Küunst du schwimmen?
Ein Schiffer fuhr einen Gelehrten über den Fluß. Im Boot unterhielt sich der Gelehrte mit dem Schiffer über Mathematik.„Mathematik, was ist denn das“? fragte der Schiffer.„Wenn Sie das nicht wissen, haben Sie ein Drittel ihres Lebens verloren“, antwortete der Gelehrte.„Doch vielleicht verstehen Sie etwas von Chemie“? fragte der Ge— lehrte.„Chemie, hab' nie was davon gehört“, ant— wortete der Schiffer.„Dann ist das zweite Drittel ihres Lebens verloren.“ Mittlerweile kam man mitten in den Strom, ein daherfahrender Dampfer warf solche Wellen, daß der Nachen wie eine Nuß— schale auf- und niederflog.
„Können Sie schwimmen“? ruft der Schiffer dem Gelehrten zu.„Nein“, sagte derselbe.„Wenn nun die Wellen unsern Nachen umwerfen und Sie können nicht schwimmen, dann ist Ihr ganzes Leben verloren“, sagte der Fischer. So gut also die Mathematik, so nützlich die Chemie ist, eins ist not, eins nur ist unentbehrlich: Wenn die Wellen des Todes deinen irdischen Nachen des Leibes zertrümmern, kannst du dich dann auf— schwingen zu deinem Gott? Sind deiner Seele die Schwingen des Glaubens gewachsen, die dich über die schwarzen Wasser des Todes hinübertragen in die ewige Heimat der Seele? Ja, man kann weiser
sein wie Salomo, reicher wie ein König und kann
doch verloren gehn. Darum eins ist not, hast du dies Eine? Hast du den Heiland, ohne den der Gelehrteste, ja der Reichste ein Bettler ist.
Reicht es aus?
„Ich will dir heute ein neues Kleidchen kaufen,“ sagte neulich meine Schwester zu ihrem sechsjährigen Töchterchen.
Etwas ängstlich sah die Kleine zu ihr auf: „Ach bitte, lieber nicht, Mama.“
„Aber warum nicht, wir sprachen erst gestern davon und da freutest du dich noch so sehr darüber.“
„Ja— aber— Mama, es kostet soviel, das wirst du nicht bezahlen können.“
Meine Schwester lächelte:„Kein neues Kleidchen kaufen? O soviel habe ich gewiß?“
Die Kleine wurde ganz rot und verlegen: „Mama, wirklich, du kannst nicht, ich habe in dein Portemonnaie geguckt, und da war nur ganz wenig drin.“— 5
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Machen wir's nicht oft ebenso mit unserm himmlischen Vater? Augstvoll blicken wir auf die paar Pfennige und Markstücke, die wir, sozusagen, gerade sehen können, und wissen ebenso wenig von der überschwenglichen Größe des Reichtums Seiner Kraft für uns, wie meine kleine Nichte etwas davon ahnte, daß es außer dem Portemonnaie noch eine Haushaltungskasse gab!
Wollen wir nicht endlich lernen, Ihm voll und ganz zu vertrauen? Er hat alles für uns, alles, was uns fehlt. Hast du keinen Glauben? Geh zum Vater. Hast du keine Liebe? Geh zum Vater. Hast du keine Freude? Geh zum Vater. Vertraue Ihm nur, und es wird dir nichts mangeln.
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Brosamen.
Auch muß unser Gefühlsleben in den Tod gegeben werden. Es gibt Zeiten, wo Gott sich auch durch unsere Gefühle mächtig erweist. Das ist köstlich. Die Seele ist dann in einem Zustand, wo die Freude hohe Wellen schlägt, wo sie mit einem wahrhaft himmlischen Frieden er— füllt ist. Wir brauchen zu solchen Zeiten solche Gefühlsäußerungen. Wir sollen frohlocken, daß wir angenehm gemacht sind vor Gott, in seinem Geliebten. Wir dürfen jauchzen, daß wir in Christo alle Angriffe Satans überwinden können. Dann aber kommt ein Zeitpunkt, wo Gott uns von allen seelischen Erscheinungen freimacht, wo Er alle Gefühlserregungen kreuzigen will. Wir sollen dieselben nicht länger als einen Beweis von Gottes Wirken oder von Heilsgewißheit an— nehmen, sondern sollen jetzt lernen, uns still in Gott zu versenken, in Herz und Sinn völlig ruhig zu werden. 2
Warnung!
Wir warnen die Leser unseres Blattes dringend bor einem Betrüger, der sich als bon uns ge— sandt ausgibt und Hbzahlungen auf Musik⸗ Instrumente erschwindelt. f
Fr. herrmann.
Versammlungs-Anzeigen siehe in Uummer 6.
Redakteur: Stadtmisstonar Herrmann⸗Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber⸗Cassel, Pfarrer Mockert⸗Frankfurt a. M., und die Prediger der Pilgermission. Verlag der Buchhandlung der pilgermisston. Druck von Otto Meyer, Gießen.


