dem Gesicht der Wand zu und wollte nichts weiter- hören. Die Mutter aber konnte es nicht übers Herz bringen, ihren Sohn hoffnungslos sterben zu sehen, und bat ihn eindringlich unter Tränen und Flehen, sich doch zum N iland zu wenden, der ja stets bereit ist, hilfesuchende Sünder anzunehmen. Aber alles vergebens, er wandte sich plötzlich um, spie der Mutter ins Angesicht und schrie voll Sorn:Ich will nichts davon wissen, geht mir mit eurem Heiland! Da sank er ohnmächtig zurück in sein Kissen und war tot ein schreckliches Ende!

Seine Mutter brach ohnmächtig neben dem Lager ihres Sohnes zusammen und mußte in ihr Simmer ge tragen werden. Der Vater fiel auf die Knie, und es brach ihm fast das Nerz. Auch der taubstumme Jakob war Seuge dieses furchtbaren Ereignisses gewesen. Er stand eine Weile wie versteinert da und schien über etwas nachzudenken. Dann stieß er auf einmal seinen Vater, der noch immer auf den Knien lag, mit dem Seigefinger an, zeigte nach oben, zeigte nach unten, dann auf den Toten, als wollte er fragen:Wo ist nun mein Bruder? Nur zu gut verstand der Vater diese stumme Frage, und tiefbetrübten Herzens zeigte er nach unten; denn es war kein Sweifel, daß sein Sohn verloren war.

Da bedeckte der Stumme sein Gesicht, stieß einen fürchterlichen unartikulierten Schrei aus und rannte wie wahnsinnig aus dem Simmer, hinaus in die dunkle Nacht. Seine Eltern dachten nicht anders, als daß er hingegangen sei, um sich das Leben zu nehmen. Viel leicht wollte er sich in dem nahen Teiche ertränken. Man suchte mit Licht und Laternen; das ganze Dorf wurde aufgeboten, aber man fand nirgends eine Spur. Er war verschwunden. Schon wollte man das Suchen aufgeben und entmutigt nach Hause gehen, da kam zufällig der Vater mit einigen Männern an der Scheune vorüber. Auf einmal, was war das P Wirre gurgelnde Laute drangen an sein Ohr. Da in der Scheune mußte es sein. Man leuchtete mit der La terne hinein, und was sah man? Der taubstumme Jakob lag auf seinem Angesicht, seine Seele rang mit Gott, er rang förmlich, als hätte er es mit einem Manne zu tun. Dabei konnte man gurgelnde, klagende Töne vernehmen.Laßt ihn, sagte der Vater,es ist gut, er ringt mit Gott. Man begab sich ins Haus. Es währte nicht lange, vielleicht nach einer Stunde öffnete sich die Tür und herein trat der Taub stumme. Aber welche Freude strahlte aus seinem An⸗ gesicht, man sah, daß eine große Veränderung mit ihm vorgegangen sein müsse. Er verstand den fragenden Blick der Eltern, darum legte er die Band aufs Herz, mit der anderen zeigte er nach oben, als wollte er sagen:Jesus wohnt in meinem Herzen.

O, wie froh waren die Eltern, wie dankten sie Gott für die Rettung ihrer Sohnes! Frohe Tage folgten. Jakob tat, was er nur immer seinen Eltern von den