dischen Armee, und es bedeutete endlosen Wider- stand zu besiegen, wenn man zu jener Zeit ein Christ sein wollte. Man riskierte immer„forciert“ zu werden oder in Ungnade zu fallen, und es wurde von den Offizieren erwartet, an weltlichen Gesellschaften teilzunehmen. Meine Großmutter pflegte uns mit Bewegung zu erzählen, wie sie und ihr Gatte vor dem Angesicht des HErrn knieten und Ihn unter Tränen fragten:„O HErr, HErr, wie sollen wir es machen, in der Welt und nicht von der Welt zu sein?“ Gott, welcher Seine eigene Weise hat, Gebete zu erhören und Proble— me zu lösen, nahm ihren Mann hinweg, er starb innerhalb drei Tagen am Typhus und hinterließ sie als Witwe mit fünf jungen Söhnen.
In dem Leben meines Vaters erneuerte sich der Kampf. Er war auch Offizier, und so emp— fand er dieselben Schwierigkeiten, ein Leben der Absonderung von der Welt zu führen. Die Briefe seiner gottseligen Mutter brannten wie feurige Kohlen auf seinem Herzen und klopften fortwährend an sein Gewissen. Die Welt mit ihren Freuden stand ihm weit offen, und in seinem Herzen war die beständige Frage, wie weit er als Ehrist gehen könne. Er versuchte, mitunter einige kleine Ge— betsversammlungen zu besuchen, um seiner Seele wohlzutun; aber eines Tages rief ihn sein Vor— gesetzter zu sich und fragte ihn, was es bedeute, wenn er mit seinem Schneider und Schuhmacher zu Gebetsversammlungen ginge, und ob er nicht begriffe, daß dieses zu seiner militärischen Stellung nicht paßte. Mein Vater antwortete, daß er es für eine Ehre halte, einmal mit seinem Schneider und Schuhmacher im himmlischen Reich zu sitzen.
Eine Sache stand meinem Vater ganz fest, und das war, daß er niemals ein Mädchen hei— raten wolle, die keine Christin sei, aber unterdessen ging der Kampf in seinem Herzen weiter, und Gottes Geist ließ ihm keine Ruhe. Eines Tages traf er ein junges Mädchen, welches seinerseits dieselben Schwierigkeiten durchzumachen hatte. Sie war die einzige Tochter weltlich gesinnter Eltern, welche wollten, daß sie die Welt genießen sollte, aber ihr Herz war auf göttliche Dinge gerichtet. Gott führte nun alles so, daß diese jungen Leute beständig zusammtrafen, und was sie am meisten einander nahe brachte, war die Sehnsucht nach Gott. Eines Tages erhielt mein Vater eine Ein— ladung zum Ball; er tanzte gern und war beinahe sicher, daß„sie“ dort sein würde, und das wäre ihm soviel wert gewesen, aber immer wiederholte er die Stimme:„Gehet aus von ihnen und sondert euch ab!“ Er kniete nieder vor dem HErrn und betete:„O Gott, zeige mir den Weg; zeige mir den Weg; ich möchte Dein sein, es koste, was es wolle, zeige mir den Weg durch Dein Wort!“ Als er dann seine Bibel aufschlug, fielen seine Augen auf jene Stelle:„Habt nicht
lieb die Welt, noch was in der Welt ist. S. mand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Wel
ist, Augenlust, Fleischeslust und hoffärtiges Leben,
ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust, wer aber den Willen Gottes tut, der bleibet in Ewigkeit.“
Er schrieb sofort, dankte für die Einladung, aber lehnte dieselbe ab. Statt dessen ging er an jenem Abend zu einem lieben alten, christlichen Freunde, in der Hoffnung, etwas Erquickung für seine Seele zu bekommen, und das erste Gesicht, das er dort sah, war kein anderes als dasjenige des jungen Mädchens, das denselben Kampf durch- gemacht und auch die Einladung abgeschlagen hatte, auf die Gefahr hin, ihn dort nicht zu treffen. Sie wurde später seine Gattin, und auf jenes Wort: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist,“ wurde das Glück unserer Familie Föhn
Geiz ist die Wurzel alles Uebels!
Bor einigen Jahren wurde in den Straßen von L. ein alter Mann überfahren. Er war seit langer Zeit allgemein als Bettler bekannt gewesen, der ärmlich, in Lumpen gehüllt einherging und kümmerlich von Brot und Wasser lebte. Als man ihn nach seinem Unfall ins Spital brachte, fand man einen schmutzigen Beutel an seinem Halse hängen. Die Wärterin wollte denselben abnehmen, aber trotz seiner großen Schmerzen hielt er ihn so fest, daß sie ihm denselben lassen mußte. Obgleich er immer schwächer wurde, ließ er doch den Beutel nie los. Doch endlich fiel ihm die Hand vor Schwäche herunter, und er konnte seinen Schatz nicht mehr festhalten. Da band die Wärterin den Beutel los und öffnete ihn. Wie groß war ihr Erstaunen, iu demselben 600 Mark zu finden! Aber in diesem Augenblick kam der Alte wieder zu sich. Als er sofort nach seinem Schatz griff und denselben nicht fand, schrie er: „Es ist fort!“ Und damit starb er.
Geßwlssheit.
Pastor Le Seur wurde als junger Student von dem vor kurzem heimgegangenen Forstmeister von Rothkirch gefragt:„Haben Sie einen leben— digen Heiland?“
Verlegen antwortete der Gefragte:„Ja, ich
offe.“
.„Denken Sie einmal,“ fuhr der Forstmeister fort,„Sie wären verlobt, und ich würde Sie fragen, ob Sie eine Braut haben; würden Sie da antworten: Ich hoffe? Wenn man wirklich in Lebensgemeinschaft mit dem Heiland steht, so ist einem das tiefste Gewißheit.“ Das Wort schlug ein.
edakteur: Stadtmisstonar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30.
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