Gemeinschaftsblatt für Hessen.
8
Dieses Blatt ee wöchentlich und—* 1 Pfg. pro Nr.(Porto extra),— von 20 inzelne Exemplare bestelle man auf der Post(Preis 40 bf
laren an ports g. vierteljährlich) i
*
Sonntag, den 10. kebruar 1913.
0. Jahrg.
Der Jellengrund.
Es baut ein jeder ein religiöses Gebäude; den Wert desselben aber erkennt man an der Fundamentierung.
A.: Hast Du eine religiöse Überzeugung? B.: Inbezug auf mein Verhältnis zu Gott kann ich sagen, daß ich selig werde. A.: Worauf gründest Du denn dieses Dein Denken? B.: Ich habe keine feste Überzeugung davon, daß ich ver— dammlich reif für die Hölle wäre; hoffe ich also nicht in die Hölle zu kommen, so steht mir doch der Himmel offen, nicht wahr? A.: Das ist nicht ge- sagt. Der reiche Mann, welcher alle Tage herr— lich und in Freuden lebte, hat gewiß nicht gemeint und daran gedacht, daß die Hölle mit ihrer Qual seine Zukunft sei;z und doch war es so. B.: Es mag so sein, aber liegt nicht darin, daß ich in manchen Stücken gerechter bin, denn mein Nächster, eine Garantie für meine künftige Seligkeit? A.: Den Pharisäern war das Bessersein denn die andern keine Ursache zur Seligkeit. Das Bessersein war kein Beweis ihrer Zugehörigkeit zum Reich Gottes. Das Gerechtere ihres Wesens vor anderen brachte sie auch nicht hinein. Sie gingen verloren in ihrem Bessersein. B.: Nun ja, wenn ich auf meine Gerechtigkeit nicht viel geben kann, so hoffe ich doch, daß Gott Liebe ist und nicht so furchtbar mit mir ins Gricht gehen wird. A.: Ja, Gott ist Liebe! Aber Er ist dennoch heilig! Hat er die Menschheit in der Sündflut verschont? Nein! Hat Er die Rotte Korah verschont? Nein! Hat er die alten kanaanitischen Völker verschont? Nein! Hat Er Sein eigenes Bundesvolk verschont? Nein! Die Zukunft bringt keinen barmherzigen Gott! Der den heiligen Sohn auf Golgatha strafte, sollte Der zu weich sein, die Fremden ins Gericht zu ziehen? B.: Aber es gibt eine Schächergnade! A.: Aber nicht für jeden! Ohne Buße keine Gnadel Ohne Demütigung keine Annahme bei Gott! Ein Schächer fand Gnade. Einer ging verloren!
Wer mit Bewußtsein sündigt, um zuguterletzt Schächergnade zu finden, der sehe wohl zu, ob er denn auch wohl ein empfängliches Herz für Gnade habe! Dem wird die Schächergnade am unsichersten sein, welcher sich am meisten auf sie getröstet! B.: Aber Gott hat mir schon bei Lebzeiten viel Gutes getan! Stehe ich nicht dennoch schon in Seiner Gnade! A.: Das ist nicht gesagt damit! Gottes Güte soll zur Buße leiten— doch— die Bösen! Gott tut an allen Menschen Gutes, an den Bösen und auch an Guten. Gottes erfahrene Güte ist nicht der Beweis, daß man recht zu Ihm steht. B.: Nun, dann laß ich eben fünf Grad sein. „Tue recht und scheue niemand!“ mag mein Wahl— spruch sein. Gott mag mich dann nehmen wie ich bin und— zufrieden sein. A.: Es gibt einen festen Grund des Heils: Der Grund, drauf ich michtgründe, st Christus und Sein Blut. as machet, was ich finde, Das ew'ge, wahre Gut!
Man darf den Bund eines guten Gewissens mit Gott machen! Alles, was wider das Ge— wissen streitet; alles, was das Gewissen mit Schuld beschweret hat, darf man zu Jesus bringen. Ein reuiges, demütiges, dem Heiland in Gehorsam sich unterordnendes Herz, empfängt Frieden mit Gott. Es vertieft sich in der Seele das selige, aber auch feste Empfinden:„Gott hat mich lieb! In Christo bin ich wieder als Kind aufgenommen. Hallelujah! Gott sei gelobt in Ewigkeit!“ Christus ist der Fels! Das von Ihm erfüllte Herz ist das auf den Fels gelegte Fundament des religiösen Gebäudes. B.: Ich sehe es, ich muß gründlicher fundamentieren.
Ein reuig Herz den Herrn erfreut! Er macht es rein; Er will's noch heut! Ein stilles Herz dem Herrn vertraut! Ein reines Herz den Vater schaut. Meng


