Ausgabe 
13.7.1913
 
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beiden Kinder, oder das Locken der andern Kame raden? kurz gesagt: das Gute, oder das Böse? Und die Kinder merken etwas von diesem Kampf, und sie sehen des Vaters Unschlüssigkeit. Noch einmal bitten sie:Vater, lieber Vater, bitte, bitte, komm heim!

f Welch ein trauriges Familienleben! Von wieviel Not, Leid und Weh könnte es berichten! Und so soll es in Tausenden von Familien aussehen? Ent⸗ setzlicher Gedanke! Schauerliche 17 Kannst Du angesichts dieses unsäglichen Elends Auge, Ohr und Herz verschließen? Siehst Du nicht die vielen, vielen, nicht nur von der Trunksucht, sondern von allerlei andern Leidenschaften beherrschten Menschen kinder dem Verderben zueilen? Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Auf der schiefen Ebene, darauf ein jeder Mensch von Natur sich befindet, geht's un aufhaltsam bergab. Kann man nichts dagegen tun? Was aber?

Suche vom Grabesrand, Seelen zu retten,

Nimm der Verlornen in Liebe dich an!

Reiche die Bruderhand, löse die Ketten,

Führe Verirrte zu Jesus hinan!

Du, der einst Rettung fand,

Eile zu retten!

Jesus hat alles für alle getan! 3

Wer kann andern die Bruderhand zu Rettung reichen? Wer selber errettet ist! Ist das bei Dir der Fall? Wenn nicht, siehe, dann blicken jetzt Hase liebevolle Augen auf Dich herab. Seine durchgrabene Hand umfaßt die deinige, und der Mund der ewigen Liebe und Wahrheit bittet Dich:Vater, Mutter, Sohn, Tochter, wer du auch bist, der du dieses liesest: Komm heim, komm heim!

Kennst du das Heünweh, lieber Leser? In jeder Menschenseele liegt's verborgen auch in deiner! Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, aber durch die Sünde ein verlorenes Kind, das fern vom Vaterhause, in der Fremde schmachtet auch du! Jeder Mensch darf seinem Heimweh folgen und im Vertrauen auf des Vaters Liebe zurückkehren auch du! Selig sind, die Heimweh haben; denn sie sollen nach Hause kommen! Auf Golgatha ist der Eingang zum Vater⸗ hause, das Kreuz die Brücke zum jenseitigen Ufer der ewigen Heimat. Jesus Christus ist die Tür Da gehe ein in die offenen Arme des allmächtigen Welt erlösers und Sünderheilandes, der Dir zuruft:Komm heim, komm heim, o du irrende Seel!

P. Bernhardt.

Der umgewandelte Verbrecher.

In einer Strafanstalt saß vor einigen Jahren ein Mann mit finsterem, verstocktem Wesen in seiner Zelle. Eben hatte sich die Tür geschlossen. Der Anstaltsgeistliche war traurig hinausgegangen; denn seine Bemühungen um den Gefangenen waren heute wie immer zurückgewiesen worden, und statt ein Ge fühl von Reue bei ihm zu wecken, hatte er nur gottes

fertiger Sünder, der sich der Gnade seines Heilandes

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lästerliche Worte vernommen. Der Mann hatte sein Verbrechen eingestanden; er hatte kein Hehl daraus gemacht, sondern sich höhnisch dazu bekannt. Sein Urteil war auch bereits gefällt und nur noch eine kurze Gnadenfrist ihm gestattet in der Hoffnung, daß in dem verstockten Sinne eine Aenderung eintreten sollte. 5 g

Während nun der treue Seelsorger schweren Herzens in seine Wohnung zurückkehrte und den Her bat, das Herz des Sünders zur Buße zu lenken, trat dieser an das Fenster seiner Zelle und blickte finster in den kleinen Garten hinab, auf dem der helle Sonnenschein lag. Längs des Baches, der ihn durch- floß, hing die Frau des Gefangenwärters eben Wäsche auf. Ihr dreijähriges Kind spielte neben ihr und benutzte einen Augenblick, wo die Mutter dem Wasser N den Rücken kehrte, um sich dem Bach zu nähern. Plötzlich hörte die Frau vom Gefängnis her lautes Rufen und Schreien, sie blickte auf und sah einen Mann am Fenster heftig ihr Zeichen machen und nach den Wasser deuten. Sie wandte sich um nach der Stelle, wo sie gerade noch die Wellen über ihr Kind sich schließen sah, und konnte es noch im letzten Augenblick ergreifen und retten. i

Am vergitterten Fenster hatte der Verurteilte in, höchster Spannung zugeschaut. Das Kind lebte! Er, hatte es retten können durch seinen Zuruf. Was ist da mit einem Male über den verstockten Sünder gekommen? Er bebte vor Erregung, ja, als kurze Zeit darauf Mutter und Kind bei ihm eintraten, um zu danken, und letzteres ein paar Blumen seinem Retter entgegenstreckt, da fallen Tränen aus den Augen, a die so lange nicht geweint haben. 1

Ich bins nicht wert, daß Gott mich Sünder gebraucht hat, um ein Menschenleben zu retten, ruft er aus und verlangt nach dem Pfarrer. Gott hatte sein Herz angefaßt, und er ging hinüber als ein buß 1

getröstet. Wie groß ist doch die Macht der Gnade! Alle meine Guellen sind in dir.

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m Menschenherzen findet sich ein Sehnen. 48 der Seele. Leider suchen die wenigsten Menschen die Lebensquelle auf, die allein ihren Durst stillen kann, Christus. Nein, sie machen den Versuch, ihren Durst in den Freuden dieser Welt zu stillen, und statt erquickt 8 werden, kommen sie um. Man erzählt von 1

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Vanderern in der brennenden Wüste, daß sie schmachtend 1

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