Ausgabe 
11.5.1913
 
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viellieber als Gehorsam gegen den Vater.Dann gehe, aber einen Stachel ins Gewissen sollst du heute Abend haben, mit diesen Worten legt sich der Vater quer über die Türschwelle. Der Sohn mit einem Satz springt er über den Vater zur Tür hinaus. f

Kennen Sie jenen Herrn? Schauen Sie einmal diesen jungen Mann, wie müde ist sein Gang, wie ruhelos suchend sein Blick.Was meinen Sie, was ihm fehlt? Ist er leidend? erwiderte der so Gefragte.Nein, er hat unglücklich ge liebt. Er ist teilnahmlos an allem; sein Herz blutet in ungestilltem Weh, weil die, der sein Herz gehört, seine Liebe verachtet.

Weh, tiefes Weh erfüllt das liebende Mutter herz, an dessen aufopfernder Liebe die Tochter kalt vorbeigeht. Der Sohn, der aus Sündenliebe die Vaterliebe mit Füßen tritt, bricht diesem das Herz. Hunderte hat das Leid über verschmähte Liebe ins Laster und in den Tod getrieben.

Teurer Leser, wenn Menschen so namenlos leiden, weil ihre oft so selbstsüchtige und unreine Liebe nicht erwiedert wird; meinst Du nicht, daß es das Vaterherz Gottes auch tief schmerzt, wenn Du an Seiner Liebe vorübergehst? Er liebt rein und selbstlos, ohne jegliche Bedingung. Oder zweifelst du etwa an Seiner Liebe? Die Hin gabe Seines geliebten Sohnes ist der stärkste Beweis seiner Liebe zu uns.(Lies Ev. 16; 1. Johs. 3,, 3.)

Wer von uns Menschen gäbe seinen einzigen Sohn in den Tod für einen andern, den er nicht liebt? Gott gab Seinen Sohn für Seine Feinde; Seine Liebe zu diesen war in dem Augenblick der Dahingabe menschlich geurteilt größer als zum Sohne. O Kreuzesstamm und Gotteslamm, Du überführst uns tief von der Liebe des Vaters zu uns! Du stehst in irgendeiner Leidensschule und klagst über Gottes Lieblosigkeit, der dich so quält. Gerade was Du als lieblos verurteilst, ist ein Beweis Seiner Liebe. Er züchtigt und straft, weil Er liebt(Lies Ebräer 12, 6). Seine große Geduld mit Dir sündigem, un⸗ zufriedenen Menschen, der Du längst den Tod verdient hast, beweist Dir, daß Er dich liebt. Er schenkt Vir Gnadenzeit, gibt Dir alles, was Du zum Leben bedarfst. Sagt Dir denn dies nicht alles, daß Er, Dein Heiland, dich liebt und auf Deine Gegenliebe wartet? Gehst Du vorbei an solcher Liebe? O Seele, ich bitte dich, komm, laß dich anfachen an Seiner Liebe; denn höre jenes eenste Wort:Weh euch! Kannst Du Dir denken, auch nur im entferntesten ausdenken, was diese Drohung in sich einschließt?(Lies Offb. Kap. 6, 16 u. 17; Kap. 20, 15; Kap. 21, 8.)

Vielleicht liest mancher diese Worte, der leidet, weil seine Liebe verschmäht wird. Was half Jesus?

Tränen, Luk. 19, 41; Beten, Luk; 8. Lieben und das Leben lassen, 1. Johs. 3, 16. Hilft Dir dies nicht auch?

Ein befreiter Blutzeuge.

Vor etwa fünfundvierzig Jahren kam zu Kutschau ein Mann in die kleine Vorstadtkapelle von Ato. Seine Augen hingen an den Lippen des Missionars, der darüber predigte, daß Jesus Christus im Stande sei, einen jeden zu retten. Die Aufmerksamkeit des armen Chinesen war in ganz außergewöhnlicher Weise zu der Wahrheit hinge zogen worden, und nach Beendigung des Gottes- dienstes blieb er zurück, um mit dem Missionar zu sprechen. Er begann:Von diesem Jesus habe ich bisher nie gehört, und ich wußte nicht, wer Er ist. Aber sagtet Ihr nicht, daß er mich von allen meinen Sünden erlösen könne?Ja, erwiderte der Missionar,genau das sagte ich.

Aber da kanntet Ihr mich nicht, als Ihr das

sagtet. Ich bin viele Jahre lang ein Lügner, Spieler, Zauberer und Ehebrecher und zwanzig Jahre lang ein Opiumraucher gewesen, und man kennt keinen Menschen, der so lange Opium ge raucht hat und geheilt worden wäre. Wenn Ihr mich nun gekannt hättet, würdet Ihr das nie ge- sagt haben, nicht wahr?

Natürlich konnte der Missionar nur nach drücklich wiederholen, was er vorher gesagt hatte von Jesu Macht und Bereitwilligkeit, die an Ihn Glaubenden von allen Sünden zu retten

Der Opiumraucher stand starr vor Staunen.

Der bloße Gedanke an die Möglichkeit einer solchen 3

Befreiung, einer Erlösung von allen seinen Sünden war zuviel. So ging er fort, aber am nächsten Tage kam er wieder, und Tag für Tag, um mehr von dem wunderbaren Heiland zu hören und dieses Evangelium von der Erlösung zu prüfen, das selbst einen Opiumsklaven zu befreien ver⸗ sprach. Wochen vergingen; da stürzte er eines

Morgens ungestüm in das Zimmer des Missionars,

und ehe seine Zunge noch reden konnte, hatte sein strahlendes Gesicht schon seine neue Entdeckung erzählt:Ich weiß es jetzt! Jesus kann mich von allen Sünden erlösen, denn Er hat es getan!

Ja, so schnell war der Sieg des Glaubens 5

gewesen, daß der schlimmste Feind vernichtet war, die Gewohnheit war gebrochen, sogar das Ver⸗ langen war dahin. Er fühlte die Fesseln nicht

mehr, unter denen er sich so lange Jahre hoffnungs-

los gewunden hatte. Christus hatte ihn frei ge⸗ macht, und solche Befreiung mußte verkündet werden. Der Opiumsklave mußte reden, denn er glaubte; er mußte nach Hokchiang gehen, wo seine Genossen in den Sünde lebten, mußte ihnen von diesem Jesus er-

zählen, der sie von all ihren Sünden erlösen könne.