Meinen sie, anderen könnte kein Heil Sie selbst sind ein Beweis dafür, aller „Mir
gerne! widerfahren? wie auch Paulus sich für den vornehmsten Sünder hielt und doch sprechen durfte: ist Erbarmung widerfahren.“
Aber dennoch streckt die Distel jener Ver⸗ leumdung:„die Bekehrten wollen besser sein als die andern“ frech ihr Haupt empor. Sie schämt sich auch nicht, obwohl ihre Wurzel in Moder und Totengebein ist, wie es uns Petrus aufdeckt: Das befremdet sie, daß ihr nicht mit ihnen lauft in dasselbe wüste, unordentliche Wesen, und lästern (I. Petr. 4, 4).
Dritte Distel:„J leute baut auf Gefühle.“
Die Sache selbst ist schon oft genug wider— legt. Wahrhaft Bekehrte gründen sich nicht auf ihre Gefühle, sondern auf ihren Heiland, aber weil sie einen Heiland haben, der lebendig ist, haben sie auch lebendige Gefühle. Diese können nicht verborgen bleiben, sondern müssen sich Luft machen.
„Margarete, du siehst ja aus, als ob du dich verlobt hättest,“ sagte ein junges Mädchen zu ihrer Freundin.„Ja, ich bin auch glücklich, denn ich bin neu geboren“, lautete ihre Antwort. Was tut nun ein Gelehrter, der selbst nicht bekehrt ist, wenn er eine solche Antwort bekommt? Wenn er demütig ist und aus der Wahrheit, so geht er bei solch einer gottesgelehrten Magd, solchem Kind, Schuster, Schneider, Handsehuhmacher oder der— gleichen in die Lehre, forscht nach, wie jene Freundin es tat, sucht und findet die köstliche Perle. Oft aber ist ein menschlich Gelehrter zu hochmütig dazu, und hat schnell sein:„Unsinn, Schwärmerei“ zu Hand, wenn ihm, ein Zeugnis solch lebendiger Hoffnung entgegentritt.„Woher weißt du denn, daß du neu geboren bist?“ lautet etwa seine abfällig klingende Gegenrede.„Ich hab' es erfahren“, die Antwort.„Seht ihr wohl, da haben wirs ja,“ triumphiert jetzt der Gelehrte. Die Gemeinschaftsleute verlassen sich auf ihre Gefühle“ Tun sie denn
das? Meinte jenes einfältige Gotteskind, welches sprach:„Ich hab' es erfahren,“ wirklich, daß es
seine Heilsgewißheit auf seine Heilserfahrung gründet? Gewiß nicht.„Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und Sein Blut“, dies Wort ist jedem wahrhaft Bekehrten aus der Seele gesprochen. Aber soll er sich denn nicht freuen, wenn seine Erfahrung seinen Glauben bestätigt? Soll er deshalb nicht fröhlich jubeln:„Ha b's erprobt, Sein Wort ist wahr?“ Soll er sich nicht freuen, wenn ser dieselben Gefühle in sich entdeckt, welche er nach der Schrift und so manchem
her Gemeinschafts⸗
sie Menschen, sondern wie sie der Herr
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Glaubenszeugnis in den Herzen der Gläubigen 5
gefunden hat?
„Mein Herze geht in Sprüngen
Und kann nicht traurig sein,
Ist voller Lust und Singen,
Sieht lauter Sonnenschein.“
Ja gewiß, er mag sich freuen und braucht
sich seine gottgewirkten Gefühle nicht verkümmern zu lassen durch die Afterweisheit hochstudierter
Leute, die jedoch nie auf Gottes Schulbank ges
sessen haben.
Vierte Distel:„Ihr Gemeinschafts⸗ leute betet die fünfte Bite nicht mehr.“ Wenn es nur nicht solch unverschämte Lüge wäre! Wir beten allerdings die fünfte Bitte des Vater- unsers und zwar von Herzen, freilich nicht so wie
elehrt hat. Die Gesamtsumme aller Sünden der 8 heit ist einem Kinde Gottes vergeben. Seine Sünden sind in das Meer gesenkt. Gott gedenkt ihrer nicht mehr. Soll er um nochmalige Ver⸗
gebung dessen bitten, was ein für allemal ver⸗
geben ist? Das sei ferne! Er würde sonst Gott lästern. So bittet ein Kind Gottes nicht mehr um Vergebung dieser schon vergebenen Schuld, wohl aber um Vergebung seiner anderen Schulden.
So oft es gesündigt hat, und der Geist Gottes, der in ihm ist, es an eine Schuld erinnert — ein Kind Gottes, welches sich normal ent— wickelt, bekommt ein immer feineres Gemerk dafür— so oft es an eine Schuld erinnert wird, bittet es um Vergebung solcher Einzelschulden, die aber nicht zu einer Gesamtschuld anwachsen dürfen. N
Fünfte Distel:„Ihr Gemeinschafts⸗ leute behauptet, daß ihr ohne Sünde se id.“ Auch diese Distel paßt in unseren Strauß, denn sie ist ebensowenig eine Rose, wie all die andern Beispiele des Unverstandes und der Ver⸗ leumdung, die wir zusammengehunden haben.
Wir wissen freilich, daß auch einem Kind Gottes die Sünde immer ankleben will und gar manchmal kleben geblieben ist. Aber dennoch haben wir einen freien, Sünde und Ungerechtigkeit. einen lebendigen Herrn, gibt(2. Kor. 2, 14). Die Sünde kann auch nicht mehr herrschen über uns, weil wir nicht mehr unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind. Halleluja.(Röm. 6, 14). Wie einfach ist das alles für jemand zu verstehen, der in der lebendigen Erfahrung sucht, unverständlich jedoch für den,
der von außen an die göttlichen Binge herantritt.
Wir haben auch
Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Es ist ihm eine Torheit und er kann es
Gottes. 8 nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet sein
ergangen⸗
offenen Born wider alle
der uns allezeit Sieg
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