der Sünde gehen. Ich hörte von Sterbenden, die
noch im Angesichte des Todes die Zeit verwünschten, wo sie mit dem Vater den ersten Schritt ins Wirtshaus taten. Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh, das klingt doch schöner, als wenn Vater und Sohn in der rauchgeschwärzten, dunsterfüllten Bierstube alle die faden, oberfläch— lichen Bierwitze anhören, oder gar mitmachen. Die gottlosen, unkeuschen Reden, die der Jugend auf der Spötterbank in ihren Blütenkelch ge— sprengt werden, sind später kaum aus dem Ge— dächtnis zu bringen. Noch heute, nach 40 Jahren, summen mir diese Hornissen des Teufels um die Ohren. Vorwärts, aufwärts, heimwärts, soll unsere Losung sein!„Was wollen Sie anfangen, wenn man Sie in den Bann tut?“ so wurde
einst Luther gefragt.„Entweder bin ich dann im
Himmel oder unter dem Himmel!, so soll dieser unerschrockene Glaubenszeuge geantwortet haben. Ja, er konnte singen: Nehmen sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, laß fahren dahin; sie haben's kein' Gewinn; das Reich muß uns doch bleiben! Ja, das Reich Gottes steht über allen Religionsparteien. Gehörst du, o Leser, zu diesem Reiche? Bist du ein Zionspilger, ein Mann, der singen kann: Meine Heimat ist dort in der Höh? Wie viele, die hier unten große Bürgerrechte haben, werden jenseits heimatlos, ohne Bürgerrecht des Himmels in den öden Schluchten der Verdammten umherirren! Und wie viele, die man hier als Ketzer oder Sektierer gebrandmarkt und ausge— stoßen hat, werden leuchten wie die Sterne in ihres Vaters Reich immer und ewiglich; denn der Mensch sieht, was vor Augen ist, doch Gott
sieht das Herz an!
Rabeneltern und Engelschutz.
Aus den ruffischen Wäldern, in der Um
gegend von Astrachan, wird dem„Wiedomisti“ berichtet: Ein Bauer namens Grusneijoff fuhr mit seiner Frau und seinem vier Jahre alten Kinde im Schlitten nach Woltschuni. Wenige Meilen vor der Stadt wurde in den Wäldern der Schlitten am Abend von einem Rudel hungriger Wölfe angefallen. In ihrem maßlosen Entsetzen ver— langte die Bäuerin, man möge den Tieren das Kind hinwerfen. Der Mann aber sträubte sich dagegen und bearbeitete die Pferde mit der Peitsche. Doch bald zeigte sich, daß die Jagd mit dem Siege der Wölfe enden würde; die Verfolger ge— wannen, und in der Angst der Verzweiflung warf der Bauer nun doch das hilflose Kind auf den
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Waldweg hinaus. Aber dieser Versuch, das 2 zu opfern, um das eigene Leben zu retten, miß⸗ lang. Die Wölfe stürmten an dem Bündel mit dem Kinde vorüber, folgten dem Schlitten weiter und zerrten schließlich den Bauer aus seinem Gefährt. Die Frau verlor die Besinnung und im wilden Galopp setzten die von Angst gepeilschten Pferde die Fahrt fort. Als der Schlitten mit den scheuen Tieren durch die Stadt brauste und end—
lich zum Stehen gebracht war, fand man die
Bäuerin besinnungslos auf dem Boden des Ge-
fährtes. Die sofort ausgesandte Rettungsexpedition
stieß bald auf die zerfleischten Uberreste Grusneijoffs. Als man aber den Weg weiter zurück verfolgte, entdeckte man auf der Straße auch bald ein kleines buntes Bündel: es war das in seine Tücher gehüllte Kind, das friedlich schlief und nicht die geringste Verletzung aufwies. Man brachte es in die Stadt, wo es sich schnell von den Folgen 8 der Kälte erholte. 5
Wie wahr ist doch das Wort Jesu, wenn er sagt:„Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtetz denn ihre Engel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ Die Ungläubigen mögen obige Dinge dem Zufall zu— schreiben, wer aber die Augen öffnet für diefen Engeldienst, der wird überall die Spuren dieser unsichtbaren Helfer finden. Ja wir glauben, daß ohne diesen Dienst der Engel gar manches Kind überhaupt kaum dem Tode entrinnen könnte. Denn die Verderber des Kindes heißen Legion. Wenn ein Kind diese Zeilen liest, so möchte ich ihm be— sonders zurufen: Liebes Kind, danke deinem Gott auch für den Engel, den er dir zu deinem Schutze beigegeben. Der liebe Inspektor Rappard sagte noch einige Stunden vor seinem Sterben in Gießen, er wolle, wenn er in den Himmel komme, auch seinem Engel für feine treuen Dienste danken.
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Das Lied, das meine Mutter sang.
In einer amerikanischen Zeitung aus St. Louis las ich folgende ergreifende Geschichte von einer Sängerin an einem Theater einer größeren Stadt. Diese Sängerin besuchte, wie man sagt, zufällig“, eine religiöse Versammlung, wurde innerlich erfaßt und war entschlossen, einen neuen Lebenswandel zu beginnen. Sie wandte sich an den Direktor des Theaterunternehmens und bat um ihre Ent- lassung. Dieser aber wollte nichts davon wissen; e denn die Dame verfügte über eine sehr schöne Stimme und war in der ganzen Stadt beliebt. Er berief sich auf den Kontrakt und verlangte, daß die Dame ihren eingegangenen Verpflichtungen nachkomme.


