Ausgabe 
14.9.1913
 
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können, gewinnt man viele, und solche Propheten ehrt man. Aber sie haben nach V. 194 noch einen andern Zweck im Auge. Um schändlichen Gewinns willen reden sie den Leuten zum Munde, predigen, nach dem ihnen die Ohren jücken(2. Tim. 4. 3]. Wie schändlich und doch wie wahr auch heute! 5

Ja es gibt viele Kissenmacher auch in der Jetztzeit und besonders in den Kreisen derer, die Wächter und Hirten sein sollten, und sehr ver schiedenartig sind die Ruhekissen, die sie machen. Wir wollen nun einige davon ins Auge fassen.

II. Die Rissen.

Das charakteristische Merkmal aller Kissen hatten wir schon gefunden: Sie sagen:Friede! da kein Friede ist; doch die Art der Kissen ist sehr verschieden.

1. Das Kissen des Unglaubens.

Es gibt keinen Gott, keinen Teufel, keinen Himmel, keine Hölle; die Wissenschaft lehrt es. Lasset uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot. Kein Jenseits gibt's, kein Wiedersehn.

Tausende solcher Kissenmacher hat es gegeben

und gibt es noch, und Hunderttausende ruhen auf diesen Kissen aus. 2. Das Kissen der Selbstgerechtigkeit.

Tue recht und scheue niemand! haben diese Leute zu ihrem Wahlspruch gemacht. Ich bin ja kein so schlechter Mensch, kein Dieb, kein Mörder, kein Meineidiger. Ich danke dir, Gott, daß ich nicht so bin wie andere Menschen, sprechen sie mit dem Pharisäer. Ich gehe in die Kirche, gebe Almosen; mit mir muß Gott zufrieden sein. Solche schlafen gewöhnlich sehr fest.

3. Das Kissen: Es gibt eine Schächergnade.

Nur ein Viertelstündchen, steht auf manchem Ruhekissen. So sprechen auch diese Leute. Erst will ich ein wenig das Leben genießen; auf dem Krankenlager oder dem Sterbebett ist noch immer Zeit. Es gibt Schächergnade.

4. Das Kissen: Gott ist die Liebe. Kann man denn solch ein köstliches Wort zum Ruhekissen machen? Leider ja! Da sagt man: Wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade. Wir haben einen lieben Vater, der ein Auge zudrückt, wenn die Kinder sündigen. So benützt man die evangelische Freiheit als Deckmantel der Bosheit, um dem Fleische Raum zu geben, 1. Petr. 2, 16; Gal. 5, 13.

5. Das Kissen: Sakramente.

(Dies soll nicht eine Kritik der Sakramente, sondern nur ein Hinweis auf den Mißbrauch der selben sein.) Da entschuldigt man alles mit den Worten: Ich bin ja getauft und damit wieder geboren und also auch ganz gewiß ein Erbe des Him

melreichs. Ich gehe alle Jahre zum Abendmahl, da bekomme ich die Vergebung meiner Sünden verbrieft und versiegelt. Kommt dann die Sterbe stunde, dann läßt man sich noch schnell einmal das Heilige Abendmahl reichen und bekommt so einen Generalablaß für alle Sünden. So ver⸗ läßt man sich auf die Sakramente als auf Zau⸗ bermittel und führt dabei ein Leben der Sünde und Schande. i 6. Das Kissen Niemand ist auf Erden vollkommen. Wir sind allzumal Sünder. Auch die Hei⸗ ligsten sind nicht rein; darum brauchen wir es nicht zu genau zu nehmen. Das ist nur eine Blütenlese von Kissen; es gibt deren noch viel mehr. Da sind Kissen fur Ungläubige und Gläu bige, für Selbstgerechte und Gleichgültige. Ja, man könnte sagen, so verschiedenartig die Menschen sind, so mannigfaltig sind auch die Kissen, und es ist ein einträgliches Gewerbe, solche Kissen zu machen; denn die Leute ruhen gern darauf,. 19 Schluß. Doch wir wollen weiter beachten:

III. Was sagt Gott von diesen Kissenmachern und Kissen?

So spricht der Herr, Herr: Wehe euch, die ihr Kissen machet! usw. V. 18. Ja, wehe euch, ihr Lügenpropheten, ihr falschen Volksfreunde! Ihr müßt einmal vor Gott Rechenschaft ablegen von eurem Lügengewerbe. Was wird dann euer Lohn sein? V. 8. 9. b

Und was sagt Gott von diesen Kissen? V. 20.21.

Das geschieht gewiß einmal an jenem großen Gerichtstage. Was wird das dann für ein schreckliches Auffahren aus der Ruhe sein! Wie wird das Jammergeschrei tönen, wenn die Sicheren, die sich nicht haben wecken lassen, samt ihren Kissen in den Abgrund fahren und brennen müssen! Doch Gott will das nicht, sondern will schon in dieser Zeit die Sicheren warnen und ihnen die Kissen entreißen zum Zweck ihrer Ret tung, V. 21. Und zu diesem Rettungswerk will Gott auch uns brauchen. Das führt uns zu dem letzten Punkt.

IV. Was ist unserere Aufgabe im Blick auf die Rissenmacher und Rissen?

Wir sollen wahre Zeugen sein, die den Kis senmachern entgegentreten, und die den Leuten die Kissen wegreißen. Laßt uns rufen: Wacht auf! Feuer! Feuer! Tut Buße! Bekehret euch! Mögen unsere Posaunen allezeit einen klaren Ton von sich geben! Laßt uns die Menschen zu dem allein sicheren Ruheort führen, von dem es im Liede heißt:

Der Grund, drauf ich mich

Ist Christus und sein Blut.

Das machet, daß ich finde,

Das ewig wahre Gut.

gründe,