Eine junge Märtyerin.
Die Missionarin Frau H., welche mitten in China arbeitete, erzählte folgende Begebenheit:
Unter denen, die kamen, das Evangelium zu hören, befand sich die Tochter eines der höchsten Beamten des Landes. Nachdem sie Jesum als ihren Heiland angenommen hatte, brachte sie uns eines Tages ihre Götzen, um sie verbrennen zu lassen. Ihre Mutter versäumte nichts, diese zu— rückzubekommen.„Was hast Du damit gemacht?“ fragte sie ihre Tochter.„Ich habe sie verbrannt,
utter,“ war die Antwort,„ich will Jesum allein anbeten und ihm dienen, der mir ein neues Herz gegeben hat.“
Die Eltern wurden darüber furchtbar zornig und meinten, ihr Kind habe den Verstand ver— loren. Sie setzten alles ein, es wieder ins Heiden tum zurückzuführen. Die Tochter aber war un— erschütterlich in ihrer Stellung.„Schwöre dem Gott der fremden Teufel ab, oder wir töten dich,“ drohten die Eltern. Die junge Tochter antwortete: „Es ist mir unmöglich, Jesum zu verleugnen; denn er liebt mich.“ Sie geboten ihr dann, die rechte Hand auszustrecken und hieben diese ab. „Willst Du jetzt die Götzen anbeten?“ schrieen die entmenschten Eltern.„Nehmet auch die andere Hand; mein Heiland hat noch mehr für mich ge— litten; ich kann ihn nicht verlassen; Er ist für mich gestorben,“ erwiderte die junge, blutbefleckte Zeugin. Die linke Hand fiel ebenfalls. Sie fuhr fort, den Heiland Jesum anzurufen bis zu dem Augenblick, wo ihr Haupt fiel.
Es ist uns zivilisierten Leuten schwer, uns einen solchen Fall vorzustellen; aber solche Festig— keit und Treue findet sich unter den bekehrten Heiden nicht selten und dürfte uns Christen tief
beugen. Aus dem Französischen von A. Staub.
Bo wie ich bin.
Eines Tages begegnete der Pastor an einer kleinen englischen Kirche einem jungen Mädchen auf der Straße. Sie gehörte zu seiner Gemeinde, und da er bei ihr stehen blieb und einige Worte mit ihr redete, erfuhr er beiläufig, daß sie sich auf dem Wege zu ihrer Schneiderin befinde, um ein Ballkleid anzuprobieren. Der Pastor sagte darauf dem Mädchen, wie sehr er hoffe und
1 wünsche, daß sie ihrem eitlen Leben entsagen und
ein rechtes christliches Leben beginnen möchte.
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„Wollen Sie nicht lieber auf meinen Wunsch und Rat von dem Balle wegbleiben?“ fragte er freundlich. Aber ihre unwirsche Antwort lautete: „Ich möchte, Sie bekümmerten sich lieber um Ihre eigenen Sachen“, und damit wandte sie sich mit einem kurzen Lebewohl ab und ging ihres Weges.
Bald darauf besuchte sie den Ball, durch— tanzte die ganze Nacht und legte dann, müde und fieberhaft, ihr Haupt in die Kissen. Aber bald schlug ihr das Gewissen. Drei Tage brachte sie in ihrer großen Seelennot zu. Endlich, unfähig diese Pein länger zu ertragen, ging sie zu dem Pastor und sagte ihm, welch bittern Schmerz ihr die Worte, die sie ihm zugerufen, verursacht hätten.
„Drei Tage lang,“ sprach sie,„habe ich mich als das elendste Geschöpf auf der Welt gefühlt, und jetzt habe ich nur einen Wunsch, nämlich den, eine Christin zu werden. Ich möchte Frieden haben— was muß ich tun, daß ich gerettet werde?“— Der Pastor bat sie, daß sie zu dem Sohne Gottes gehen möge, aber gleich und wie sie sei.„Was, so wie ich bin?“ rief sie voll Er— staunen.„Ich bin eine der größten Sünderinen, Sie meinen doch nicht, Gott werde mich gerade so annehmen, wie ich bin?“
„Dies und nichts anders meine ich“, erwiderte der Geistliche.„Gott will, daß Sie kommen wie Sie sind.“
Das junge Mädchen ging nach Hause, kniete in ihrem Kämmerlein nieder und flehte zu Gott, er möge sie annehmen, so wie sie sei. Dann nahm sie einen Bleistift mit Papier und schrieb unter dem Wehen des heiligen Geistes folgendes schöne Lied nieder, welches die englische Kirche zu ihren liebsten Hymnen zählt und das schon unendlich vielen Segen gestiftet hat. Charlotte Elliot ist der Name der Dichterin des Liedes, welches lautet:
So wie ich bin, voll Sünd' und Schuld, Komm' ich zu Dir, Herr voll Geduld, Du gabst dein Blut, rufst mich voll Huld— O Gottes Lamm, ich komm!
So wie ich bin, ganz unverweilt,
Zu Dir die kranke Seele eilt,
Zu Dir, des Blut den Schaden heilt— O Gottes Lamm, ich komm!
So wie ich bin, mit schwerer Last, Nur weil Du liebst, wo ich gehaßt, Und weil mein Glaube Dich umfaßt— O Gottes Lamm, ich komm!
So wie ich bin, Du willst verzeih'n, Du nimmst mich auf, Du machst mich rein. Nun bin ich Dein, auf ewig Dein—
O Gottes Lamm, ich komm! N


