sind. Das Wort des Herrn:„Liebet Eure Feinde, segnet, die Euch fluchen, tut wohl denen, die Euch hassen, und bittet für die, so Euch beleidigen und verfolgen“, wird nicht so leicht in die Tat umge- setzt; aber hier bei diesen niedergedrückten und verfolgten Menschen, dem Überrest von 70 glück⸗ lichen Haushaltungen, wird diese Lehre im Geist und in der Wahrheit befolgt, wie ich es noch niemals anderswo gesehen habe. Einige von diesen Witwen beten ernstlich für ihre mohammedanischen Nachbarn. Sie besuchen sie und lesen ihnen die frohe Botschaft aus der Bibel vor. Auch suchen sie ihnen jeden Dienst und jede Freundlich— keit zu erweisen, die in ihrer Macht steht. Hier findet man etwas, das weit über das, was die Menschen in eigener Kraft zu tun imstande sind, hinausgeht. Hier findet man wirklich den Geist Jesu in den Herzen Seiner treuen Nachfolger, der sich unter den schwersten Proben bewährte. Sollte es sich nicht lohnen, diesen Leuten beizu⸗ stehen? Sollten wir Ihnen nicht Hilfe bringen und sie ermutigen in ihren Bemühungen, Seinen Geist auch anderen zu bringen?
Einer der Christen, die damals den Märtyrer— tod in Hassan Beyli starben, hinterließ einen dauernden Eindruck auf seine Mörder. Sie sprachen oft von Seiner Ruhe und Fassung im Angesichte des Todes, und wie er, ohne zu zögern„nein“ gesagt habe, als man ihm versprach, ihm das Leben zu lassen, wenn er seinen Herrn verleugne. Das Leuchten auf seinem Angesicht und die Freu— digkeit, mit der er sein Leben dahingab, machte einen so tiefen Eindruck auf seine Mörder, daß sie ihn jetzt noch nicht vergessen können.
Wie hat man's doch bei dir so gut! e ieee 11.
Wird da eines Tages ein Bäuerlein nach der Predigtweise seines Pfarrers gefragt.„Unser Pfarrer,“ erwiderte der Landmann,„predigt klassisch.“ Auf die weitere Frage, wie er denn das meine, sagte er:„Nun, er teilt in seiner Predigt die Menschen immer in 2 Klassen ein.“ Wenn wir wollen, ist auch das obige Schriftwort klassisch, weil es von 2 Klassen von Menschen spricht. Es ist die Rede von Gerechten und Gottlosen. Von den Gerechten soll nun gepredigt werden, daß sie es gut haben, und von den Gottlosen, daß es ihnen
übel ergeht.
Ja, haben es denn die Gerechten wirklich gut? Scheint nicht vielfach das gerade Gegenteil der Fall zu sein? Wie sagt doch der Psalmist in Pf. 75. 4: „Ich bin täglich geplagt!“ Ist tägliche Plage ein Seichen von Wohlseind Und wie eine Bestätigung aus dem Neuen Testament kommt jenes paulinische Wort dazu:„Ich werde täglich angelaufen,“— „Ich sterbe täglich.“ Hat es denn der Mann mit dem Pfahl im Fleisch, der Mann, der in Fährlichkeiten gewesen ist zu Wasser und zu Lande der von Menschen bestgehaßte Jünger Jesu, der das Wort geprägt hat:
„Wir müssen alle durch viel Trübsal ins Reich Gottes eingehen,“ hat der es gut gehabt? Und Paulus war doch ein Gerechter, konnte er doch schreiben: Nun wir denn sind gerecht geworden! Seht das Ceben bewährter Gottesmänner an, wie sie uns in der Schrift vor Augen geführt werden. Schaut den Abraham, der um seines Glaubens willen und gewiß nicht ohne Schmerz die heimatliche Scholle verlassen und einer dunklen Zukunft entgegen gehen muß. Betrachtet den Lot: Von ihm steht geschrieben, daß seine gerechte Seele Tag und Nacht gequält wurde. Vicht wollen wir vergessen das Exempel des Leidens im Alten Testament— den Riob, dem seine Söhne und Töchter entrissen wurden, der sein Hab und Gut verliert, der selbst aussätzig wird, gekränkt von dem eigenen Weib seine Tage zubringen muß. Und gibt es denn heute nicht noch so manche Riobsseele? Und wenn man noch an den Hohn und Spott denkt, dem ein Kind Gottes um seines Glaubens willen ausgesetzt ist, sollen das Zeichen von Wohlbefinden und Gut— haben sein p Das Prophetenwort müßte wohl mit einem Vorbehalt gelesen werdend Lassen wir die Frage einstweilen offen. Etwas ähnliches ergibt sich, wenn wir das andere Wort untersuchen. Haben es denn die Gott— losen wirklich übel? Das Leben so manches Gottlosen, von außen gesehen, könnte man dem Worte gerade nicht zustimmen. Sagt doch auch schon jener Psalmist, den ich bereits erwähnte:„Sie sind in keiner Fahr des Todes. Sie stehen fest wie ein Palast Sie sind nicht im Unglück. Sie sind glückselig in dieser Welt.“ Man wäre fast versucht, die Rollen zu vertauschen und zu sagen: Die Gottlosen haben es gut und den Gerechten ergeht es übel.
Aber wenn der Schein trügt, so tut er es ganz besonders in diesem Fall. Nein, es bleibt bestehen, die Gerechten haben es gut und die Gottlosen empfinden ihr Uebel. Das Gut-haben oder Wohlbe— finden ist auch gar nicht vom äußeren Ergehen ab⸗ hängig.— Vom sel. Inspektor Seller in Beuggen wird berichtet, daß er jahrelang an sein Krankenbett gefesselt war. Suweilen sprach er noch auf dem Beuggener Jahresfest; aber da mußten ihn 4 Schullehrerzöglinge auf einer Sitzvorrichtung halten. Dieser Mann hat in seinen Leidenstagen, in denen er den Wermutskelch trinken mußte, das Lied gedichtet mit dem Anfang: Ich hab's am allerbesten.
Es muß also etwas daran sein, daß die Gerechten es doch gut haben. Die heilige Schrift und die Erfahrung der Minder Gottes läßt uns darüber nicht im Sweifel. Da steht Röm. 5, 1— 5 ein Wort, das uns in herr⸗ licher Weise zeigt, inwiefern es die, die gerecht geworden sind, gut haben. Sie haben Frieden mit Gott. Das ist innere Harmonie, verborgene Glückseligkeit. Frieden mit Gott, Herzensfrieden— wieviele würden Summen hingeben, wenn er mit Geld erkauft werden könnte. Diesen seligen Frieden, diese köstliche Gabe haben die, so gerecht geworden sind durch den Glauben. Nicht allein das, das Wort spricht auch von einem Sugang zum Vaterherzen Gottes. Die Hindernisse, die Sünden— steine, die im Wege lagen, sind beseitigt. Geöffnet ist die Pforte zum Gnadenthron. Hat ein Gerechter irgend welche Schmerzen, ist er in irgend einer Be— drängnis— der Weg zum Gnadenthron ist offen— dieweil wir denn einen Zugang haben—. Ein drittes,


