Ausgabe 
23.3.1913
 
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Aufwärts

5 22 35 Hemeinschaftsblatt für Hessen.

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N. 2.

Sonntag, den 23. läarz 1913.

o. Jahrg.

Ich lebe, und ihr sollt auch leben!

Gelobet sei Gott und 2 Vater unseres Herrn Jesu Christi, der uns uach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petri 1, 3.

Der iorgenstrahl der Ostersonne wirft das erste Licht auf das Kreuz. Wer will Kar- freitag verstehen ohne Ostern? Das Kreuz auf Golgatha ohne den weggewälzten Grabstein im Garten josephs wäre ein Frage ohne fnt Wort.

Der Stein vom Grabe Christi ist: Der Grenzstein des Frebels der Welt, Der Schlußstein zum Werke des Sohnes, Der Denkstein der hilfe des Vaters, Der Eckstein der Kirche auf Erden, Der König im Steinreich! E. Frommel.

Ein Ostermorgen unter der Erde.

Es war vor Jahren im Erzgebirge am Mitt- woch nach Pal msonntag, als wir uns früh morgens

vor der Anfahrt in dem Huthause zum Gebete versammelten. Zur letzten Schicht vor dem Oster feste sollten wir anfahren in den St.. schacht. Es waren, unser dreißig, und zweiund vierzig Meter ging's hinunter, ehe wir an unsere Arbeit kamen.

r Es mußte zum Gottesdienst in die Kirche läuten, als wir anfingen, die gefüllten Funde

Joh. 14, 19. an den Schacht zu schieben; eben wollte ich gehen, die Tonne hereinzuklopfen, da hörte ich, im Schachte aufwärts lauschend, ein Knistern in kurzen Pausen, dann einen Laut wie vom Brennen wider rspenstigen grünen Holzes. Im ersten Schrecken ob des Un⸗ gewöhnlichen rief einer, es müsse im Grubenhause droben brennen.

Wie sollten Töne von dorther kommen? fragte ich und klopfte die Tonne an, ein- zwei⸗

dreimal; jeder hielt dem Atem an.

Bald hörten wir das Rollen, die Tonne kam, doch ohne Zeichen irgend eines Vorganges über Tag.Glück auf! Zur Arbeit wieder! rief ich, doch keiner ging.

Dumpf brütend starrten alle ins unterirdische Dunkel. Endlich beschloß die Mehrheit, zu Tage auszufahren, und schon griff der Nächste zur Leiter. Da brach ein Felsstück aus dem Hangenden herein; die Ersten weichen und springen auf die Strecke. Da kracht es über uns, kracht wieder, und gleich einer Lawine bricht der ganze holzverzimmerte Schacht von oben bis unten vor uns nieder; nach donnernd in den weiten Räumen des Gebirges scholl die laute, schreckliche Kunde.

Der Schacht ist zu Bruch gegangen von oben bis unten! riefen die Nächsten,wehe uns Armen, wehe! Und sie rauften sich die Haare und rannten mit der Stirn wider das zackige Gestein.

Ich aber mahnte:Vertrauen wir auf Gott, den Allmächtigen und Allgütigen! Wir werden ge rettet werden! Rettung ist möglich!Sie werden durch den Schacht sich graben! sagte der Eine.Sie lassen dreißig Brüder nicht verschmachten! ruft der andere.Schon sind sie oben bei 1 Arbeit, spricht der Dritte.Bis zum vierten Tage ist es vollbracht! meint jener.Löschet eure Gruben lichter aus! sagte ich,nur eines soll brennen. Und so geschah es.

Seinen Schneckengang hin kroch der zweite Tag, und es vergingen der dritte und vierte.