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dahin, um erst nach etwa zwei Stunden anzuhalten. Der Maurer wurde seiner Fesseln und Augenbinde entledigt, er stand vor einem Hause, und während seine Begleiter die Revolver auf ihn gerichtet hielten, befahlen sie ihm, eine Nische zu vermauern, in der er zu seinem Entsetzen ein bildschönes junges Mädchen sah. Sie war gefesselt und geknebelt und blickte ihn mit perzweifelten Augen an. Die Revolver der Fremden zwangen aber den Maurer, zur Kelle zu greifen und er mauerte die Nische zu. Dann drückte man ihm einige Goldstücke in die Hand, verband ihm wieder die Augen, fesselte ihn von neuem, und wieder sauste das Automobil mit ihm davon, diesmal den umgekehrten Weg nehmend; denn als er aus dem Automobil hinausgehoben und seiner Fesseln und Augenbinde befreit wurde, befand er sich dort, wo man ihn in das Automobil geworfen hatte. Während der Kraft⸗ wagen davonsauste, eilte der Maurer, so schnell ihn seine Beine tragen konnten, nach Hause, um sich dann, nachdem er sich von seinem ersten Schrecken erholt hatte, nach der Polizei zu begeben, wo er die Anzeige erstattete. Die Polizei ist bemüht, in einem Umkreise von zwei Stunden das betreffende Haus ausfindig zu machen.
Uns schaudert die Haut ob diesen Schandtaten. Ja, der nach Gottes Bild geschaffene Mensch ist zu einer Bestie geworden, deren Rachsucht und Mordlust größer ist wie die eines Tigers. Doch uns stehen beim Gedanken an dies eingemauerte Mädchen Hunderte, ja Hunderttausende ihrer Leidensgenossen vor den Augen, die eingemauert hinter den Kerkermauern des Fleisches hinsiechen. Oder sind das keine eingemauerten Mädchen, die Hunderttausende, die in schlechten Häusern von der Schande leben? Sind das keine eingemauerten Mädchen, die vom Fleisch und seiner Lust umschlossen, nur auf die Befriedigung niedriger Begierden sinnen? O diese traurigen Männer und Handlanger des Teufels, die mit Willen und widerwillig solche Kerker und Särge mauern. 5
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Zesus ist die Quelle des Glücks.
Mit Recht singt der Dichter:„Wer Jesus bei sich hat, der hat den Himmel.“ Der Himmel ist der Inbegriff des vollkommenen Glückes. In Verbindung mit dem Heiland soll dies Glück schon auf Erden unser Teil sein. Wieviele meinen, im äußeren Reichtum liege das Geheimnis des Glückes. Weit gefehlt! Haben Judas die 30 Silberlinge e gemacht? O nein, er fluchte diesem Gelde. Ein Multimilionär, bekennt, es ist mir soviel Geld durch die Finger gegangen, daß ich einen wahren Eekl davor bekommen habe. Ist man da glücklich, wenn man gezwungen ist, tag—
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täglich seine Geldhaufen anzuschauen, indessen jeder Taler das Gefühl des Ekels erregt?— Andere, wähnen, darin bestehe das Glück, daß man von den Mitmenschen sehr verehrt werde. Es gibt ein Büchlein, darin sind die Lebensgeschichten der gefeiertsten Menschen der Welt niedergelegt. Wer das Büchlein gelesen hat, legt es beiseite und dankt Gott, daß Er ihn davor behütet hat, einer dieser Menschen zu werden. Sie waren nichtiglücklich.— Wieder andere glauben, glücklich sein, heiße, geliebt werden. Es ist daran etwas Wahres. Jedes Menschenherz dürstet nach Liebe. Aber menschliche Liebe ist nur zu oft oberflächlich, eigennützig, vergänglich.— Alle diese Dinge, die man aus der vergänglichen Welt herausholen will, können nie das Herz dauernd befriedigen. Jesus aber reicht diese Dinge uns in einer Gestalt dar, wie sie wirklich glücklich machen. Er gibt uns ein reiches, unvergäng— liches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe. Er führt uns zu wirklich hohem Ansehen:„Wir werden ihm gleich sein“, gleich an Herrlichkeit, gleich an Kraft, gleich an Weisheit. Unvergleichlich ist auch seine Liebe gegen jedes Menschenkind. Den größten Be⸗ weis Seiner Liebe hat Jesus am Kreuz erbracht. Dort nahm er unsere Strafe auf sich. Höre ein Er⸗ lebnis, das als Gleichnis für die Liebe dienen kann. Ein Pfarrer in Nordamerika hatte einen munteren vierzehnjährigen Sohn, der Schüler eines Gymnasiums war. Eines Tages kam der Klassenlehrer zum Vater des Knaben und fragte ihn:„Ist Ihr Sohn krank? Er ist seit drei Tagen nicht mehr in die Schule ge— kommen.“ Der Vater wurde traurig; er wußte es, daß der Junge leichtfertig neben die Schule gelaufen war; er dankte aber dem Lehrer für die Nach- richt.— Bald darauf kam der Knabe nach Hause. Der Vater rief ihn zu sich auf sein Zimmer und sagte ihm im ernsten Ton:„Soeben war dein Lehrer da und hat mir erzählt, was du in den drei letzten Tagen getrieben hast. Es tut mir weh, mein Kind. Bisher hatte ich dich für aufrichtig gehalten und dir in allen Stlicken getraut; und jetzt warst du drei Tage lang— eine lebendige Lüge. Ich bin tief betrübt.“ Dem Knaben fiel die Sanftmut des Vaters schwer aufs Herz, eine strenge Züchtigung wäre ihm leichter gewesen. Dann sprach der Vater:„Wir wollen miteinander beten!“ Während sie zusammen ihre Knie beugten, begann der Knabe leise zu weinen und auch in den Augen des Vaters glänzten Tränen. Da sagte der Vater in freundlichem Ton:„Mein Kind, es gibt ein unumstößliches Lebensgesetz: Wo Sünde ist, da muß Leiden sein. Sie sind nicht zu trennen, diese beiden Begriffe. Gott hat mir, deinem Vater, heute eine schwere Aufgabe gestellt; ich darf mich ihr aber nicht entziehen. Komm mit mir in die große Dachstube. Drei Tage und drei Nächte mußt du dort oben bleiben, gerade so lange, als du eine lebendige Lüge gewesen bist.“ Herzlich küßte jetzt der Vater seinen Sohn undzließ ihn dann allein im stillen Dachzimmer.— Als Abends die Eltern beim Nachtessen zum erstenmal allein zu Tische saßen, ver— mochten sie kaum einen Bissen zu sich zu nehmen; sie gedachten unausgesetzt ihres einsamen Sohnes, der oben auf dem Boden des Hauses eingeschlossen war— Auch im Wohnzimmer, wo sie nachher beisammeu— saßen, war's diesmal still,— ungewohnt still. Es


