Ausgabe 
23.3.1913
 
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Von Stunde zu Stunde glomm die Hoffnung, ver glomm, und glomm wieder. Die Lichter brannten eins nach dem andern aus.

Und keiner hatte einen Bissen Speise und keiner einen Trunk. So kam der fünfte Tag. Das letzte Grubenlicht hing über uns. Unser aller Augen blickten nach dem sterbenden Lichte. Da starb, da erlosch es, und Nacht war es, des Todes ewige Nacht.

Sie zerrissen ihre Kleider in wahnsinnigem Schmerze; wildes Gelächter verhöhnte die ohn mächtige Kraft, und Lästerworte sprach die Zunge. Da rief ich in meiner Seelenangst:Kameraden, verzweifelt nicht! Bergbrüder, treue Brüder, betet! Und sie hörten meine Mahnung, und stille war es, und stiller; und endlich war es, als ob himm lischer Friede über ihnen schwebe, und betend sanken sie in ihre Kniee.

Gestärkt und beruhigt standen wir auf.

Zuletzt übermannte alle die Müdigkeit. Ich allein wachte noch; meine Uhr, welche ich im Gang erhalten hatte, ließ ich schlagen unser Toten glöcklein. Neun Uhr morgens war es. Zum heiligen Osterfeste und zum Gebete für uns, die armen Verschütteten, mußte es jetzt oben läuten.

Da übermannte es mich. Zum erstenmale in dieser traurigen Lage weinte ich bitterlich. Und eben fühlte ich, daß der Schlaf auch meine Sinne einwiegen wollte, als ein Ton an mein Ohr schlug, wie wenn in weiter Ferne das Echo eines Schusses zerschellt an den Felswänden. Ich fuhr empor und sann, ob ich den Ton gehört. Denn hatten meine Ohren ihn wirklich gehört, so waren Menschen in der Nähe.

Freunde in der Nähe! rief ich,ach noch einmal diesen Ton! Und alle fuhren auf und glaubten, ich sei dem Wahnsinn verfallen. Ich aber rief wiederholt:Noch einmal diesen Ton! und im Nu begriffen alle meine Worte, und Grabesstille folgte.

Wohl zwei Minuten vergingen, da schlug Ton auf Ton an aller Ohren.Sie kommen, sie kommen! und auf die Kniee stürzten alle zum Gebet.

Ich aber riß sie empor.Auf, auf! Ruft, ruft zweimal, so gut ihr's könnt, daß man uns höre.. Ruf durch die Stille:Hallelujah, Hallelujah!

Dann wieder Grabesstille und horch, als wie am Ende der Welt und doch so nahe, zwei mal wie wir:Hallelujah, Hallelujah!

Bald hörten wir wuchtiges Hämmern, Bohren und Scharren, nun auch ein Freudenjauchzen. Sie sind den St. Annaschacht hinabgefahren und kommen auf der fünften Strecke, durchs taube Gebirge grabend, bis zu uns fünf Tage Arbeit voll unsäglicher Mühe! Und Schluchzen, Weinen,

Und zweimal klang dumpf und hohl der

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Jubel, Gebet und Dankesstammeln erfüllten so den engen Raum, daß keiner eher einen Ton ver nahm, als bis die letzten Schläge fielen, das harte Herz des Gebirges brach, das Grab sich auftat

und das brennende Grubenlicht wie eine Oster

sonne aufging über uns, und eine Stimme, erstickt von Tränen, rief:Glück auf, Glück auf! f Nun fuhren wir zu Tag an Gottes schönes Sonnenlicht. Da erscholl Musik. Sie spielten oben das hehre jubende Auferstehungslied: Christ ist erstanden Von der Marter alle. 8 Ich sehe vor Tränen keine Sprosse mehr, rief der, welcher vor mir fuhr.

Weinet nicht, rief ich hinunter,damit

keiner stürze! Und höher ging's und höher. Da stiegen die ersten, ich unter ihnen, von der letzten Sprosse hinauf und ein Anblick bot sich unserm Auge dar, ein Anblick, daß ich betend zu mir selber sprach:O Gott, nur jetzt, nur jetzt nicht sterben! Die Höhen weithin von Menschen übersät; kein Laut, als wir zu Tage kamen, nur Glockengeläute vom nahen Kirchturm und Schluchzen. Hier hing das Weib an des Gatten Brust; dort umschlangen die Kinder des Vaters Kniee und auch da meine Kinder, mein teures Weib mein Blick umflort sich, und den geretteten Vater und Gatten umfangen und halten die stützenden Arme seiner Liebe.

Wie mag es erst den Seligen sein, wenn sie zu dem Licht emporsteigen! Was mag dies für ein Hallelujah sein, wenn sie einziehen zu den ewigen, himmlischen Osterfeier! 8 Tag des Herrn.

Gibt es eine Auferstehung?

Der Herr ist wahrhaftig auferstanden! so tönte es als Jubelruf am Ostermorgen von Mund zu Mund der Jünger und Jüngerinnen Jesu. Die Bibel, besonders das Neue Testament, ist voll von Auferstehungsglauben und-hoffnung. Dennoch hat es zu allen Zeiten Leute gegeben, die nicht an

eineleibliche Auferstehung glauben. Sie sagen: Es kann keine Auferstehung geben; denn wir können sie nicht mit unserm Verstand begreifen. Wie töricht! Gibt es nicht vieles schon im Reich der Natur, das man nicht erklären kann, und das doch unleugbar besteht? Meistens steckt aber hinter dem: Es kann nicht sein, noch ein anderes Wort: Es darf keine Auferstehung geben.

Der englische Missionar Moffat besuchte im Jahre 1824 den König des Wangketsivolkes in

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