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Gemeinschaftsblatt für Hessen. 8 S————ů—————

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal.

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Sonntag, den 14. September 1913.

6. Jahrg.

Kissen- und Kisseumacher nach Hesekiel 13, 18-233.

Kissen sind zu gewissen Zeiten und an be⸗ stimmten Orten etwas sehr Gutes, ja fast Unent⸗ behrliches, z. B. in Schlaf- und Krankenzimmern, und diejenigen, die die Kissen machen, erweisen uns einen großen Dienst. Es gibt aber auch Zeiten und Orte, wo die Kissen gefährlich werden können. Wenn z. B. in einem Hause Feuer aus⸗ bricht, oder ein Schiff am Sinken ist, oder im Krieg der Feind zum Angriff vorrückt, dann ist es äußerst gefährlich, auf den Kissen der Ruhe zu pflegen; denn der Ruheschlaf wird dann leicht zum Todesschlaf. Und diejenigen, die solchen gefährdeten Menschen Kissen machen, sie gleichsam noch in den Schlaf einwiegen, sind schlechte Freunde, ja noch mehr, sie sind eigentlich Verbrecher, Mörder.

So ist es auch im geistlichen Leben. Alle Menschen, die noch in ihrem natürlichen, unwieder— geborenen Zustand sind, befinden sich— im Bilde gesprochen— in einem brennenden Hause, auf einem sinkenden Schiff; über ihrem Leben steht das furchtbare Wort:„Verloren!“ Und alle, auch die Geretteten, haben einen mächtigen Feind vor sich. Weil nun Gott in seiner großen Gnade will, daß keiner verloren gehe, sondern daß viel— mehr alle gerettet werden, hat er sich Menschen ausersehen, welche mit dem Weck- und Warnungs— ruf die Gefährdeten aufrütteln sollen:„Wache auf, der du schläfst! Eile, rette deine Seele! usw.“ Im Alten Bunde waren dazu besonders die Propheten bestimmt. Sie sollten Wächter und Warner des Volkes sein. Im Neuen Bund sind es hauptsächlich die Apostel, Hirten, Lehrer und Evangelisten, aber auch alle Gläubigen; denn alle sollen Priester- und Rettungsdienst tun.

Nun gab es aber nach unserer Stelle[Hes. 13] Propheten, welche ihre Aufgabe nicht erfüllten,

sondern anstatt die Leute zu wecken, ihnen Ruhe- kissen machten. Wir wollen nun sehen, inwie- weit dies auch für unsere Zeit und Arbeit Bedeu— tung hat und betrachten:

I. Die Kissenmacher.

1. Wie werden Propheten Kissenmacher?

Es heißt hier in V. 3 b:„Sie folgen ihrem eigenen Geist“, im Gegensatz zu dem Heiligen Geist, der sie leiten sollte. Ihr eigenes Gutdünken, ihr Verstand ging ihnen über Gottes Geist und Wort. Damit dienten sie aber einem Lügengeist. Und geleitet von diesem Lügengeist redeten sie, V. 4.—9.

Das ist auch bezeichnend für alle Kissenmacher unserer Zeit. Gottes Wort und Geist ist ihnen nicht Autorität, sondern ihr eigener Geist, und damit dienen sie bewußt oder unbewußt dem Lü— gengeist, und Lügen sind ihre Worte.

2. Wie machen sie die Kissen?

Ein Wort, das zweimal in dem Kap. vor⸗ kommt, gibt die Antwort darauf. V. 10 und 16 heißt es: Sie sagen und predigen:„Friede!“ so doch kein Friede ist. Das heißt, sie sagen dem Volk: So wie ihr jetzt seid, seid ihr gerade recht. Ihr braucht nicht Buße zu tun, euch nicht zu bekehren. Gott ist ganz zufrieden mit euch. Mit solchen Lügen wiegen sie die Leute in eine falsche Sicherheit ein.

Wie bezeichnend ist das für unsere Tage! Da wird„Friede“ gepredigt von Kanzel und Ka— theder. Ihr seid alle liebe Christen! Euch kann's nicht fehlen! Schlaft nur ruhig den Schlaf des Gerechten! Wehe unserm Volk, das solche Pro— pheten hat!

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3. Warum machen sie die Kissen?

V. 18 antwortet, um„die Seelen zu fahen.“ Sie wollen die Leute damit für sich gewinnen. Und in der Tat, mit solcher Botschaft, bei der die Leute ruhig weiter schlafen und sündigen