Ausgabe 
20.7.1913
 
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lichkeit verachten sie euch. Hört ihr's, sie, die selber verächtlich handeln, sie verachten euch, ver achten euch aufs tiefste. Wie sie euch nennen, ihr wißt es, und dafür seid ihr zu haben.

Ich klage vor allem an die Satansknechte, die Besitzer und Besitzerinnen von Weiberkneipen. Leiber und Seelen von Männern und Weibern verderben sie, Familienglück zerstören sie, den Pest sumpf suchen sie noch zu vergrößern, nur um mit gieriger Hand mehr Geld daraus zu ziehen. Zehn facher Verdammung sind sie wert.

Ich klage endlich an die Pharisäer und Pharisäerinnen, die im Stolz ihrer bessere Durch schnittsmoral keine Hand bieten zur Rettung der Verlorenen, ja die Aermsten noch zurückstoßen, wenn sie sich einmal herauszuretten suchen aus der schwarzen Flut.

Aber was sage ich, bin ich es, der da anklagt? Schreit nicht die stumme Tote hier aus ihrem Sarg eine verzweifelte Anklage gen Himmel? Denn sie ist das Opfer geworden von alledem, was ich soeben vor Gott verklagt habe. So oder ähnlich geht es ja schließlich mit fast allen in der Sünde Lebenden. Entweder ein Ende mit Schrecken wie hier, oder ein Schrecken ohne Ende, nicht selten im Krankenhaus oder Gefängnis.

Darum sage ich euch: Los von der Sünde, besser die schmutzigste Arbeit tun, als seine Menschen würde beschmutzen, besser die Gasse fegen, als selbst zum Kehricht geworfen werden, besser auf der Landstraße Steine schlagen, als Leib und Seele tagtäglich schlagen und schänden lassen.

Aber wie, gibt es denn da noch ein Zurück? seid ihr nicht alle mit tausend Netzfäden in dieses Wesen verstrickt?

Ich sage euch: Frei könnt ihr werden, wenn ihr nur wollt. Wo ein ernster Wille ist, da ist ein Weg. Wen der Sohn frei macht, der ist recht frei, und dem Aufrichtigen läßt Gott es gelingen. Er stößt keinen Verlorenen zurück, hört ihr's, keinen. Euer Elend jammert ihn; Er liebt und sucht euch, um zu retten. Wißt ihr noch aus eurer Kinder zeit, wie ihr die Geschichte lerntet von Jesus? Mitten in der Pharisäergesellschaft nahm Er sich der verlorenen Sünderin an, die seine Füße mit Tränen netzte und trocknete sie mit ihrem Haar. Er kümmerte sich nicht mehr um die feinen frommen Leute und tröstete die gerettete Seele mit Gottes Gnade und Vergebung der Sünden. Sie kam aus ihrem verrufenen Haus; sie wurde fürs Himmel reich berufen. Als Kinder wußtet ihr noch nicht, was das für eine Sünderin war. Heute wißt ihr's.

Los von der Schande, hin zu Jesus! das ruft euch dieser Sarg zu. Jesus nimmt sich euer an, auch äußerlich. Vertraut euch nur irgend einem Prediger oder einer Schwester in der Stadt an. Ueberall, in der Stadt und auf dem Lande

8. werden weibliche Arbeitskräfte gesucht. Und hier in der Stadt ist ein Heim, das euch vorläufige Unterkunft bietet. Es erleichtert euch den Ueber gang. Gott hilft euch, wenn ihr nur wollt!

Totenstille! Auch auf dem Wege zum Grabe hörte ich kein Wort, nicht einmal ein Flüstern. Am selbigen Abend ging ich früh zur Ruhe, so hat mich noch nie ein Begräbnis angegriffen. Gott weiß es, ob's nicht doch Gutes gewirkt hat.

Und mit welchen Gefühlen liest du, teure Leserin, diesen ergreifenden Vorgang vom traurigen Ab schluß eines Mädchenlebens, das für die ewige Herrlichkeit bestimmt war?

Und auf welchem Wege befindest du dich, wie wird dein Ende sein? War dein Leben ein Leben für Jesum, so wird das helle Licht der Gnade Gottes seinen Abschluß umstrahlen. War es ein Leben in Sünde, für die Welt, entfremdet von der in Christo erschienenen Liebe, so wird auch dein Sterben den tiefen, dunklen Schatten der

ewigen, nie endenden Hoffnungslosigkeit empfangen.

An jenem Grabe gab's keine Träne; es ent⸗ stand keine Lücke in der Kette der Menschheit. Wirst du einmal eine Lücke hinterlassen?

Als einst du wardst geboren an das Licht

Du weintest doch es freuten sich die Deinen,

Doch lebe so, daß, wenn dein Auge bricht,

Du dich dann freust die Deinen aber weinen. Schwester Anna Eigenbrod.

Ein mädchen eingemauert. Aus Barcelona wird eine schauerliche Geschichte

gemeldet, die angeblich die Polizei der großen kata

lonischen Hafenstadt auf das angelegentlichste beschäf tigen soll. Dieser Tage, heißt es, seien zu einem in einem Vororte von Barcelona wohnhaften Maurer einige feingekleidete Herren gekommen, die ihn dazu haben wollten, daß er sofort eine baufällig gewordene Mauer in der Nähe ausbessere. Sie versprachen ihm eine besonders hohe Belohnung, wenn er sogleich sich mit ihnen auf den Weg mache. Der Maurer ergriff sein Handwerkszeug und ging mit ihnen. Nach einer Weile sah er ein Automobil auf der Landstraße stehen, das auf jemand zu warten schien. Ehe sich der Maurer noch einen Gedanken darüber machen konnte, ergriffen ihn seine Begleiter, knebelten ihn, verbanden ihm die Augen und warfen ihn in das Automobil, indem sie ihm zuriefen, daß sie ihn auf der Stelle niederschießen würden, wenn er um Hilfe rufen sollte. Er fühlte auch die kalten Eisen an der Dann raste das Automobil in voller Fahrt

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Stirne.