sam an, auf seiner schiefen Bahn abwärts zu gleiten, und hätte er sich noch eine Minute lang weiter bewegt, so wäre der ungeheuerste Jubel losgebrochen und der größte Augenblick meines Lebens eingetreten—— da auf einmal hörte das Gleiten auf, das Schiff hielt stockstill, und weder die Kraft von Dampf und hydraulischen Maschinen, noch die Anstrengung von Hunderten von Menschen und Pferden brachten es mehr vorwärts. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich darüber nicht den Verstand verlor; aber, das weiß ich jetzt ganz genau, daß Gott diesen Stapel— lauf verhinderte, und daß das, was ich für mein größtes Unglück hielt, meine größte Wohltat war.“
Atemlose Stille herrschte an der Tafel; alle
Blicke hingen an den Lippen des großen Meisters. .„Bedenken Sie,“ sprach dieser mit leuchtenden Augen weiter,„welches die Wirkungen der Flut— wellen gewesen sein würden, wenn das Riesenschiff plötzlich in die Wasser der Themse eingetaucht wäre! Auf eine Strecke von mehr als 600 Fuß hätte sich das Wasser auf einmal 10, ja 20 Fuß gehoben, und das flache Ufer auf dem die Hundert— tausende standen, wäre dreimal mannshoch unter Wasser gesetzt worden. Niemand wäre dem Tode entgangen.“
Wiewiel Mühe gibt sich der Herr um meine Seele! Auch bei dir! Soll alles umsonst sein, mein lieber Leser?
Die Moosriche.
Da steht sie am Waldesrand in der Nähe von Marburg auf sonniger Höhe und streckt ihre dürren Aste in die Luft, hinaus! Was ist mit dieser Mooseiche? fragst du mit Recht; denn Moos und Eiche sind so ziemlich die stärksten Gegensätze in unserer Pflanzenwelt. Nun, ich will dirs sagen. Wenn die Mososeiche reden könnte, würde sie uns ihre Lebensgeschichte am besten selbst erzählen.— Es mögen schon etliche Jahrhunderte darüber verflossen sein, als dort Waldarbeiter das junge Pflänzlein in die Erde pflanzten. Langsam wuchs es heran, so daß es nach einer Reihe von Jahren zu einem schönen Eichbaum sich entwickelt hatte. Aber noch war es immer im fröhlichen Wachstum begriffen und durfte deshalb eine Abholzung der Nachbarbäume um die andere überleben. So entwickelte es sich zu einer mächtigen Eiche, der Zierde des deutschen Waldes.
Da setzte sich der Holzwurm bei ihnen fest und
Da bemerkte man in einem Frühjahr, daß die stolze und kräftige Eiche nicht mehr in ge⸗ wohnter Weise ihr grünes Kleid anzog. Manche Aste und Zweige blieben kahl. Einige Jahre noch kämpfte das Leben mit dem Tode, bis endlich der Tod Sieger blieb. Seitdem schmückt kein eigenes Grün mehr den alten, morschen Baum. Selbst die Rinde fiel stellenweise ab, und der mächtige Stamm wurde hohl. So ist die Mooseiche ein Bild des Todes und redet für den Wanderer, der vorübergeht, eine ernste Sprache. Der Denk- malschutz hat sich des Baumes angenommen, sogar die Poesie hat sich mit ihm beschästigt. 5
Wenn im Frühjahr die Natur zu neuem Leben erwacht, dann prangt auch unsere Eiche auf einige Monate in frischem Grün. Aber es ist kein Eichenlaub, das wir da bemerken, sondern eine Schlingpflanze ist an dem Baum empor⸗ gewuchert. 8 a
Warum erzähle ich dir, lieber Leser, diese Geschichte? Im Briefe des Judas haben wir eine Beschreibung von gottlosen Menschen. Da werden dieselben unter anderem auch genannt: „Kahle, unsruchtbare Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt.“ Auf wie viele, viele Menschen paßt diese Beschreibung, von wie vielen ist die Mooseiche ein Abbild! Wie hoffnungsvoll traten sie einst ins Leben hinein. Wie waren sie so glücklich, als sie Jesu näher gekommen waren.
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N unterbrach die Verbindung mit der Kraftquelle, mit ihrem Herrn und Heiland. Es trat ein Er- 4 sterben ein. Die Formen eines christlichen Lebens werden noch gewahrt. Es kann ein solcher Mensch 1 ein eifriger Versammlungsbesucher, ja sogar ein Prediger des Evangeliums sein, und doch ist alles 1 nur noch Form, hohle, leere Form. Man schmückt sich sogar mit Grün, wie die erstorbene Eiche mit 1
Epheu. Allerlei Betätigung in christlichen Liebes— werken soll die innen eingetretene Fäulnis bedecken. Aber dem Auge Gottes entgeht diese
Täuschung nicht. Ein großer Krach wird einst die Haltlosigkeit eines solchen Christentums offen— baren. Sie werden unwiderruflich das Wort vernehmen: Hau ihn ab, was hindert er das Land!— Ist die Mooseiche auch dein
Bild, lieber Leser? Dann eile und errette deine Seele! K. Martin.
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Von einem Regenschirm. g
Vor wenigen Jahren war's, da ging bei
strömendem Gewitterregen, aber unter gutem
Schirm darch eine Straße der schönen Stadt Zürich ein Kaufmann, und zwar einer von denen(sie sollen ziemlich rar sein), welche die


