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schließlich mit Beleidigungen, und erklärte höhnisch: ich verstände von meinem Geschäfte nichts. Schließ— lich wollte sie ein Achtel Meter von einer Spitze haben, von der der Meter 2,20 Mk. kostete. Und als ich ihr erwiderte, ein so geringes Quantum dürfte ich nicht verkaufen, wurde sie buchstäblich von ihrer Wut über- wältigt und versuchte sogar, mich um meine Anstellung zu bringen, indem sie zum Chef ging und ihm er— klärte, ich sei unverschämt gegen die Kunden.
Die Fürstin Garatzina hat nach wenigen Monaten ihr Amt als Verkäuferin niedergelegt und arbeitet jetzt wieder als Aufräumefrau. Sie ist mit ihrem Los zufrieden, fühlt sich glücklicher als im heimischen Palais und will dereinst als arme Arbeiterin sterben, wie sie auch als arme Arbeiterin lebt.
Das tat eine Fürstin, weil sie das wahre Glück, den Frieden ihrer Seele in ihrem Glanz und Reichtum nicht fand. Doch die Armut an sich ist auch noch nicht die Quelle des Glückes und der Freude. Wahren Frieden, bleibendes Glück, finden nur die, die Jesum als ihren Heiland annehmen und ihre kranke, todes— wunde Seele in seine durchgrabenen Hände legen. Alle meine Quellen sind in Dir, o Jesul, so singt das Herz, das seine Schuld am Kreuze abladen durfte. Das Leben ist der Güter höchstes nicht; der Uebel größtes aber ist die Schuld, so sagt Schiller. So muß demnach das höchste Gut Vergebung, Til- gung der Schuld sein.
„Wer nicht auszieht, Haul und Samuel nach.
Vor einigen Jahren erhielt ein Weichenwärter an der Hudson-River-Bahn(Amerika) eine De— pesche, angenblicklich eine Weiche zu öffnen, um eine entflohene Lokomotive in den Fluß zu leiten. Er konnte das nicht begreifen. Aus Furcht, er möchte es mißverstanden haben, fragte er an, ob das Befehl sei. Ja war„schnell“, die Rückant— wort. Der Mann konnte das nicht einsehen; kopfschüttelnd drehte sich die Weiche u. verwunderte was wohl der Zweck sein sollte. Jetzt kam die Maschine angedonnert und stürzte mit furchtbarem Geräusch in den Fluß. Kaum hatte der Weichen— wärter sich von seinem Schrecken erholt, als auch schon der Personenzug von der andern Seite an- gebraust kam und vorbeisauste. Die Passagiere wußten gar nicht, daß ihr Leben bei fünf Minuten vom unverbrüchlichen Gehorsam eines Weichen— stellers abhing. Höhern Orts wußte man besser, was notwendig war, als es der Weichensteller wußte. So weiß auch Gott besser, als wir selber,
was gut für uns ist. Sei nur dem Herrn ge— horsam!
Wer ist der Reichste? Der, der an Be—⸗ gierden am ärmsten ist. Sei zufrieden mit dem, was du hast, unzufrieden nur mit dem, was du bist. Frage nicht: Wie ist der Weg? sondern: Führt er zum Ziel? Gehe ein durch die enge
Pforte! e
„Der Grund, drauf ich mich gründe, Ist Christus und sein Blut.“
Wenn Jesus nicht mein Heiland wäre Und tröstend mir zur Seite stünd',
Ans Kreuz nicht trüg die Last, die schwere Und mich erlöst von meiner Sünd':
Wo sollt' ich in dem Jammertal
Nur hin vor Sorgen, Angst und Qual“
Ein Abgrund, ja, des Todes Höhle, Beklemmend das bewegte Herz, Stünd' mir die Zukunft vor der Seele. Nicht blicken könnt' ich himmelwärts, Wenn Hölle, Teufel, Lust und Welt Sich trotzig mir entgegenstellt.
Will mich die Welt mit ihren Schlingen Umgarnen und verstricken gar,
Durch Tücke, List und Bosheit zwingen Su folgen ihrer Kinder Schar:
Sagt, müßt ich da nicht untergeh'n, Sollt' ich den Kampf allein besteh' np!
Wenn Krankheit mit geheimer Tücke Sich einschleicht in der Lieben Kreis, Und jedes menschliche Geschicke Nicht raten noch zu helfen weiß: Ich wüßte nicht, wo aus noch ein; Doch so komm' ich zu Dir allein.
Reißt aus der Lieben trautem Kreise Der strenge Tod das Liebste hin
Und schlägt nach seiner tück'schen Weise Dir Wunden, tief im Herzen drin, Dann bist nur Tröster, Jesu, Du
Und spendest Frieden, sel'ge Rub'.
Wenn Jesus nicht mein Heiland wäre Und tröstend mir zur Seite stünd',
Ans Keuz nicht trüg die Last, die schwere, Und mich erlöst von meiner Sünd':
O, finster würde vor mir steh'n
Der Weg, sollt' es zum Ende geh'n.
HN. Dern.


