Dorf oder eine Stadt als solche Gottesfamilien. Da hat der Ungläubige den Tatbeweis echten Christen— tums vor Augen. Solche Hütten Gottes sind Oasen in den Wüsten, eine Zuflucht vor dem Gewitter, wo man sich unterstellen, ausruhen und orientieren kann in den kritischen Wendepunkten des Lebens. Laß, o Leser, Jesum in dein Herz und Haus, dann wird es auch bald solche Friedenswohnug werden.
Herrlicher Lebensinhalt.
Der große Naturforscher Newton sagte ein— mal:„Wenn ich in die Welt hineinschaue, so sehe ich einen großen Haufen Elend und einen kleinen Haufen Glück. Meine Sehnsucht ist, daß ich alle Tage möchte von dem großen Unglücks— haufen ein Körnlein wegnehmen und dem kleinen Haufen hinzufügen, daß er größer werde, wäre es auch heute nur, daß ich einem Knaben, der einen Pfennig verloren hat, die Träne trockne, indem ich ihm einen andern gebe; ich möchte aber gerne mehr tun!“ Das sind doch köstliche Worte und eines Mannes würdig, der dem Schönsten der Menschenkinder in das Auge geschaut hat. Es ist ergreifend, den großen Elendshaufen zu sehen und daneben zu bemerken, daß des wahren Glückes so wenig vorhanden ist. Wie ist es doch ein herrliches Mittel, dem Leben den rechten In— halt zu verleihen auch dadurch, daß Sonnenstrahlen von Jesus, dem Licht der Welt, aufgesogen, nun weiter ausgestrahlt werden in die Winkel der Erde, wo so viel Elend aufgehäuft und die innere und äußere Not so groß ist. Und das kann jeden Tag geschehen. Wenn so ein Leben von 30 Jahren schon ein Beweis dieser ewigen Liebe ist, was kann da, wenn man auch nur 20 Jahre rechnet, an den 6300 Tagen für herrlicher Same ausge— streut, dadurch manches Körnlein Elend von dem Elendshaufen entfernt und Glück an seine Stelle gesetzt worden sein. Hat ein Mensch erst diesen herrlichen Lebensberuf ergriffen, so wird sein Leben auch an Inhalt reich und interessant werden. Dann hat die Vergangenheit Wert.
Opfersinn eines Offiziers.
Aus Aschaffenburg, 21. Juni, wird gemeldet: Auf dem Truppenübungsplatze Hammelburg er— krankte der Artillerist Frankfurter aus Klingen—
münster bei der 2. Batterie des 11. Feld-Artillerie-
regiments an allgemeiner Blutvergiftung so schwer, daß die Militärärzte erklärten, nur eine Blutüber— führung könne ihn retten. Sofort erließ Oberst Claus des 9. Infanterieregiments eine Umfrage in seinem Offizierkorps, wer bereit sei, sein Blut für den Artilleristen zu opfern. Es meldeten sich 17 Offiziere. Ein Leutnant Dittmar, der als erster in Betracht zu kommen wünschte, wurde
ausgewählt, und Geh. Hofrat Prof. Dr. Enderlen entnahm ihm 1½ Liter Blut, die dem Artilleristen zugeführt wurden. Das Befinden des opferwilli⸗ gen Offiziers ist gut, erfreulicherweise läßt sich. auch bei Frankfurter, der in das Juliusspital übergeführt wurde, eine kleine Besserung verzeichnen. Welche Freude, daß wir in unserm deutschen Offizierstand solche Männer haben, die für ihre Untergebenen sogar ihr Blut lassen! Wo dieser Geist liebender Hingabe und Opferwilligkeit waltet, da kann man in Wahrheit sagen:„O welche Lust, Soldat zu sein!“ 1 Leider konnte die Opferwilligkeit des Offiziers den Soldaten doch nicht retten. Sein Blut war schon zu sehr vergiftet, da war die zugeführte Blutmenge des treuen Offiziers nicht groß und stark genug, über das Gift Herr zu werden. Wie werden wir bei dieser Gelegenheit so deutlich an das kostbare Blut Jesu erinnert. Von diesem Blut steht Hebr. 9. 14:„Wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott. Es quillt für mich, dies teure Blut, das glaub und fasse ich; es macht auch meinen Schaden gut, denn Christus starb für mich.“ Komm, o Seele, mit deinem kranken, vergifteten Blute zu dieser Quelle von Golgatha!
Perlen vom Kreuze.
Hassan Beyli ist ein Dorf in den Bergen, das von ungefähr 500 armenischen Familien be— wohnt wird. Es sind dort nur ungefähr sieben oder acht mohammedanische Häuser. In der Um- gegend liegen dann 16 mohammedanische Dörfer. In dem Massakre vor vier Jahren wurden un— gefähr 330 armenische Männer in Hassan-Beyli ermordet. Als der Sturm vorübergezogen war und die wenigen Überlebenden in ihr zerstörtes Dorf zurückkehrten, konnten sie nicht einmal auf christliche Weise die Überreste ihrer Lieben beer⸗ digen, so ausgiebig hatten die wilden Tiere des Waldes und die Raubvögel das Werk vollendet, das die wilden Horden, die damals in wenigen Tagen Tod und Verderben, Jammer und Elend über Hun— derte von Familien heraufbeschworen, getan. Es gibt dort ungefähr 250 Witwen, in manchen Familien vier oder fünf. Die Witwe des früheren Priesters in Hassan Beyli verlor ihren Mann, zwei Söhne, mehrere Brüder, einen Onkel und Zall. nahe Verwandte, im ganzen 28 an der
ahl.
Man würde sich nicht wundern, wenn diese unterdrückten und verfolgten Menschen Bitterkeit und Haß in ihren Herzen nährten gegen diejenigen, deren Hände mit dem Blute ihrer Lieben befleckt
6m.
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