Ausgabe 
28.9.1913
 
Einzelbild herunterladen

auf die Frage ihres Mannes, ob der Herr bei ihr sei, mit einem glaubensfreudigenJa! Der Augenstern erlosch, das Herz brach, die Seele war frei! Die Kranke schaute, was sie glauble.

Hast du Ruhe und Frieden in deinen heim⸗ gesuchten Krankheiten, oder trauerst und murrst du? Gott schickt dir nicht Leiden und Trübsale, um dich niederzuschlagen, sondern dich aufzurichten. Wie verkehrtsiehst du das Leiden an, wenn du glaubst, der Herr habe dich jetzt vergessen; gerade das Gegenteil ist der Fall. Trübsal soll dir beweisen, daß der Herr deiner gedenkt, dich lieb hat und dich auserwählt machen will im Ofen des Elends. Hast du keine Gewißheit deiner Sündenvergebung und deiner Seligkeit, dann flehe zu Jesu, daß er dich mit seinem auch für dich vergossenen Blute reinige, dir den herrlichen Seelenfrieden und die Hoffunng des ewigen Lebens schenke. In der trostlosesten Lage und im Blick auf die dunkelste Zukunft gibt es für dich keinen festeren Anker als Gewißheit, daß du bei Gott in Gnaden stehst, und daß er seine geheimnisvollen Wege, die er mit dir geht, doch gewiß zum herrlichen Ziele führen wird. Wo das natürliche Auge keinen Ausweg mehr sieht, da hat der Glaube sein Gebiet des Trostes und der Kraft. Wohl dir, wenn du dich in des Heilandes Erbarmen legen und still sein und auf seine Hilfe warten kannst!

Wohin fährt die Seele:

Der geistreiche heidnische Kaiser von Rom, Adri anus, mußte vor seinem letzten Ende sagen:Du, meine liebe, arme, unstäte Seele, du bist bisher ein Gast und Gefährte meines Leibes gewesen, wo willst du denn nun hinfahren, indem du von mir scheidest? Gottlob! von uns kann ein jeder den Ort wissen, wo seine Seele hinfährt bei dem Abschied aus dieser Welt. Ein gläubiger Christ kann getrost, wie der christliche Poet Eo⸗ banus Hessus sprechen, welcher auf die Frage eines ihn besuchenden Freundes:Ei, wie steht's mit euch? Was habt ihr vor, daß ihr so schwach seid, Herr Magister? zur Antwort gab:Ich will zu meinem lieben Herrn Christus in den Himmel fahren.

Foine Ro i Keine Heimat hinter dem Grabt. Ein wohlhabender Mann lag auf dem Ster⸗ bebett. Er schickte nach einem Notar, um seinen letzten Willen aufzusetzen. Als er an Frau und

Kind kam, sagte er, er wünsche, daß sie das Haus behielten. Das kleine Kind, das nicht wußte, was der Tod sei, fragte ihn aber:Papa, hast du ein Haus in jenem Lande erworben, in das du gehst? Der Pfeil traf das Herz; aber ach! es war zu spät. Er sah jetzt seinen Fehler ein; der Arme

hatte keine Heimat hinter dem Grabe.

Gon trägt Dich!

Musketier A. war bei seinen Kameraden

als frommer Soldat bekannt. Er hatte allezeit ein fröhliches Angesicht und erduldete mit Freuden allen Spott, den man ihm um seines Glaubens willen bereitete. Während eines Marsches stieg die Sonnenglut und wurde beinahe unerträglich. Mehrere Leute der Kompagnie wurdenschlapp, andere ergingen sich in Verwünschungen allerlei Art. Unser Freund A. aber vergißt alle Mattig⸗ keit und Anstrengung im Aufblick zu seinem Herrn

und beginnt ein Loblied zu singen. Über dieses

Benehmen erstaunt und wohl auch ärgerlich ruft der in nächster Nähe marschierende Kamerad M. dem A. zu:Da brauchst Du noch zu singen! Als jener erwiderte, ihm wäre das Herz voll von Dankbarkeit gegen seinen Herrn im Himmel, daß! er der leiblichen Beschwerden nicht gedenken müsse, gab ihm M. die eine tiefe Wahrheit enthaltende und für A. kostbare Antwort:Ja, Dich trägt auch der liebe Gott!

Wert der Vergangenheit.

Jeder Mensch, der reichste sowohl als der ärmste, der bedeutenste als auch der schlichteste hat eine Vergangenheit, die einen bestimmten In⸗ halt aufweist. Wie verschieden ist aber derselbe, schon verschieden nach der Dauer, 1050 Jahre und noch mehr, aber auch verschieden nach der Lebensführung. Wie reich kann ein Leben sein, aber auch wie arm! Reich ist die Vergangenheit manches Menschen an Arbeit, reich aber auch an Sünde! Und wie sollte doch die Vergangenheit eines jeden reich sein an Treue, an Pflichterfuͤllung, an Beweisen aufrichtigster Nächstenliebe, an Taten von Wert, an wirklichem Vertrauen zu Gott, der ja noch über allen Menschen steht und die Geschicke der einzelnen leitet und führt, ob es auch viele nicht mehr zugeben wollen.

Als der russische General Fürst Gallizin die Festung Schlüsselburg erobert hatte, sagte der Kaiser Peter der Große zu ihm:Fordern Sie, was Sie wollen, nur Moskau und meine Katha rina ausgenommen! Mit einer ehrenvollen Großmut erbat sich Gallizin die Begnadigung seines alten Feindes und Widersachers, des Fürsten Repnin, den Peter vom Marschall bis zum gemeinen Soldaten herabgesetzt hatte. Er erhielt sein Gesuch und mit ihm das Vertrauen seines Monarchen, die Achtung Repnins und den Beifall aller, die von seinem Edelmute hörten.

Redakteur

oenar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel, Pfarrer Mockert-Frankfurt a. M. und die Prediger der Pilgermisston. Verlag der Buchhandlung der Pilgermisston. Druck von Otto Meyer in Gießen, Ludwigstr. 30.