nehmen, welchen Lohn die Treue hat. Der König hieß ihn nach der Bewahrung aus der nicht ge⸗ rade angenehmen Gesellschaft von Raubtieren herausziehen und setzte ihn wieder zu Ehren ein. Die Treue bekommt doch den verdienten Lohn. „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ Daniel kam hier zeit— lich schon zu Ehren. Zu dem, der hier unten treu gewesen ist wird der Herr einst sprechen: „Ei, du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen, gehe ein zu deines Herrn Freude.“
Wir können aber diese Betrachtung nicht schließen, ohne auch das erwähnt zu haben, daß wir aus dem fraglichen Kapitel auch das ersehen können, daß die Untreue sehr oft ihre zeitliche Vergeltung bekommt. Kam Daniel wieder zu Ehren, so erfuhren die treulosen Verkläger aber, die nicht leiden mochten, daß ein treuer Mann über sie Wacht hielt, um wahrscheinlich in ihrer Untreue nicht gestört zu werden, ihre gerechte Vergeltung. Sie wurden samt ihren Weibern und Kindern in den Löwenkäfig geworfen und von den Bestien zermalmt. Wer andern eine Grube gräbt, der fällt selbst hinein, und die Ver— geltung der Untreue läßt oft nicht lange auf sich warten. Darum sei unsere Losung:
Nur treu, nur treu! Auf Treue warten Kronen! Ludwinski.
Wie ein großer Mann gestorben ist. Als der Erzbischof Whately auf dem Sterbe— bette lag, sprach einer seiner Freunde, die ihn be— suchten, mit übertriebenem Lob zu ihm:„Sie sterben, wie Sie gelebt haben,— groß bis zur
letzten Stunde!“— Er erwiderte:„Ich sterbe, wie ich gelebt habe,— im Glauben an Jesum!“— Auf die Bemerkung eines andern:
„Was für ein Segen, daß Ihr hoher Verstand ganz ungeschwächt ist!“ gab er zur Antwort: „Nennet den Verstand nicht hoch! Es giebt nichts Hohes außer Christo!“— Bei einer andern Ge— legenheit sagte jemand zu ihm:„Die große Stärke Ihres Charakters hält Sie aufrecht!“ Er ent— gegnete:„Nein! meine Kraft ist es nicht, die
mich aufrecht hält, sondern einzig mein Glaube
an Christum!“
Eines Weisen letzte Worte. Sokrates, der griechische Weise, hat nach dem Berichte seines Schülers Plato, des größten Phi— losophen der alten Welt, als er im Jahr 399 unschuldig verurteilt zu Athen den Giftbecher trinken mußte, im Angesichte des Todes die nach—
folgenden, gar viele Christen tief beschämenden Worte gesagt:„Wir gehen dem Tode mit zu— versichtlicher Hoffnung entgegen, denn wir wissen, daß den guten Mann nichts Böses treffen wird, weder im Leben noch im Tode, und daß Gott für ihn sorgt. Nicht von ungefähr hat dies Los mich getroffen, sondern nach Gottes Willen soll ich jetzt sterben, und war es für mich besser, allem Leid und Streit enthoben zu werden. Ich zürne mei— nen Anklägern und Richtern nicht. Eins bitte ich: nehmt euch meiner verwaisten Kinder an, und erziehet sie so, wie ich euch erziehen wollte und stets ermahnt habe; lehret sie nach der Tugend streben, dann wird es gut sein. Die Stunde ist da, laßt uns gehen: ich zum Tode ihr zum Leben; wer das bessere Teil erwählt hat, das weiß nie— mand außer Gott.“
Für die Krankenstube.
„Eine wunderbare Kranke!“
So sagte der behandelnde Arzt eines Tages zur Krankenpflegerin, nachdem er das Kranken- zimmer verlassen hatte, dieselbe fragend:„Weiß sie denn, daß sie sterben wird?“
„O ja,“ antwortete die Pflegerin, während der Arzt kopfschüttelnd die Treppe hinunterging.
Die Kranke litt schon lange und schwer, doch klagte sie nie. Ein dankbares Lächeln sah man stets auf dem Gesicht. Sie war erst 31 Jahre alt, hatte verschiedene Jahre eines glücklichen Ehe— lebens hinter sich, die zärtlichste Mutterliebe prägte sich in ihren Augen aus, wenn sie ihre Lieblinge um sich sah. Doch nie fragte sie:„Warum muß ich von ihnen?“
Worin lag denn bei dieser Kranken das Geheimnis ihrer Ruhe, selbst beim Gedanken an den nahen Tod, der Tausende in Schrecken und Angst jagt?
Sie besaß Jesum; den liebte sie von ganzem Herzen. In ihren Jugendjahren war sie zur Er— kenntnis ihrer Sünden gelangt, hatte auf ihre Bitten hin von ihrem Seelenfreund Vergebung
der Sünden erlangt, so daß sie jetzt sprechen
konnte:„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“ Sie legte ihre Geliebten, von denen sie sich trennen mußte, in die Hände Jesu, sich des seligen Wiedersehens im himmlischen Lande freuend, in dem es keine Trennung mehr gibt. Ohne Furcht ging sie ihrem Ziele entgegen, um ihren geliebten Erlöser von Angesicht zu schauen und aus seiner Hand die Lebenskrone zu empfangen. Zwei Tage vor dem Tode fragte sie die Krankenschwester: „Ach, Schwester, wird nicht bald die Seele frei von dieser lästigen Hülle?“ Während des Tages flüsterte sie oft:„Mein Heiland, bleib du bei mir!“ Als die Todesstunde kam, antwortete sie


