Ausgabe 
27.7.1913
 
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in der letzten Zeit auch gar zu arg gemacht, und so will ich mir nicht das Leben verbittern lassen, es gibt ja noch andere Mägde in der Welt. Diesen Verdruß will ich los sein. Noch an demselben Tage hörte die junge Frau in der Abendandacht in einer Anstalt folgende Gedanken aussprechen:Wir alle haben ein Kreuz zu tragen, so oder so, und wir müssen es auf uns nehmen, wenn wir des Heilands Jünger sein wollen. Du hast vielleicht eine Magd, mit der du unzufrieden bist; sie ärgert dich, ja, du hast eine rechte Plage mit ihr und du denkst: diese Magd will ich nicht behalten, ich wäre töricht, wenn ich mich länger mit dieser unangenehmen Person quälen wollte, da ich doch anders kann. Aber ich sage dir: diese Magd mußt du behalten, das ist ein Kreuz, das dir der Herr schickt und das du nicht so mir nichts dir nichts abschütteln darfst! Tief betroffen und nachdenklich ging die junge Frau nach Hause, und sie hat ihre Magd behalten. Und beide haben es miteinander gelernt, daß man das Kreuz nicht abschütteln sondern tragen soll. So hast auch du dein Kreuz! Ach, es drückt so schwer! Vergiß es nicht, der es auferlegt, Er will dich auch mit ausreichender Tragkraft ausrüsten.

Auch für den Kampf, der uns verordnet ist, be dürfen wir Kraft. Mit unserem eigenen Vermögen können wir niemals Sünde, Versuchung, Welt und Satan überwinden. Doch müssen wir mit furchtbaren Finsternismächten rechnen. Dennoch soll der Sieg unser sein. Jesus ist bei uns und kämpft uns zur Seite.Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Bist du in diesem Kampf vielleicht schwach und müde geworden, denke daran:Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermö genden. Jes. 40. 29. Es bleibt herrlich wahr: Christus ist die Quelle unserer Kraft. Wir dürfen trinken und stark werden.

A. Staub.

Ein gesegnetes Gebet.

Oberstleutnant von Knobelsdorff erzählte ein⸗ mal:Einen 68jährigen Kapitän, den ich voriges Jahr in Schweden kennen lernte, fragte ich, wie er dazu gekommen sei, sichdem Herrn Jesu zu übergeben. Er antwortete: Ich muß mich schämen, zu sagen, daß ich erst vor acht Jahren den Herrn Jesum gefunden habe. Ich war auf der Insel Malmö und war in der unangenehmen Lage, zwei Stunden in einem Wartesaal zubringen zu müssen. In den Wartesälen bekommt man nun Langeweile und gar bald hat man die ausliegenden Zeitungen gründlich ausstudiert. Als ich damit fertig war, fiel mein Blick auf eine Bibel; ich griff zaudernd nach ihr. Indem ich sie aufschlug, hörte ich neben mir einen geringen, alten Mann für mich laut beten:Sieh', Herr Jesu, da greift jemand nach deinem Wort; o gib doch Licht, daß er Dich darin finde. Als ich dieses gehört, warf ich die Bibel von mir fort und stürmte zur Tür hinaus, denn es hatte mich eine Unruhe ergriffen, die mich nicht verlassen wollte. Ich reiste nach Hause, bekam

voll Freuden zu ihrer Freundin,

aber keine Ruhe. Was mochte er wohl gemeint haben? In meiner Heimatstadt lebte einnär⸗ rischer frommer Freund von mir; zu ihm ging ich mit meiner Unruhe hin, und er verkündigte mir Jesum als Heiland; und ihm habe ich mich durch Gottes Gnade ergeben. Möchten doch alle Leser, die dies noch nicht getan, sich vom Heiligen Geist in gleicher Weise zu Jesu, dem Sünderheilande, ziehen lassen!

Gehe wieder hin siebenmal!

Zwei christliche Frauen, deren Gatten unbe kehrt waren, fühlten diese Not so tief, daß sie sich verabredeten, jeden Tag gemeinschaftlich für deren Bekehrung zu beten. Nachdem sie das getreulich sieben Jahre lang getan hatten, stellten sie sich die Frage ob sie noch weiter beten sollten, denn bis dahin schien ihr Beten ganz fruchtlos gewesen zu sein. Doch entschlossen sie sich, bis an ihr Ende anzuhalten; denn wenn ihre Männer trotzdem verloren gehen würden, so hätten sie dann wenig- stens ihr möglichstes getan. Mit erneuter Kraft beteten sie drei Jahre weiter, bis in einer Nacht die eine von beiden von ihrem Manne geweckt wurde, der in großer Bekümmernis seiner Sünden wegen war. Sobald der Tag anbrach, eilte sie um ihr zu sagen, daß Gott jetzt im Begriff stehe, ihre Gebete zu erhören. Wie staunte sie, als sie unterwegs ihrer Freundin begegnete, die zu demselben Zweck zu ihr eilen wollte! So wurde das gemeinschaftliche zehn Jahre lang anhaltende Gebet durch die Be kehrung der beiden Männer an ein und demselben Tage mit Erhörung gekrönt.

Zum hachdenken.

Blicke nicht ängstlich in die Zukunft; begegne vielmehr den wechselnden Ereignissen des Tages im festen Glauben, daß Gott, dem du gehörst, dich aus allem erretten wird. Er hat dich bisher be wahrt. Halte nur Seine teure Hand fest. Er wird dich sicher hindurchführen. Wenn du nicht mehr stehen kannst, wird Er dich tragen. Frage nicht: was wird morgen geschehen? Derselbe Vater, der heute für dich sorgt, wird auch morgen da sein. Entweder Er wird das Leid vorüber gehen lassen oder Er wird Kraft geben, es zu tragen. Bleibe im Frieden und vertreibe alle ängstlichen

Bilder, die vor deiner Seele aufsteigen wollen. Franz von Sales.