Denn er war treu! (Daniel 6.)
Kürzlich wurde in weltlichen Zeitungen fol— gende Mitteilung gemacht: In Rußland seien bei dem Bau der Amurbahn Millionen von Rubel veruntreut worden. Der Reichskontrolleur sei auf der Reise nach dem Hauptbüro der Baugesellschaft begriffen, um die Sachen zu untersuchen, während der leitende Oberingeneur auf die Nachricht von der Reise des untersuchenden Kontrolleurs hin, sofort um seine Entlassung nachgekommen ist, wahr—
scheinlich weil sein Gewissen nicht ganz ruhig war. — Untreue Menschen— ach, es gibt solche nicht nur in Rußland, wir finden sie ebenso gut auch in unserm Vaterlande, die um des schnöden Mammons willen untreu werden. Wie erfreulich ist es da, wenn von Daniel, der auch ein Reichs— kontrolleur war, berichtet wird, daß er treu war. (Dan. 6, 5.), und daß man bei ihm keine Schuld noch Übeltat finden konnte. Wahrscheinlich haben die Landvögte manches veruntreuen wollen, doch Daniel war ein treuer Beamter seines Königs. Daß aber die Treue untreuen Menschen ein Stachel im Auge ist, das können wir aus der Geschichte Daniels lesen. Doch Daniel war und blieb treu im Beruf. Kann man das von uns sagen? Es gibt heute so wenig treue Menschen und wir brauchen sie in allen Berufen. So nö— tig sind auch treue Dienstmädchen. Aber Daniel war nicht nur in seinem Amt treu, er bewahrte auch seinem Gott gegenüber die Trene.
Weil nun Daniels peinliche Treue manchem seiner Widersacher ein Stachel war, darum er— sannen dieselben eine List, um Daniel aus dem Wege zu räumen.— Untreue wird immer durch
die Treue gestraft.— Der Plan gelingt. Die
Treue Daniels seinem Gott gegenüber sollt N Ursache der Anklage werden. Der König hatte
auf Vorschlag seiner Schmeichler und in seiner
Eitelkeit befohlen, in einem Zeitraum von niemand
anders etwas zu erbitten, als von ihm alleine. Daniel aber betete des Tages dreimal zu seinem Gott. Auch seine vornehme Stellung konnte ihn
nicht dazu verleiten, daß er seinem Gott gegenüber untreu wurde. Er war treu im Beruf und treu zu seinem Gott. Ach, daß doch Daniel darin uns ein Vorbild sei, daß wir auch in jeglicher Stellung unserm Gott die Treue halten. stein eines großen deutschen Staatsmanns stehen die Worte:„Ein treuer Diener seines Herrn.“ Das ist gewiß ein rühmenswertes Zeugnis, aber das andere scheint mir noch wertvoller zu sein, was auf dem Grabmal eines gesegneten Gottes— mannes steht,„ein treuer Diener seines himmlischen Herrn.“
Die Treue hat aber Proben zu bestehen, Proben, in denen es sich zeigen soll, daß die Treue kein leerer Wahn ist. Angeklagt und über⸗ führt, daß Daniel in der festgesetzten Zeit zu
Auf dem Grab
seinem Gott gebetet habe, wird er vom König über⸗
antwortet, daß er in die Löwengrube geworfen werden solle. Das Ungeheuerliche geschieht. Er soll die Beute gefräßiger Raubtiere werden. Dort ist er nun in der Löwengrube und muß seine Treue so belohnt sehen. Aber, und das ist wieder— um vorbildlich, Treue, denn in Dan. 6 V. 24 wird berichtet, er habe Gott vertraut und was heißt das anders, als daß er seinem Gott die Treue bewahrt habe. Und weil er seinem Gott treu war— weil er Glauben hielt nach Ebr. 11, und glauben heißt treu sein, konnte Gott auch der Löwen Rachen verstopfen, daß ihm kein Leid geschehen konnte. Schon am andern Morgen früh kam sein König nach einer schlaflosen Nacht und wollte sich erkundigen. Da sah er Daniel gesund und munter in der Grube, ohne daß die Löwen ihm ein Leid getan hatten. Das zeigt uns, daß wenn Menschen treu sind, Gott schon längst treu ist, und daß sich die Treue Gottes ganz besonders in 1 beweist. Ja, über alle menschliche Treue steht die Treue Gottes, und wenn wir selbst untreu werden— und wie
Daniel bewies auch hier seine
oft haben wir schon unserm Gott die Treue ge⸗
brochen?— Gott ist und bleibt getreu, sein Herz, sein Vaterherz verläßt die Seinen nie. Gott kann auch der Löwen Rachen verstopfen. Gott kann es zulassen, daß seine Gläubigen in Löwengruben und Gefängnisse(wie bei Joseph) geworsen, in Trübsale wie bei Hiob hineingeführt werden, aber er ist in jeder Lage und kann auch da bewahren und daraus erretten. Fehlt es bei uns manchmal an der Treue, bei Gott ermangelt sie nicht.
Noch etwas können wir bei Daniel wahr—
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