wichtige Stellen in deiner Bibel nachzulesen: Sprüche 6, 6— 11; 10, 26 und 26, 13 16. Ist Träg⸗ heit im allgemeinen schon eines Menschen un- würdig, so erst recht eines Gläubigen. Christen— tum und Faulheit reimen sich nicht zusammen. Wie beschämend, wenn einem Bekenner Christi nachgeredet wird, daß er faul fei. Das Leben unseres Heilandes war mit ernster Arbeit ausge— füllt. Wir staunen darüber, was er in den 3 Jahren seines öffentlichen Auftretens gewirkt hat. Er ist uns auch darin vorbildlich. Über all der Arbeit fand er doch noch Zeit, die Gemeinschaft mit seinem himmlischen Vater zu pflegen. Das war auch eine Quelle der Kraft. Manches Got— teskind kommt aus lauter Vielgeschäftigkeit nicht mehr zur Besinnung oder geht gar in seinen Ge— schäften auf. Das ist auch vom Übel. Das Leben aus Gott verkümmert.— Ist Trägheit schon in irdischen Geschäften nicht angebracht, so erst recht nicht in geistlichen Dingen. Hier sind ihre Folgen noch viel verderblicher, da es sich um himmlische Güter und das Heil der Seele handelt. Geistliche Trägheit lastet schwer auf mancher Versammlung. Während andere sich mühen und Hand anlegen, sind so und so viele, die gleich dem Lieschen auf dem Bilde es sich bequem gemacht haben und müßig am Markte stehen. Aber sehen wir zu, ob diese schleichende Pest sich nicht etwa in unsern eigenen Herzen eingenistet hat. Wie träge sind oft unsere Herzen im Aneignen biblischer Wahr— heiten und im Daraufeingehen. Wo die geistliche Trägheit überhand nimmt, da tritt auch die Schlaf— sucht als Begleiterscheinung auf. Da wird man lässig im Gebet, Bibellesen und im Seelenretten. Wie gefährlich erst, wenn etwa Hirt und Herde träge geworden sind. Der Höllenwolf macht unter— dessen seine Beute.
Ihr lieben Leser all! Wie geht's? Seid ihr emsig bei eurem Tagewerk und auch im Wein— berge des Herrn? Vergeßt darüber auch nicht den eigenen Weinberg des Herzens zu behüten vor den kleinen und großen Füchsen. Hohelied 1, 6; 2, 15. Laßt uns aber allesamt Petri Mahnung beherzigen:„Darum, lieben Brüder, tut desto mehr Fleiß, euren Beruf und Erwählung fest zu machen; denn wo ihr solches tut, werdet ihr nicht straucheln, und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi.“
. Eine Fürstin als Nufwartefrau.
Die reiche russische Fürstin Maria Alexandrowna Garatzina, die zu den größten Grundbesitzerinnen Rußlands zählt, hat ihren Reichtum abgestreift, hat auf die Vorrechte ihres Standes, auf den Genuß
G. Bieber.
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ihres Reichtums vollkommen verzichtet und ernährt sich
nunmehr schon seit Jahren als schlichte Aufwartefrau durch ihrer Hände Arbeit.
Als 23jährige junge Dame, so berichtet eine französische Zeitschrift, verließ sie das luxuriöse Eltern— haus, legte das Gewand der Armut an, verzichtete auf jede Kopeke Hilfe von den Eltern und hat seitdem buchstäblich das entbehrungsreiche Leben einer armen Aufwartefrau geführt. Sie war Küchenmädchen in einem Hotel, wo sie morgens um 4 Uhr aufstehen
mußte und täglich hunderte von Stiefeln zu putzen
hatte; dann vermietete sie sich als Aufwärterin und verdiente sich mit Bürste, Besen und Putzlappen ihr tägliches Brot. Nur einmal hat sie seitdem ihren Lebenswandel auf kurze Zeit verändert. Die unge— wohnte körperliche Anstrengung ihres selbstgewählten Berufes warf die junge Fürstin aufs Krankenbett und nach ihrer Genesung mußte sie sich bescheiden, eine körperlich weniger aufreibende Arbeit zu suchen: sie wurde Verkäuferin in einem großen Warenhause. Die Erfahrungen, die sie dabei sammeln mußte, haben sie bald wieder zu ihrer früheren Tätigkeit zurückkehren lassen und heute lebt die Fürstin Maria Alexandrowna Garatzina wieder das Leben einer Aufwärterin.„Denn das Leben mancher Angestellten in einem Geschäft ist eine wahre Hölle. Nicht daß die Arbeitgeber hart zu ihren Untergebenen wären, nein, es sind seelische Martern, die man zu erdulden hat. Wer nie hinter einem Ladentische gestanden hat, vermag sich nicht vorzustellen, was eine junge Verkäuferin an Demüti— gungen und Erniedrigungen durch eine gewisse Art von Käufern zu erdulden hat. Es sind die Frauen, die ihre soziale Ueberlegenheit zu einem grausamen Martergerät machen.“ Die Fürstin hat auf diesem Gebiete Dinge erlebt, die an Gefühlsroheit nichts zu wünschen übriglassen, und nicht umsonst fällt sie das vernichtende Urteil:„Die Härte und Rüchsichtslosigkeit der Frauen gegen diejenigen, die sie als sich unterge— ordnet ansehen, ist unfaßbar. Eine Dame, die ich sehr gut kannte; denn sie stand an der Spitze einer Reihe von Wohltätigkeitsunternehmungen und hatte sich durch ihren Wohltätigkeitseifer in der Gesellschaft einen Namen gemacht, kam eines Tages in die Ab— teilung, in der ich arbeitete. Sie wollte etwas Spitzen kaufen; ich mußte sie bedienen, und da sie natürlich die Fürstin, in deren Hause sie oft als Gast verkehrte, in der kleinen Verkäuferin nicht wiedererkannte, be— handelte sie mich schlechthin unwürdig. Eine Stunde lang marterte sie mich mit den bissigsten Bemerkungen, eine Stunde lang mußte ich ihr immer neue Spitzen zeigen, und da ich ihre unklaren Erklärungsversuche nicht immer richtig verstand, überhäufte sie mich


