Ausgabe 
13.7.1913
 
Einzelbild herunterladen

8 2 135 1

ohnmächtig und doch von dem brennenden Ver- langen erfüllt, einen Becher Wasser zu erhalten, sich der Stelle zuschleppen, wo einige grüne Palm bäume stehen, weil sie hoffen, dort Wasser zu finden. Nach Spie Anstrengungen erreichen sie den Ort. Wehe, die Zisterne ist leer, die Armen taumeln, da sie ihre Hoffnung vereitelt sehen; die einen fluchen, die andern jammern, und sie brechen zu sammen und sterben vor Durst. Das ist das endliche Los aller, die glauben, ihr Glück außer Ehristo zu finden. Jesus ruft allen zu:Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke. Wir wollen heute zu Ihm kommen mit jeder Sehnsucht unseres Herzens. Und bald werden wir aus Er- fahrung Ihm mit David zujauchzen:Alle meine Quellen sind in dir!

Jesus ist die Quelle des Heils. Er ist der Heilsbrunnen, aus dem wir mit Freuden schöpfen dürfen. Wir bedürfen Heil, da wir alle sündenkrank sind.Das ganze Haupt ist krank, das ganze Herz ist matt. Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist nichts Gesundes an uns.Es ist hier kein Unterschied, sie sind allzumal Sünder. Diese Sündenkrankheit ist so ernster Natur, daß sie nur Tod und ewiges Verderben zeitigen kann.

Ach, es wär zum Weinen, wenn kein Heiland wär!

Nun aber lesen wir in Jes. 53, 4 die trostreiche Botschaft:Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Ein wunderbarer Arzt, der dadurch die Kranken heilt, daß er sich mit ihren Krankheiten belädt; doch er hat sich nicht damit begnügt, die Krankheiten zu heeiln. Er ging gründlicher zu Werke: Er lud unsere Sünden auf sich. Was für eine Last! Ein gläubiger Vater sprach mit seinem etwa vierzehn⸗ jährigen Sohn über die Notwendigkeit der Bekehrung. Der Knabe meinte, das sei für ihn doch noch nicht nötig, er sei noch so jung; er habe doch noch nicht viel Sünde getan. Da fragte der Vater:Hast du wohl heute eine Sünde in Gedanken begangen durch Lieblosigkeit oder Bitterkeit oder dergleichen 9 Das bejahte der Sohn.Hast du vielleicht auch eine Sünde mit Worten begangen? Das gab der Sohn auch zu. Der Vater fragte weiter: Vielleicht hast du auch eine Sünde getan heute? Auch diese Frage bejahte der Sohn. Das Examen ging weiter.Meinst du wohl, daß das durch- schnittlich jeden Tag so gehe eine Sünde in Gedanken, eine in Worten, eine mit der Tat? Der Knabe antwortete, immer noch lächelnd über dieses Rechenexempel, das würde wohl sehr knapp gerechnet sein. Es würden wohl mehr Sünden auf den Tag kommen.Nun, wir wollen einmal annehmen, es seien täglich nur drei Sünden, von jeder Art eine. Wieviel macht das im Jahr? Ueber 1000!Richtig! Und nun nimm die Zahl deiner Jahre und multipliziere damit. Die ersten Jahre sollen einmal weniger Sünden gehabt haben,

aber du sagst, für die letzten sei es knapp gerechnet; das gleicht sich dann aus. Also wieviel Sünden hast du nach dieser einfachen und nicht übertriebenen Rechnung getan?Vierzehntausend! Der Vater brach das Gespräch ab. Aber der Sohn konnte seine Gedanken nicht von diesem Gespräch abziehen, immer wieder stand ihm diese Zahl vor der Seele: Es war in der Nacht, da wurde der Vater geweckt. Sein Sohn stand an seinem Bette.Vater, du mußt mit mir beten; ich kann es nicht mehr aus⸗ halten; ich habe vierzehntausend Sünden getan. Nun denke dir, lieber Leser, welchen Beitrag du geliefert hast zu der Last, die Jesus trug. Doch der Prophet, der uns zuruft:Er trug unsere Sünden, der versichert uns auch:durch seine Wunden sind wir geheilt. Er trug die Sünden an Seinem Leibe hinauf auf das Holz des Kreuzes. Da wurden sie gerichtet und abgetan. Da wurde die Erlösung vollbracht. Liebe Seele, suchst du Vergebung? Komm zu Jesus, komm zum Kreuz, da findest du Frieden und Heil. Wer Jesus im Glauben am Kreuze erblickt, der wird heil zu derselbigen Stund.

A. Staub.

Eigene Heilandt.

g Über ein Beispiel unglaublichen Aberglaubens, den die Bibelkolporteure in Spanien oft antreffen, wird wie folgt berichtet: Das kleine Dorf Le Postoriza ist ein Wallfahrtsort. Auf einem Hügel steht ein Bild der heiligen Jungfrau. Unter dem Hügel geht eine Kaninchenhöhle durch. Wer nun durch diese Höhle hindurchkriecht, der rettet sich dadurch von der ewigen Verdammnis.Als ich hinkam, erzählte er, krochen gerade verschiedene durch, und als ich fragte, warum sie diese Barbarei begingen(denn die gerade durchkriechende Person war ziemlich dick und konnte nicht durch, und ein Mann zog sie an den Armen, damit sie wieder heraus könnte), wurde mir die Sache erklärt usw. Seine Verkündigung, daß man allein durch den Gekreuzigten von der Verdammnis befreit werden könnte, und daß dies doch eine recht nutzlose Übung sei, fand trotz des Polterns des herzugelaufenen Priesters eine dankbare und freundliche Annahme. Wie verkehrt ist doch das natürliche Herz des Menschen! Golt hat uns in Jesu den einzigen Hei land, die einzige Lebensquelle gegeben. Doch graben sich die Menschen lieber ihre löchrichten Brunnen, als zu dieser Quelle zu gehen. Ehe das trotzige, verzagte