Ausgabe 
31.8.1913
 
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Menue, mene, tekel u-pharsin.

Aus zuverlässigster Chronik wissen wir den erschütternden Verlauf eines weltgeschichtlichen Ereignisses im alten Babylon aus dem Jahre 538 v. Chr.:König Belsazer machte einherrlich Mahl seinen tausend Gewaltigen und soff sich voll mit ihnen(das nennen ja viele auch heute noch herrlich, wenn sie sich vollsaufen können) und lästerte Gott. Doch plötzlich das gellende Lachen verstummte zumal, es wurde e im Saal. Und sieh, und sieh! an weißer Wand, da kam's hervor wie Menschenhand und schrieb, und schrieb an weißer Wand Buchstaben wie Feuer, und schrieb und schwand.Das ist aber die Schrift allda verzeichnet:Mene, mene, tekel, u⸗pharsin. Und sie bedeutet dies: Mene ge zählt und vollendet, tekel= gewogen und zu leicht erfunden, u-pharsin zerteilt und dahingegeben. (Dan. 5, 25 28.)

Diese Erklärung, die der Prophet auf den König anwandte, wollen und sollen auch wir uns heute anwenden, und wir geben den Sinn dieser Worte wohl am besten wieder, wenn wir sagen, sie bedeuten: Tod, Gericht und Verdammnis.

Auch für uns heißt es einmal: Mene, mene, d. h. deine Tage sind gezählt, dein Leben ist vollendet. Dieser unser Todestag steht nicht im Kalender verzeichnet, in dem so viele ß stehen, er kommt zumeist ohne unser Zutun, und für neunundneunzig von hundert, die da sterben, immer viel früher als sie denken und wünschen. Wie manches erschütternde Ereignis um uns her ruft uns ein solchesmene zu!

So oder so die Zeit wird kommen, wo sie auch uns in Leinen wickeln nnd in einen Sarg legen, und dann... Die Hände, die jetzt dieses Blatt halten, werden dir von anderen über der Brust gefaltet, und dann kannst du sie nicht mehr falten zum Gebet.Mene, mene! andere drücken dir die Augen zu, und dann wirst du nicht mehr spöttisch lächeln.

Und dann...Tekel, d. h. man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht erfunden! Auf der einen Seite deine mancherlei Vorzüge, deine Erkenntnis, deine guten Gelegenheiten, deine Bekanntschaft mit der Bibel und dem Christentum und wahren Bekennern desselben, und auf der anderen Seite dein Charakter. Das Zünglein an Gottes Wage ist Seine Gerechtigkeit. Beachte, nicht das ist das Wichtigste, was du über Gott denkst, sondern:

Was denkt Gott über dich?

Du meinst, es sei eine ernste Sache um das Sterben, wir aber meinen, es sei eine ernste Sache um das Lebenz denn wir werden nicht nach unserem erbaulichen oder sanften Sterben, sondern nach

unserem Leben gerichtet; und wehe, wenn es dann heitzt:Tekel, zu leicht! Dem, der mit den an vertrauten Pfunden keine anderen gewonnen hat, al. wird dann auch noch genommen, was er at.

Das ist dann ein rechtesU-pharsin.Man wird ihn zerscheitern und ihm seinen Lohn geben mit den Heuchlern, da wird sein Heulen und Pehl;(Matth. 24, 51.) Du weißt wohl: g gegraben werden ist noch nicht selig werden, und Mitgliedschaft in einer Gemeinde ist nicht immer Mitgliedschaft im Reiche Gottes, und nicht alle, die ere Herr! sagen, werden in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun des Vaters im Himmel.Das aber ist Sein Ge bot, daß wir glauben an den Namen Seines Sohnes Jesu Christi, und lieben uns untereinander, 35 er uns ein Gebot gegeben hat.(1 Joh. 3, 23.

Einem strebsamen Studenten, dem kein mathematisches Problem zu schwer war, wurde einmal von einem Freunde ein Blättchen Papier mit einem Problem zur Lösung vorgelegt, nach welchem jener begierig griff, um seine Fertigkeit zu zeigen. Statt der erwarteten Aufgabe aber fand er nur die Frage:Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Zornig zerriß er das Papier, aber die Frage wurde er nicht wieder los. Vielleicht packt dich die Frage nicht so, lieber Leser, dein Gedächtnis hat kaum Raum für die Fragen, die dein Seelen heil betreffen. Aber ist das wirklich ein Glück für dich?

Ist es klug, bei Ewigkeitsfragen Vogelstrauß politik zu treiben? Eins ist Not! Und die Haupt⸗ sache ist, daß die Hauptsache dir zur Hauptsache

wird. 3 Gott lüßt sich nicht spotten.

Vor nicht langer Zeit ließ ein vornehmer Mann auf seinem neuen Hause einen Blitzableiter anbringen. Sein voriges Haus war ihm durch den Blitz angezündet und ein Raub der Flammen geworden. Ein Prediger fragte ihn:Was lassen Sie hier machen? Der vornehme, stolze Herr antwortete:Ei, da lasse ich dem lieben Gott die Hände binden, daß er mein Haus nicht wieder anzündet. Warnend sagte der Prediger:Der Herr achtet Eisen wie Stroh und Erz wie faules Holz. Hiob 41, 18

Im nächsten Jahr schon legte ein Blitzstrahl das neue Haus mit den Einwohnern in Asche. Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten.