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Aufwärts!“
Gemeinschaftsblatt für Hessen. S Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal.
Nr. 39. Sonntag, den 28. September 1913. 6. Jahrg.
aus dem Herzen die schlichte und erhebende Weise zu dem Lied zu Papier. Dann legte er sein Pre⸗ digerornat an und ging, das Papier in der Hand, ans zu den vor dem Pfarrhaus versammelten Leuten, und pries in begeisterten Worten die Barmherzigkeit Gottes, der ihnen jetzt den lang- nun danket alle Gott! ersehnten Frieden geschenkt. Im Anschluß an — i Eiler bat 92 Bie 1 5 blörlich auf die Knie, und als er mit dem dritten Vers 3 1205 165 achsen. 0 8 Gerecht 0 15 10 fertig war, drängten sich alle an ihn heran und Trompetenstöße an sein Ohr.„Gerechter Gott, drückten ihm die Hand. Es war Martin Rinkart's
wieder Soldaten!“ rief er erschrocken und faltete 5 die Hände;„wir können ohndies kaum unsern n Schon im folgenden Jahre
Hunger stillen; wie sollen wir auch ein Regiment Soldaten noch ernähren!“ Was Eilenburg in 5 1 1 den 30 Jahren des fast endlosen Krieges erlitten, Eile! Eile! das bewiesen die Trümmer von etwa 900 Häusern Zur Zeit der Königin Elisabeth war ein der Stadt, während nur noch 276 Häuser standen. Vater mit seinen Söhnen wegen Re⸗ Bald hatten die Kaiserlichen, bald die Schweden bellion zum Tode verdammt, und sie warteten geraubt und geplündert, mißhandelt und ange— schon auf die Hinrichtung; da eilte die Tochter zündet, und die größtenteils entvölkerte Stadt zu Pferd zur Königin und erhielt Pardon für war nicht viel mehr als ein wüster Trümmer die Ihrigen. Die önigin schickte so schnell wie haufen.— Wieder vernahm er einen Trompeten-⸗ möglich einen Boten nach dem Hinrichtungsplatz, stoß, und seine Frau kam und sagte:„Komm aber der Vater und die Söhne, bis auf einen, doch, Martin, und sieh, was der Reiter verkündet!] waren schon enthauptet. Ueber diesen hatte der Die Leute laufen herbei und jubeln.“ Da setzte Henker schon das Schwert erhoben, aber der Be⸗ der 62jährige Pastor seine Sammtmütze auf und fehl der Königin hielt dem Scharfrichter die Hand, ging hinunter auf die Straße. Was sah er da? der eine war gerettet. Hätte es damals eine Eisen— Die Leute lagen sich in den Armen, die einen] bahn oder einen elektrischen Telegraph gegeben, so jubelten, die andern weinten vor Freude. Denn würden sie alle gerettet worden sein.„Die Sache der Trompeter hatte im Auftrag des Kurfürsten des Königs hat Eile“(1 Sam. v. 1, 8). Und die verkündet, daß am 24. Okt. in Münster der Friede[Sache des Königs aller Könige, die Seelen zu geschlossen worden war. Rinkart kehrte in seine retten, hat größere Eile, als alle Befehle der Studierstube zurück, fiel auf die Knie und dankte Großen. Eile! eile! rette deine Seele! und hast seinem Gott. Dann setzte er sich an den Schreib— du sie gerettet, so denke an den Befehl:„Gehet tisch und schrieb aus seinem dankerfüllten Herzen hin in alle Welt und lehret alle Völker;“ sagt's das Lied nieder:„Nun danket alle Gott.“ Als allen, nahe und fern, daß ein General-Pardon er die letzte Zeile geschrieben, war's ihm, als töne für alle Menschen in Christo gegeben ist, daß sie eine Melodie dazu in seinem Ohr. Er nahm glauben an ihn, daß sie selig werden. Eile, denn nochmals die Feder in die Hand und brachte frisch durch Säumen gehen Millionen verloren.


