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dieser Trupp Menschen dort in ihren grauen Gefängniskleidern?“
O,“ sagte er,„das sind ganz besondere Leute aus guten Stellungen, wegen Betrug sind sie hier.“
„Und jene?“ fragte ich und zeigte auf eine lange Reihe von Männern, die zwischen Auf— sehern mit geladenen Gewehren zu ihren Zellen zurückgingen.
„Nun, das ist ungefähr die übelste Sorte, die es gibt, Einbrecher, Diebe und Schlimmeres.
„Und was brachte sie alle her?“
„Natürlich Verbrechen.“
„Ja, Verbrechen“, antwortete ich,„wir können es auch Sünde nennen. Vielleicht fingen die meisten dieser Leute gut an, viele stammen wohl aus anständigen Familien, haben betende Mütter und gute Väter. Ich könnte mir vor⸗— stellen, wie sie tapfer gekämpft, bevor sie der Versuchung erlagen, niemand gibt wohl sofort nach, aber schließlich fielen sie doch, von der Sünde besiegt.“
„Das mag schon wahr sein, mein Herr.“
„Ja,“ fuhr ich fort,„das Gesetz fordert Gerechtigkeit und straft die Bö sewichter, so kamen sie her; denn das Gesetz kennt kein Erbarmen. Dennoch, wenn die Verurteilten dies schreckliche Gefängnis betreten, schreiten sie alle durch das
Tor, über welchem die Botschaft von Einem
leuchtet, der über dem Gesetz steht.“
„Wie meinen Sie das,“ fragte der Wärter.
„Ich meine, daß Gott freilich auch gerecht ist; denn Er sagt:„Der Tod ist der Sünde Sold; aber Er sandte Seinen Sohn, um den
Sündern das herrliche Evangelium der Gnade zu bringen. Jedem Sünder, der Buße tut, vergibt Gott, ist bereit, ihn aus den Fesseln der Sünde zu befreien und ihm durch den Glauben an Jesum Christum ein neues Leben zu schenken. Denken Sie mal darüber nach, während ich nun mit dem Manne spreche, den ich hier besuchen soll. Gott sagt durch Christus: „Schonet die Besiegten!“
Ich ging nun ins Gefängnis-Hospital zu dem, der meinen Besuch gewünscht. Er war ein alter Soldat und erzählte mir seine Lebens— geschichte:„Ich fing so gut wie möglich an, es ist lediglich meine Schuld, daß ich hier bin. Ich diente in einem Linien-Regiment, fing leider
„ T
an zu trinken, lernte auch bald das Spielen. Als ich dann aus dem Dienst trat, bekam ic natürlich ein schlechtes Führungsattest. Einen Posten als Wächter verlor ich bald wieder. Dann brach ich in ein Haus ein, und nun bin ich schon zum drittenmal hier, sobald ich heraus— komme, fange ich immer das alte Leben wieder an. Ich bin betrübt darüber und schäme mich sehr, bitte sagen Sie mir doch, ob für mich noch etwas zu hoffen ist.“
Der Mann war wirklich tief gebeugt, und ich erkannte, daß er bereit war, dem Heiland zu Füßen zu fallen und das Evangelium an⸗ zunehmen.
„Ja,“ sagte ich,„gewiß ist noch Hoffnung da, sie werden bald frei, und dann liegen zwei Wege vor ihnen, entweder Sie kehren zu dem alten Leben zurück und kommen wieder unter die Gewalt des Gesetzes, und Sie wissen, das schont nicht— oder Sie sehen Gott, der vor ihnen steht und Sie sehr lieb hat, Er haßt nur die Sünde. Er hat Seinen Sohn gesandt, um Sie zu retten und von der Sünde, die Sie hergebracht, zu erlösen, Gott ist barmherzig, und wenn Sie Jesus Christus als Ihren Er— löser annehmen, werden Sie vollkommen frei sein, wenn Sie dies Haus verlassen, werden Sie auch die Kraft haben, ein neues Leben anzufangen.“
Als ich den Gefangenen verließ, hatte er den Heiland ergriffen und war ein neuer Mensch geworden.
Ich fand dann meinen ersten Freund wieder und erzählte ihm, was ich im Hospital erlebt, fragte auch, was er davon dächte.
„Mein Herr, ich sehe ein,„so schont Gott die Besiegten“.“
„Sie haben recht,“ entgegnete ich,„Gott hat erbarmendes Mitleid mit jeder durch die Sünde gebundenen Seele, Er hat uns den Heiland gegeben, der die Gefangenen frei macht. Was Er an dem Korporal Johns getan, will
und kann Er an jedem Verbrecher in diesem 1
Gefängnis und an jedem Opfer der Sünde tun.“ „Dann,“ sagte der Wärter,„darf ich hoffen, daß Er es auch an mir tun wird, und als wir uns zum Abschied die Hand reichten, standen wir wieder unter dem Tor, über welchem das altlateinische Motto stand: Parcere Victis.,
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